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Für und über die deutschen Frauen

Gerhard von Amyntor: Für und über die deutschen Frauen - Kapitel 19
Quellenangabe
typecauserie
booktitleFür und über die deutschen Frauen
authorGerhard von Amyntor (= Dagobert von Gerhardt)
year1889
firstpub1883
publisherVerlagsanstalt und Druckerei AG (vormals H. F. Richter)
addressHamburg
titleFür und über die deutschen Frauen
pages348
created20140715
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Das Gemüth und die deutsche Frau.

So wie wir im europäischen Staatenverbande die bestgehaßte Nation sind, da wir, im Herzen des Kontinents wohnend, nach allen Seiten gewappnet Front machend, unsere politische Existenz nur uns selbst und unserer Kraft verdanken, so ist auch die deutsche Frau die bestgehaßte und bestverleumdete von allen Frauen der Kulturwelt. Die Urtheile, welche blaustrümpfige Engländerinnen und federfuchsende Französinnen über die deutsche Frau gefällt haben und noch täglich in allerlei Preßmachwerken fällen, werden kaum von den Albernheiten übertroffen, wie sie von chauvinistischen Querköpfen in Pariser Feuilletons über die Deutschen und ihre Lebensweise zum Besten gegeben werden.

Es ist richtig, die Engländerin hat mehr Geld und kann ihr Leben auf einer breiteren Basis einrichten, als die auf die Tugenden der Sparsamkeit und Häuslichkeit 211 angewiesene germanische Frau; auch läßt sich nicht bestreiten, daß die Französin im allgemeinen mehr Einbildungsgeist besitzt, wie sich etwa eine Schleife wirkungsvoll anbringen, eine Robe prunkend aufbauschen oder eine welke und gelbliche Haut durch Schminke und Reispulver etwas jugendfrischer aufbessern läßt; in diesen Dingen – seien wir ehrlich – muß die Deutsche den Themse- und Seine-Anwohnerinnen ein wenig nachstehen. Es liegt aber nicht im Naturell des Weibes, eine Konkurrentin wegen ihrer Inferiorität auf irgend einem Gebiete zu hassen; es muß eine thatsächliche, positive Größe, eine nicht wegzuleugnende und in die Augen springende Ueberlegenheit vorhanden sein, wenn eine Frau die andere, statt ihr liebevoll-mitleidig und des eigenen Triumphes sicher um den Hals zu fallen, auf Tritt und Schritt herabzusetzen und zu verdächtigen bestrebt ist.

Diese Ueberlegenheit der deutschen Frau besteht in ihrem Gemüth. Das Gemüth wird wie der Bernstein fast nur in Deutschland gefunden; es ist ein deutscher Schmuck, um den uns andere Nationen wohl beneiden mögen; ja, er ist so ausschließlich deutsch und dabei so zaubergewaltig und providentiell, daß die Annahme nicht unberechtigt erscheint, es möchten seine Besitzer und Besitzerinnen zu einer gründlichen Reform aller menschlichen Verhältnisse und so, direkt oder indirekt, zur einstigen Weltherrschaft berufen sein.

Das Gemüth, das deutsche Gemüth, ist anderen Nationen so völlig unbekannt oder so gänzlich 212 unverständlich, daß sie nicht einmal ein Wort zur Bezeichnung desselben in ihrem Sprachschatze besitzen. Schon die Kulturvölker des Alterthums litten an gleichem Mangel der Erkenntniß und des Ausdrucks; der stolze Römer konnte höchstens von animus und mens, von natura und ingenium reden, dem ästhetischen Athenienser stellten sich besten Falles Worte wie ϑυμος, νους oder ψυχη zur Verfügung, die Sache aber, die wir Deutsche meinen und allein zu bezeichnen vermögen, blieb beiden, dem Griechen und dem Römer, ein Ding mit sieben Siegeln. Auch die modernen lateinischen Völker wissen nichts von Gemüth; in Italien bringt man es nur zum Begriffe »mente«, »animo« und »cuore«, in Frankreich spricht man von esprit und immer wieder von esprit, und will man ein Uebriges thun, so giebt man noch etwas coeur dazu, in Spanien behilft man sich mit animo, espiritu und allenfalls mit einem buen natural, aber nirgends hat sich der Sprachgenius zum Begriffe des Gemüths aufgeschwungen. Auch die formenstrenge, oft in lauter respectability verknöcherte englische Lady vermag nur von soul und mind, von heart und nature zu reden, vor dem deutschen Gemüthe steht sie hülflos wie vor einem Sphinxräthsel, und sie muß auf das gefüllte Geldtäschchen klopfen und sich des ganzen Komforts und der ganzen Fashionableneß Old-Englands erinnern, um sich ihrer vermeintlichen Ueberlegenheit über die deutsche Frau bewußt zu bleiben.

Gemüth ist die gesteigerte, seelische Gefühlsfähigkeit, die für das Thun und Leiden des Menschen bestimmend 213 ist. Ein körperliches Gefühl ist allen Menschen gemein; die Empfindlichkeit der Nerven kann sich krankhaft bis zur Hyperästhesie entwickeln; wohl aber kann dabei eine seelische Stumpfheit bestehen, und eine impressionable, nervöse Lady, die vielleicht bei Anhörung des ungewohnten Wortes »Hosen« ohnmächtig wird, kann sehr gut dem Elend gewisser Menschenklassen gegenüber die behaglichste Seelenruhe bewahren. England vernichtet z. B. seit Jahren durch seinen indischen Opiumexport langsam, aber planmäßig den Wohlstand und die physische und moralische Gesundheit ganzer Völker des Orients; wäre das Gemüth der englischen Frauen in gleicher Weise wie bei den deutschen Frauen entwickelt, es ist sehr fraglich, ob sich dann nicht längst das öffentliche Gewissen des meerbeherrschenden Volkes gegen diesen schmachwürdigen, alle sonstigen Verdienste Englands um das Menschenwohl auf Null reduzirenden Schacher laut empört haben würde. Denn das Gemüth der Frauen bestimmt nicht nur ihr eigenes Thun, sondern es geht in den Blutumlauf eines ganzen Volkes über und wird so zum mitwirkenden Faktor bei allen Aeußerungen der Volkskraft und des Volksgeistes.

Die deutsche Frau ist das köstliche Gefäß, in das die Hand der Vorsehung den wunderthätigen Balsam des Gemüths vorzugsweise ergossen hat. Ehre darum, Preis und Lob den deutschen Frauen! Eine gütige Gottheit hat durch diese Gabe ausgleichend gewirkt, uns für manchen anderweitigen Mangel reichlich entschädigt und namentlich dem deutschen Manne in dem 214 Gemüthe der deutschen Frau ein fast unentbehrliches Komplement gegeben. Nicht ohne Grund nennt man uns die Nation der Denker; das speculative Bedürfniß der Vernunft ist bei den Deutschen am kräftigsten entwickelt; nur germanisches Blut war im Stande, einen Kant zu erzeugen, der thurmhoch die Denker anderer Völker überragt und in der Geschichte des menschlichen Erkenntnißstrebens ohne Gleichen dasteht. Einem so eigenartig und groß beanlagten Volke hätte die holde Mystik des Gemüths sehr leicht abhanden kommen können; da stattete eine zweckbewußte Vorsehung die deutsche Frau mit dieser geheimnißvollen und wunderbaren Gabe aus, damit uns in dem eisigen Aether der Ideen immer wieder eine seelische Erwärmung durch die Huld unserer Frauen zu Theil würde. Das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Menschen wird durch die gleiche Befriedigung seiner Vernunft- und Gefühlsbedürfnisse gesichert, und nach dem Gesetze der Polarität entwickelte sich in dem denkkräftigen Volke der Deutschen auch der größte Schatz an Gemüth, der, köstlicher als irgend ein Hort der Nibelungen, in die Brust der deutschen Frau versenkt ist.

Im Besitze dieses Hortes, dem kein Unheil, kein Unsegen anhaftet, wie dies sonst mit den Schätzen der Volkssage der Fall ist, steht die deutsche Frau an der Spitze aller Frauen der Erde. Sie ist besonders berufen, auf dem Schlachtfelde des Geistes, wo die Männer ihre wissenschaftlichen, politischen und philosophischen Kämpfe schlagen und für den wahren Fortschritt der 215 Menschen ihr rothes Herzblut vergießen, die Werke des Samariters zu üben; des Lebens Kämpfe stählen, wie Schiller singt, den harten Sinn des Mannes immer härter.

»Aber wie, leise vom Zephyr erschüttert,
Schnell die äolische Harfe erzittert,
Also die fühlende Seele der Frau;
Zärtlich geängstigt vom Bilde der Qualen
Wallet der liebende Busen, es strahlen
Perlend die Augen vom himmlischen Thau.«

Nirgends nimmt die Frau so wenig eine Parteistellung ein, wie in Deutschland; und das entspricht der hohen Mission des Weibes. Die Frau, mit ihrem Adelsdiplom des Gefühls, steht über den Parteien; sie ist der Engel des Friedens, der Genius der Liebe und Huld für Freund und Feind, für den Sieger wie für den Besiegten. Die Männer mögen sich befehden und der Eris rauhe Stimme walten lassen;

»Aber mit sanft überredender Bitte
Führen die Frauen den Scepter der Sitte,
Löschen die Zwietracht, die tobend entglüht,
Lehren die Kräfte, die feindlich sich hassen,
Sich in der lieblichen Form zu umfassen,
Und vereinen, was ewig sich flieht.«

Das reiche Gemüth, das der Dichter bezeichnend die »fühlende Seele« nennt, befähigt die deutsche Frau vor allen anderen zu den Werken der Liebe, der christlichen Liebe, der »Agape«. Diese Agape ist der Schlüssel, mit dem das Räthsel der Frauenfrage für 216 unser deutsches Vaterland erschlossen und gelöst werden muß. Zu allen Dingen, welche hingebende, herzliche Nächstenliebe erfordern, ist die deutsche Frau vorzugsweise berufen. Daher soll sich die ledige, selbstständige Deutsche, der es versagt ist, am häuslichen Herde für das Wohl des eigenen Gatten und eigener Kinder zu sorgen, gerade um ihre Selbstständigkeit zu retten, den Werken der Liebe für den Nächsten widmen.

Zu diesen Werken gehört der Unterricht auf vielen Gebieten des Wissens und der Fertigkeiten, die Erziehung und Ueberwachung der Kinder des Proletariates, die Pflege der Kranken und Sterbenden, der Dienst als Wirthschafts- und Küchen-Vorstand in Spitälern, Gefängnissen, Armenküchen und Pensionen, auch die Erlernung und Ausübung des ärztlichen Berufes, soweit es sich um das Heer der sich erschrecklich ausbreitenden Frauenkrankheiten handelt. Nach dieser Richtung hin soll die Aufklärung unseres Jahrhunderts dem viel bespöttelten »weiblichen Doktor« endlich den Weg frei machen. Auch im weiteren Sinne der Nächstenliebe wird sich die besondere Begabung der Frauen auf dem Felde der Künste und kunstgewerblichen Fertigkeiten versuchen und bethätigen dürfen; der natürliche Geschmack, die Gewissenhaftigkeit, Sauberkeit und feine Hand der Frau macht sie besonders geeignet, zur künstlerischen Ausschmückung vieler im Haushalt unentbehrlichen Dinge der verschiedensten Art beizutragen.

Ein Irrweg aber scheint es mir zu sein, den man 217 hier und da mit der Beschäftigung der Frauen in den Amts- und Schreibstuben des öffentlichen Staatsdienstes eingeschlagen hat; den weiblichen Postsekretär und den weiblichen Telegraphisten halte ich für keinen Fortschritt. Das sind Thätigkeiten, bei denen das Gemüth der Frauen keine Nahrung findet und nach und nach völlig verdorrt und verödet. Ein edles Frauenzimmer läßt sich nicht ohne Benachtheiligung seines Seelenlebens in eine Arbeitsstube einsperren, in der es, oft noch im Zusammensein mit konkurrirenden Männern, hinter dem Druckapparate einer Telegraphenleitung oder hinter Dinten- und Streusandfaß Stunde um Stunde des »Dienstes ewig gleichgestellte Uhr« ablaufen hört. Das ist Männerwerk, und es wird dem ehrlichen, im Schweiße seines Angesichts für Frau und Kinder schaffenden Manne sauer genug; ein Weib muß bei solchem Werke erst seelisch und dann, nach dem Gesetze der Wechselwirkung, auch körperlich Schaden leiden. Man sollte der deutschen Frau keine Beschäftigung zumuthen, die nicht mittelbar oder unmittelbar zu der praktischen Ausübung der Nächstenliebe Beziehungen hat; das Gemüth unserer Frauen ist ein Fokus, in dem sich gern die Strahlen alles Menschenleides und Menschenelendes sammeln, um dort zur hellen Flamme des Mitleides und der erbarmenden Huld aufzulodern; diesen Fokus soll man nicht trüben und durch die Dünste der Amts- und Schreibstuben beschlagen lassen. Freilich kann man auch durch die Uebermittelung eines Telegramms im Dienste der Nächstenliebe wirken; solch 218 Wirken ist dann aber ein zufälliges, maschinenmäßiges, ohne Antheil des Gemüthes; die deutsche Frau will aber in alles, was sie wirkt und schafft, ein Stück von ihrem Herzen mit hineingeben dürfen.

 

Ja, ein Stück von ihrem Herzen! Dieser Gefühlsreichthum, dieses allzeit rege Liebesbedürfniß verklärt wie eine Aureole unsere lieben Frauen; auch die weniger dem Kanon formaler Schönheit entsprechende Deutsche hat ein Etwas im Blicke, das rührt und bestrickt; man muß die Augen deutscher Frauen beachten, um sich des reichen, auch physisch in die Erscheinung tretenden Gemüthes derselben schon durch den bloßen Anblick bewußt zu werden. Was will das dunkle, oft so weltverloren blickende Auge der Italienerin, das gefallsüchtig blickende der Französin, das schwärmerisch schmachtende oder leidenschaftlich flammende der Spanierin gegen das treue, klare, einen Himmel von Herzensgüte und aufopfernder Samariterliebe erschließende Auge einer edlen, deutschen Frau bedeuten? Dort immer nur der Blick ins Diesseits, wenn auch erschauernd von Ahnungen süßer Lust und holden Glückes – hier ein seliger Aus- und Fernblick in die Ewigkeit, in das verlorene und nur im Ewig-Weiblichen zurückzugewinnende Paradies! So wie Geben seliger denn Nehmen ist, um so viel schöner sind deutsche Frauenaugen als alle anderen Sterne dieser Welt; denn die deutsche Frau giebt mit jedem Blicke etwas von ihrem liebenden Herzen, jeder Aufschlag ihrer Wimpern beglückt uns 219 mit einer Gabe aus dem köstlichen Schatze ihres reichen Gemüths.

Deshalb ist keine Frau so hoch gepriesen worden, wie die deutsche Frau; die begeistertsten Loblieder, die volltönendsten Hymnen haben deutsche Sänger der deutschen Frau gesungen, und die deutsche Kunst weiß neben die Madonna der Kirche nichts Rührenderes und Gewaltigeres zu setzen als die Germania, jene geheimnißvolle und wunderbare Vermählung von Kraft und Hingebung, von Heldenmuth und keuschem Zagen, von Frauenstolz und Frauendemuth, von pflichtbewußter Strenge und opferfreudiger, eine ganze Welt umfassender Liebe. Auch im Bewußtsein der Massen dämmert eine Ahnung davon, daß eine echte und vollkommene Deutsche Gemüth haben muß, und instinktiv bezeichnet der Volksmund jede durch Gemüth veredelte Germanin als »Frau«, während er eine seelisch-stumpfe, entartete Frau verächtlich und wegwerfend »Weib« nennt. Dieser Brauch hatte schon im Mittelalter Geltung; der deutsche Minnesang preist die »Frauen«, nicht die »Weiber«; das Wort »Weib« hat von jeher nur zur Bezeichnung des Geschlechtes gedient, sonst aber meist einen Ton der Geringschätzung enthalten.

Eine Apologie der gemüthreichen deutschen Frauen als Antwort auf die einseitigen und unverständigen Urtheile lateinischer und slavischer Modenärrinnen schreiben zu wollen, wäre ein überflüssiges Unternehmen. Ein Blick auf die gesellschaftliche Stellung und die sozialen Wirkungen der deutschen Frau genügt, um auch dem 220 Ausländer, welchem der Begriff des Gemüths ein ungelöstes Räthsel bleibt, klar zu machen, daß die Deutsche ein Etwas besitzen muß, das ihr eine entschiedene Ueberlegenheit über die Frauen anderer Nationen sichert. In der That ist die Ehe nirgends geheiligter, nirgends an sittlichen und seelischen Fortbildungsmomenten reicher, als in Deutschland; das deutsche Volk ist durch den Gemüthszauber seiner Frauen prädisponirt, gerade im ehelichen Leben seine Tugenden und Eigenarten am herrlichsten auszubilden; während die Italienerin, die Französin auf die künstlerischen oder gelehrten Leistungen des Herrn Gemahls, wenn auch mit geschmeichelter Eitelkeit, so doch meistens wie auf ein ganz Unbegreifliches und sie nicht im mindesten Berührendes emporsieht, ist die deutsche Frau in den allermeisten Fällen die verständnißinnige, kompetente Gefährtin des schaffenden Gatten, der aus dem Gemüthsschatze der Frau die forderndsten Anregungen gewinnt und in ihrer Brust allzeit ein lautes Echo für seine Freuden und Leiden findet. Man kann dreist behaupten, daß kein großer Mann deutscher Abstammung ohne den mitbestimmenden Einfluß edler, deutscher Frauen zur Größe gelangt ist, und wenn irgendwo in deutschen Landen einmal das Unbeschreibliche gethan wurde, das »Ewig-Weibliche« ist sicher ein stiller, stummer Mitarbeiter dabei gewesen.

So schafft die deutsche Frau bei allem Großen und Herrlichen durch den Einfluß ihres Gemüthes mit, und der deutsche Heldengeist, der im Dienste der Wissenschaft 221 und der Menschheit die Oceane durchfurcht und in fernen Welttheilen dem Sonnenbrande oder den Orkanen trotzt, fühlt ungeachtet des Zaubers und Liebreizes der fremden Evastöchter immer ein Heimweh nach der deutschen Frau. Kein Seufzer und kein gewährendes Lächeln, kein Esprit und kein Chic, kein Schmachten und Kokettiren kann das germanische Gemüth ersetzen; die seelische Feinfühligkeit unserer lieben Frauen ist die köstlichste und für den kämpfenden Mann erhabenste Offenbarung der menschenbildenden Gottheit. Die Ueberlegenheit, welche die Französin als Erfinderin der Moden ausübt, wird einst verloren gehen; denn der Geschmack bildet sich überall und wird nach und nach Gemeingut aller Kulturvölker. Auch steht zu hoffen, daß man endlich einmal entdecken wird, wie es noch schöneren und wirksameren Schmuck für die Frauen giebt, als Schmelzbesatz, golddurchwirkte Stoffe, ausgestopfte Kolibris oder gefärbte Straußfedern; auch die Engländerin wird einst genöthigt werden, von dem hohen Postament, auf welches sie der Reichthum ihrer Nation gestellt hat, herunterzusteigen, denn denknothwendig wird früh oder spät der Tag kommen, an dem sich auch die letzte Kolonie vom britischen Mutterlande losreißen und das arme, sich nicht mehr durch die Ausbeutung fremder Völker mästende England auf sich selbst und seine intellektuelle und moralische Kraft angewiesen sein wird. Wenn aber die Französin nicht mehr das Pfauenrad neuer Moden schlägt und die englische Lady nicht mehr reich an blinkendem Mammon ist, wird die Deutsche immer noch 222 im Besitze ihres holden seelischen Schmuckes sein; denn das Gemüth ist ein Schatz, den weder Rost noch Motten fressen, ja, der ganz unveränderlich und unverlierbar ist, wenn er nicht durch eine das weibliche Naturell außer Acht lassende Lösung der Frauenfrage langsam angebröckelt und geschädigt wird. 223

 


 

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