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Gutenberg > Friedrich II. von Preußen >

Gedächtnisrede auf Stille

Friedrich II. von Preußen: Gedächtnisrede auf Stille - Kapitel 1
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authorFriedrich der Große
booktitleHistorische, militärische und philosophische Schriften, Gedichte und Briefe
titleGedächtnisrede auf Stille
publisherAnaconda Verlag GmbH
editorGustav Berthold Volz
illustratorAdolph von Menzel
year2006
isbn3866470347
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Friedrich der Große

Gedächtnisrede auf Stille

Gelesen in der Akademie am 25. Juni 1753

Das Leibpferd des Generals von Stille wird von einem Offizier über einem Kroaten vorbeigeführt, der an Stilles Sieg über General Nadasdy erinnern soll.

Christoph Ludwig von Stille wurde 1696 in Berlin geboren. Sein Vater, Ulrich von Stille, war Königlich Preußischer Generalleutnant und Kommandant der Festung Magdeburg, seine Mutter Ulrike eine geborene von Cosel. Er erhielt seine Schulbildung in Helmstädt und vollendete seine Studien an der Universität Halle.

Die Liebe zu den Wissenschaften erstickte den Durst nach Ruhm in ihm nicht. Als 1716 der Krieg mit Schweden ausbrach, wollte er seinem Vaterland dienen. Er machte die Belagerung von Stralsund mit und trat von der Infanterie zur Kavallerie über, zu der seine Lebhaftigkeit ihn zu bestimmen schien. Ihm genügte es nicht, eine Stellung zu haben, er wollte sie auch würdig ausfüllen.

Der lange Friede von 1717 bis 1733 gab dem Militär keine Gelegenheit, Erfahrung in der Kriegskunst zu sammeln. Alles war auf die bloße Theorie beschränkt, die sich zur Praxis nur wie der Schatten zu dem wirklichen Gegenstand verhält. Beim Tode König Augusts II. von Polen ließ sich Stille die Gelegenheit, die sich bot, nicht entgehen. Er nahm an der berühmten Belagerung von Danzig unter Feldmarschall Münnich (1734) teil und hatte die Genugtuung, den letzten Feldzug, den Prinz Eugen am Rhein führte, mitzumachen.

Nach dem Tode Friedrich Wilhelms ernannte ihn der jetzige König zum Erzieher seines Bruders Heinrich. Stille war dieses Amtes um so würdiger, als er mit den Gaben des Geistes, und den militärischen Talenten Herzenseigenschaften verband. Bei der Erneuerung der Akademie (1744) wurde er zum Kurator gewählt. Es ist traurig, aber wahr, daß man unter den Leuten von Stand selten so aufgeklärte Geister findet wie Stille, Männer, die so gerechte Ansprüche auf die Akademie haben, wie er. Die verschiedenen Wissenschaften, die unsere Akademie umfaßt, waren ihm nicht fremd. Ja, er hätte uns wohl mit literarischen Arbeiten bereichern können, hätten seine verschiedenen Berufspflichten ihm nicht die Zeit dazu geraubt. Seine Neigung galt der schönen Literatur. Den strengen Wissenschaften zog er die Anmut der Beredsamkeit vor, nicht jenen Wortschwall, der nur wohlgefällig dahinplätschert, wohl aber die Kraft der Gedanken, die durch majestätischen Ausdruck den Hörer in ihren Bann zwingt, ihn überredet und zum Beifall fortreißt.

Er betrachtete die Alten als unsere Lehrmeister und gab ihnen vor den Neueren besonders darum den Vorzug, weil sie ihre Kunst gründlicher studiert haben. Wir hörten ihn oft äußern, früher hätte ein Mann Großes erreicht, da er seine Gaben nur der Kunst widmete, die er ausübte. Der Geschmack unserer Zeit aber für die Universalität der Wissenschaften könne nur Dilettanten auf allen Gebieten erzeugen. Ja, er hielt diese Tendenz für die Ursache des Verfalls der Literatur. Er war nicht der Meinung, daß Virgil den Euklid hätte kommentieren und daß Plato Schwänke hätte schreiben müssen; denn ein Menschenleben reiche nicht zur gründlichen Erlernung auch nur einer einzigen Kunst hin.

Bald rief der Krieg Stille aus dem Heim der Musen ab. Er folgte dem König 1742 nach Mähren, erhielt 1743 das Kavallerieregiment Prinz Eugen von Anhalt und wurde zum Generalmajor befördert.

Der Zweite Schlesische Krieg gab ihm Gelegenheit zur Entfaltung seiner militärischen Talente. Mit seiner Brigade schlug er Nadasdy bei einem Vorhutgefecht in der Gegend von Landeshut und verfolgte ihn bis nach Böhmen. Kurz darauf wurde er in der Schlacht von Hohenfriedberg verwundet. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß er sich dabei Ruhm erwarb. Die Großtaten der preußischen Kavallerie an jenem Tage sind zu bekannt, um hier daran zu erinnern.

Nach dem Winterfeldzug in Sachsen kehrte Stille mit dem König nach Berlin zurück, wo er Maupertuis seit kurzem als Präsidenten der Akademie fand. Er nahm teil an der Freude der ganzen Körperschaft, einen so berühmten Gelehrten an ihrer Spitze zu sehen.

Künste und Wissenschaften gehen Hand in Hand. Die Methode, die einen Mathematiker in die Tiefen der Natur oder einen Philosophen durch die Finsternisse der Metaphysik fuhrt, ist in allen Künsten die gleiche. Stille, der gelehrte Neigungen besaß, hatte sich diese Methode zu eigen gemacht und wollte sie auf einen Beruf anwenden, in dem er Hervorragendes leistete und während des Krieges sich mit Ruhm bedeckt hatte. Er verfaßte ein Werk über Ursprung und Fortschritte der Reiterei. Was wir davon gesehen haben, ist voll eigenartiger Untersuchungen und gelehrter Einzelheiten. Er hatte es bis zum Jahre 1750 fortgeführt, aber der Tod verhinderte ihn an der Vollendung seiner Forschungen, die das Lehrreichste gewesen wären, was er uns bieten konnte. Das Manuskript ist in den Händen seiner Familie; es wäre ein Verlust für die Welt, würde sie dieser Hinterlassenschaft beraubt.

Seit 1760 [1750?] litt Stille an Asthma. Das Leiden verschlimmerte sich zusehends und führte am 19. Oktober 1752 seinen Tod herbei. Er war verheiratet mit Charlotte von Huß, einer Tochter des Regierungspräsidenten von Magdeburg, und hinterließ zwei Söhne, die Offiziere sind, und vier Töchter, davon zwei in zartem Alter.

Er hatte ein dienstfertiges, lauteres und uneigennütziges Herz. Seine Weisheit war fröhlich und sein Frohsinn weise. Seine Geistesgaben erhöhten nur den Wert seiner Herzenseigenschaften. Er war für die Künste wie für den Krieg, für den Hof wie für die Zurückgezogenheit geschaffen und gehörte zu jener kleinen Anzahl von Menschen, die nie sterben sollten. Da aber auch die Tugend dem Tode nicht widerstehen kann, so wußte er sich selbst zu überleben, indem er einen Namen hinterließ, der in der Wissenschaft Ansehen hat und von allen Ehrenmännern geschätzt wird.








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