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Für Vaterland und Ehre

Wilhelm Kranzler: Für Vaterland und Ehre - Kapitel 7
Quellenangabe
typereport
authorWilhelm Kranzler
titleFür Vaterland und Ehre
publisherHansa-Verlag Mercus Zutermann
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correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Der siegreiche Vormarsch durch Serbien.

Von dem Beginn des Balkankrieges haben wir schon in einem früheren Kapitel erzählt. Die Engländer und Franzosen wollten den schwer bedrängten Serben Hilfe bringen und landeten trotz des Widerspruchs der griechischen Regierung in Saloniki bedeutende Truppenmassen. Das war natürlich ein starker Neutralitätsbruch gegenüber Griechenland. Aber was kümmerte sich England um erklärte Neutralität!

Der österreichische Generalstab meldete am 11. Oktober im Anschluß an die früher schon von uns mitgeteilten Depeschen: »In der Matwa und bei Obrenovac keine besonderen Ereignisse. Die über Belgrad vorgehenden österreichisch-ungarischen und deutschen Streitkräfte warfen die Serben aus ihren südöstlich und südwestlich der Stadt angelegten Verschanzungen, wobei unsere Truppen den Grünen Berg und den Velky-Vracar erstürmten. Im Raume von Semendria und Požarevac gewannen die Divisionen unserer Verbündeten abermals beträchtlich an Raum. Bei der Einnahme von Belgrad fielen den k. u. k. Truppen neun Schiffsgeschütze, 26 Feldgeschützrohre, ein Scheinwerfer, zahlreiche Gewehre, viel Munition und anderes Kriegsmaterial in die Hand; zehn serbische Offiziere und über 600 Mann wurden als Gefangene eingebracht. Die blutigen Verluste des Gegners waren sehr groß. Die Donauflottille hob eine Anzahl von Fluß- und russischen Seeminen.«

Zur Einnahme Belgrads wurde noch gemeldet: »Was über die Erstürmung Belgrads allmählich bekannt wird, fügt zu dem Bewußtsein, daß im Lande König Peters genug starke Truppen der Verbündeten stehen, um ihre Aufgabe zu lösen, noch das Vertrauen äußerster Planmäßigkeit sowohl in Bezug auf die Vorbereitung wie die Ausführung der Dinge. Das wichtigste Kapitel zur Eroberung Belgrads war ohne Zweifel die Forcierung des Flusses, bei der sich die Pioniere geradezu vorbildlich hielten. Sie arbeiteten an der Ueberschiffung und an den Brückenbauten, wobei für den Flußübergang aus militärischen Gründen nur ganz bestimmte Stellen in Betracht kamen, drei Tage und vier Nächte ohne Unterbrechung. Unterstützt wurde ihre Arbeit nicht nur durch die Artillerie, sondern auch durch jene fabelhaft geschickt operierende Monitorflotte, welche schon im Vorjahre mehr als eine Belgrader Batterie zum Schweigen brachte und wiederholt unter schwerstem Feuer in die Maèva-Kämpfe eingegriffen hatte, indem sie vom Fluß her dem Infanteriesturm voraneilte, die serbischen Stellungen mit Granaten sturmreif machte und dann meist noch die Flüchtenden durch einen Schrapnellregen weit ins Land überschüttete. Diesmal griffen die Einheiten der Donauflottille an den verschiedensten Punkten gleichzeitig ein. Mit der verbündeten Artillerie brachten ihre Stahlhaubitzen die serbischen Geschütze, die den Uebergang bedrohten, teils ganz zum Schweigen, teils wurde die feindliche Artillerie gerade zur entscheidenden Zeit niedergehalten. Ueberdies jagte das Feuer der Donaumonitore dann noch die serbischen Vorhuten auseinander. Ueber 6000 deutsche und österreichische Granaten fielen auf Belgrad. Mehrere Stadtteile sind zerstört. Die Telegraphen- und Telephonverbindung Belgrad-Nisch ist abgeschnitten. Von Nisch wurden die Regierungsarchive nach Pristina geschafft.

Partie am Eisernen Tor, wo der erste Uebergang der Verbündeten nach Serbien stattfand.

Dem eigentlichen Angriff auf Belgrad ging die artilleristische Vorbereitung voran, wobei die Festung und die Stadt unter konzentrisches Feuer genommen wurden. Auch die Zufuhrstraßen nach Belgrad wurden beschossen, so daß die Stadt und die Festung gewissermaßen mit einer Feuermauer umgeben waren. Beim Schlußangriff drangen südlich und westlich österreichisch-ungarische, östlich deutsche Truppen vor. Der nördliche Stadtteil war bald in unserem Besitz, der Südteil hielt sich noch 36 Stunden. Im östlichen Stadtteil gerieten die dortigen serbischen Besatzungstruppen infolge des Vordringens der Verbündeten von zwei Seiten in ein verheerendes Kreuzfeuer. Nach der Einnahme Belgrads folgte der Angriff auf die zweite stark befestigte Verteidigungslinie der Serben auf den südlich der Stadt sich erstreckenden Höhen. Außerdem war die ganze Nordgrenze Serbiens zum Kampfplatz geworden. Von der Drinamündung bis weit über Semendria drang überall die Phalanx der Verbündeten vor, und unter mächtiger Unterstützung der Artillerie schritt unser Angriff auf der ganzen Linie erfolgreich fort. –

Die Bedeutung des großen und glückverheißenden Anfangserfolges, der raschen Einnahme von Belgrad, lag vor allem auf der politischen und moralischen Seite. Er verlieh den diplomatischen Aktionen im Balkangebiet eine reelle Unterlage und war geeignet, halbgezückte Schwerter aus der Scheide zu reißen und andere in sie zurückzuzwingen. Er bedeutete aber vor allem gegenüber der vom Vierverband eingeleiteten Unternehmung im Golfe von Saloniki einen immensen Vorsprung, der von der anderen Partei nur schwer einzuholen sein konnte.«

Den Beginn des serbisch-bulgarischen Krieges meldete am 12. Oktober eine Depesche aus Nisch, in der es hieß: »Die Bulgaren haben uns an der Front von Knjaschevatz angegriffen.«

Die Stadt Knjaschevatz ist ein Straßenknotenpunkt im Timoktal an der Eisenbahnlinie Negotin–Zajeèar–Nisch, etwa 20 Kilometer von der bulgarischen Grenze entfernt, 40 Kilometer nordöstlich von Nisch, der Hauptstadt des serbischen Kreises Timok. Eine in direkt westlicher Richtung laufende Chaussee führt in das Morawa-Tal bei Aleksinac, eine andere nach Südwesten nach Nisch, eine dritte in südlicher Richtung auf Pirot.

Das österreichische Hauptquartier berichtete am gleichen Tage: »Südlich der Save, der Donau und der unteren Drina wird an ganzer Front angegriffen. Die aus Belgrad vordringenden k. u. k. Truppen erbeuteten bei der Erstürmung des östlich der Stadt und der Laudon-Schanzen aufragenden Berges Lipar drei Geschütze und einen Minenwerfer. Alle Höhen im Umkreis von Belgrad, die die Stromübergänge auf Feldgeschützertrag beherrschen, sind im Besitz der Verbündeten. Die Deutschen eroberten Semendria und drängten den Feind auf Požarevac zurück. Auf der Grenze zwischen der Herzegowina und Montenegro kam es an mehreren Stellen zu Geplänkel mit montenegrinischen Abteilungen.«

Der Widerstand der Serben konnte nach dem deutschen Bericht vom 13. Oktober unsere Vorwärtsbewegung nur wenig aufhalten. Südlich von Belgrad wurden Dorf Železnik und Höhen östlich beiderseits der Topciderska gestürmt. Der Angriff auf Požarevac war im günstigen Fortschreiten. Die Straße Požarevac–Gradiste war in südlicher Richtung überschritten.

Die deutsche Depesche vom 14. Oktober besagte: »Südlich von Belgrad sind unsere Truppen im weiteren Vorgehen. Die Werke der West-, Nord-, Ost- und Südostfront des festungsartig ausgebauten Ortes Požarevac sind genommen.«

Uebersichtskarte des Balkankriegsschauplatzes.

Der österreichische Generalstab fügte hinzu: »Unsere Angriffe schreiten trotz heftigster Gegenwehr des Feindes überall vorwärts. An der Drina warfen unsere Truppen die Serben aus mehreren Gräben. Südlich von Belgrad wurden dem Gegner einige zäh verteidigte Stützpunkte entrissen. Serbische Gegenangriffe scheiterten stets unter größten Verlusten für den Feind.«

Der Balkankriegsschauplatz erhielt jetzt eine weitere Ausdehnung durch das zielbewußte und erfolgreiche Eingreifen der bulgarischen Heere. Es war am 13. Oktober der in der Richtung Knjaschevatz eingeleitete bulgarische Angriff bei Gariboghaz begonnen worden. Ein zweiter bulgarischer Angriff fand im Gebiete von Zajeèar statt.

Nach Meldungen aus Nisch erfolgte der bulgarische Angriff auf die Eisenbahnlinie längs des oberen Timok in den frühen Morgenstunden des 12. Oktober. Serbischerseits wurde die Zahl der unmittelbar am Angriff beteiligten Streitkräfte der Bulgaren auf 50- bis 60 000 Mann geschätzt, wozu noch ungefähr 10 000 mazedonische Komitatschis kamen. Der Angriff erfolgte ziemlich überraschend und gleich mit Einsetzung so starker Kräfte, daß die serbische Vorhut auf allen Punkten schleunigst weichen mußte. Die Bulgaren dehnten sich nach dem Ueberschreiten der Grenze fächerförmig aus, so daß sie nunmehr in breiter Front südlich der Abhänge des Babimnosgebirges den serbischen Verteidigungsstellungen längs des Timokflusses gegenüberstanden.

Nach weiteren Meldungen hatten bulgarische Truppen die serbische Grenze am Oberlaufe des Nischavaflusses überschritten und befanden sich mit den dort stehenden serbischen Grenzbedeckungsabteilungen in heftigem Gefecht. Die Bulgaren waren mit sehr starker Artillerie ausgerüstet, von der sie ausgiebigen Gebrauch machten.

Daß den vor der Zertrümmerung stehenden Serben trotzdem der Humor – wenigstens in einigen Kreisen – nicht ausgegangen war, bewies ein Aufsatz der serbischen sozialen Partei, in dem in folgenden Worten über die Landung der englisch-französischen Hilfstruppen in Saloniki gehöhnt wurde: »Wir haben das seltene Glück erlebt, Zeugen einer majestätischen Bekundung slawischer Brüderlichkeit zu sein. Es kommen als Gäste unserer treuen Stammverwandten slawische Brüder aus Algier, Kongo, Indien und Transvaal, ferner unsere Vettern die Marokkaner, die Senegalneger und die Zulukaffern. Sie sollen die serbischen Reihen ausfüllen und mit uns unter der Fahne unserer gemeinsamen slawischen Mutter Rußland gegen die Germanen in Bulgarien und der Türkei in den heiligen Kampf ziehen. Wenn wir dann, angeführt von asiatischen und afrikanischen Helden, den Feind besiegen, so wird dies den Triumph des Christentums über den Islam bedeuten, den Triumph der weichen slawischen Seele über den groben barbarischen Germanismus. Im Namen dieses Triumphes begrüßen wir unsere treuen Brüder, die Marokkaner, Senegalneger, Zulukaffern, Papuas und Inder, diese unermüdlichen Verteidiger des unterdrückten Slawentums und Christentums.«

Die russische Regierung wollte den Bulgaren in den Rücken fallen und durch Rumänien marschieren. Dazu wurde uns aus Bukarest gemeldet: »Die russische Regierung hat ihren Bukarester Vertreter beauftragt, die rumänische Regierung zu sondieren, wie sie sich zu dem Verlangen eines Durchmarsches russischer Truppen durch die Dobrudscha stellen werde. Ministerpräsident Bratianu hat den festen Entschluß geäußert, die Neutralität Rumäniens, gegen wen auch immer, auf das entschiedenste zu verteidigen.«

Inzwischen drangen die deutschen, österreichisch-ungarischen und bulgarischen Heere immer weiter – wenn auch unter harten Kämpfen – in Serbien vor. Das Wiener Telegramm vom 14. Oktober verlautbarte: »Unsere Truppen stürmten gestern, aus der Gegend von Belgrad nach Südosten vordringend, die festungsartig verschanzten Stellungen auf dem Erino Brdo, dem Cunak und der Stazara. Der Feind, der, wie Gefangene aussagten, den Befehl hatte, sich bis auf den letzten Mann zu halten, ging in regelloser Flucht gegen den Avala-Berg und den Raum östlich davor zurück. Unsere schwere Artillerie hatte wie immer bei ähnlichen Kriegshandlungen auch an diesem Erfolg rühmenswerten Anteil. Gleich günstig schreiten die Angriffe unserer Verbündeten an der unteren Morawa fort. Sie entrissen dem Gegner die Verschanzungen an der West-, Nord- und Ostfront von Požarevac.«

Die deutsche Heeresleitung meldete am 15. Oktober: »Bei der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen nehmen die Operationen ihren planmäßigen Verlauf. Südlich von Belgrad und von Semendria sind die Serben weiter zurückgedrängt; es wurden 450 Gefangene gemacht und drei Geschütze (darunter ein schweres) erobert. Die Werke auf der Südfront von Požarevac sind heute nacht gestürmt, die befestigte Stadt fiel damit in unsere Hand. Die bulgarische erste Armee begann den Angriff über die serbische Ostgrenze; sie nahm die Paßhöhen zwischen Belogradchik und Knjaschevatz in Besitz.«

Die letzte serbische Wache im Konak in Belgrad.

Die österreichische Heeresleitung gab noch am 15. Oktober bekannt: »Die über den Erino Brdo vordringenden k. u. k. Truppen warfen den Feind über den bei Vinèa in die Donau mündenden Bolicica-Bach zurück. Die beiderseits der unteren Morawa vorrückenden deutschen Streitkräfte nahmen Požarevac im Kampf. Die bulgarische erste Armee hat den Angriff über die serbische Ostgrenze begonnen und die Paßhöhen zwischen Belogradchik und Knjaschevatz in Besitz genommen.«

König Ferdinand von Bulgarien erließ einen Aufruf an das bulgarische Volk, in dem er das Volk und die Armee zur Verteidigung des von einem heimtückischen Nachbarn besudelten heimatlichen Bodens und zur Befreiung der unter serbischem Joche schmachtenden Brüder aufforderte. Das Manifest gedenkt der von dem König und der Regierung zur Erhaltung des Friedens entfalteten Bemühungen, die den Zweck hatten, das Ideal des bulgarischen Volkes auf dem Wege der Neutralität zu verwirklichen und die Anerkennung des Unrechtes seitens der beiden kriegführenden Gruppen durchzusetzen, das den Bulgaren durch die Teilung Mazedoniens zugefügt wurde, dessen größter Teil nach den Zugeständnissen sowohl der Verbandsmächte wie der Zentralmächte Bulgarien gehören soll. »Wir werden,« sagt das Manifest, »die Serben gleichzeitig mit den tapferen Armeen der Kaiserreiche Mitteleuropas angreifen.«

Auf die telegraphische Mitteilung, daß hessische Truppen mit stürmender Hand die Zitadelle der Stadt Semendria genommen hatten, antwortete der Großherzog:

»Mit stolzer Freude vernehme ich die Meldung von der neuen Ruhmestat. Dankbaren Herzens gedenke ich der tapferen Söhne meines Hessenlandes, die erneut zum Ruhme des geliebten deutschen Vaterlandes beigetragen haben.

Ernst Ludwig.«

Ganz besonders zeichneten sich auch Regimenter aus der Mark Brandenburg bei den Kämpfen in Serbien aus.

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