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Alfred de Musset: Gamiani - Kapitel 2
Quellenangabe
typenarrative
authorAlfred de Musset
titleGamiani
translatorHeinrich Conrad
isbn3-7466-1413-9
senderhille@abc.de
created20040617
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Die zweite Nacht

Fanny war noch jung und unschuldigen Herzens. Ich glaubte daher, sie würde an Gamiani nur mit Entsetzen und Abscheu zurückdenken. Ich überhäufte sie mit Liebe und Zärtlichkeit und erwies ihr verschwenderisch die süßesten und berauschendsten Liebkosungen. Zuweilen tötete ich sie fast in wollüstigen Entzückungen, in der Hoffnung, sie würde fortan von keiner anderen Leidenschaft mehr wissen wollen als von jener natürlichen, die die beiden Geschlechter in den Wonnen der Sinne und der Seele vereint. Aber ach! ich täuschte mich. Fannys Phantasie war geweckt worden – und zur Höhe dieser Phantasie vermochten alle unsere Liebesfreuden sich nicht zu erheben. Nichts kam in Fannys Augen den Verzückungen ihrer Freundin gleich. Unsere glorreichsten Liebestaten schienen ihr kalte Liebkosungen im Vergleich mit den wilden Rasereien, die sie in jener verhängnisvollen Nacht kennengelernt hatte. Sie hatte mir geschworen, Gamiani niemals wiedersehen zu wollen; aber ihr Eid vermochte nicht den Wunsch zu ersticken, den sie im Geheimen hegte. Vergebens kämpfte sie dagegen an; der innere Kampf regte sie nur immer mehr auf. Bald sah ich ein, daß sie ihrer Leidenschaft nicht würde widerstehen können. Ich hatte ihr Vertrauen verloren und war gezwungen, mich zu verstecken, um sie zu beobachten.

Durch eine geschickt angebrachte Öffnung konnte ich sie jeden Abend sehen, wenn sie zu Bett ging. Die Unglückliche! Oft sah ich sie weinend sich auf den Diwan werfen, sich verzweifelt hin und her wälzen, plötzlich ihre Kleider sich vom Leibe reißen, ihr Hemd zerfetzen und sich mit weit aufgerissenen Wahnsinnsaugen vor einen Spiegel stellen. Sie streichelte ihre Haut, sie schlug ihren Leib, sie suchte mit sinnloser, brutaler Heftigkeit wollüstige Gefühle zu erregen. Zu heilen war sie nicht mehr; aber ich wollte sehen, wie weit das Delirium ihrer Sinne gehen würde.

Eines Abends war ich wieder auf meinem Posten; Fanny war im Begriff, zu Bett zu gehen, da hörte ich sie plötzlich rufen.

Fanny: Wer ist da? Sind Sie's, Angelique?... Gamiani! O Frau Gräfin, niemals hätte ich...

Gamiani: Ei ja, du fliehst vor mir, du stößt mich zurück. So mußte ich zu einer List meine Zuflucht nehmen. Ich habe durch falsche Vorspiegelungen alle deine Leute entfernt – und hier bin ich.

Fanny: Ich kann Sie nicht begreifen, noch weniger vermag ich Ihre hartnäckige Verfolgung mit dem richtigen Namen zu bezeichnen. Es ist wahr – ich habe geheimgehalten, was ich von Ihnen wußte; aber meine formelle Weigerung, Sie bei mir zu empfangen, mußte Ihnen doch deutlich genug sagen, daß Ihre Gegenwart mir lästig, ja widerwärtig ist. Ich verabscheue Sie. Um Gottes willen, lassen Sie mich in Ruhe. Gehen Sie, damit es nicht zu einem Skandal kommt!

Gamiani: Meine Maßregeln sind getroffen, mein Entschluß steht fest. Du wirst ihn nicht umstoßen, Fanny. Ah! meine Geduld war erschöpft!

Fanny: Nun? Was wollen Sie denn? Mich noch einmal vergewaltigen, notzüchtigen, besudeln? O nein, Frau Gräfin!... Entfernen Sie sich, oder ich rufe meine Leute.

Gamiani: Kind, wir sind allein! Die Türen sind verschlossen; die Schlüssel hab' ich zum Fenster hinausgeworfen. Du bist mein!... Aber beruhige dich, sei ohne Furcht!

Fanny: Bei Gott im Himmel! Rühren Sie mich nicht an!

Gamiani: Fanny – jeder Widerstand ist vergeblich. Du mußt auf alle Fälle unterliegen – ich bin stärker als du, und mich beseelt die heißeste Leidenschaft. Auch ein Mann würde mich nicht besiegen. Also... o mein Gott! sie erbleicht... sie zittert... Mein Gott! Fanny, meine Fanny! Ihr wird übel! O was hab' ich getan! Komm zu dir – komm doch zu dir! Sei nicht böse, wenn ich dich so an mich presse – ich tu's aus Liebe. O wie lieb ich dich, du mein Leben, du meine Seele! Kannst du mich denn gar nicht verstehen? Sag', ich bin doch nicht böse! Meine Kleine! Mein Herzblatt! Nein, ich bin gut. O! so sehr gut – denn ich liebe dich ja. Sieh mir in die Augen! Fühle, wie mein Herz schlägt. Für dich schlägt's, für dich allein! Ich will ja nichts weiter, als daß du in meinen Armen Seligkeit, wonnigen Rausch findest. Komm doch zu dir! Laß meine Küsse dich erwecken. O, ich vergöttere dich, abgöttisch bis zum Wahnsinn bete ich dich an, süßes Kind...

Fanny: Sie töten mich! Mein Gott, lassen Sie mich doch endlich los! Sie sind abscheulich!

Gamiani: Abscheulich? Abscheulich? Wie kann ich dir solchen Abscheu einflößen! Bin ich denn nicht noch jung? Bin ich nicht auch schön? Überall sagt man's mir. Und mein Herz? Gibt's ein Herz, das so zu lieben weiß? Ist denn dies Feuer, das mich verbrennt, das mich verzehrt, dieses glühende Feuer Italiens, das meine Sinne vervielfältigt und mich triumphieren läßt, wo alle anderen unterliegen – ist dieses Feuer wirklich so etwas Abscheuliches? Sprich! Was ist ein Mann, ein Geliebter im Vergleich mit mir! Zwei oder drei Liebeskämpfe, und er liegt matt auf dem Rücken; nach dem vierten stößt er ein impotentes Röcheln aus, seine Glieder zucken in Krämpfen, 's ist jämmerlich! Aber ich – ich bleibe stark, ungebändigt, lustzitternd. Ja! Ich bin die verkörperte heiße Liebesbrunst des Fleisches. Unerbittlich in meiner Wollust gebe ich die Wonne ohne Ende; ich bin die Liebe, die der Tod ist!

Fanny: Halten Sie ein, Gamiani! Halten Sie ein!

Gamiani: Nein, nein! Höre mich weiter! Höre mich, Fanny! Nackt sich in den Armen liegen -zwei Freundinnen, jung, schön, lieblich, duftend, von Liebe glühend, vor Wonne zitternd, sich berühren, sich verschlingen, Leiber und Seelen in einem Seufzer, in einem einzigen Laut, in einem Aufschrei der Liebe vereinigen – das, Fanny, Fanny – das ist Himmelswonne.

Fanny: Diese Worte – diese Blicke! Und ich – ich höre Ihnen zu, ich blicke Sie an! – O haben Sie Erbarmen mit mir! Ich bin so schwach... Sie bezaubern mich... Was für eine Zauberkraft hast du denn an dir? Ich fühle dich in meinem Fleisch... ich fühle dich in meinen Knochen... Du bist ein Gift. O! Ja, du bist entsetzlich, und... und... ich liebe dich!

Gamiani: »Ich liebe dich... ich liebe dich!« O, sag's noch einmal, noch einmal, dieses Wort! Dieses Wort... brennt!

Bleich, unbeweglich, mit weit geöffneten Augen, mit gefalteten Händen, lag Gamiani vor Fanny auf den Knien. Sie sah aus, als habe ein Gott sie plötzlich berührt und in Marmor verwandelt. Sie sah wundervoll aus in ihrer Zerknirschung, in ihrer Verzückung.

Fanny: Ja! Ja! Ich liebe dich mit allen Kräften meines Leibes! Ich will dich haben! Ich begehre dich! O – ich werde noch den Verstand um dich verlieren.

Gamiani: Was sagst du, Herzgeliebte? Was sagst du?... Wie bin ich glücklich! Deine Haare sind schön... Wie weich sie sind! Fein, goldig. Wie Seide gleiten sie mir durch die Finger. Wie rein ist deine Stirn... Weißer als eine Lilie. Deine Augen sind schön; dein Mund ist schön. Du bist weiß, atlasweich, duftend, himmlisch vom Kopf bis zu den Füßen. Du bist ein Engel, du bist die Wollust. O, diese Schleifen, diese Bänder... sei doch nackt! Schnell zu mir! Ich, ich, ich bin schon nackt! Ah! So! so! Wundervoll! Blendend! Bleib stehen, daß ich dich bewundere. Wenn ich dich malen könnte! Wenn ich mit einem einzigen Zuge dich zeichnen könnte! Wart... ich will dir die Füße küssen... die Knie, den Busen, den Mund. Umarme mich. Drück mich an dich! Stärker! O welche Wonne, welche Lust!... Sie liebt mich!

Die beiden Leiber waren zu einem verschlungen. Nur die Köpfe hielten die beiden Schönen voneinander ab, um sich mit einem entzückenden Lächeln des Glückes bewundern zu können. Aus ihren Augen brachen Blitze, ihre Wangen glühten feuerrot. Ihre Lippen bebten und küßten sich dann wieder in stürmischer Glut. Ich hörte einen Seufzer verhauchen, dem ein Seufzer antwortete. Dann hörte ich einen erstickten Schrei, und regungslos hielten sie sich umschlungen.

Fanny: Ich war glücklich – sehr glücklich.

Gamiani: Ich auch, meine süße Fanny. Und es war ein Glück, wie ich's nie zuvor gekannt. Unsere Seelen und unsere Sinne waren vereint auf deinen Lippen... Und nun, in dein Bett! Diese Nacht wollen wir uns in Liebe berauschen!

Eng umschlungen eilen sie nach dem Alkoven. Fanny wirft sich aufs Bett, streckt wollüstig ihre schönen Glieder aus. Gamiani kniet vor dem Bett auf einem Teppich, zieht Fanny an ihren Busen und umschlingt sie mit ihren Armen.

Schweigend, schmachtend sieht sie sie an. Bald beginnen ihre Liebesspiele von neuem. Kuß folgt auf Kuß, geschäftig eilen die kundigen Hände hin und her. Aus Fannys Augen spricht Sehnsucht und Erwartung; Gamianis Blicke aber verraten die Trunkenheit ihrer Sinne. Vom Feuer der Wollust belebt, gerötet, scheinen die beiden schönen Leiber zu funkeln. Diese in Wollust und Leidenschaft rasenden Furien umgeben ihre Ausschweifung mit einem gewissen poetischen Zauber; ihr Anblick erregt die Sinne und zugleich die Phantasie.

Vergebens rief ich meine Vernunft zu Hilfe – in wenigen Augenblicken war auch ich von meinen Begierden völlig unterjocht. Keine Möglichkeit, mich in die Liebesspiele dieser beiden nackten Schönen einzumischen! Und so glich ich dem brünstigen wilden Tier, das mit glühenden Blicken sein Weibchen verfolgt, von dem es durch die Gitterstäbe des Käfigs getrennt ist. Wie betäubt stand ich stumpfsinnig da, den Kopf an das Loch gepreßt, durch das meine Augen wahre Folterqualen einsogen – eine wahre Todesmarter, die im Kopf ihren Anfang nimmt, dann ins Blut, dann in die Knochen eindringt – bis ins Mark. Ich fühlte unerträgliche Qualen. Mir war, als könnten meine Nerven die Spannung nicht mehr aushaken – als müßten sie zerreißen. Meine Finger krallten sich in das Holzwerk der Tür ein. Ich konnte keine Luft mehr bekommen, der Schaum stand mir vor dem Mund. Mir schwand die Besinnung. Ich raste. Da packte ich zu; zwischen meinen Fingern bäumte sich meine Manneskraft – ein kurzes Zittern, und in glühendem Strahl, wie ein brennender Tau spritzte mein Leben. Befremdlicher Genuß, der schwächt, vernichtet, niederwirft. –

Als ich wieder zu mir kam, fühlte ich mich kraftlos. Die Augenlider waren mir schwer. Kaum vermochte ich den Kopf hoch zu halten. Ich wollte meinen Beobachtungsposten verlassen; da hörte ich Fanny seufzen, und ich blieb. Ich war dem Teufel des Fleisches verfallen. Während meine Hände sich abmühten, meine erloschene Kraft neu zu beleben, verfolgte ich mit brennenden, schmerzenden Augen die Szene, die mich in eine so fürchterliche Aufregung versetzt hatte. Die Stellungen hatten sich geändert. Meine beiden Tribaden lagen jetzt mit verschlungenen Beinen aufeinander; sie rieben ihre dichten Vliese gegeneinander. Ihre Angriffe und Stöße wechselten sich mit einer Schnelligkeit, wie es nur möglich ist, wenn zwei Weiber sich dem Augenblick der höchsten Wonne nähern. Sie stießen mit einer Kraft, mit einer keuchenden Anstrengung, als wollten sie sich töten, vernichten.

»O, ach!« schrie Fanny; »ich kann nicht mehr! Ich bin tot. Mach allein weiter!«

»Nein! Noch mehr! Immer noch mehr!« antwortete Gamiani. »Der Augenblick des Glückes ist da! Drück doch gegen! Drücke!«

»Ich glaube, mir geht die Haut vom Leibe! Ah... jetzt... jetzt fühl ich's... ich zerfließe... Aah!...«

Fannys Kopf sank kraftlos zurück. Gamiani aber biß in die Bettücher, kaute an den aufgelösten Haaren, die sie umwogten. Ich empfand jeden ihrer Stöße, jeden ihrer Seufzer; und gleichzeitig mit ihnen gelangte auch ich abermals auf den Gipfel des Glücks.

Fanny: Wie ich müde bin! Ganz zerschmettert!... Aber welche Wonne hab' ich genossen!

Gamiani: Je größer die Mühe, desto höher ist auch der Genuß, desto länger dauert er.

Fanny: Das hab' ich an mir erfahren. Länger als fünf Minuten befand ich mich in einem berauschenden Schwindel. Die Erregung zuckte durch alle meine Glieder. Das Reiben deines Vlieses an meiner zarten Haut erzeugte in mir ein wütendes Kribbeln. Ich wälzte mich in Feuer, in Wollust. O Raserei, o Glück! Genießen! Jetzt versteh' ich dies Wort.

Aber eins erstaunt mich, Gamiani. Wie kommt es, daß du, so jung noch, solche Erfahrung in den sinnlichen Genüssen hast? Niemals wäre mir von all unseren Ausschweifungen auch nur eine einzige in den Sinn gekommen. Woher hast du deine Kenntnisse? Woher stammt deine Leidenschaft, die über mich triumphiert, die mich manchmal erschreckt? Die Natur erschafft uns doch nicht so?

Gamiani: Du willst mich also näher kennenlernen? Gut. Umschlinge mich mit deinen Armen, kreuze deine Beine mit den meinigen, drücke dich fest an mich. Ich will dir von meinem Klosterleben erzählen. Es ist eine Geschichte, die uns wohl zu Kopf steigen kann, die vielleicht neue Begierden in uns erweckt.

Fanny: Ich höre, Gamiani.

Gamiani: Du hast wohl noch nicht vergessen, welche fürchterliche Marter meine Tante mich erdulden ließ, um ihre Geilheit zu befriedigen. Als mir nach meiner Genesung die ganze Entsetzlichkeit ihrer schändlichen Aufführung zum Bewußtsein kam, bemächtigte ich mich ohne Zögern gewisser Papiere, die mir den Genuß meines Vermögens sicherstellten. Ich nahm auch Geld und Schmuck an mich und flüchtete damit, als eines Tages meine würdige Verwandte verreiste, in das Kloster der Schwestern vom »Herzen Jesu«. Die Oberin war sichtlich von meiner Jugendlichkeit und meinem schüchternen Wesen gerührt und nahm mich mit einer Herzlichkeit auf, vor welcher meine Verlegenheit und meine Angst bald verschwanden. Ich erzählte ihr, wie es mir ergangen sei, und bat sie um eine Zufluchtsstätte und um ihren Schutz. Sie nahm mich in ihre Arme, preßte mich zärtlich ans Herz und nannte mich ihre Tochter. Dann sprach sie zu mir von dem stillen friedlichen Klosterleben, schürte meinen Haß gegen die Männer zu noch helleren Flammen und schloß endlich mit einer frommen Ermahnung, in der ich die Sprache einer göttlichen Seele zu hören glaubte. Damit ich den Übergang vom weltlichen Treiben zum Klosterleben nicht so hart verspüren möchte, wurde beschlossen, daß ich bei der Oberin selber bleiben und jede Nacht in ihrem Alkoven schlafen solle. Schon in der zweiten Nacht plauderten wir miteinander, wie wenn wir die besten Freundinnen von der Welt gewesen wären. Die Oberin warf sich fortwährend in ihrem Bett hin und her, sie klagte über Kälte und bat mich schließlich, in ihr Bett zu kommen, um sie zu wärmen. Ich fand sie vollständig nackt. »Man schläft besser ohne Hemd«, sagte sie. Zugleich forderte sie mich auf, auch mein Hemd auszuziehen, und um ihr gefällig zu sein, tat ich dies.

»O liebe Kleine«, rief sie, indem sie mich streichelte, »du bist ja ganz glühend heiß! Wie weich deine Haut ist! Die Barbaren! Wie konnten sie sich erfrechen, dich so furchtbar zu martern. Du hast gewiß entsetzliche Schmerzen gehabt. Erzähle mir doch, was sie mit dir gemacht haben! Sie haben dich geschlagen, nicht wahr?« Ich wiederholte ihr meine Geschichte mit allen Einzelheiten, von denen ich die, für die sie sich besonders zu interessieren schien, recht lebhaft ausmalte. Sie hörte mir mit so außerordentlichem Vergnügen zu, daß sie von Zeit zu Zeit am ganzen Leibe erzitterte. »ArmesKind! Armes Kind!« rief sie immer wieder, indem sie mich mit aller Kraft an sich preßte. Ich weiß nicht, wie es kam – aber plötzlich lag ich auf ihr. Ihre Beine waren über meine Lenden gekreuzt, ihre Arme umschlangen mich. Eine wohlige Wärme durchdrang meinen ganzen Leib. Ich empfand ein bisher nie gekanntes köstliches Wohlgefühl, es war, wie wenn eine Art Liebessaft, weich wie Milch, sich durch meine Adern ergoß. »Wie gut Sie sind! Wie gut Sie sind!« sagte ich zu der Oberin. »Ich liebe Sie! Ich bin glücklich bei Ihnen. Ich möchte mich niemals wieder von Ihnen trennen!« Mein Mund preßte sich auf ihre Lippen, und ich wiederholte in glühender Ekstase: »O ja, ja! Ich bin zum Sterben in Sie verliebt. Ich weiß nicht wie... aber ich fühle...« Langsam liebkoste mich die Hand der Oberin. Leise bewegte sich ihr Leib unter dem meinigen. Ihre harten, dichten Schamhaare vermischten sich mit meinem Vlies, stachen in meine Haut und verursachten ein höllisches Jucken. Ich war völlig außer mir, ein Schauer durchrann mich, daß mein ganzer Körper erzitterte. Plötzlich – die Oberin gab mir einen unglaublich wollüstigen Kuß – hielt ich inne. »O mein Gott!« rief ich. »Lassen Sie mich...« Ah! Niemals hat ein reichlicherer, ein köstlicherer Erguß ein Liebesspiel gekrönt!

Als meine Ekstase sich gelegt hatte, war ich keineswegs erschöpft. Mit verdoppelter Leidenschaft stürzte ich mich auf meine erfahrene Lehrmeisterin der Liebe; ich verzehrte sie mit Küssen; ich nahm ihre Hand und führte sie mit meiner eigenen an die Stelle, die sie so heftig erregt hatte. Beim Anblick dieser Leidenschaftlichkeit verlor auch die Oberin alle Selbstbeherrschung. Sie raste wie eine Bacchantin. Und nun wetteiferten wir in glühenden Küssen, in verliebten Bissen. Welche Gelenkigkeit, welche Geschmeidigkeit in den Gliedern hatte dieses Weib! Ihr Leib zog sich zusammen, streckte sich aus, warf sich hin und her, daß ich ganz betäubt davon war. Ich konnte nicht mehr mitkommen. Kaum hatte ich Zeit, ab und zu mit einem einzigen Kuß die unzähligen zu erwidern, die ich vom Kopf bis zu den Füßen auf jede Stelle meines Leibes empfing. Es war, wie wenn sie mich vor Liebe auffressen wollte. Diese unglaublich wollüstigen Berührungen versetzten mich in einen Zustand, den ich kaum beschreiben kann. O Fanny, wärst du doch Zeugin unserer Kämpfe, unserer Siege, unserer Niederlagen gewesen! Hättest du uns zwei in unserer keuchenden Liebesraserei gesehen, du hättest begriffen, wohin sinnliche Leidenschaft zwei verliebte Weiber bringen kann. Einmal befand sich mein Kopf zufällig zwischen den Schenkeln meiner Angreiferin. Ich glaubte, ihre Wünsche zu erraten. Von Wollust fortgerissen, begann mein Mund, an ihrem zartesten Körperteil zu spielen. Aber so hatte sie es nicht gemeint. Schnell macht sie sich von mir los, gleitet unter mir hervor, spreizt mir schnell die Schenkel auseinander und greift mich unverzüglich mit ihrer Zunge an. Wie ein spitzer Dolch fährt diese schnell in mich hinein und wird ebenso schnell wieder herausgezogen. Dann schlägt sie plötzlich ihre Zähne in mein Fleisch, wie wenn sie mich zerreißen wollte. Vor wollüstigem Schmerz ganz bewußtlos, warf ich mich hin und her wie eine Besessene. Ich stieß den Kopf der Oberin zurück, ich riß sie an den Haaren. Endlich ließ sie los; und nun begann sie ein sanftes Züngeln, benetzte mich mit ihrem Speichel, knabberte an meinen Schamhaaren und an meiner Haut mit einer so zarten und zugleich so wollüstigen Raffiniertheit, daß ich bei der bloßen Rückerinnerung meinen Saft fließen fühle. – O was für Entzückungen berauschten mich! In welcher Raserei tobten meine Sinne! Ich schrie laut, warf mich zurück, bäumte mich hoch auf – und immer, immer spürte ich die spitze Pfeilzunge, die glühend in mich eindrang. Zwei schmale, feste Lippen schlossen sich um meine Klitoris, preßten sich zusammen, sogen an ihr, daß ich glaubte, ich müßte den Geist aufgeben. Nein, Fanny! Ein solches Gefühl, einen solchen Genuß kann man nur ein einziges Mal in seinem Leben haben. Diese Spannung meiner Nerven! Dieses Klopfen des Blutes in meinen Adern! Diese Glut in meinem Fleisch! Ich glühte, ich zerfloß und ich fühlte, wie ihr gieriger, unersättlicher Mund mir die Essenz meines Lebens aussaugte. Ich schwöre dir: ich war völlig ausgepumpt, und ich glaube, meine Schenkel sind von meinem Blut, von meinem Lebenssaft ganz überströmt gewesen.

Aber wie glücklich war ich auch! Fanny! Fanny! Ich hält's nicht mehr aus! Wenn ich von dieser Liebesraserei spreche, ist es mir, als fühlte ich noch immer diese beseligenden Zuckungen. Mache mich fertig!... Schneller!... Stärker!... Gut so... ah... gut... gut... so... jetzt ist genug... ich sterbe...

Fanny war ärger als eine ausgehungerte Wölfin. »Genug! genug!« wiederholte Gamiani. »Du machst mich ja tot, du Teufelsmädchen! Ich hatte nicht geglaubt, daß du so geschickt, so leidenschaftlich bist. Ich sehe, du entwickelst dich. Als ob du ganz aus Feuer wärst!«

Fanny: Kann es denn anders sein? Man müßte ja kein Blut, kein Leben in sich haben, um in deinen Armen, zwischen deinen Schenkeln gefühllos zu bleiben... Was machtest du weiter?

Gamiani: Ich hatte von meiner Freundin gelernt. Jetzt war die Reihe an mir; ich zahlte ihr ihre Liebkosungen mit Wucherzinsen zurück; ich liebte sie, küßte sie – genau so wie sie mich geküßt hatte – bis sie nicht mehr konnte.

Zimperliche Zurückhaltung gab's von nun an zwischen uns beiden nicht mehr, und bald erfuhr ich von meiner Freundin, daß die Schwestern vom »Herzen Jesu« sich untereinander einem Kultus der Sinnlichkeit hingaben, daß sie ein Haus besaßen, wo sie sich versammelten, um ihre Orgien zu feiern und sich nach Herzenslust gütlich zu tun. Dieser Hexensabbat begann unmittelbar nach dem Abendgebet und dauerte bis zur Frühmesse. Die Oberin weihte mich auch in ihre Lebensauffassung ein, und diese erfüllte mich mit einem solchen Entsetzen, daß sie mir als eine eingefleischte Teufelin erschien. Sie beruhigte mich jedoch bald durch einige Scherze und besonders durch die höchst ergötzliche Geschichte von dem Verlust ihrer Jungfernschaft. Niemals würdest du erraten, wem dieses köstliche Kleinod zuteil geworden ist. Die Geschichte ist einzig in ihrer Art und verdient, erzählt zu werden.

Die Oberin – doch ich will sie lieber von jetzt an Santa nennen – also: Santa war die Tochter eines Schiffskapitäns. Ihre Mutter war eine kluge und vernünftige Frau und hatte sie nach den Grundsätzen der heiligen Religion erzogen.

Das verhinderte aber nicht, daß das Temperament der jungen Santa sich sehr frühzeitig entwickelte. Schon als zwölfjähriges Mädchen hatte sie unwiderstehliche Begierden, die sie mit allen möglichen Hilfsmitteln, auf die nur die bizarre Phantasie eines unwissenden Kindes verfallen kann, zu befriedigen suchte.

Das arme Mädchen bearbeitete sich jede Nacht, und es fehlte nicht viel, so wäre ihrem ach so unzulänglichen Fingerspiel ihre Jugend und Gesundheit zum Opfer gefallen. Eines Tages sah sie zwei Hunde sich begatten. Mit ihrer wollüstigen Neugier beobachtete sie den ganzen Vorgang und den Anteil des männlichen und des weiblichen Partners so genau, daß sie von nun an besser begriff, woran es ihr fehlte. Aber da sie nun wissend war, waren ihre Qualen nur um so größer. Sie lebte in einem einsam gelegenen Hause, nur von alten Mägden umgeben und ohne jemals ein männliches Wesen zu sehen. Wie konnte sie da hoffen, jemals einen glühendroten, blitzschnell arbeitenden, belebten Pfeil zu finden, der sie mit solcher Bewunderung erfüllt hatte, daß sie fest überzeugt war, auch für die Frau müsse ein derartiges Werkzeug erschaffen worden sein? Diese Gedanken wollten ihr nicht mehr aus dem Kopf, und indem sie fortwährend über dasselbe Thema nachdachte, fiel ihr schließlich ein, daß von allen Geschöpfen der Affe die größte Ähnlichkeit mit dem Menschen hat. Nun besaß aber ihr Vater einen prachtvollen Orang-Utan. Sie schlich sich an dessen Käfig und sah ihn sich ganz genau an. Da sie hierzu ziemlich lange Zeit brauchte, wurde das Tier durch die Gegenwart des jungen Mädchens aufgeregt und entwickelte plötzlich die reiche Gabe, womit ihn Mutter Natur bedacht hatte. Santa frohlockte.

Endlich hatte sie gefunden, was sie jeden Tag gesucht, wovon sie jede Nacht geträumt hatte. Ihr Ideal stand als greifbare Wirklichkeit vor ihr. Und ihr Entzücken steigerte sich immer noch mehr, als sie das unnennbare Geschmeide zu einer Härte, zu einer drohenden Größe sich entwickeln sah, die ihre kühnsten Träume übertraf. Sie verschlang den Gegenstand ihrer Wünsche mit den Augen. Der Affe näherte sich den Eisenstangen seines Käfigs und nahm eine solche Stellung ein, daß er sich ihr in der vorteilhaftesten Weise präsentierte. Die gute Santa verlor nun alle Besinnung. Die Raserei ihrer Leidenschaft gab ihr übernatürliche Kräfte, und es gelang ihr, einen von den Eisenstäben zur Seite zu biegen.

Das geile Tier machte sich dies sofort zunutze. Eine Stange von mindestens acht Zoll Länge ragte aus dem Käfig hervor. Ein so unerwarteter Reichtum jagte unserer Jungfer anfangs ein bißchen Angst ein. Aber der Teufel war hinter ihr her, und sie trat dicht an den Käfig heran, um sich das Ding aus der Nähe zu betrachten. Sie nahm es in die Hand, streichelte es. Der Affe zitterte vor Wollust, daß der ganze Käfig wackelte, und schnitt fürchterliche Grimassen dazu. Santa bekam wieder Angst; sie glaubte, es mit dem Satan in höchsteigener Person zu tun zu haben. In ihrer Furcht wagte sie es nicht, weiterzugehen. Schon wollte sie sich aus dem Staube machen, doch konnte sie sich nicht enthalten, noch einen Abschiedsblick auf das glühendrote Juwel zu werfen – und mit einem Male erwachten von neuem alle ihre Begierden. Da faßte sie plötzlich Mut; mit entschlossener Miene hob sie von hinten ihre Röcke hoch und bot sich rücklings dem furchtbaren Stachel dar. Der Kampf entspann sich, Stoß folgte auf Stoß – das Tier konnte es mit jedem Mann aufnehmen. Santa war sodomisiert, entjungfert, zur Äffin gemacht! Ihre Freude, ihr Entzücken entluden sich in hundertfach variiertem Ach und O! – Aber sie wurde dabei so laut, daß ihre Mutter sie hörte. Diese eilte herbei und fand ihre Tochter in der höchsten Verzückung sich krümmend, halbtot vor Wollust.

Fanny: Der Spaß ist unbezahlbar!

Gamiani: Um das junge Mädchen vor weiteren Betätigungen seiner Affenliebe zu bewahren, sperrte man es in ein Kloster.

Fanny: Hätte man sie doch lieber allen Affen der Welt überantwortet!

Gamiani: Da hast du ganz recht – mehr, als du wohl selber denkst...

Mein Temperament fand viel Gefallen an einem Leben voller Feste und Lüste. Ich war daher mit Freuden bereit, mich in die geheimnisvollen Saturnalien der Klosterschwestern einweihen zu lassen. Das versammelte Kapitel genehmigte meine Zulassung, und zwei Tage darauf wurde ich der Versammlung vorgestellt.

Ich erschien nackt – so wollte es die Vorschrift. Ich leistete den verlangten Eid und prostituierte mich zum Schluß der Zeremonie mit einem ungeheuren hölzernen Phallus, der zu diesem Zweck aufgestellt war. Kaum hatte ich dieses schmerzvolle Opfer vollbracht, so stürzte sich die ganze Nonnenbande wie eine Horde von Kannibalen über mich her. Ich fügte mich willig jeder geschlechtlichen Laune, ich nahm aus eigenem Antrieb die wollüstigsten Stellungen ein und gab zum Schlüsse einen unanständigen Tanz zum Besten. Durch einstimmigen Zuruf wurde ich zur Siegerin erklärt. Meine Kräfte waren völlig erschöpft. Dennoch schleppte mich eine muntere, aufgeweckte kleine Nonne in ihr Bett. Sie war noch raffinierter als die Oberin; ja, wahrhaftig, sie war die verdammteste Tribade, die jemals die Hölle hervorgebracht hat. Ich entbrannte in einer rasenden fleischlichen Leidenschaft für sie, und wir waren während der großen nächtlichen Orgien fast immer zusammen.

Fanny: Wo fanden denn eure Luperkalien statt?

Gamiani: In einem großen Saal, zu dessen Ausschmückung die feinste Kunst und das höchste Raffinement der Wollust aufgeboten worden waren. Die Eingänge zu diesem Saal bildeten zwei große Türen, die nach orientalischer Weise durch goldumsäumte und mit tausend bizarren Mustern bestickte, schwere Vorhänge geschlossen waren. Die Wände waren mit dunkelblauem Samt bespannt, den ein schön geschnitzter, breiter Rahmen aus Zitronenholz umgab. In gleichen Abständen befanden sich Spiegel, die von der Decke bis zum Fußboden reichten. Bei unseren Orgien spiegelten sich die Gruppen nackter, vor Geilheit rasender Nonnen in tausendfacher Gestalt wider oder hoben sich wirkungsvoll von dem dunklen Hintergrunde ab. Kein Stuhl befand sich in dem Saal, sondern nur Sofas und Polsterkissen, die ja auch für die Wettkämpfe der Wollust, für das Einnehmen von Stellungen, die die Sinnlichkeit entflammen mußten, viel besser geeignet waren. Ein feingemusterter, köstlich weicher, doppelter Teppich bedeckte den Fußboden. Man erblickte auf diesem Teppich, in zauberischer Farbenpracht dargestellt, zwanzig Liebesgruppen in lasziven Stellungen, die die erloschenen Begierden übersättigter Teilnehmerinnen an diesen Orgien bald wieder entflammen mußten. Auch die Zimmerdecke war mit Gemälden bedeckt, die nur die ausschweifendste geschlechtliche Phantasie hatte entwerfen können. Besonders erinnere ich mich an eine vor Liebeswonne rasenden Thyade, die von einem Korybanten vergewaltigt wurde. Niemals vermochte ich dieses Bild anzusehen, ohne entflammt zu werden.

Fanny: Es muß ein entzückendes Bild gewesen sein.

Gamiani: Zu all diesem verschwenderisch angebrachten Luxus der Einrichtung kamen noch die berauschenden Düfte aller möglichen Blumen und Wohlgerüche. Im Saale herrschte eine stets gleichmäßige laue Wärme; sechs Alabasterlampen strahlten ein zärtliches, geheimnisvolles Licht aus, das sanfter war als der Widerschein des Opals. Das Ganze machte auf die Seele einen seltsamen Eindruck, der sich in Worten kaum beschreiben läßt! Man empfand unruhige Sehnsucht, man versank in eine wohlige Träumerei der Sinne. Man war im Orient, man gab sich dem verführerischen Zauber eines morgenländischen Luxus, einer morgenländischen Poesie und schmachtender Wollust hin. Man dachte an die Mysterien des Harems, an seine geheimen Wonnen, an seine liebeatmende Lässigkeit.

Fanny: Welche Wonne muß es gewesen sein, an einem solchem Ort mit einer geliebten Freundin trunkene Nächte zu verbringen!

Gamiani: Gewiß hätte die Göttin der Liebe selber mit Wonne ihren Tempel dort aufgeschlagen, hätten nicht schmutzige, lärmende Orgien allmählich eine ekelhafte Lasterhöhle daraus gemacht.

Fanny: Wieso?

Gamiani: Mit dem Schlage der mitternächtlichen Stunde erschienen die Nonnen, nur mit einem einfachen schwarzen Hemd bekleidet, um das leuchtende weiße Fleisch noch mehr hervortreten zu lassen. Alle waren barfuß; ihre Haare hingen aufgelöst herab. Im Nu erschien ein glänzendes Mahl, das wie von Zauberhänden aufgetischt wurde. Die Oberin gab das Zeichen zum Beginnen, und jede tat sich nach Herzenslust gütlich. Einige saßen an der Tafel, andere hatten sich auf Polster gelagert. Ausgesuchte Leckerbissen, feurige, das Blut in Wallung bringende Weine wurden gierig verschlungen. Nach und nach belebten sich die von Ausschweifungen verwüsteten Gesichter, die im Tageslicht bleich und kalt aussahen. Die Dünste des Weines stiegen ihnen zu Kopfe, Kantharidenpräparate ließen Feuer durch ihre Adern strömen. Immer lauter wurde die Unterhaltung; sie schwoll zu einem wirren, tosenden Lärm an und endete stets in unzüchtigen Anträgen, in Aufreizungen zu neuem Liebestaumel, dem sich die Nonnen bei Gesang, Gelächter, Lärm und Gläserklingen überließen. Ihrer Sinne nicht mehr mächtig, fiel plötzlich irgendeine von ihnen über ihre Nachbarin her und gab ihr einen stürmischen Kuß. Dies war das Signal, das die ganze Bande elektrisierte. Die Liebespaare fanden sich zusammen, umschlangen sich, während in trunkenen Delirien Küsse schallten. Man hörte erstickte Seufzer, abgerissene Liebesworte, Schreie der Wollust, Röcheln der Erschöpfung. Bald waren die gierigen Lippen nicht mehr mit Mund und Wangen, mit nackten Brüsten und Schultern zufrieden. Die Kleider wurden emporgestreift oder zur Seite geworfen. Und nun begann ein wunderbares Schauspiel; alle diese geschmeidigen, anmutigen Frauenleiber zuckten in den raffiniertesten Stellungen, in den höchsten Verzückungen abgefeimtester Buhlkünste. Blieben einmal die Kräfte hinter dem Antrieb der Begierden zurück, so trennten sich die Paare für einen Augenblick, um frischen Atem zu schöpfen. Man sah sich mit feurigen Blicken an, man wetteiferte in unzüchtigen Stellungen. Die Siegerin in diesem Wettkampf sah plötzlich ihre Gefährtin von neuem sich auf sie stürzen; ein Stoß, sie lag auf dem Rücken, unzählige Küsse bedeckten ihren ganzen Leib, eine flinke Zunge drang bis ins innerste Heiligtum der Liebeswonne vor, und mit gleicher Inbrunst wurde dieser Dienst von der Partnerin vergolten. Die beiden Köpfe verschwanden zwischen den Schenkeln; die beiden Leiber waren nur noch ein Leib, der in wonnigen Krämpfen zuckte. Dann ein dumpfes Röcheln und zum Schluß ein doppelter Aufschrei triumphierender Liebe. »Sie genießen! Sie genießen!« rief dazu der Chor der Nonnen. Und von neuem stürzten sie sich aufeinander, rasender als wilde Bestien, die in die Arena losgelassen werden.

Fanny: Welche Orgien!

Gamiani: O das war noch lange nicht alles! Die Abwechslung in allen Künsten der Wollust wurde bis ins Unendliche getrieben. Da wir keine Männer hatten, erfand unsere Phantasie die seltsamsten Hilfsmittel.

Alle priapischen Gedichte, alle unzüchtigen Bücher des Altertums und der Neuzeit waren uns bekannt. Wir waren weit über sie hinaus. Elephantis und Aretino waren phantasielos im Vergleich mit uns. Es würde zu weit führen, dir alle unsere Hilfsmittel aufzuzählen, alle die sinnreichen Instrumente und Liebestränke zu nennen, die wir besaßen, um unsere Begierden erst anzustacheln und dann zu befriedigen. Ich will dir nur als Beispiel erzählen, wie wir es mit einer unserer Genossinnen machten, um ihr Fleisch zu neuer Genußfähigkeit zu reizen. Zuerst wurde sie in ein Bad von heißem Blut gebracht, um ihre Kraft wieder zu beleben. Dann schlürfte sie einen Trank, der mit zerriebenen spanischen Fliegen versetzt war, warf sich auf ein Ruhebett und ließ sich den ganzen Körper massieren. Dann wurde sie hypnotisiert, bis sie in festem Schlaf lag. Sobald dies der Fall war, stachen wir sie mit Nadeln, peitschten sie bis aufs Blut. Inmitten dieser Folterung erwachte sie; sie sah uns wie eine Wahnsinnige an und verfiel sofort in krampfhafte Zuckungen. Kaum waren sechs von uns imstande, sie festzuhalten. Nur die schleckende Zunge eines Hundes vermochte sie zu beruhigen. In Strömen ergoß sich ihr Liebessaft. Wenn aber diese Erleichterung sich einmal nicht einstellte, dann wurde die Unglückliche geradezu entsetzlich in ihrer Raserei und schrie laut nach einem Esel.

Fanny: Nach einem Esel? Barmherziger Himmel!

Gamiani: Jawohl, mein Herz – nach einem Esel. Wir besaßen zwei, die sehr gelehrig und ganz ausgezeichnet abgerichtet waren. Wir wollten in dieser Hinsicht nicht hinter den vornehmen Römerinnen zurückstehen, die sich bei ihren Saturnalien stets dieser Tiere bedienten. Als ich diese Sensation zum erstenmal an mir selber erlebte, war ich fast bis zur Sinnlosigkeit von Wein berauscht. Ich warf mich auf das eigens zu diesem Zweck bestimmte Gestell, indem ich alle Nonnen herausforderte, bei diesem Liebeskampf es mit mir aufzunehmen. Im Nu stand der Esel hochaufgerichtet vor mir. Sein furchtbares Glied, von den Händen der frommen Schwestern in Glut versetzt, stieß wuchtig gegen meine Schenkel. Ich ergriff es mit beiden Händen, setzte es an die Öffnung meiner Scheide und versuchte, es einzuführen, nachdem ich mich ein paar Sekunden lang von ihm hatte kitzeln lassen. Mit Hilfe von Pomade, durch geschickte Stöße meiner Hinterbacken und durch Nachschieben mit den Händen gelang mir dies, und bald hatte ich mindestens fünf Zoll in meinem Leibe. Ich wollte noch weiter stoßen, aber die Kräfte gingen mir aus, und ich sank erschöpft zurück. Mir war's, als zerrisse meine Haut, als würde ich gespalten, gevierteilt! Ich empfand einen dumpfen, betäubenden Schmerz, zugleich aber auch einen heißen, kitzelnden, wonnigen Reiz. Das Tier bewegte sich fortwährend und stieß so kräftig, daß ich die Erschütterung in meinem ganzen Rückgrat spürte. Ich spritzte. O welch ein Genuß! Mein heißer Liebessaft erfüllte mir den ganzen Leib. Ich war von Liebe ganz und gar überströmt. Ich stieß einen langen, lauten Schrei aus und war erleichtert. Durch meine wollüstigen Zuckungen hatte ich noch zwei Zoll in mich aufgenommen. Dies war das höchste Maß, das jemals erreicht worden war; alle meine Gefährtinnen waren besiegt. Das Glied des Esels war bis an den Ring eingedrungen, den man ihm angelegt hatte. Ohne diesen Ring wäre mir der Leib zersprengt worden.

Ich war erschöpft, alle meine Glieder schmerzten, und ich glaubte, am Ende aller Wollust zu sein – da wird plötzlich das unbändige Glied des Tieres noch steifer und härter denn zuvor; es dringt noch tiefer in mich ein, und ich schwebe fast frei in der Luft, nur von dem Schwanz des Esels gehalten! Meine Nerven spannen sich an, meine Zähne pressen sich knirschend aufeinander, meine Arme schließen sich krampfhaft um meine Schenkel. Plötzlich bricht mit Macht ein Strahl hervor und überströmt mich mit einem heißen Regen von solcher Fülle, daß mir's ist, als dränge er mir durch alle meine Adern bis ins Herz hinein. Ich fühle nichts mehr als eine brennende Wonne, die mir bis ins Knochenmark, ins Gehirn und alle Nerven dringt und zugleich alle meine Glieder erschlafft... Köstliche Marter!... Unerträgliche Wollust, die alle Fesseln des Lebens löst, die im höchsten Rausch der Sinne den Tod bringt! Fanny: Du bringst mich von Sinnen, Gamiani! Bald halt ich's nicht mehr aus... Aber sag, wie kam es, daß du dieses Teufelskloster verließest?

Gamiani: Das ging so: Nach einer großen Orgie hatten wir den Einfall, uns in Männer zu verwandeln. Jede von uns schnallte sich einen Phallus um, dann bildeten wir eine Kette und liefen wie Wahnsinnige durch den Saal. Ich bildete das letzte Glied der Kette und war daher die einzige, die nur ritt, aber nicht geritten wurde. Stelle dir meine Überraschung vor, als ich plötzlich von hinten den wütenden Angriff eines nackten Mannes verspürte, der sich auf irgendeine, mir unerklärliche Weise bei uns eingeschlichen hatte. Unwillkürlich stieß ich einen Schreckensruf aus; sofort löste unsere Kette sich auf, und sämtliche Nonnen stürzten sich über den unglückseligen Eindringling her. Jede wollte einmal Wirklichkeit kosten. Das arme Tier jedoch vermochte so viel Genuß nicht zu ertragen und war bald erschöpft. Er sah erbärmlich aus in seiner Schlaffheit und Nichtigkeit; seine Manneskraft war nur noch negativ vorhanden. Es kostete mich unendliche Mühe, das jämmerliche Ding zu neuem Leben zu erwecken, als endlich auch an mich die Reihe gekommen war, sein Elixier genießen zu dürfen. Schließlich gelang es mir aber doch. Ich streckte mich der Länge nach auf dem Halbtoten aus, so daß mein Kopf sich zwischen seinen Schenkeln befand, und saugte so geschickt an seinem eingeschlafenen Priap, daß dieser rotstrahlend zu einer Munterkeit erwachte, an der ich meine Freude haben konnte. Da ich selber gleichzeitig von einer flinken Zunge karessiert wurde, so fühlte ich bald eine unglaubliche Wonne eintreten, die ich auf den Höhepunkt brachte, indem ich mich triumphierend und freudig auf das Zepter setzte, das ich mir erobert hatte. Ich gab und empfing eine Sintflut von Wollust. Dieser letzte Exzeß gab unserem Mann den Rest. Alle Bemühungen, ihn noch einmal zum Leben zu erwecken, waren vergeblich. Und nun trat etwas ein, was dir vielleicht unglaublich erscheinen wird. Sobald die Nonnen merkten, daß der Unglückselige zu nichts mehr zu gebrauchen war, faßten sie ohne Zaudern den Entschluß, ihn zu ermorden und in einem Keller zu begraben, damit er ihr Kloster nicht durch eine Indiskretion bloßstellen könnte. Vergebens bekämpfte ich diesen verbrecherischen Beschluß; eine Sekunde später war eine Hängelampe von ihrem Haken herabgenommen, und das Opfer wurde mit einer Schlinge aufgehängt. Ich wandte den Blick von diesem entsetzlichen Schauspiel ab... Aber siehe da! Zur größten Überraschung dieser Furien brachte der Tod des Erhängens die übliche Wirkung auf das Opfer hervor. Entzückt von diesem Phänomen steigt die Oberin auf einen kleinen Tritt und verbindet sich, unter dem stürmischen Beifallsjubel ihrer würdigen Genossinnen, in der Luft schwebend mit dem Toten, spießt sich an dem Leichnam auf!... Aber damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Der Strick, an dem die Lampe gehangen hatte, war zu schwach, um dies doppelte Gewicht zu tragen. Er reißt. Leichnam und Oberin fallen, und zwar ist der Sturz so heftig, daß die Nonne ein Bein bricht, der Gehängte aber, dem wahrscheinlich der Strick nicht richtig angelegt worden war, wieder erwacht und sich auf die Oberin stürzt, um sie zu erwürgen. Wie wenn der Blitz in eine Herde schlägt, so wirkte dieser Auftritt auf die Nonnen. Entsetzt stürzten alle davon; sie glaubten, der Teufel sei hinter ihnen her.

Nur die Oberin blieb zurück und mußte sich der Angriffe des so zur Unzeit von den Toten Auferstandenen erwehren.

Das Abenteuer mußte furchtbare Folgen haben. Um diesen zuvorzukommen, entfloh ich noch in derselben Nacht aus dieser Lasterhöhle der Ausschweifung und des Verbrechens. Ich begab mich für einige Zeit nach Florenz, der wundervollen Stadt der Liebe. Ein Engländer, Sir Edward, ein leidenschaftlicher, träumerischer Jüngling, entbrannte in heißer Liebe zu mir. Die schmutzigen Lüste des Fleisches flößten mir nun Ekel ein. Bisher hatte nur mein Leib gelebt; meine Seele schlummerte noch. Nun erwachte aber auch sie, fast mir selber unbewußt, von dem leisen Zauberruf einer edlen, hohen Liebe. Ein neues Leben ging mir auf; ich empfand jene unbestimmten, unaussprechbaren Sehnsüchte, die das Glück des Menschen ausmachen und sein Dasein zu Poesie verklären... auch die am leichtesten entzündlichen Stoffe brennen nicht von selber; aber es braucht nur ein Funke an sie zu geraten, und sofort lodern sie auf. So setzte die leidenschaftliche Glut des Jünglings, der mich liebte, auch mein Herz in Flammen. Die für mich ganz neue Sprache reiner Liebe ließ mich vor Entzücken erschauern.

Begierig horchte ich auf ihre Worte; meine gespannte Wachsamkeit ließ sich keine noch so geringe Bewegung entgehen. Die warmen Blicke der von feuchtem Schimmer verklärten Augen meines Geliebten drangen bis in die Tiefe meiner Seele und erfüllten sie mit froher Unruhe, mit leidenschaftlichem Entzücken.

In Edwards Stimme lag ein Klang, der mich aufregte; in jeder seiner Gebärden erkannte ich sein edles Gefühl; in jedem seiner Züge sprach sich Leidenschaft aus und ließ mich Leidenschaft empfinden. Zum ersten Male sah ich das Bild wahrer Liebe, und ich liebte den, der es mich sehen ließ. Von jeher hatte ich mich in Extremen bewegt, und so glühte ich jetzt ebensosehr in der Leidenschaft meines Herzens wie früher in der Leidenschaft meiner Sinne. Edward hatte eine starke Seele – eine jener Seelen, die alle anderen in ihren Bannkreis ziehen. Ich hob mich zu seiner Höhe empor. Meine Liebe wuchs: sie war enthusiastisch gewesen, jetzt wurde sie erhaben. Der bloße Gedanke an grobe Fleischeslust empörte mich. Hätte man mich dazu gezwungen, ich hätte getobt, ich wäre vor Wut erstickt! So war unsere Liebe, meine sowohl wie seine, von freiwillig errichteten Schranken umschlossen; sie wurde dadurch nur um so glühender. Edward erlag zuerst. Die platonische Enthaltsamkeit, für die er keinen Grund sah, machte ihn krank; er besaß nicht die Kraft, noch länger gegen seine Sinnlichkeit anzukämpfen. Eines Tages überraschte er mich im Schlaf – und ich war sein. Mitten in der heißesten Umarmung erwachte ich: in besinnungsloser Leidenschaft erwiderte ich Glut mit Glut; dreimal war ich im Himmel – dreimal war Edward Gott. Aber als er von seiner Höhe herabgestiegen war, empfand ich Ekel: er war für mich nur noch ein Mensch von Fleisch und Blut – er war ein Mönch! Mit einem gellenden Lachen entriß ich mich plötzlich seinen Armen. Der Regenbogenglanz des Ideals war zerstört; ein unreiner Hauch hatte den Strahl der Liebe ausgelöscht – diesen Strahl aus Himmelshöhen, der nur einmal im Leben leuchtet. Meine Seele war tot. Aber meine Sinne waren wieder auferstanden, und ich wandte mich wieder meiner alten Lebensweise zu.

Fanny: Wieder mit Frauen?

Gamiani: Nein! Erst wollte ich mit den Männern ganz und gar fertig sein. Um keine Begierde und keine Sehnsucht nach Männerliebe mehr zu haben, kostete ich bis zur Neige allen Genuß, den sie uns zu geben vermögen. Ich bediente mich einer berühmten Kupplerin, und sie vermittelte mir die Bekanntschaft mit den geschicktesten und kräftigsten Liebesathleten von Florenz. An einem einzigen Vormittage bestand ich zweiunddreißig Liebesturniere – und doch war damit meine Begierde nicht gestillt. Sechs Kämpen wurden von mir besiegt – besiegt bis zur völligen Erschöpfung. Eines Abends vollbrachte ich noch größere Heldentaten. Ich befand mich mit dreien meiner kräftigsten Ritter zusammen. Meine Gebärden und Reden versetzten sie in eine so günstige Stimmung, daß ich auf einen diabolischen Einfall kam: Ich bat den stärksten meiner Helden, sich auf den Rücken zu legen, und während ich mich wollüstig auf seinem gewaltigen Instrument auf und ab bewegte, wurde ich von dem zweiten auf sehr gewandte Weise gomorrhisiert; mein Mund bemächtigte sich des dritten und wußte ihn dermaßen zu kitzeln, daß er sich wie ein Teufel krümmte und die leidenschaftlichsten Ausrufe von sich gab. Gleichzeitig erreichte bei uns Vieren die Ekstase ihren Höhepunkt. Welche Genüsse! Dieser heiße Strahl an meinem Gaumen, diese Wonne innen in meinem Leibe! Kannst du dir einen Begriff davon machen? Mit dem Mund die ganze Lebenskraft eines Mannes einsaugen, mit unersättlichem Durst sie in Fluten heißen Schaumes hinunterschlürfen und dabei gleichzeitig einen doppelten Feuerstrahl, einen von vorn, einen von hinten in seinen Leib, in sein Fleisch eindringen fühlen – das ist ein dreifacher, ein unerhörter Genuß, der sich überhaupt nicht beschreiben läßt.

Meine unvergleichlichen Kavaliere waren so hochherzig und so wacker, mich diesen Genuß immer wieder von neuem kosten zu lassen, bis ihre Kräfte völlig erschöpft waren. Aber ich war dann bald der Männer müde, überdrüssig, und ich hatte keine andere Begierde mehr, kannte kein anderes Glück mehr, als den schlanken, bebenden Leib eines jungen Mädchens, einer schüchternen Jungfrau zu umschlingen, sie in die Liebe einzuweihen, ihr ungeahnte Genüsse zu bereiten, sie mit Wollust zu überströmen... aber was hast du? Was ist dir? Was machst du denn? Fanny: Mir ist fürchterlich zumute. Mich verzehren entsetzliche, scheußliche Begierden. Alle Lust, alle Qual, die du gefühlt hast – auch ich möchte sie fühlen. Aber sofort! Auf der Stelle! Du allein kannst mich nicht mehr befriedigen. Mein Kopf glüht – alles dreht sich vor meinen Augen. O! ich fürchte, ich werde wahnsinnig! Sag, was kannst du mir geben? Ich will in Liebesraserei sterben – ich will genießen! Nur genießen! Genießen!

Gamiani: Beruhige dich, Fanny! Beruhige dich doch! Deine wilden Blicke erschrecken mich. Befiehl mir! Ich tue alles! Was willst du von mir?

Fanny: Komm mit dem Mund! Laß deine Lippen mir das Leben aussaugen! Da... da unten! Laß mich meine Seele verhauenen! Nachher will ich dich haben; will dir in die Eingeweide eindringen... schreien sollst du!... O dieser Esel! Auch er quält mich. Ich möchte ein Riesenglied drin haben, und wenn es mich zersprengte, mir den Leib aufrisse!

Gamiani: Du Wilde – du sollst haben, was du verlangst! Mein Mund ist geschickt. Außerdem hab ich ein Instrument mitgebracht. Da, sieh's dir an... es ist mindestens so stark wie ein Eselsglied.

Fanny: O was für ein Riesending! Schnell her damit – laß mich's versuchen! Au! Au! Es geht nicht... mir bleibt der Atem stehen...

Gamiani: Du weißt es nur nicht zu handhaben. Aber das will ich besorgen. Halte du nur stille!

Fanny: Und wenn ich auf der Stelle tot bleiben sollte – ich will es ganz und gar in mir haben. Ich bin rasend!

Gamiani: Also leg dich nur auf den Rücken; streck dich aus, so lang du kannst; jetzt spreize die Beine. Die Arme laß an deinen Seiten liegen. Jetzt – laß mich machen. Hab keine Angst; zieh nicht zurück!

Fanny: Sieh, ich gebe mich dir völlig hin. Schnell! Komm in meine Arme! Komm schnell!

Gamiani: Geduld, Kind! Höre: um so recht die ganze Wonne zu spüren, mit der ich dich berauschen will, mußt du für einen Augenblick dich selbst vergessen, mußt vollkommen in einen einzigen Gedanken aufgehen, in ein einziges Gefühl sinnlicher Liebe, wahnsinnigen Genießens! Und wenn ich dich mit noch so rasender Brunst angreife – bewege dich nicht! Rühre dich nicht! Bleib bewegungslos liegen, empfange meine Küsse, ohne sie zu erwidern. Wenn ich dich beiße, wenn ich dich verwunde – unterdrücke deinen Schmerz, unterdrücke auch deine Wollust, bis zu jenem allerletzten Augenblick, bis zum Höhepunkt – dann kämpfen wir zusammen und sterben zusammen!

Fanny: Ja, ja! Ich verstehe dich, Gamiani. Vorwärts! Sieh, ich liege wie schlafend... jetzt träume ich von dir... Ich bin dein, komm!... Liege ich so richtig? Warte! Diese Stellung ist noch lüsterner, glaube ich...

Gamiani: Du Wollüstige! Du bist noch geiler als ich. Ach, bist du schön, wie du so daliegst!... Du Ungeduldige! Ich sehe, du willst mich haben.

Fanny: Ja, ich brenne! Ich glühe! Fang an... fang an! Bitte, bitte!

Gamiani: O warte doch noch! Dies gierige Warten ist auch eine Art von Wollust... Laß dich noch mehr gehen! Ah, so ist's gut. So liegst du fast wie eine Tote da... Diese köstliche Selbstvergessenheit ... so... ja, so! Jetzt werde ich mich deiner bemächtigen, werde es dir warm machen, dich allmählich ins Leben zurückrufen; ich werde dich in Feuer und Flammen setzen, dich dem Höhepunkt vollständiger Genüsse entgegenführen. Dann wirst du wieder tot zurücksinken – aber tot vor Wonne, vor Übermaß des Genusses... Unerhörte Seligkeiten! sie auch nur einen blitzschnellen Augenblick zu kosten, ist schon Götterwonne.

Fanny: Deine Worte brennen – sie brennen, Gamiani! Ans Werk, ans Werk!

Gamiani band sich schnell die flatternden Haare, die ihr im Wege waren, zu einem Knoten zusammen. Sie fuhr mit der Hand zwischen ihre Schenkel und regte sich einen Augenblick auf; dann stürzte sie sich auf Fannys Leib, den sie in enger Umschlingung bedeckte. Ihr Mund öffnete die roten Lippen des jungen Mädchens, ihre Zunge drang vollständig ein. Fanny seufzte; Gamiani sog ihren Atem ein und blieb dann einen Augenblick unbeweglich liegen. Beim Anblick dieser beiden nackten Frauen, die regungslos, wie zusammengewachsen, aufeinanderlagen, hatte ich das Gefühl, daß sie sich auf eine geheimnisvolle Art miteinander vermählten, daß ihre Seelen schweigend ineinanderflössen.

Plötzlich macht Gamiani sich leise los und erhebt sich. Ihre Finger spielen mit Fannys Locken, und dabei blickt sie sie mit einem unaussprechlich schmachtenden und wollüstigen Lächeln an. Vom Kopf bis zu den Füßen bedeckt sie sie mit Küssen, mit zärtlichen Bissen; sie kitzelt ihr die Fußsohlen mit den Fingerspitzen, mit der Zunge. Dann stürzt sie sich wild über sie her, springt auf und fällt keuchend, rasend abermals auf Fannys Leib. Ihr Mund, ihre Finger sind hier, sind da, sind überall. Fanny wird überall geküßt, gedrückt, befingert; Gamiani kneift sie, zwickt sie, beißt sie. Da bekommt Fanny Angst; sie stößt einen scharfen Schrei aus; aber im Nu besänftigt ein sanftes Streicheln den Schmerz, und ein langer Seufzer dringt aus ihrer Brust. Gamiani wird immer feuriger, immer wilder. Jetzt liegt ihr Kopf zwischen den Schenkeln ihres Opfers. Ihre Finger biegen zwei zarte Schamlippen auseinander. Ihre Zunge senkt sich in den Kelch, und langsam überströmt sie sie mit allen Wonnen des aufregendsten Kitzels, den es für ein Weib gibt. Gamiani verfolgt alle Stadien der Wollustraserei ihrer Freundin; um die Ekstase nicht zu früh kommen zu lassen, verlangsamt sie je nach Bedarf die Bewegungen ihrer Zunge; dann wieder verdoppelt sie deren Schnelligkeit. Plötzlich bäumt Fanny sich wild empor und ruft: »Zuviel!... Ach!... ich sterbe... O!«

»Da! nimm!« keucht Gamiani. Und mit diesen Worten reicht sie ihr ein Fläschchen, dessen Inhalt sie selber soeben zur Hälfte geleert hat. »Trink! Ein Lebenselixier! Es wird dir frische Kräfte geben.«

Fanny ist besinnungslos, widerstandslos. Sie schluckt den Saft hinunter, den Gamiani ihr in den halbgeöffneten Mund gießt. »Ha!« ruft plötzlich Gamiani überlaut; »jetzt bist du mein!«

In ihrem Blick lag ein teuflischer Ausdruck. Zwischen Fannys Schenkeln kniend, schnallte sie sich den riesigen Phallus um.

Bei diesem Anblick geriet Fanny in krampfhafte Zuckungen. Es sah aus, als ob ein inneres Feuer sie verzehrte, sie rasend machte. Mit weit geöffneten Schenkeln erwartete sie kampfesmutig den Angriff der furchtbaren Waffe.

Doch kaum hatte sie die ersten schmerzhaften Stöße erlitten und ausgehalten, da schüttelte ein ungeheurer Krampf ihren ganzen Körper. Und laut schrie sie auf!

»Weh! Weh mir! Der Saft brennt; der Trank, den du mir gabst, zerfrißt meine Eingeweide! Das sticht! Das beißt! Ach, ich sterbe! Ich muß sterben ... Verdammte ruchlose Hexe – ich bin dein, ich bin dein!...«

Gamiani kümmerte sich nicht um dieses Angstgeschrei. Mit verdoppelter Heftigkeit stieß sie weiter. Sie brach sich ihren Weg in Fannys Leib, deren Schenkel mit Blut überströmt wurden. Plötzlich aber verdrehen sich Fannys Augen; ihre Glieder krümmen sich, dann werden ihre Beine, ihre Hände krampfhaft steif. Jetzt zweifle ich nicht länger, daß Gamiani ihr ein schnellwirkendes Gift eingegeben und auch selbst dieses Gift getrunken hat. Entsetzt will ich meiner Geliebten zu Hilfe eilen. Ich zerschmettere die Tür.

Aber ach – Fanny lebte nicht mehr. Ihre Arme, ihre Beine umschlangen in furchtbarer Verkrampfung Gamiani, die noch lebte, aber sichtlich mit dem Tode rang. Ich wollte sie auseinanderreißen; aber eine röchelnde Stimme flüsterte:

»Siehst du denn nicht, wie das Gift mich verbrennt, wie meine Sehnen sich spannen? Geh! Geh! Fanny ist mein... O! weh! weh!«

»Entsetzlich!« schrie ich außer mir.

»Bah! jetzt kenne ich jede Wollust, jede! Begreife doch, du Narr: eine kannte ich noch nicht: Ich wußte nicht, ob es Wollust sei, im eigenen Todeskampf ein anderes mit dem Tode kämpfendes Weib zu lieben.

Furchtbar groß ist diese Wollust! Ich sterbe... aber ich sterbe in der Raserei der Lust, in der Raserei des wundervollsten Schmerzes... Ich... ich... kann nicht mehr... Aaaah... Noch ein langer Schrei aus der tiefsten Tiefe ihrer Brust, und die Furie sank tot auf Fannys Leiche.

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