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Gebändigt!

Max Brand: Gebändigt! - Kapitel 9
Quellenangabe
authorMax Brand
titleGebändigt!
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf
yearo.J.
translatorAnton Mayer
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180228
projectid4be2d575
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Achtes Kapitel

Es kam Alcatraz so vor, als habe die Herde einigen Grund für ihre Flucht, nachdem sie ihn im Kampf gesehen hatte. Trotzdem liefen sie nur mit halbem Herzen, so daß er sie leicht hätte umkreisen können. Außerdem bemerkte er einen Wechsel in ihrer Ordnung: die graue Stute war Zweite wie vorher, aber vor ihr lief auf dem Platz, den der Schwarze innegehabt hatte, der braune Hengst, der windabwärts von der Herde gestanden hatte, als Alcatraz sie zuerst erblickte. Vielleicht würde dieser den Fremden herausfordern, wie es der frühere Leiter getan hatte. Wenn er es wünschte, sollte er gewiß die Gelegenheit haben, denn Alcatraz' Kampfesmut war erregt, und er war entschlossen, mit jedem Pferd in der Herde zu kämpfen, bis er von ihnen als Gleichgestellter aufgenommen werden würde. Außerdem trieb ihn ein sonderbares Verlangen, neben der grauen Stute zu galoppieren. Ihre Begegnung war zwar nur ganz flüchtig gewesen, trotzdem aber war – wie sollte man sagen? – ein gewisses Etwas an ihr.

Sobald Alcatraz seinen Entschluß gefaßt hatte, galoppierte er an der Herde vorbei mit erhobenem Haupt und langem Sprung zu dem neuen Leithengst hin. Aber dieser hatte seinen früheren Herrn fallen sehen und augenscheinlich keine Lust zum Kämpfen. Er verkürzte seine Pace zum Handgalopp, dann zum Trabe, senkte endlich den Kopf und ging wie unabsichtlich zur Seite, während er ein alles überwiegendes Interesse für die ersten Büschel Gras zeigte, die am Wege wuchsen. Es war unter der Würde des Fuchses, einem solchen Feinde den Kampf aufzuzwingen, aber die ganze Herde war zum Stehen gekommen, und jedes Pferd beobachtete ihn mit glänzenden Augen. Vielleicht waren andere unter ihnen, die mehr Ehrgeiz besaßen als der Braune. Er warf den Kopf auf wie ein König der Pferde, der er auch war, und tat stolz ein paar Schritte vorwärts. Die Herde teilte sich und bildete eine Gasse für seinen Weg; selbst die Stute, die nach ihm geschlagen hatte, als er zum erstenmal in die Herde gekommen war, schüttelte den Kopf und trat beiseite. Er durchschritt die ganze Herde ohne Widerstand. Als er sich umwandte, sah er, daß immer noch alle Köpfe ihm mit freundlicher Aufmerksamkeit zugewandt waren, die sicherlich nicht der Furcht entsprang.

Das war merkwürdig, und während Alcatraz darüber nachdachte, ließ er den Kopf sinken, um an dem nächsten Grasbüschel zu knabbern. Daraufhin fuhren wie auf ein Signal alle Köpfe der Herde nach unten; die Pferde liefen sorglos hier und dort hin. Alcatraz betrachtete sie voll Verwunderung: genau dasselbe hatte er bemerkt, als der schwarze Leithengst noch unter ihnen war. Dann verstand er, und warme Zufriedenheit füllte sein Herz. Die Herde hatte ihn nicht nur als Mitglied, sondern sogar als Führer aufgenommen! Zur Probe trabte er auf den nächsten Hügel und wieherte, wie er den Rappen hatte wiehern hören. Sogleich sammelten sich die Pferde und sahen ängstlich zu ihm auf. Er senkte den Kopf, um zu fressen, worauf sie sich ebenfalls an die Mahlzeit machten und sich zerstreuten. So war es also Tatsache, kein Schatten eines Zweifels war möglich, daß er von diesem Augenblick an über gehorsame Untertanen herrschte, bis vielleicht eines Tages ein jüngerer, kräftigerer Hengst ihn herausforderte und besiegte. Glücklicherweise lagen solche Zukunftsgedanken Alcatraz ferne, so daß er jetzt nur das Glück kennenlernte, das Macht verleiht.

Er bemerkte ein Hengstfohlen mit langem Körper und unglaublich zierlichen Füßen, das mit gespitzten Ohren nervös und leise schnaubend in seiner Nähe herumlief. Alcatraz streckte den edlen Kopf vor und roch an seiner samtenen Schnauze. Das jüngere Pferd schnaufte und sprang kopfschüttelnd und ausschlagend davon, als ob es einen Löwen gereizt habe und über den Erfolg seiner Frechheit entzückt sei. Seine Mutter war während dieses Abenteuers ängstlich näher gekommen, sah aber jetzt Alcatraz mit freundlichem Blick an und wandte sich dann wieder der ernsthaften Beschäftigung zu, für zwei zu fressen.

Nun kam auch die graue Stute näher, ebenfalls wie zufällig, indem sie an den Grasbüscheln knabberte. Aber Alcatraz war schlau genug, zu merken, daß dies keineswegs unabsichtlich geschah. Er war ganz zufrieden. Sein ruhiges Glücksgefühl wuchs, als die Wolkenschatten über ihm sich verzogen und die Sonne ihn wärmte. Die Welt war wirklich schön, sehr, sehr schön. Sein Volk wanderte im Tale umher und blickte auf ihn, der es vor Gefahren warnte. Sie betrachteten ihn als ihren Führer in der Gefahr, und er nahm die Bürde des Amtes fröhlich auf sich.

Gemeinsame Furcht, so schien es, vereinte ihn mit der ganzen Herde. Sein ganzes Leben lang hatte er nur vor einem Angst gehabt – vor dem Menschen. Doch die Geschöpfe der Wildnis fürchteten vieles: den Wolf, den Gebirgslöwen, die Trockenheit und den hochfliegenden Bussard, der auf sie niederstößt, wenn sie mit dem Tode kämpfen, und über all dies hinaus noch den Menschen. Alcatraz wußte das alles nicht genau; er konnte nur dumpf fühlen, daß dieses sein Volk stark nur durch die Geschwindigkeit war, die es entwickelte, wenn es Furcht empfand. So wurde er sich seiner Kraft, zu herrschen und sie zu beschützen, bewußt. Denn er hatte mit Menschen gekämpft und gesiegt, so blieb ihm von den Tieren nichts zu fürchten übrig. Der große Augenblick seines Lebens war nicht der gewesen, in dem er den Mexikaner zerstampfte oder den Puma durch die Luft schleuderte oder den schwarzen Hengst besiegte, sondern dieser hatte in der ersten zarten Freundlichkeit gelegen, die jemals seinen stolzen Sinn erweicht hatte. Er war gewohnt, zu kämpfen, aber dieses sein Volk nahm ihn auf. Er war an Betrug und Verrat gewöhnt, aber diese Herde setzte blindes Vertrauen in ihn. Er war gewohnt, zu hassen, aber weil sie sich in seine Gewalt begeben hatte, begann er sie zu lieben. Er fühlte die Bande des Blutes zwischen sich und dem schwächsten Hengstfohlen, das er erblickte.

Die Herde zog langsam mit dem Winde dahin, bis es Spätnachmittag wurde, während sie ihren Weg eher fraß als lief. Als die Hitze zu weichen begann und das Licht der sich neigenden Sonne gelb wurde, begann sie Zeichen von Unruhe zu zeigen und drängte sich dicht zusammen. Die Stuten und besonders die Mütter, wie es Alcatraz schien, waren über irgend etwas erregt und erstaunt, und da sich aller Köpfe wiederholt zu ihm hinwandten, wurde er selbst unsicher. Sie erwarteten irgend etwas von ihm. Aber was?

Er meinte zunächst, daß sie eine ihm unbekannte Gefahr gewittert hätten. So zog er im scharfen Galopp einen weiten Kreis um sie, aber nichts traf seine Nase, sein Auge oder sein Ohr außer der Staub mit seinem scharfen Duft von Alkali, die kahlen Hügel und die undeutlichen, aus der Weite tönenden Geräusche. Alcatraz lief in verhaltenem Trabe, der zugleich seine Unsicherheit und seine Aufmerksamkeit ausdrückte, zu den Genossen zurück, die sich enger als je zusammenscharten. Die Mutterstuten waren in dumpfe Nervosität verfallen und schlugen wild nach allem aus, was sich ihnen näherte. Ganz entschieden stimmte etwas nicht. Die graue Stute, die einen klugen Kopf hatte, lief ihm entgegen und umkreiste ihn ein paarmal, als er langsam vorwärtsschritt. Offenbar erwartete sie irgend etwas von ihm, aber Alcatraz wußte nicht, was das sein könnte. Außerdem quälte ihn ein stetig wachsender Durst, und die Aufdringlichkeit der grauen Stute erweckte in ihm den Wunsch, ihr seine Zähne in den Hals zu schlagen und sie zu schütteln, damit sie sich wieder besser benähme.

Endlich hatte ihr sonderbares Gebaren ihn um die Herde herum an deren Spitze gebracht. Die Stute hatte kaum ihre neue Position eingenommen, als sie ihren Kopf mit einem schrillen Wiehern emporwarf und sich in Galopp setzte. Die ganze Herde folgte ihr sogleich, und Alcatraz setzte sich mit einem Sprung ihr eine Halslänge voraus. Während des Laufens wieherte er ihr eine leise Frage zu, auf die sie mit einem Kopfschütteln antwortete, als hätte sie keine Geduld mehr für so viel Unwissenheit. In Wahrheit leitete sie die Herde. Sie wußte Bescheid, und Alcatraz spürte das, tat aber so, als ob er die Führung behielt, indem er sie scharf beobachtete und ihr in demselben Moment nachgab, in dem sie Miene machte, eine neue Richtung einzuschlagen. Natürlich deutete er einige Male ihre Absichten falsch und stieß an ihren Kopf, wobei sie dann immer leise nach ihm schnappte. Aber Alcatraz wunderte sich zu sehr über das Verhalten der Herde, um dies als Unverschämtheit aufzufassen. Etwa eine halbe Stunde lang behielten sie ihre Geschwindigkeit bei, und dann lief Alcatraz hinein in den See, der ihr Verhalten erklärte.

Es war ein wunderschöner kleiner See in hartem Kiesgrund, von einem Bach auf der Nordseite gespeist, zu dem sie gestrebt waren. Alcatraz schnaubte ärgerlich, als er sich seiner Torheit bewußt wurde. Was die anderen gequält hatte, hatte auch ihn gequält, nämlich der Durst. Nun aber bezwang er sein eigenes Verlangen, zu trinken, und folgte einem Instinkt, der ihn hieß, sich zurückzuhalten und zu warten, bis alle, der älteste Hengst und das jüngste Fohlen, ins Wasser gewatet waren und ihre Nasen tief in die Flut versenkt hatten. Er begab sich zu einer Ecke des Sees, die ein wenig entfernt lag, und trank, während sein Spiegelbild unter ihm glänzte.

Es war eine Zeit des tiefen Friedens, die der Fuchs genoß. Während er trank, beobachtete er die Linie der durch die kleinen Wellen des Sees gebrochenen Spiegelbilder und lauschte auf die Fohlen, die das Wasser nur kosteten und nun mit ihren Oberlippen darin herumplantschten. Er selbst trank nicht zuviel, da allzuviel Wasser einem wie Blei im Leibe lastet, und Alcatraz fühlte, daß er als Leiter immer bereit sein müsse, zu laufen. Ein Fohlen, das vor den Hufen eines Jährlings ausriß, stieß gegen ihn. Alcatraz wich dem kleinen Burschen aus und trieb den Jährling zurück, indem er seine Zähne entblößte und seinen Kopf schüttelte. Das Fohlen sah seinen Beschützer mit schiefem Kopf und koboldhafter Neugier an. Es war gerade dabei, an der flatternden Mähne des Hengstes herumzuknabbern, als Alcatraz ein scharfes Summen wie von einer Wespe hörte. Dann folgte der Ton eines Schlages, und das Fohlen machte mit emporgeworfenem Kopf einen Luftsprung. Bevor es das Wasser wieder erreichte, klang ein Schuß, wie wenn ein Hammer auf den Amboß fällt, über den Teich hin. Das Fohlen wälzte sich schwer auf die Seite und blieb tot liegen.

Die Kugel war auf den hochgewachsenen Führer gezielt gewesen, und nur der Umstand, daß das Fohlen den Kopf gehoben hatte, rettete Alcatraz. Der Hengst erkannte den Gewehrknall sofort, er machte am Rande des Wassers kehrt, indem er seiner Herde mit einem kurzen furchtsamen Wiehern ein Zeichen gab; der Erzfeind war über sie gekommen! Eine Salve schlug ein. Alcatraz sah vom Ufer aus einen alten Hengst mit einem Schmerzensschrei zusammensinken. Und kein Schrei ist so furchtbar wie der Schmerzensschrei eines Pferdes, nichts klingt für die Pferde selbst entsetzlicher. So geriet der Leithengst in eine panische Furcht. Andere Tiere der Herde fielen oder taumelten in dem See herum; die übrigen galoppierten den Hang hinauf und über den schützenden Kamm des Hügels.

Jeder Nerv trieb Alcatraz, pfeilschnell davonzustürmen und sogar die graue Stute hinter sich zu lassen – sie schoß bereits vor der Herde einher –, aber hinter ihm rannten schwächere und langsamere Pferde, die älteren Hengste und die Stuten mit ihren Fohlen. Sein Instinkt erwies sich größer als seine Angst. Er schlug einen Bogen, um hinter der Herde, die schon bedeutend zusammengeschmolzen war, die Nachzügler vorwärtszutreiben. Diese liefen bereits so schnell sie konnten, als fünf Reiter auf dem Grat des Hügels erschienen, die ihre Flinten schußbereit trugen. Die Cowboys der Jordan-Ranch bildeten eine harte und gegen alles abgebrühte Gesellschaft, aber auch den härtesten von ihnen widerstand diese Art der Jagd. Freilich wußten sie, daß eine Herde von wilden Mustangs eine ständige Bedrohung bedeutet. Der schwarze Leithengst hatte schon häufig seine Herde aus den Beständen der Jordans ergänzt. Der Rappe war es auch, nach dem sie vor allen anderen Ausschau hielten. Sie konnten ihn nicht erblicken, aber ein wunderbares Pferd hatte seinen Platz eingenommen, ein herrlicher Rotfuchs mit einem Galopp, der einem Reiter den Kopf verdrehen konnte. Lew Hervey, der seine Leute geschickt in einen Hinterhalt am See geführt hatte, hatte auf den neuen Leithengst gezielt, aber an dessen Stelle das Fohlen getroffen, und es war wiederum Lew Hervey, der den Kamm des Hügels passierte und die nächste Gelegenheit erwischte, auf Alcatraz zu schießen.

Der Aufseher der Jordan-Ranch riß seine Flinte an die Schulter, als der Leithengst ihm, während er von neuem einen Bogen hinter der Herde schlug, seine Breitseite zum Ziel darbot. Kein schwerer Schuß. Da Lew Hervey sicher war, nicht zu fehlen, folgte er mit der Büchse einem oder zwei Galoppsprüngen des Hengstes, ehe er schoß. Die Nachmittagssonne glänzte auf den Flanken und in den erschrockenen Augen des Fuchses. Mähne und Schweif flogen im Luftzug, den seine Geschwindigkeit erzeugte. – Dann feuerte Hervey und setzte sein Gewehr auf das Knie, um den krachenden Fall des Pferdes abzuwarten. Aber Alcatraz stürzte nicht, der Augenblick, den der Aufseher gezögert hatte, rettete ihn, denn durch das Visier seiner Flinte hatte Hervey so viel Anmut und Schönheit gesehen, die sich in diesem Pferd verkörperten, daß seine Nerven nicht ruhig geblieben waren. Alcatraz hörte eine Kugel hinter seinem Kopf vorbeipfeifen, und der Aufseher glaubte an ein Wunder. Er konnte sich nicht erklären, warum er gefehlt hatte.

»Laßt mir den Fuchs!« rief er seinen Leuten zu, als diese ihre Ponys über den Hügel trieben. Dann brachte er sein Pferd zum Stehen, riß wiederum die Flinte hart gegen die Schulter und feuerte wieder. Die einzige Wirkung bestand darin, daß der Fuchs seinen Schweif drehte, als er einen Hügel heruntergaloppierte und verschwand. Hervey machte keine Anstalten, ihm zu folgen, sondern saß vollkommen fassungslos im Sattel und stierte Alcatraz nach, während Gedanken an Geister und Gespenster in ihm aufstiegen.

In diesem Augenblick wurde die Legende geboren, daß Alcatraz' Leben gefeit sei. Denn die Berge waren voll von indianischen Sagen, die in weiter Ferne entstanden und endlich auf allerlei Umwegen zu den Goldsuchern und Cowboys gekommen waren. In solche Umgebung paßten phantastische Geschichten, und die Sage von Alcatraz sollte eine der wildesten werden.

Jedenfalls verdankte der Hengst an diesem Tage dem Aberglauben Lew Herveys sein Leben. Der Inspektor blieb wie festgenagelt auf seinem Pferde sitzen, bis das Ziel verschwunden war. Ein dutzend Male hätten seine Leute den Fuchs umlegen können, der mit wütendem Mute darauf beharrte, hinter seinen Gefährten her zu laufen und sie zu größeren Anstrengungen anzuspornen. Aber da Hervey den Hengst für sich in Anspruch genommen, wagten seine Leute nicht zu schießen.

Der König der Pferde bot einen seltsamen und großartigen Anblick, wie er hinter den scheuen Mustangs her lief, seinen Kopf beim Knallen der Gewehre schüttelte und dann einen Kreis nach vorn schlug, als wollte er den Langsamen zeigen, was Laufen heißt. Die Cowboys hätten auf ihn schießen können, wenn er wieder zurückkam; sie hätten ihn mit Blei spicken können, wenn er ihnen die Breitseite darbot, aber die Befehle des Inspektors hielten sie davon zurück. Lew Herveys geringster Befehl hatte Gewicht bei ihnen.

Aber vor und hinter dem Leithengst vollendeten die Gewehre ihr mörderisches Werk. Mutterstuten, junge und alte Hengste, sogar die Fohlen wurden erschossen. Den abgebrühtesten Cowboys war diese Arbeit entsetzlich, aber sie wußten, daß diese Pferde nutzlos waren. Sie hatten zu oft versucht, Mustangs zu fangen und zu reiten, aber wenn diese nicht hoffnungslose Verbrecher waren, verloren sie alle Lebendigkeit und waren nicht zu gebrauchen, da ihre Stärke in ihrer Freiheit lag. Hatten sie diese verloren, so waren sie auch als Sklaven der Menschen ohne Nutzen.

Als die Schlächterei zu Ende ging, lebte von Alcatraz' Herde nur noch die graue Stute, die weit voraus war. Sie befand sich bereits außer Schußweite. Als das letzte der fliehenden Pferde schwer vornüber stürzte und mit seltsam zuckenden Gliedern liegenblieb, hielt der alte Bud Seymour sein Pony an und schob die Flinte in ihren langen Halfter zurück.

»Seht nur«, rief er, als seine Gefährten neben ihm hielten, »die Graue läuft wie der Blitz – aber seht nur! Seht!«

Der Rotfuchs sprang seiner letzten Gefährtin mit großen Sätzen in beschwingtem Galopp nach. Es schien, der Wind trüge ihn auf seinen Flügeln von Sprung zu Sprung, und die Cowboys beobachteten ihn mit hungrigen, brennenden Augen, ohne ein Wort zu sprechen, bis die Graue und der Fuchs zu undeutlichen Gestalten wurden und endlich ganz und gar verschwanden. Im selben Augenblick löste sich der Zauber in einen Strom von Flüchen aus, die aus dem Hintergrunde tönten. Es war Lew Hervey, der herankam und seine schönste Auswahl zum besten gab.

»Ich weiß nicht«, sagte Bud Seymour leise, »ich bin ganz froh, daß Lew vorbeigeschossen hat.«

Er sah seine Gefährten scharf an, da er fürchtete, daß sie über seine kindliche Schwäche lachen könnten, aber sie taten nichts dergleichen, und er erkannte aus dem sehnsüchtigen Blick ihrer Augen, daß sich jeder von ihnen einbildete, auf dem Rücken des Fuchses in die Ferne zu reiten.

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