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Für Vaterland und Ehre

Wilhelm Kranzler: Für Vaterland und Ehre - Kapitel 72
Quellenangabe
typereport
authorWilhelm Kranzler
titleFür Vaterland und Ehre
publisherHansa-Verlag Mercus Zutermann
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firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Fortgang der Frühlingsschlacht bei Verdun.

Am 1. April wurde amtlich vom westlichen Kriegsschauplatz gemeldet: »Nordwestlich von Roye entwickelte die französische Artillerie sehr rege Tätigkeit. Wir nahmen die feindlichen Stellungen an der Aisne-Front unter wirksames Feuer. In den Argonnen und im Maasgebiet fanden heftige Artilleriekämpfe statt. Unsere Kampfflieger schossen vier französische Flugzeuge ab. Der französische Flugplatz Rosnay (westlich von Reims) wurde ausgiebig mit Bomben belegt.«

Am 2. April wurde über scharfe Kämpfe im Bezirk von Verdun berichtet: »Bei Fay (südlich der Somme) kam ein nach kurzer Artillerievorbereitung angesetzter feindlicher Angriff in unserem Feuer nicht zur Entwicklung. Im Anschluß an die am 30. März genommenen Stellungen wurden die französischen Gräben nordöstlich von Haucourt in einer Ausdehnung von etwa 1000 Metern vom Feinde gesäubert. Auf dem östlichen Maasufer haben sich unsere Truppen am 31. März nach sorgfältiger Vorbereitung in den Besitz der feindlichen Verteidigungs- und Flankierungsanlagen nordwestlich und westlich des Dorfes Vaux gesetzt. Nachdem in diesem Abschnitt das französische Feuer heute Morgen zur größten Kraft gesteigert war, erfolgte der erwartete Gegenangriff. Er brach in unserem Maschinengewehr- und dem Sperrfeuer unserer Artillerie völlig zusammen. Abgesehen von seinen schweren blutigen Verlusten hat der Gegner bei unserem Angriff am 31. März an unverwundeten Gefangenen elf Offiziere, 720 Mann in deutscher Hand lassen müssen und fünf Maschinengewehre verloren.«

Einen sehr schönen Sieg meldete die amtliche Depesche vom 3. April: »Links der Maas sind alle Stellungen des Feindes nördlich des Forges-Baches zwischen Haucourt und Béthincourt in unserer Hand. Südwestlich und südlich der Feste Douaumont stehen unsere Truppen im Kampf um französische Gräben und Stützpunkte.«

In der Gegend der Feste Douaumont hatten unsere unermüdlichen Truppen am 2. April südwestlich und südlich der Feste, sowie im Cailette-Walde starke französische Verteidigungsanlagen in erbittertem Kampfe genommen und in den eroberten Stellungen alle bis in die letzte Nacht fortgesetzten Gegenangriffe des Feindes abgewiesen. Mit besonderem Krafteinsatz und mit außerordentlich schweren Opfern stürmten die Franzosen immer wieder gegen die im Cailette-Walde verlorenen Verteidigungsanlagen vergebens an. Bei unserem Angriff am 2. April waren an unverwundeten Gefangenen 19 Offiziere, 745 Mann, an Beute acht Maschinengewehre eingebracht worden.

Amtlich bekannt gegeben wurde jetzt auch das Ergebnis der Luftkämpfe an der Westfront im März. Es betrug der deutsche Verlust: Im Luftkampf sieben Flugzeuge, durch Abschuß von der Erde drei und vermißt vier, im ganzen demnach 14 Flugzeuge. Demgegenüber betrug der französische und englische Verlust im ganzen 44 Flugzeuge, und zwar im Luftkampf 38, durch Abschuß von der Erde vier und durch unfreiwillige Landung innerhalb unserer Linien zwei. 25 dieser feindlichen Flugzeuge sind in unsere Hand gefallen, der Absturz der übrigen 19 war einwandfrei beobachtet worden.

Am 6. April wurde amtlich berichtet: »Westlich der Maas verlief der Tag zunächst durch das Vorbereitungsfeuer, das wir auf die Gegend von Haucourt legten, sehr lebhaft. Am Nachmittag war auch die Tätigkeit unserer Infanterie rege. Sie stürmte das Dorf Haucourt und einen stark ausgebauten französischen Stützpunkt östlich des Ortes. Abgesehen von sehr erheblichen blutigen Verlusten, büßte der Feind elf Offiziere, 531 Mann an unverwundeten Gefangenen, die zwei verschiedenen Divisionen angehören, ein. Auf dem rechten Maasufer wurde ein erneuter Angriffsversuch der Franzosen gegen die von uns im Cailette-Walde und nordwestlich davon am 2. April genommenen Stellungen schnell erstickt.«

Wie weit Frankreichs Menschenmaterial bereits erschöpft war, ging daraus hervor, daß jetzt bereits die Achtundvierzigjährigen zu den Waffen gerufen wurden. Daneben wurden auch die Siebzehnjährigen eingezogen.

Einen weiteren deutschen Sieg berichtete die Depesche vom 8. April: »Auf dem linken Maasufer erstürmten Schlesier und Bayern zwei starke französische Stützpunkte südlich von Haucourt und nahmen die ganze feindliche Stellung auf dem Rücken des Termitenhügels in einer Breite von über zwei Kilometern. Ein heute früh versuchter Gegenstoß scheiterte völlig. Unsere Verluste sind gering, diejenigen des Gegners, auch infolge des heimtückischen Verhaltens einzelner, besonders schwer. Außerdem wurden 15 Offiziere, 699 Mann unverwundet gefangen, darunter zahlreiche Rekruten der Jahresklasse 1916. Auf den Höhen östlich der Maas und in der Woevre war die Tätigkeit der beiderseitigen Artillerien sehr stark.«

Ueber einen Zeppelinangriff auf Dünkirchen berichteten Lyoner Blätter: »Der deutsche Luftkreuzer erschien gegen 11 Uhr 30 Minuten abends, von Flugzeugen begleitet, über Dünkirchen. Während die deutschen Flieger den französischen den Kampf anboten, überflog der Zeppelin die Stadt, die, von den Scheinwerfern des Luftschiffes beleuchtet, ein gutes Ziel bot. Die ersten zwei Bomben töteten und verwundeten mehrere Personen. Das Alarmsignal der Sirenen wurde nicht von der ganzen Bevölkerung gehört, woraus sich die große Anzahl der Opfer erklärt. Mit voller Geschwindigkeit wandte sich das Luftschiff alsdann in etwa 1500 Meter Höhe dem anderen Ende der Stadt zu, über der sich die Strahlen der Scheinwerfer kreuzten. Mehrere aufeinander folgende Explosionen erschütterten von neuem die Atmosphäre. Gewaltige blaue Flammen, der Schein, welchen die deutschen Geschosse beim Aufschlagen hinterließen, beleuchteten die Angriffszone. Erst jetzt wurde der Zeppelin von unseren Scheinwerfern entdeckt und von den Abwehrkanonen heftig bombardiert. Von Wasserflugzeugen verfolgt, flüchtete das Luftschiff der Küste zu. Der Angriff hatte etwa fünf Minuten gedauert. Acht Bomben waren auf Dünkirchen niedergegangen. Das erste Geschoß wühlte einen Trichter von zwei Meter Tiefe und vier Meter Durchmesser auf. Außer vielen Opfern verursachte das Bombardement großen Sachschaden. Mehrere Häuser wurden gänzlich zerstört.«

Der Bericht vom 10. April meldete: »Auf dem Westufer der Maas wurden Béthincourt und die ebenso stark ausgebauten Stützpunkte Alsace und Lorraine südwestlich davon abgeschnürt. Der Gegner suchte sich der Gefahr durch schleunigen Rückzug zu entziehen, wurde von den Schlesiern aber noch gefaßt und büßte neben schweren blutigen Verlusten hier 14 Offiziere und rund 700 Mann an unverwundeten Gefangenen, zwei Geschütze und 13 Maschinengewehre ein. Gleichzeitig räumten wir uns unbequeme feindliche Anlagen, Blockhäuser und Unterstände an verschiedenen Stellen der Front aus, so dicht nördlich des Dorfes Avocourt und südlich des Rabenwaldes. Auch bei diesen Einzelunternehmungen gelang es, die Franzosen ernstlich zu schädigen; an Gefangenen verloren sie außerdem mehrere Offiziere und 276 Mann. Rechts der Maas wurde in ähnlicher Weise eine Schlucht am Südwestrand des Pfefferrückens gesäubert. Vier Offiziere, 181 Mann und Material blieben in unseren Händen.«

Der Erfolg der bayerischen und schlesischen Truppen südlich von Haucourt hatte die deutsche Front links von der Maas wieder um ein wichtiges Stück vorgeschoben. Der sogenannte Termitenhügel, der seine Bezeichnung wohl der Silhouette verdankt, die er vom Tal aus bietet, liegt einige Kilometer südlich von Haucourt entfernt. Die Franzosen haben beim Kampf um diese Stellungen ungewöhnlich große blutige Verluste erlitten, die durch den am nächsten Morgen versuchten – gescheiterten – Gegenangriff natürlich noch stiegen.

Eine Reliefübersicht über das Kampffeld an der nordwestlichen Front bei Verdun. (Nach einer englischen Darstellung.)

Am 11. April lautete das amtliche Telegramm: »Nach mehrfacher erheblicher Steigerung ihres Artilleriefeuers setzten die Engländer südlich von St. Eloi nachts einen starken Handgranaten-Angriff an, der vor unserer Trichterstellung scheiterte. Die Stellung ist in ihrer ganzen Ausdehnung fest in unserer Hand. In den Argonnen bei La Fille Morte und weiter östlich bei Vauquois fügten die Franzosen durch mehrere Sprengungen nur sich selbst Schaden zu. Im Kampfgelände beiderseits der Maas war auch gestern die Gefechtstätigkeit sehr lebhaft. Gegenangriffe gegen die von uns genommenen französischen Stellungen südlich des Forges-Baches zwischen Haucourt und Béthincourt brachen verlustreich für den Gegner zusammen. Die Zahl der unverwundeten Gefangenen ist hier um 22 Offiziere, 549 Mann auf 36 Offiziere, 1231 Mann, die Beute auf zwei Geschütze, 22 Maschinengewehre gestiegen. Bei der Fortnahme weiterer Blockhäuser südlich des Rabenwaldes wurden heute nacht 222 Gefangene und ein Maschinengewehr eingebracht. Gegenstöße auf Richtung Chattancourt blieben in unserem wirksamen Flankenfeuer vom Ostufer her liegen. Rechts der Maas versuchte der Feind vergebens, den am Südwestrand des Pfefferrückens verlorenen Boden wiederzugewinnen. Südwestlich der Feste Douaumont mußte er uns weitere Verteidigungsanlagen überlassen, aus denen wir einige Dutzend Gefangene und drei Maschinengewehre zurückbrachten. Durch das Feuer unserer Abwehrgeschütze wurden zwei feindliche Flugzeuge südöstlich von Ypern heruntergeholt.«

Bei La Boiselle (nordöstlich von Albert) brachte am 12. April eine kleine deutsche Abteilung von einer nächtlichen Unternehmung gegen die englische Stellung ohne eigene Verluste 29 Gefangene und ein Maschinengewehr zurück. Westlich der Maas griffen die Franzosen vergeblich unsere Linien nordöstlich von Avocourt an, beschränkten sich im übrigen aber auf lebhafte Feuertätigkeit ihrer Artillerie. Auf dem Ostufer brachten drei durch heftigstes Feuer vorbereitete Gegenangriffe am Pfefferrücken dem Feinde nur große Verluste, aber keinerlei Vorteil. Zweimal gelang es den Sturmtruppen nicht, den Bereich unseres Sperrfeuers zu überwinden, der dritte Anlauf brach nahe vor unseren Hindernissen im Maschinengewehrfeuer völlig zusammen. Im Caillette-Walde gewannen wir der zähesten Verteidigung gegenüber schrittweise einigen Boden.

Am 13. April lautete die amtliche Drahtung: »Im allgemeinen konnte sich bei den meist ungünstigen Beobachtungsverhältnissen des gestrigen Tages keine bedeutendere Gefechtstätigkeit entwickeln. Jedoch blieben beiderseits der Maas, in der Woevre-Ebene und auf der Cote südöstlich von Verdun die Artillerien lebhaft tätig. Südöstlich von Albert nahm eine deutsche Patrouille im englischen Graben 17 Mann gefangen. Ein französischer Gasangriff in Gegend von Puisaleine (nordöstlich von Compiegne) blieb ergebnislos.«

Abgesehen von stellenweise lebhaften, im Maasgebiet heftigen Feuerkämpfen war am 14. April nichts Wesentliches zu berichten. Angriffsversuche auf dem linken Maasufer erstarben unter unserem Artilleriefeuer schon in den Ausgangsgräben.

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