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Für Vaterland und Ehre

Wilhelm Kranzler: Für Vaterland und Ehre - Kapitel 70
Quellenangabe
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authorWilhelm Kranzler
titleFür Vaterland und Ehre
publisherHansa-Verlag Mercus Zutermann
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correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Die schwachen Balkankämpfe im März 1916.

Das »neutrale« Griechenland wurde von England wie ein unmündiges Kind behandelt. Die Gesandten des Vierverbandes hatten der griechischen Regierung mitgeteilt, daß die Alliierten der griechischen Bevölkerung ein tägliches Quantum von 1270 Tonnen Getreide und Mais »zugestanden« hätten. Dies entspreche den von der Athener Regierung geäußerten Wünschen (!). Die monatliche Reismenge war auf 17 000 Säcke, die Menge der Kohlen auf 25 000 Tonnen festgesetzt. Die Einfuhr der anderen notwendigen Erzeugnisse sollte »in den Grenzen des vernünftigen Gebrauches« gestattet werden. Wenn sich Griechenland das gefallen ließ, so hatten wir nichts dagegen einzuwenden.

Am 4. März wurde berichtet: »In Albanien ist es unverändert ruhig. Wie nunmehr festgestellt, wurden bei Durazzo 34 italienische Geschütze und 11 400 Gewehre erbeutet.«

Am 11. März wurde berichtet: »Die noch am unteren Semeni verbliebenen italienischen Kräfte haben vorgestern, in der östlichen Flanke bedroht, nach Abgabe weniger Kanonenschüsse schleunigst den Rückzug angetreten. Sie stellten sich vorübergehend noch auf den Höhen nördlich von Feras, räumten aber bald auch diese und wichen, alle Uebergänge hinter sich zerstörend, auf das südliche Vojusa-Ufer zurück. In Nord-Albanien und Montenegro herrscht nach wie vor Ruhe.«

Unsere Verbündeten bewiesen wieder einmal, daß sich hinter der Wendung: »Die Lage ist unverändert« gar oft die größte Tätigkeit, die Vorbereitung neuer, wichtiger Ereignisse verbarg. Seit der Einnahme von Durazzo am 27. Februar hatte man von den k. u. k. Truppen in Albanien nichts mehr gehört. Jetzt, nach 14 Tagen, fanden wir ihre Vortruppen, von österreichisch-ungarischen Offizieren geführte Albaniergruppen, nur noch etwa 20 Kilometer von Valona entfernt. Es unterlag keinem Zweifel, daß ihnen stärkere Truppenmassen unserer Verbündeten folgen sollten. Die Italiener gaben das Spiel im offenen Felde bald verloren; die an und für sich zur Verteidigung sehr geeigneten, weil dem Vormarsch der k. u. k. Truppen quer vorgelagerten Flußtäler des Skumbi und Semeni gaben sie ohne Kampf preis und setzten sich erst auf den Höhen von Feras (Fieri) zu schwächlichem Widerstand fest. Fieri sollte nach Meldungen der Vierverbandspresse bereits vor Wochen von den Bulgaren besetzt sein, man hatte also, wie schon so oft, in Balkanlagen die Wahrheit scheinbar zu unseren Gunsten gefälscht, vermutlich auf gewisse Besorgnisse der Hellenen um Südalbanien spekulierend. Nun, heute war Fieri in den Händen der österreichisch-ungarischen und albanischen Streitkräfte, und der Feind wurde bis über die Vojusa zurückgedrängt.

Der geflohene serbische Ministerpräsident Paschitsch teilte einem Journalisten mit, daß das serbische Heer im Anfang 300 000 Mann zählte und 50 000 in den Kämpfen gegen Oesterreich verlor. Der Rückzug aber nach und durch Albanien hätte 100 000 Mann gekostet.

Wie man aus Athen erfuhr, hatten die Ententemächte Griechenland untersagt, die Zwölfinsel-Gruppe zu verproviantieren. Sie erklärten, daß dies künftig durch Italien geschehen würde. Die Zwölfinsel-Gruppe im Aegäischen Meere, zu der u. a. Rhodos gehört, war von den Italienern im italienisch-türkischen Kriege 1911/12 besetzt worden. Im Friedensschluß von Lausanne war die Regelung der Besitzfrage weiteren internationalen Verhandlungen überlassen worden, da gleichzeitig auch Griechenland seine Ansprüche auf diese Inseln geltend machte, die ausschließlich von Griechen bewohnt sind.

Am 18. März meldete die deutsche Heeresleitung, daß sich am Doiran-See in Mazedonien Patrouillengefechte abgespielt hätten. – Am 19. März belegten deutsche Luftschiffe die feindliche Stellung bei Kara Burun, südlich von Saloniki, mit Bomben.

Aus Athen wurde am 18. März gemeldet: »Ein königliches Dekret vom heutigen Tage erklärt die Provinzen des oberen Epirus als endgültig dem Königreich Griechenland angegliedert und überträgt alle bestehenden Gesetze und Verwaltungsvorschriften auf dieselben.«

Am 22. März wurde verlautbart: »Oesterreichische Flieger erschienen nachts über Valona und bewarfen den Hafen und die Truppenlager erfolgreich mit Bomben. Sie kehrten trotz heftiger Beschießung unversehrt heim. Die Lage in Albanien und Montenegro ist unverändert ruhig.«

Ueber den großserbischen Größenwahn erfuhren wir: Eine Denkschrift des Ministers Paschitsch wurde in Oesterreich bekannt. In dieser Denkschrift forderte Paschitsch außer Bosnien-Herzegowina große Teile Süd-Ungarns, Kroatien, Krain, Istrien mit Triest, Dalmatien und Albanien mit Durazzo. In London und Paris wurde die Denkschrift ungünstig aufgenommen; in Petersburg erregte sie entschiedenes Mißfallen. Der russische Minister Sasonow äußerte: »Die Serben leiden an Größenwahn.« In Italien, wohin die Denkschrift bloß auf Umwegen gelangte, beantwortete man sie mit Ausweisungs-Maßregeln gegen serbische Agenten.

Feldmarschall Mackensen meldete am 24. April: »In der Gegend von Gjewgheli kam es beiderseits des Wardar in den letzten Tagen mehrfach zu Artilleriekämpfen ohne besondere Bedeutung. Aus einem feindlichen Fliegergeschwader, das Volovec westlich des Doiran-Sees angegriffen hatte, wurde ein Flugzeug im Luftkampf abgeschossen; es stürzte in den See.«

Bei einem erneuten Fliegerangriff am 25. März wurde ein feindliches Flugzeug im Luftkampf zum Absturz zwischen den beiderseitigen Linien gebracht und dort durch Artilleriefeuer zerstört.

Am 28. März wurde gemeldet: »Im Verfolg der feindlichen Luftangriffe auf unsere Stellungen am Doiran-See stieß gestern ein deutsches Luftgeschwader in die Gegend von Saloniki vor und belegte den neuen Hafen, den Petroleumhafen, sowie die Entente-Lager nördlich der Stadt ausgiebig mit Bomben.«

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