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Für Vaterland und Ehre

Wilhelm Kranzler: Für Vaterland und Ehre - Kapitel 89
Quellenangabe
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authorWilhelm Kranzler
titleFür Vaterland und Ehre
publisherHansa-Verlag Mercus Zutermann
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correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Vom Balkankriegsschauplatz im Mai 1916.

Auf dem Balkankriegsschauplatz herrschte den ganzen Monat Mai hindurch Ruhe. Unsere Grenzarmeen in Mazedonien standen auf der Wacht. Die Engländer und Franzosen wurden in der Gegend von Saloniki festgehalten. Wie sich Griechenland mit seinen englischen und französischen »Freunden« auseinandersetzte, ließ uns kalt. In Albanien saßen italienische Truppen in Valona fest. Nur Grenzplänkeleien und einige Fliegerkämpfe wurden gemeldet.

Am 4. Mai vormittags hatten österreichische Seeflugzeuge Valona, am Nachmittag Brindisi bombardiert. In Valona wurden Batterien, Hafenanlagen und Flugzeugstationen mehrfach wirkungsvoll getroffen, in Brindisi mehrere Volltreffer auf Eisenbahnzüge, Bahnhofsgebäude und Magazine, ferner im Arsenal inmitten einer dicht zusammenliegenden Gruppe von Zerstörern beobachtet. Mehrere Bomben explodierten in der Stadt. Ein zur Abwehr aufsteigendes feindliches Flugzeug wurde sofort vertrieben. Auf dem Rückzuge wurde weit in See der Kreuzer »Marco Polo« angetroffen und die auf Deck dicht zusammenstehende Bemannung mit Maschinengewehr wirkungsvoll beschossen. Trotz des heftigen Abwehrfeuers waren sowohl von Valona als auch von Brindisi alle Flugzeuge wohlbehalten zurückgekehrt.

Wie die Entente sich als Gast in Griechenland betrug, ersahen wir aus folgender Meldung: »Drei französische Kompagnien sind am 2. Mai in Florina (an der Saloniki–Monastir-Bahn) eingedrungen, nachdem sie vorher die Telegraphen- und Telephonlinien abgeschnitten hatten. Von ihren Spionen geleitet, drangen sie in verschiedene Häuser ein und nahmen etwa zwölf griechische Untertanen fest, von denen sie behaupteten, daß sie Spione seien oder die Bulgaren und die deutsche Armee mit Lebensmitteln versähen. Gleichzeitig nahmen sie den Sekretär des österreichischen Konsulats in Monastir fest, der auf der Rückreise von Athen war. Die griechischen Lokalbehörden protestierten und verlangten die Auslieferung der Gefangenen, worauf die französischen Offiziere erklärten, sie handelten nach bestimmten Weisungen, und mit den Gefangenen abzogen. Auch die griechische Regierung erhob Einspruch, und der österreichisch-ungarische Gesandte seinerseits legte in Athen Protest ein gegen die Verhaftung des Sekretärs auf neutralem Boden. Die englische Gesandtschaft hatte der griechischen Polizei zugegeben, daß die vor dem Hause der bulgarischen Gesandtschaft gefundene Bombe, die nicht explodierte, englisches Fabrikat sei und zu einer Sendung gehörte, die seinerzeit bei Kriegsausbruch an Serbien geliefert wurde.«

Man betrachtete in Athen die Krise, die das Verlangen der Verbandsmächte, die griechischen Eisenbahnen zur Ueberführung der serbischen Truppen nach Saloniki zu benutzen, heraufbeschworen hatte, als überstanden. Die Haltung der griechischen Regierung hatte einen sehr guten Erfolg gehabt.

König Konstantin erklärte, er sei fest entschlossen, nicht zu weichen, weder vor einem ausländischen Druck noch vor inneren Unruhen, falls solche eintreten sollten. Er gehöre nicht zu den Fürsten, denen das Aufgeben der Neutralität aufgezwungen werden könne. Sollte die allgemeine Lage eine derartige werden, daß er die Ueberzeugung gewinne, ein Krieg bringe für Griechenlands nationale Interessen Vorteile, so werde er mit seinen Entschlüssen keinen Augenblick zögern.

Die Franzosen besetzten das griechische Fort Dowa-Tepe, nördlich Demir-Hissar, trotz des Protestes der kleinen Besatzung.

Ueber den Transport der Reste des serbischen Heeres von Korfu nach Saloniki erfuhren wir durch eine Schweizer Meldung: »Das Kommando der Ententeflotte im Mittelmeer hat zur Durchführung der Serben-Transporte aus Korfu nach Saloniki ganz außerordentliche Maßregeln ergriffen, um sie vor Torpedierungen durch deutsche Tauchboote zu sichern. Die serbischen Transporte fahren auch unter Benutzung der Passage durch den Kanal von Korinth, was Griechenland nach einiger Weigerung gestatten mußte, durch eine förmliche Straße von Ueberwachungsschiffen. Die Fahrtrinne wird Tag und Nacht durch Torpedobootzerstörer und Minenfischfahrzeuge abgesucht. Die als Schlupfwinkel von feindlichen Tauchbooten verdächtigten Küstenpunkte wurden durch die Ententeschiffe förmlich ausgeräuchert und gesperrt. Bisher sind die Transporte glatt verlaufen; täglich werden mehrere hundert Mann hier gelandet. Es sollen 90- bis 100 000 Serben (??) insgesamt ausgeschifft werden, die Montenegriner einbezogen. Ob damit die französischen Territorialtruppen abgelöst werden sollen, ist bisher unbekannt. Jedenfalls sind die Meldungen, nach denen die Franzosen bereits nach Marseille eingeschifft wurden, unrichtig.« – An den 90- bis 100 000 Mann zweifelten wir sehr!

Am 16. Mai wurde eine gegen die deutsche Stellung am Wardar-Ufer vorgehende feindliche Abteilung abgewiesen.

Der deutsche Generalstab meldete am 19. Mai: »Ein Flugzeug-Geschwader griff die feindlichen Lager bei Kukus, Causica, Mihalova und Saloniki an.«

Die Vierverbandsflotte hatte jetzt, gemäß ihrem Plane, den griechischen Nordepirus auszuhungern, ihre Blockade der Epirus-Küste effektiv gestaltet. Kein Schiff durfte dort mehr Waren oder Lebensmittel ohne vorherige Genehmigung Englands und Frankreichs ausladen. Ein griechischer Dampfer, der Mehl für Nordepirus an Bord hatte und seine Ladung in Santi Quaranta löschen wollte, wurde daran gehindert und nach Korfu zurückgebracht unter dem Vorwand, man habe Grund zu dem Verdacht, daß über die nordepirotische Grenze ein Schmuggel von Lebensmitteln nach Oesterreich stattfinde. Dabei war allgemein bekannt, daß die Bevölkerung dieser neuen griechischen Provinz geradezu Hunger litt. In Koritza z. B. nährte sich die Bevölkerung nur noch von Gemüse.

Am 24. Mai erhielten wir auch wieder einen bulgarischen Kriegsbericht über die Lage auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz: »Seit zwei Monaten haben die englisch-französischen Truppen begonnen, das befestigte Lager von Saloniki zu verlassen und sich unserer Grenze zu nähern. Die Hauptstreitkräfte der Engländer und Franzosen sind im Wardartal aufgestellt und breiten sich ostwärts Dova-Tepe bis zum Strumatal und westwärts über die Gegend von Subotsko und Vodena bis nach Lerine (Florina) aus. Ein Teil der wiederhergestellten serbischen Armee ist schon in Saloniki gelandet, seit einem Monat ungefähr herrscht fast täglich Geschützfeuer an der Front Doiran–Gewgheli, aber die Engländer und Franzosen haben bis jetzt noch an keiner Stelle die Grenze überschritten. Vorgestern wurde eine französische Aufklärungs-Abteilung von unseren Patrouillen im Dorfe Gorni Garbale unter Feuer genommen. Die Reiter ergriffen die Flucht und ließen ihre Pferde im Stich, die von unseren Soldaten eingefangen wurden.«

Deutsche Soldaten an einem Sonntagmorgen am Wardar.

Ende Mai kam auch wieder etwas Bewegung in die kriegerischen Operationen auf dem Balkan. Ueber Italien wurde gemeldet, daß rechts des Wardar zahlreiche und sehr lebhafte Scharmützel und links des Wardar heftige Artilleriekämpfe stattgefunden hätten. Es sei aber nicht anzunehmen, daß eine umfassende und entscheidende Aktion in nächster Zeit bevorstehe.

Bei Feras versuchten die Italiener in den letzten Maitagen, die am Nordufer der Bojusa liegenden Ortschaften zu brandschatzen; sie wurden durch österreichische Patrouillen vertrieben.

Das bulgarische Hauptquartier meldete am 26. Mai: »Am 23. und 24. Mai hat sich nichts Besonderes ereignet. An der Front Doiran–Gewgheli starke gegenseitige Kanonade. Unsere Artillerie brachte eine feindliche Batterie südlich vom Dorfe Majadagh zum Schweigen und trieb feindliche Schützen, die westlich von diesem Dorfe Stellung genommen hatten, aus ihren Gräben hinaus. Eine unserer Patrouillen griff eine aus 25 Mann bestehende französische Patrouille an und verjagte sie aus dem am südlichen Belasitza-Abhang gelegenen Dorfe Palmisch. Am 24. Mai warfen feindliche Flugzeuge eine Bombe auf Gewgheli und eine zweite südlich vom Dorfe Petrowe, richteten jedoch keinen Schaden an.«

Der amtliche bulgarische Bericht vom 27. Mai meldete: »Heute sind Abteilungen unserer im Strumica-Tale operierenden Truppen aus ihren Stellungen vorgedrungen. Sie haben den Südausgang des Engpasses von Rupel sowie die anstoßenden Höhen östlich und westlich des Strumaflusses besetzt.«

In maßgebenden bulgarischen Kreisen herrschte die Meinung vor, daß die Besetzung des Engpasses von Rupel durch die Bulgaren nicht zu diplomatischen Verwicklungen führen werde, da die Absichten der bulgarischen Regierung, Griechenland selbst nicht anzugreifen, allgemein bekannt wären. Die Besetzung des griechischen Gebietes hatte lediglich einen defensiven Charakter.

Deutsche und bulgarische Streitkräfte besetzten, um sich gegen augenscheinlich beabsichtigte Ueberraschungen durch die Truppen der Entente zu sichern, die in diesem Zusammenhang wichtige Rupel-Enge an der Struma. Unsere Ueberlegenheit zwang die schwachen griechischen Posten auszuweichen; im übrigen wurden die griechischen Hoheitsrechte gewahrt.

Die englische Flotte war am 30. Mai im Hafen von Nauplia erschienen und hatte dort die großen Petroleumbehälter beschossen und in Brand gesteckt. Das Feuer äscherte fast sämtliche Hafengebäude ein. Der Schaden war riesengroß. Die griechische Regierung legte bei der englischen Regierung wegen dieses Vorfalles Protest ein.

Nauplia (Nayplion) liegt auf dem Peloponnes in der Landschaft Argolis, an der Nordostseite des Golfes von Argos oder Nauplia. Die alten Befestigungen sind zerfallen. Eine Eisenbahn führt nach Argos und von dort über Korinth nach Athen. Im Mittelalter hatte Nauplia in den Kriegen der Republik Venedig gegen die Türkei eine wichtige Rolle gespielt.

Am letzten Maitage meldeten die Oesterreicher, daß sie an der unteren Volusa in Albanien italienische Patrouillen verjagt hatten.

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