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Fünfzig Jahre Museumsarbeit

Wilhelm von Bode: Fünfzig Jahre Museumsarbeit - Kapitel 6
Quellenangabe
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typeessay
authorWilhelm von Bode
titleFünfzig Jahre Museumsarbeit
publisherVerlag von Velhagen & Klasing
year1922
correctorreuters@abc.de
senderbakcm@aol.com
created20100316
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Beihilfe für andere Museen und Privatsammlungen. Aufstellung der Kunstwerke und Ausstellungen alter Kunst aus Privatbesitz in Berlin

Für alle bisher genannten Abteilungen unsrer Museen hatte ich als ihr Leiter oder als ihr Begründer zu sorgen. Ich habe aber auch jede Gelegenheit benutzt, wo ich den übrigen Abteilungen und anderen öffentlichen Kunstsammlungen Deutschlands behilflich sein konnte; nicht nur durch Bemühung um außerordentliche Staatsmittel in den fünfzehn Jahren, in denen ich Generaldirektor war, sondern vor allem durch Unterstützungen, die ich von Gönnern unserer Museen oder durch eigene Zuwendungen beschaffte. Letzteres gilt namentlich für das Kunstgewerbemuseum, dessen Sammlungen italienischer Majoliken, alter orientalischer Teppiche u. s. f. ich wesentlich bereichern konnte. Dem Münzkabinett konnte ich u. a. zur Erwerbung der großen Sammlungen Fox und Lübbecke verhelfen. Dem Kupferstichkabinett habe ich in dem langen Interregnum, das dort vor Lippmanns Anstellung herrschte, die Sammlungen der Handzeichnungen von Haußmann und B. Suermondt und später die starke Bereicherung unserer Rembrandt-Zeichnungen aus den Sammlungen Posonyi und Rouppel verschaffen helfen. In der Antikensammlung habe ich namentlich die griechischen Bildwerke in den Palästen Giustiniani in Venedig und Padua, in denen ich mich gleichzeitig um die Erwerbung eines wertvollen Bildes bemühte, festzuhalten gesucht, bis die Erwerbung nach Jahren gelang. Wenn die Reliefs vom Thron der Aphrodite, die jetzt das Thermenmuseum und das Museum zu Boston schmücken, nicht in unsere Sammlung gelangt sind, so ist das wahrlich nicht meine Schuld. Mein Eifer, jederzeit allen Abteilungen unserer Museen behilflich zu sein, wurde ja gelegentlich von Kollegen als unberechtigter Eingriff in ihre Rechte abgelehnt. Die eigentümlichste Erfahrung nach dieser Richtung machte ich in Magdeburg, wo ich auf Wunsch des Oberbürgermeisters zunächst eine kleine Sammlung alter Gemälde (Stiftung Grüson) und kunstgewerblicher Gegenstände, sowie – als Anfang einer Sammlung niedersächsischer Provinzialkunst – die Überreste des Doms von Goslar und einen intakten großen Altar aus der Nähe von Braunschweig vom Anfang des 15. Jahrhunderts erworben hatte. Als ein junger Direktor zur Leitung des neuen Museums berufen wurde, war das erste, daß er diese vaterländischen Reliquien an das Museum in Utrecht abgab, da es doch nicht mehr möglich sei, eine Sammlung niedersächsischer Kunst zusammenzubringen. Solche – freilich seltenen – Erfahrungen haben mich nie abgeschreckt, zu helfen, wo ich konnte, um Kunstwerke für öffentliche wie für private Sammlungen in Deutschland zu gewinnen. Das ist mir besonders für die Museen in Cöln, für die Kunsthalle in Hamburg, wo ich Lichtwark namentlich bei der Zusammenbringung seiner Sammlung althamburgischer Kunst behilflich sein konnte, und für die Galerie in Straßburg geglückt. Straßburg ist heute französisch, aber es gereut mich nicht, daß ich dem urdeutschen Elsaß eine Galerie zusammenbringen konnte, der an Vielseitigkeit und Qualität nur wenige französische Museen außerhalb Paris sich an die Seite stellen können.

Neben der Vermehrung der Sammlungen unserer Museen hat mir von vornherein ihre Erhaltung, Ordnung und Aufstellung am Herzen gelegen. Statt der bis dahin in den öffentlichen Galerien fast allgemein üblichen dichten Behängung der Wände mit Gemälden bis an die Decke hinauf, suchte ich in einer lockerern Aufstellung der Gemälde durch möglichste Abwechslung in Format, Darstellung und Farbe jede Wand zu einem ansprechenden Bilde für sich zu gestalten. Nachdem wir allmählich eine reichere Sammlung von Bildwerken der italienischen wie der deutschen Schule zusammengebracht hatten, konnte ich auch den Versuch machen, Gemälde und Skulpturen der gleichen Zeit und Schulen in einem und demselben Raum zusammen aufzustellen und einige charakteristische Möbel und Dekorationsstücke derselben Epoche hinzuzufügen. Es zeigte sich, daß sich eine solche Anordnung sehr wirkungsvoll gestalten läßt, wenn man die Mischung sparsam macht, wenn man entweder die Gemälde oder die Bildwerke vorwiegen läßt, wenn man Robbia-Werke und Bronzen wegen ihres Glanzes und ihrer zu hellen resp. zu dunkeln Färbung möglichst davon ausschließt und für sich ausstellt. Durch eine solche Aufstellung, die in großen Museen am besten auf gewisse Räume beschränkt wird, läßt sich der magazinartige Eindruck, den namentlich die Gemäldesammlungen bei der alten Aufstellung machten, überwinden, und es ist möglich, je nach der Art der Sammlungen, in mannigfachster Weise reizvolle Wirkungen zu erzielen. Das haben wir namentlich auf die verschiedenste Art im Kaiser- Friedrich-Museum erprobt, nachdem wir schon sehr viel früher einen ersten Versuch im großen gelegentlich der Ausstellung alter Kunst zur Silberhochzeit des Kronprinzenpaares 1883 gemacht hatten. Diese Ausstellung, die erste in ihrer Art in Berlin, belebte nicht nur die berliner Sammeltätigkeit, die im großen Stil erst von hier datiert, sie ermutigte zu regelmäßigen Ausstellungen alter Kunst im Privatbesitz unter immer neuen Gesichtspunkten, deren Anordnung später unser Museumsverein in die Hand nahm, und bestimmte auch die Sammler, die Aufstellung ihrer Kunstwerke in ihren Räumen in ähnlicher Weise zu machen. Wir haben die Freude gehabt, daß diese Aufstellung in manchen Museen, soweit die Kunstwerke dafür vorhanden waren, Nachahmung gefunden hat, in neuester Zeit sogar im Louvre. Daß diese Anordnung dort keine zufällige ist, ist dadurch offen anerkannt, daß kürzlich – wie ich höre – in einem Vortrag im Louvre auf das in unserem Museum gegebene Vorbild hingewiesen und mir persönlich für die Anregung und Durchführung dieser neuen Art musealer Anordnung gedankt worden ist.

Solche Anerkennung durch das Ausland, zumal jetzt von französischer Seite, ist jedoch nur eine schwache Entschädigung dafür, daß mein Plan der Neubauten nahe vor ihrer Vollendung umgeworfen und durch einen andern Plan ersetzt worden ist, der für fast alle daran beteiligten Abteilungen unserer Museen eine durchaus ungenügende Lösung gibt. Da auch die Vergeudung der Mittel und Arbeitskräfte dabei in ungeschwächter Weise fortgesetzt wird und sogar die alten Bauten und zum Teil selbst die Kunstwerke darin weiter gefährdet und selbst geschädigt werden, so gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß schließlich doch einmal der Plan, der bisher bei den Neubauten zugrunde gelegt worden ist, wieder aufgenommen werden wird, zumal dafür die Mittel in den fast zahllosen, für die klare und geschmackvolle Anordnung nur schädlichen Dubletten vorhanden sind. Daß man sich zu dieser Kassierung meines Planes entschloß, ohne mich dabei irgendwie heranzuziehen, daß man seit mehreren Jahren die mit der Aufsicht über den Bau betraute Museumsbaukommission ausgeschaltet und mir den Vorsitz genommen hat, daß man endlich die von mir für die Fortführung der Bauten als Geschenk angebotenen mehreren Millionen Mark einfach ablehnte, ohne mich auch nur zu hören, war freilich nicht die Anerkennung, wie ich sie für fünfzigjährigen Dienst in diesen meinen Ämtern erwarten durfte.

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