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Führer durch die moderne Literatur

Hanns Heinz Ewers: Führer durch die moderne Literatur - Kapitel 102
Quellenangabe
typefiction
authorDr. Walter Bläsing
titleFührer durch die moderne Literatur
publisherGlobus Verlag
addressBerlin
yearo.J.
correctorhille@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20100716
modified20150527
projectidd0de1f8e
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Maximilian Harden

Maximilian Harden, geb. 1861 in Berlin, lebt in Berlin. Harden kann als der bedeutendste Publizist gelten, den Deutschland seit Börnes Zeit besessen hat. Seine ungeheure Belesenheit, seine überaus scharfe Kritik und sein feiner Instinkt für das Wertvolle befähigen ihn in besonders hohem Grade zum politischsozialen Zeitbetrachter. Seine Essay-Sammlung »Apostata« schuf ihm einen Namen und bevorzugten Platz in der modernen Publizistik. Er begründete dann seine Wochenschrift »Die Zukunft«, in der er in meisterhaftem, höchst persönlichem Stil seine subjektiven Meinungen äußerte und die, abgesehen von den lyrischen Beiträgen, in denen fast ausschließlich die epigonenhaftesten Österreicher zum Wort kommen, die bestredigierte Revue ist, die zur Zeit besteht. Als Politiker vertritt Harden einen bis zum Revolutionarismus aufgeklärten konservativen Standpunkt. Er erkennt die sozialistischen Forderungen als ebenso berechtigt an, wie die ultramontanen Tendenzen, und bekämpft die Regierungspolitik vom Standpunkt der bismarckischen Taktik, wie er denn auch Bismarck nach seinem Sturz allen Anfeindungen zum Trotz die Stange hielt. Sein überlegenes Anschauen der Dinge, das ihn anarchistische Gewaltsakte psychologisch ebensogut verstehen läßt, wie die reaktionärsten Maßnahmen der Feudalherren, hat ihn besonders bei den von ihm bitter befehdeten Liberalen in den Ruf gebracht, er mache prinzipiell Stimmung gegen die öffentliche Meinung; doch beweisen seine leidenschaftlichen Artikel gegen den Grafen Caprivi sowohl, dessen Sturz er herbeiführte, wie gegen Bebel und Genossen, daß nicht das »Verneinen« an sich das Leitmotiv seines Charakters ist. In künstlerischen Dingen führt Harden eine ebenso geschickte Feder wie in politischen. Seine Arbeiten über Hebbel, Ibsen und andere sind nicht weniger bedeutend wie die glänzenden, in Buchform gesammelten Essays »Kampfgenosse Sudermann«. Daß Harden mit der Zeit durch die unaufhörlichen persönlichen Verdächtigungen und Anfeindungen verbittert ist, und häufig unfähig ist, seine persönlichen Antipathien und das objektive Urteil über Leistungen gewisser Persönlichkeiten auseinanderzuhalten, kann nichts an der Tatsache ändern, daß er im geistigen Leben unserer Zeit als Anreger und als Kritiker ein Faktor ist, der nirgends übergangen werden kann. – Eine starke Persönlichkeit, wie sie das schreibende Deutschland nur sehr, sehr wenige aufzuweisen hat!

E. M.

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