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Gallegher und andere Geschichten

Richard Harding Davis: Gallegher und andere Geschichten - Kapitel 6
Quellenangabe
authorRebecca und Richard Harding Davis
titleGallegher und andere Geschichten
booktitleKürschners Bücherschatz
seriesKürschners Bücherschatz
publisherHermann Hillger Verlag
yearo.J.
translatorGertrude Hildebrandt-Eggert
illustratorW. Roegge
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20170302
projectid27ab685a
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Van Bibbers Abenteuer.

Von Richard Harding Davis.

In der Stadt war ein Ball gewesen, aber da Van Bibber nicht erwarten tonnte, sie dort zu treffen, so war er dem Vorschläge des jungen Travers gefolgt, mit hinüber nach Jersey zu fahren, wo ein Ringkampf zwischen dem »holländischen« Mack und einem Farbigen stattfinden sollte, der von seinen Berufsgenossen der schwarze Diamant genannt würde. Sie verbargen ihren Gesellschaftsanzug unter langen Mänteln, steckten sich die Taschen voll Cigarren, denn der Tabaksqualm bei einem solchen Feste ist für feine Nasen schier unerträglich, und machten die Uhren an doppelten Ketten fest. Alf Alpin, der die Gäste als »Hausherr« begrüßte; war von ihrem Kommen sehr entzückt und bestand darauf, sie auf der Bühne zu plazieren. Bald darauf flüsterte man sich zu, daß »die beiden Herren in hohen Hüten« in einem Wagen gekommen seien, was ebenso sehr das allgemeine Interesse erregte, als ihre Lackstiefeln.

Man wisperte sogar, daß sie die Spender des Geldes seien, das den »schwarzen Diamanten« bewogen habe, gegen den »Hefter Straßen-Jackson« aufzutreten. Das allein genügte, sie der allgemeinen Hochachtung zu empfehlen. Van Bibber wurde denn auch ausgefordert, der Zeitrichter zu sein und die Uhr zu halten, eine Ehre, die er klüglicherweise ablehnte. Sie wurde darauf Herrn Andy Spielmann, dem Sportberichterstatter des »Athlet« zu teil, der dabei seine mit Brillanten besetzte Uhr bewundern lassen konnte.

Die zweite Morgenstunde war angebrochen, ehe des »holländischen Mack« Sekundant den Schwamm in die Luft werfen konnte, mit dem er ihm das Blut abgewaschen, und drei Uhr, ehe man die Stadt wieder erreichte. Die Fahrt machten sie zusammen mit Herrn Spielmann, der so tapfer die Uhr gehalten hatte, und mit einem anderen Reporter. Und da Van Bibber nicht hoffen durfte, seinen unglaublichen Hunger noch im Klub stillen zu können, so folgte man Spielmanns Einladung zu einem Beefsteak mit Zwiebeln in das »Eulennest«, des Herrn Gus Mc. Gowan Nachtklappe in der dritten Straße.

Es war ein dumpfes, schmutziges Loch, aber warm wie der Heizraum in einem Dampfboot, und die Beefsteaks waren delikat. Das Schlafengehen lohnte sich nicht mehr, so blieb man sitzen, preßte den Rücken gegen die Stuhllehne, ließ die Stühle auf den Hinterbeinen wippen und stemmte die Beine gegen die Tischkante.

Van Bibber und sein junger Freund hatten ihre Überröcke abgelegt, und ihre blendende Wäsche erstrahlte im Mischlicht der gelben Flammen einiger Öllampen und des roten Grillfeuers, das in einer Ecke brannte. Man plauderte über das Reporterleben und die seltsamen Vorstellungen, die man sich vielfach davon mache.

»Ich denke, Ihnen begegnen allerlei seltsame Abenteuer?« äußerte Van Bibber zu seinen Begleitern.

»Abenteuer?« wiederholte der eine mit merklich zweifelnder Betonung. »Mir ist noch nie etwas passiert, das nicht durch irgend eine banale Ursache seine Erklärung gefunden hätte. Anfänglich mag es einem ja wohl scheinen, als wolle sich die Pforte der Romantik öffnen, aber bald löst sich das Geheimnis in der platten Alltäglichkeit auf. Man sollte freilich meinen, in einer so großen Stadt, wie der unseren, könnte man einmal auf etwas Absonderliches stoßen, wie etwa aus Stevensons Selbstmörder-Klub, aber ich habe noch nichts dergleichen gefunden. Dickens hat zwar James Payn erzählt, das Seltsamste, was ihm je auf seinen Streifereien durch London begegnet sei, wäre ein verlumpter Mann gewesen. Er habe beobachtet, wie dieser Mann sich unter das Fenster eines großen Hauses geduckt, in der eine Ballfestlichkeit abgehalten wurde. Plötzlich sei der Vorhang von jenem Fenster fortgezogen worden und in dem geöffneten Flügel habe sich ein schönes, wundervoll gekleidetes Weib gezeigt, das ihr Bouquet jenem Verlumpten in die Hand gedrückt, der sich darauf eilends entfernt habe, die Blumen unter seinem Rock verbergend. Das sei gewiß etwas Seltsames, aber ihm sei der Zufall noch niemals so günstig gewesen,« beendete er sein Bekenntnis.

Herr Spielmann bestätigte die Erfahrung seines Kollegen. Er habe New-York zu jeder Tages- und Nachtstunde durchstreift, an Phantasie gebreche es ihm nicht, aber niemals hätten ihm gefangene Mädchen aus vergitterten Fenstern, oder »weiße Hände« aus einer vorübersausenden Droschke zugewinkt. Wenn Balzac, Musset und Stevenson behaupteten, ihnen sei dergleichen geschehen, so wolle er an ihren Worten zwar nicht zweifeln, aber schwören darauf würde er nicht.

Mc. Gowan, der inzwischen hinter seinem Schenktisch eingeschnarcht, erwachte plötzlich und rieb sich fröstelnd die Rockärmel. Im gleichen Augenblicke öffnete ein Weib die Hintertür und bat uns der ewigen Barmherzigkeit willen um einen Trunk. Der Koch am Grill, der ihr zunächst stand, wies sie ab, worauf die Tür sich wieder schloß. Man hörte eben noch, wie sie laut fluchend ihren Weg fortsetzte. Darauf erschienen vandalierend drei Nachtschwärmer mit einem Frachtkutscher. Sie forderten stürmisch, daß alles, was anwesend war, mit ihnen trinke. Da das jedoch abgelehnt wurde, wurden sie ausfallend und das hatte wiederum zur Folge, daß Mc. Gowan sie hinausspedierte.

»Sehen Sie,« dozierte der Reporter, »so ist es immer. Das Nachtleben in der Großstadt ist weder malerisch noch romantisch. Es ist einfach wüst und brutal und regt einen nur so lange auf, bis man sich daran gewöhnt hat. Dann spürt man nur den Stumpfsinn noch heraus.«

Das rollende Gepolter der Marktwagen und der Milchkarren verrieten den anbrechenden Tag, und als man endlich aus der Türe trat, da blies ihnen die scharfe Morgenluft so schneidend ins Gesicht, daß sie die Rockkragen hochnahmen und mit den Füßen stampften. Die Straßenlaternen flackerten trübe. Travers und der Reporter schlugen den Weg zu einem römischen Bade ein, und Herr Spielmann warf sich in eine Nachtdroschke und fuhr nach Hause. Van Bibber behagte die frische Morgenluft, und so beschloß er, zu Fuße heimzukehren. Er hatte das seltsame Empfinden, das den Übernächtigen zuweilen beschleicht, einen Tag verloren zu haben. Der Ball, den er vor wenigen Stunden verlassen, die Boxerei in Jersey erschienen ihm, als wären sie in die weiteste Vergangenheit gerückt.

Die Häuser in der Querstraße, die er durchschritt, waren tot wie die Mauern. Nur hie und da flatterte eine Gardine aus einem Fenster, hinter dem ein Schläfer ruhte. Die Straße war völlig tot, nicht einmal ein Polizist oder eine Katze waren zu erblicken. Van Bibbers Tritte klangen hart auf dem Pflaster. An der Ecke der nächsten Hauptstraße lag ein großes Gebäude, dessen steinerne Mauer und Stallungen sich bis in die Querstraße zogen. Die Mauer unterbrach eine Türe, und als Van Bibber sich eben ihr näherte, wurde sie sorgfältig von innen geöffnet. Ein Kopf erschien und verschwand darin mit Blitzesschnelle. Die Türe fiel ins Schloß zurück. Van Bibber blieb stehen und starrte sie an. Dann starrte er auf das Haus und endlich starrte er die leere Straße hinauf und hinunter. Nichts regte sich. Alles lag wie tot.

Van Bibber konnte sich nicht vorstellen, daß sein Äußeres so abschreckend wäre, um einen ehrlichen Mann zu verscheuchen. Er schloß daraus, daß der Kopf, den er soeben erblickt, einem unehrlichen gehören müsse. Ging's ihn was an? Er verneinte die Frage, aber der Gedanke an das kaum beendete Gespräch und der Wunsch, daß ihm Abenteuerliches begegnen möge, hielten ihn zurück. Er mußte der Sache auf den Grund gehen.

So näherte er sich leise der Tür und kletterte daran zur Mauerbrüstung hinaus, um einen Blick in das umschlossene Grundstück zu gewinnen. Er drückte dabei mit dem Fuße die Klinke nieder, die ihm als Stützpunkt dienen mußte, und das verursachte einiges Geräusch.

Der Mann dahinter mochte meinen, daß von außen her versucht würde, die Tür zu öffnen, und so lehnte er sich mit seiner Schulter dagegen, um das Öffnen zu verhindern. Van Bibber sah das von seinem erhabenen Standpunkt aus. Er sah auch, daß jener Mann in seiner Rechten einen Revolver hielt und sah zwei Säcke, die mit allerhand daraus hervorstehenden Gegenständen angefüllt waren, die zu des Mannes Füßen lagen.

Es bedurfte für Van Bibber keines Kommentars, daß jener Mann ein Einbrecher sei, der seinen Raub aus diesem Hause geholt, und daß sein zufälliges Erscheinen ihn am Rückzug verhindert habe.

Was war zu tun?

Der Praxis eines Polizisten entbehrte er leider, und auf den Kampf mit einem Verbrecher fühlte er sich in keiner Weise trainiert. Auch der Mann, der da bestohlen worden war, ging ihn nichts an, nur die Solidarität mit dem Bestohlenen, als einem Angehörigen der besitzenden Klassen, erschien ihm bestimmend, gegen den Einbrecher Partei zu nehmen.

So beschloß er, sich einfach von oben herab aus den Mann fallen zu lassen und, wie er richtig kalkuliert, brach jener unter der Last, die sich auf ihn geworfen, zusammen.

Dabei entlud sich der Revolver.

Auf den Einbrecher übte alles das eine so überraschende Wirkung, daß die Waffe seiner Hand entglitt. Noch ehe er sie aber wieder ergreifen konnte, hatte Van Bibber sie mit seinem Fuße fortgestoßen und aufgehoben. Nun trat er schnell zur Seite, hob den Revolver und sagte: »Ich schieße, sowie Ihr Miene macht, Euch zu rühren.« »Vermutlich werde ich Euch fehlen,« wollte er eben hinzusetzen, aber er unterdrückte die ehrliche Regung.

Der Einbrecher versuchte indessen zu Van Bibbers großer Überraschung gar keinen Widerstand. Er blieb ruhig am Boden sitzen, die Hände um die Knie verschränkt, und erwiderte: »Schießt zu. Ich konnte mir's schon denken.«

Seine Zähne gruben sich dabei in seine Lippen, und sein Gesicht bekam einen so verzweifelten und verbitterten, einen so unsagbar hoffnungslosen Ausdruck, daß Van Bibber förmlich erstarrte.

»Nur zu!« ermunterte ihn der Dieb. »Ich rühre mich ja nicht.«

Van Bibber ward es ungemütlich. Er konnte doch einen Wehrlosen, sich nicht zur Wehre Setzenden nicht erschießen? Die Waffe wurde ihm locker in der Hand. Am liebsten hätte er sie wieder hingelegt und wäre davon gegangen. Allein das hätte die Situation doch sehr zu seinen Ungunsten verändern können.

»Ihr habt wenig Schneid,« begann er endlich seine Inquisition. »Mich deucht, Ihr seid eine jämmerliche Sorte von einem Spitzbuben.«

Ein verächtlicher Blick auf Van Bibber war die Antwort. »Was wollt Ihr,« erwiderte er endlich. »Ich gehe doch nicht zurück – nicht lebendig. Ich habe meinen Rest im Loche abgedient. Wenn ich dorthin zurück sollte – so wär's mein Tod.«

»Wohin zurück?« fragte Van Bibber weich und voller Teilnahme, »ins Gefängnis?«

»Ja, ins Gefängnis,« krächzte der Dieb heiser. »Seht mein Gesicht an und mein Haar, das sollte Euch sagen, wo ich gewesen bin. Aus meiner Haut ist jegliche Farbe gewichen, und aus den Knochen jede Kraft. Sie brauchen sich vor mir nicht zu fürchten. Ich könnte Ihnen nichts zu leide tun, selbst wenn ich wollte. Ich bin nichts mehr als ein Skelett. Und nun wollen Sie mir abermals und auf Lebenszeit dorthin verhelfen? Dieses Mal wär's auf zwanzig Jahre. Zwanzig Jahre in ein elendes Loch,« wiederholte er, »obwohl ich mich gut geführt und fleißig gearbeitet habe.«

Van Bibber nahm den Revolver aus der einen Hand in die andere und sah den Gefangenen zweifelhaft an.

»Wie lange seid Ihr draußen?« fragte er, indem er sich auf einer Treppe niedersetzte, den Revolver zwischen den Knien haltend.

»Ich bin gestern herausgekommen,« entgegnete der Mann.

Van Bibber blickte auf die Säcke und hob den Revolver. »Ihr habt nicht viel Zeit versäumt,« meinte er dann.

»Nein,« erwiderte der Mann trübe. »Nein, freilich nicht. Ich kannte dies Haus und ich wollte nach Westen, zu den Meinen. Die Rettungs-Gesellschaft aber sagte, ich müsse warten, bis ich das Reisegeld verdient hätte. Und ich konnte nicht warten. Ich habe mein Weib seit sieben Jahren nicht gesehen, und mein Töchterchen auch nicht. Sieben Jahre, junger Herr; bedenken Sie – sieben Jahre. Wissen Sie, wie lange das ist? Sieben Jahre ohne Weib und Kind! Und sie sind rechtliche Leute,« fügte er hastig hinzu. »Mein Weib zog gen Westen, als ich eingesperrt wurde, und nahm einen anderen Namen an, und meine Kleine weiß nichts Böses von mir. Sie denkt ich bin auf See. Jetzt wollte ich zu ihnen. Das war der Plan. Ich wollte sie Wiedersehen und ich dachte, ich könnte hier genug ergattern, um das Fahrgeld zu bezahlen, und nun,« stöhnte er und ließ den Kopf in die Hand sinken, »nun muß ich zurück. Und ich hatte mir vorgenommen, dort im Westen rechtschaffen zu leben. Gott weiß, ich wollte das! Nun aber ist's mir einerlei. Ich mache mir nichts draus, ob Sie mir glauben oder nicht.«

»Ich habe nicht gesagt, daß ich an Ihren Worten zweifle,« erwiderte Van Bibber bedächtig und faßte seinen Mann ins Auge. Der aber blieb apathisch sitzen. Nichts in seinem scheuen Blick verriet, daß er auch nur den Schimmer einer Hoffnung hege oder Gnade zu erbetteln suche. Vielleicht rührte das Van Bibbers Herz, vielleicht auch war es der Gedanke an Weib und Kind des Elenden. »Ich meine,« sagte er endlich im Selbstgespräch, »ich müßte Euch zur Polizei bringen.«

»Lebendig nicht,« entgegnete der Einbrecher ruhig.

Van Bibber überlegte. Sein »Abenteuer« mochte er nicht gerade in einem Schergendienst beenden. So sagte er endlich: »Ich kann nicht wissen, ob Ihr lügt. Viel halte ich von Eurer Beteurung nicht, und daß Ihr rechtschaffen leben wollt, bezweifle ich. Aber ich will Euch einen Fahrschein bis zum Wohnort Eurer Frau kaufen und will Euch zum Zuge bringen. Ihr könnt dann auf der nächsten Station aussteigen und nächste Nacht mein Haus ausrauben, wenn's Euch darnach gelüstet. Werft die beiden Säcke in die Küchentür, damit der Diener sie findet, noch ehe der Milchmann kommt, und nun geht vor mir her, steckt Eure Hände in die Taschen und versucht nicht zu entlaufen. Ihr wißt ja, ich habe Euren Revolver.«

Der Mann tat, wie ihm geheißen und schritt mit einem zweifelnden Blick auf seinen Wächter auf die Straße hinaus. Willig gehorchte er jeder Weisung, die ihm gegeben wurde. So schritten sie dem Zentral-Bahnhofe zu. Van Bibber blieb dicht hinter ihm und sann und sann, was wohl seine Pflicht wäre. Bei jedem Polizisten, an dem er vorüberschritt, kam er sich schuldbewußt vor, aber wenn er an das Weib und Kind des Mannes dachte, die im Westen als rechtschaffene Menschen lebten, dann wurde ihm wieder ruhiger ums Herz.

»Wohin?« fragte Van Bibber, als er am Billetschalter stand. »Helena, Montana,« entgegnete der Mann zum erstenmal mit einem Blick der Erleichterung. Van Bibber kaufte das Billet und händigte es dem Diebe aus. »Ihr wißt doch vermutlich,« sagte er dann, »daß Ihr den Fahrschein unten in der Stadt für den halben Preis verkaufen könnt?«

»Ja, das weiß ich,« erhielt er zur Antwort. Es fehlte noch eine halbe Stunde bis zum Abgang des Zuges, und Van Bibber nahm seinen Schützling in das Restaurant und beobachtete, wie er, unablässig nach links und rechts blickend, alles verzehrte, was er ihm vorsetzen ließ. Dann gab er ihm noch etwas Geld, nannte ihm seine Adresse und forderte ihn auf, an ihn zu schreiben. Der Mann nickte eifrig, zog seine Mütze und der Zug rollte davon. Van Bibber sah ihm noch eine Weile nach und kehrte dann mit sonderbaren Gefühlen nach der Stadt zurück.

Nach einem kalten Bade in seiner Wohnung wechselte er die Kleider und ging zum Frühstück zu Delmonico. Während der Kellner den Tisch deckte, warf er einen Blick in die Zeitung. Zuerst las er den Ballbericht und freute sich, seinen Namen darin genannt zu finden, dann studierte er die lebhafte Schilderung der Boxerei des »Holländischen Mack« mit dem »Schwarzen Diamanten«, und endlich fiel sein Auge auf eine Notiz, in der berichtet wurde, daß »Abe« Hubbard, genannt »Jimmie, der Herr«, ein Einbrecher, aus dem Gefängnisse in New Jersey entwichen sei. Seine Spur habe man bis New-York verfolgen können. Die sich daran schließende Beschreibung des Verbrechers ließ Van Bibber keinen Zweifel, daß dies sein Mann sei. Zum Schluß wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß man des Einbrechers wieder habhaft werden würde, wenn nicht die, die ihm zur Flucht aus dem Gefängnisse verholfen hätten, sein Entweichen nach dem Westen begünstigen würden.

»Beinahe richtig,« murmelte Van Bibber und lächelte voll grimmigen Behagens.

»Was befehlen Sie?« forschte in diesem Augenblick der Kellner.

Van Bibber besann sich ein wenig, dann meinte er: »Wie alle Tage! Ham and eggs. Etwas Grünzeug und – Kaffee!« –

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