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Fritz Bley

Fritz Bley: Fritz Bley - Kapitel 8
Quellenangabe
authorFritz Bley
titleFritz Bley
publisherR. Voigtländers Verlag
year1923
printrunDritte Auflage
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180216
projectidc161a1b3
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Die Stimme aus dem Grabe

Ihre Herzen sind voll Trauer. In dieser Nacht hat man sie, den Kawambwa Mpangiri und den Nyumbe Ngongo, in ihren Häuptlingshütten mit der Schreckensnachricht geweckt, daß der Mond den Weg verloren habe und von der schwarzen Schlange ergriffen sei. Nach der Sitte der Wachutu haben Mpangiris Leute die große Trommel geschlagen, jede Stunde in einer anderen Art, nachdem sie zwischenzeitlich das vom Nachttau befeuchtete Trommelfell am Feuer erwärmt haben. Andere haben mit dem großen Kriegshorne die Schlafenden flußauf, flußab geweckt und ihnen zugebrüllt: Oah – húh, ágwe meánguh!

Und bald haben die den Ruf des Grauens weitergegeben: Wacht auf, ihr Schläfer, der Mond ist ergriffen!

Dumpf und eintönig wie Grabgeleite setzte dann wieder die Trommel ein. Und schwer und bang dazu der Bittgesang an den großen Bösewicht der Finsternis um Gnade und Erbarmen für den Mond:

Tuómbe, tuómbe,
watúmwa, tuómbe!

Drüben im Wasaramo-Dorf hat jeder, der erwacht ist, eine Kalabassen-Rassel ergriffen, ein leeres Blechgefäß oder was sonst zum Lärmen taugt, und eine Höllenmusik hat eingesetzt, um die schwarze Schlange zu verscheuchen, die immer weiter den Mond ergriff. Heftig haben andere mit Hacken gegeneinander geschlagen, um die Schlange von ihrem Opfer fortzureißen. Umsonst, alles umsonst! Tuómbe, tuómbe!

Als der Tag herauf war, hat der Häuptling zitternd und zagend an der Geisterhütte kleistrigen Hirsebrei, Ugadi, und frisches Wasser geopfert, nachdem die Weiber das Dach über dem Grabe seines Vaters mit Gras neu gedeckt und den Platz gesäubert hatten. Dann hat Ngongo das Häuptlingsbeil über die Schulter, den leichten Speer zur Hand genommen und den Wedel von Gnuschweifhaar dazu, um den Pepo, den bösen Windteufel, abwehren zu können, und ist mit dreien seiner zerlumpten Ältesten zum Schauri nach Pangiri gezogen. – –

Tuómbe, tuómbe,
watúmwa, tuómbe!

Noch immer dröhnt Gesang und dumpfer Trommelschlag ihm entgegen, obgleich die Sonne bereits heraufgezogen ist. Auch Mpangiri hat den Abgeschiedenen geopfert und am Grabe seines alten Vaters den von hohen Leuchtereuphorbien dicht umstandenen und überwölbten Platz feierlich säubern lassen.

Nun kehrt der Zug mit Flötenklage und Trommelklang ins Dorf zurück, und die Weisen setzen sich, das Herz voll tiefer Trauer, zur Beratung nieder.

Das Unheil ist groß. Schlimme Zeit liegt über dem Lande. Brockenweise stoßen sie heraus, was ihnen das Herz bedrückt, die Männer von Usaramo und des großen Mpangiri.

Es ist klar, daß die Schlange, die den Mond ergriffen hat und verfinstert, dieselbe ist, die sonst in der Stromschnelle des Uferbogens von Rufuquamoto lebte und dort von dem Weißen erschossen ist.

Ehä–äh! klingt es zur Bestätigung aus der Mitte. Und Mpangiris Schnupfdöschen von niedlich geritztem Bambus macht die Runde. Nachdem alle die Nasen gelabt haben, tritt ein neuer Greis herzu und hockt nach feierlicher Begrüßung nieder: Mse Pandallah, der berühmteste Zauberer stromauf, stromab.

Aller Augen hängen an seinen Lippen, und alle Herzen klopfen seiner weisen Rede entgegen. Mit großer Handbewegung lädt Mpangiri ihn zum Sitzen ein. Als der Zaubermeister hockt, redet der Häuptling:

»Mse Pandallah, ssassa sema wewe!«

Der berühmte Mganga erhebt sich zum Danke ein wenig aus der Hockstellung und flüstert zitternd, geheimnisvoll:

»Agwe meangu, die Schlange ist schlimm!«

Ehä–äh! tönt es dumpf in der Runde.

»Sie frißt den Mond! Finsternis frißt das Land, mich, euch, eure Hütten, euere Weiber und Kleinen. So sage ich.«

Ehä–äh! Einstimmiger Beifall.

»Der Weiße trägt die Schuld. Seit die Schlange tot ist, lebt sie am Himmel. Sie frißt uns alle, so sage ich.«

Ehä–äh! in der Runde.

»Der Weiße ist ein Zauberer. Alle hat er verhext. Sie schicken ihm ihre Kinder zur Arbeit für Blautuch und Rottuch und Kupfer und Silber. Aber zu mir, dem Mganga, kommen sie nicht mehr, daß ich die bösen Geister ihnen austreibe! Sie scheuen das Huhn und die zwei Rupien, die mir gebühren!«

Ehä–äh! rings in bänglicher Niedergeschlagenheit.

»Und er hat Gewehre, oh! Alle Leute macht er zu Askari, oh! Sie sind wie die Büffel! Wenn sie angreifen, setzen sie sich Hörner auf wie die Büffel Bajonette auf die Gewehre., dann nehmen sie die Köpfe runter wie Büffel, dann brüllen sie wie Büffel, und dann jagen sie wie Büffel alles vor sich weg, oh!«

Ehä–äh! kommt es zur Bestätigung aus der Runde.

»Und eine Kanone hat er, oh!«

Hier springt Kiliapumba auf, einer der Ältesten von Ngongo.

»Die Kanone oh! Ich habe gesehen! Wenn er am Strick zieht, bumm! Kugel trifft Affenbrotbaum. Dort geht sie nochmal bumm! Alles kracht, oh! Ein Zauberer ist er. Das sage ich, bassi!«

Ehä–äh! in stöhnendem Seufzer ringsum.

Nun nimmt der ehrwürdige große Mpangiri selbst das Wort:

»Ein Zauberer ist er. Nachts macht er Daua; dann kommt der rote Feuergeist über den Wald. Oder ein grüner! Oder er holt Feuer aus der Erde heraus und jagt es in den Himmel hinauf. Oben speit es blaues Gift. Dann sagt er vor Freude: aaaah! Wir fürchten die Feuerschlange. Wenn sie wieder runter kommt, bringt sie tausend kleine Teufelchen mit. So sage ich, Mpangiri, bassi tena!«

M-m-m-m-m!

Allgemeines Lippenschütteln als Ausdruck grauenvoller Angst und Abwehr böser Geister.

Kiboko springt auf, ein quabbelig fettes altes Männchen an Mpangiris Seite. Mit den Zeigefingern der zusammengelegten Hände trumpft er seine Gründe auf.

»Er ist ein Zauberer, ein böser Zauberer. Vorgestern sehe ich ihn kommen. Ich verkrieche mich. Er, bumm! Die Mpofu-Antilope liegt. Sie hat bösen Geist. Wer sie öffnet ohne Zauberschutz, muß sterben. Er, der Herr, mit dem blutigen Messer, reißt sie auf und wirft alles heraus, ohne die Hand rot zu machen. Der Zauberer! Und dann das Horn! Er bläst, und zwanzig Geister singen auf einmal, überall her, von unten, von oben. Er muß sterben. Er ist ein schlimmer Zauberer! So sage ich!«

Allgemeine Zustimmung und tief überzeugtes Ä-hä-hähä!

Mpangiri richtet sich auf – aber der beredte Mund bleibt ihm offen stehen. Alle schauen sprachlos einander an.

»Jambo, Wayumbe!« tönt es ihnen freundlich entgegen von dem Weißen, der in Begleitung eines einzigen Mannes auf dem Platze erscheint, obgleich das Tor wohl bewacht und verschlossen war.

»Jambo sana, mbana mkubwa, jambo sana!«

»Das klingt ja so ängstlich, Alterchen. Bist du noch nicht aus dem Schrecken der Nacht heraus?«

»Herr, du weißt ...«

»Ja, ja, ich weiß alles, Musa Pangiri. Glaube nur: alles! Du bist doch mein Freund? Nun, dann beeile dich und laß mir ein Ruhebett zum Niedersetzen bringen.«

»Hapana, mbana mkubwa!«

»So? Du hast keins? – Mhamed, bringe eins!«

Mhamed, der Beludsche, ist schon mit zwei gaffend aufgegriffenen Burschen bei der Arbeit, und im nächsten Augenblicke ist Mpangiris Prunkbett zur Stelle. Vorsichtig – denn man kann nie wissen, was in solch einem Thronlager krabbelt – nimmt der Weiße Platz.

»Setze dich zu mir, Musa Mpangiri, und ihr Alten hockt euch nieder. Meine Rede ist kurz. Wir Europäer lieben nicht langes Schauri. Ich kenne euch und warne euch. Alle eure Brüder im Lande sind meine Freunde. Sie gehen geschmückt mit Turbanen und köstlichen Gewändern, wie die vornehmen Großen in Bagamoyo sie tragen, sie trinken den edel duftenden braunen Trank Kahawa und ihre Felder sind wohl bestellt, wie sie bei mir es gesehen und ihre Leute bei mir gelernt haben. Nur du, Musa Mpangiri, willst nicht einsehen, wie wertvoll meine Freundschaft ist!«

»Herr, was sagst du? Ich ...«

»Wollt ihr leugnen, ihr alten Schlingel, daß euer Schauri eben mir gegolten hat? Na nambo meupe, wé! Merkt euch das: ich habe hellsehende Wissenschaft! Seid vernünftig und kommt herum! Morgen um diese Zeit wollen wir Schauri halten in meinem Hause. Ich erwarte euch!«

Schweigen.

Auch der Weiße schweigt und blickt von einem zum andern. Dann steht er auf.

»Überlegt euch, was ihr tut! Ich meine es gut. Jetzt für heute Koaheri!«

Mit Salaam und Koaheri begleiten alle ihn zum Dorfe hinaus, höflich und unterwürfig, voll lauernder Tücke.

Am nächsten Tage kommt nur einer von den bestellten Dorfältesten, Pasi Toni, ein vernünftiger Kerl, mit dem leicht fertig zu werden ist. Er verspricht, des Weißen Freund zu sein, Arbeiter zum Bau des großen neuen Weges zu schicken und seine Leute im Anbau von Maniok, Agaven und Hanf unterrichten zu lassen. Reich beschenkt mit einem arabischen Kaftan und mit Perlen für seine Weiber zieht er strahlend in Glückseligkeit davon.

Abends kommt die Nachricht, daß er eingefangen ist und, als schuldig an der Mondfinsternis, verbrannt werden soll. Eilends trabt der Weiße auf seiner Maskat-Eselstute nach Pangiri, wo die Hinopferung stattfinden soll, und Mhamed Beludsch trottet nebenher. Dem Beludschen merkt man an, daß er Läufer und Tänzer gewesen ist, ehe er sich als Gaukler Ruhm erworben hat.

Als sie den Rufundogo überschritten haben und aus dem Uferwalde auf die Ebene kommen, tönt ihnen bereits Trommelschlag, Plärren und Trillern entgegen. Der Hexenspuk ist in vollem Gange. Und als sie nach Durchschreiten der Dornumwallung den Dorfplatz betreten, sehen sie den Holzstoß bereits errichtet und alle Vorbereitungen zu Verbrennung des Opfers getroffen. Nur dies selbst ist nirgends zu sehen. Und die Anwesenden leugnen, daß Pasi Toni hier sei. Und da kommt Mhamed schon mit ihm angezogen und hat im anderen Arme den großen ehrwürdigen Musa Mpangiri.

Kein Scheltwort fällt. Kein Vorwurf. Der Weiße bittet nur alle, Platz zu nehmen, insonderheit Musa Mpangiri.

Er erklärt ihnen, daß Pasi Toni von nun an unter seinem Schutze stehe und bittet, doch vorzutragen, welcher Schuld man ihn zeihe.

Wieder wie in der gestrigen Morgenfrühe Verlegenheit, Redensarten und Scheu aus schlechtem Gewissen.

Der Weiße blickt schweigend auf Musa Mpangiri. Und abermals ersucht er die Häuptlinge bei Vermeidung seines ernstlichen Zornes, morgen zum Schauri zu ihm zu kommen. Abschied wie vorgestern.

Pasi Toni wird mit zur Station genommen, bittet aber schon unterwegs, ihn laufen zu lassen. Nur die ernste Vorstellung des weißen Herrn, daß dann seine Rettung unmöglich sei, veranlaßt den angstschlotternden armen Kerl zu bleiben. In der Station wird er gut verpflegt und man spricht ihm tröstlich zu; aber seine Angst will nicht weichen.

Von den Häuptlingen aus Mpangiris Freundschaft erscheint zur bestimmten Stunde nicht ein einziger. Pasi Toni stöhnt. Seine alberne Angst teilt sich den Arbeitern mit. Kiboko ndogo fühlt sich fieberkrank, Kiliapumba fehlt es auf der Brust, auch ist ihm die Schwiegermutter gestorben, und er möchte Urlaub und Vorschuß, um zur Küste zu gehen. Auf die Frage, wer ihm denn die schlimme Nachricht gebracht habe, verwickelt er sich in Lügen.

Mhamed Beludsch hat das alles mit angesehen. Er ist mit allen sieben Salben geschmiert und erklärt sich sofort in herzlichem Mitleid bereit, Kiliapumba zu helfen. Aber der will von Mhameds Daua nichts wissen. Nach der einen muß man immerzu hinaus und kann's nicht halten, nach der anderen, die wie Zucker aussieht und schmeckt Nr. 1 Rizinus und Nr. 2 Brausepulver, trocken genossen., kriegt man Durst. Und trinkt man, stoßen einen hundert Böse im Bauch. Nein, nein, Kiliapumba wird schon gesund beim bloßen Gedanken an Mhameds Medizin.

Mhamed lacht.

Aber sein Herr bleibt ernst gestimmt.

»Herr, ärgere dich nicht über diese dummen Kokosnußköpfe! – – Herr, was gibst du mir, wenn ich sie dir morgen zum Schauri herbringe?«

»Eine Rupie für jeden Ältesten, für einen Häuptling zwei!«

»Herr, bedenke, es sind große Herren, wilde Krieger und angesehene Fürsten!«

»Geh jetzt, bleibt dabei!«

Und Mhamed geht. – –

Am nächsten Morgen wird Musa Mpangiri gemeldet, daß am Grabe seines Vaters eine vermummte Gestalt kauere. Bestürzt geht der Kawambwa mit seinem Ältesten hinaus. Unter den Leuchtereuphorbien erhebt sich der Beter und tritt, Tränen in den Augen und seelisch tief erschüttert, dem Kawambwa entgegen: Mhamed, der Beludsch.

»Jambo, Kawambwa, schwere Zeit!«

»Jambo, Mhamed, was führt dich her?«

»Die Sorge!«

Mpangiri lächelt ungläubig.

»Seit die Schlange den Mond ergriffen hat, sehe ich in jeder Nacht deinen ehrwürdigen Vater.«

»Meinen Vater? Er ist tot!«

»Eben ihn. Und ich habe diese Nacht lange mit ihm gesprochen!«

»Gesprochen, mit wem?

»Mit dem Toten. Hier am Grabe!«

Mpangiri und seine Leute sehen einander verlegen an. Da tritt Pandalla herzu, der ehrwürdige Zauberpriester.

»Mhamed Beludsch, wie geht deine Rede?«

Mhamed, unaussprechlich schmerzlich:

»Großer Mganga, befrage du selbst den Toten!«

Pandallah wehrt mit den Zeigefingern der gefalteten Hände und abgewandtem Gesichte ab.

Mhamed nach einer Pause:

»Musa Mpangiri, so befrage du den Toten!«

Bewegung unter den Leuten des Kawambwa. Niemand, auch Mpangiri nicht, wagt einen Laut.

Mhamed weinerlich:

»Musa Mpangiri, soll ich den Toten befragen?«

Wieder keine Antwort.

»Fürchte dich nicht, Musa Mpangiri, dein Vater hat dich lieb!«

Beklommenes Schweigen. – – –

»Mse, ehrwürdiger Toter, hörst du mich?«

Um des Beludschen Kinnbacken zuckt es ein wenig. Stimme aus dem Grabe, matt und kaum vernehmbar:

»Ich höre, Mhamed! Bist du noch immer da?«

»Deine Stimme klagt, Mse. Warum bist du traurig?«

»Freund, mein Bauch fault vor Kummer!«

»Kummer, über wen?«

»Über den Mpombafu, den Dummkopf, den Taugenichts, meinen Jungen!«

»Über Msua, den Kawambwa?«

»Was, Kawambwa! Eselreiter soll er bei euch werden oder Schmutz karren. Er läßt mir keine Ruh unter der Erde, der Ungeratene!«

»Was soll er denn tun?«

»Herum kommen soll er, endlich klug werden wie die anderen. Soll den Pasi in Frieden lassen und einsehen, daß dein Herr es gut mit ihm meint. Und daß es bloß einen Zauberer bei uns gibt, den alten Pandallah. Das ist ein schlechter Kerl, traue dem nicht. Mein Musa ist bloß ein Dummkopf. Aber mir läßt er im Grabe keine Ruhe. Oh, mein fauler Bauch!«

Schmerzgebrochen erlischt die Stimme aus der Tiefe. Dem tief erschütterten Beludschen stehen Tränen des Mitleids in den Augen. Die Häuptlinge zittern. Nur der alte Mganga läßt sich nicht bange machen. Er kennt sich nicht aus: sollte die Geschichte in sein Fach schlagen? Aber er traut dem Frieden nicht.

Und nachher, wenn alle zur Station gehen, um dem Weißen Freundschaftsgeschenke zu bringen, wird auch er, der weise Mganga, mitgehen und ihm Honig bringen von den kleinen Bienen, die er im Gelbholzbaume weiß. Die Stimme aus dem Grabe – ei, ei, zum Pepo, das war mehr als Zaubererkunst! – –

Gegen Mittag wird dem Weißen gemeldet, daß eine Karawane komme, mit Trommel und Misumari-Klarinette. Und als er zum Empfange auf die Terrasse tritt, naht der Zug: der Kawambwa Musa Pangiri mit allen seinen Ältesten, auch Ngongo dabei und Mpangiris Blutsbruder von Kipilipili, und – der Weiße traut seinen Augen nicht – auch Pandallah, der große Mganga, mit einem schwer beladenen Knaben.

Die Arbeiter jubeln, die Weiber singen Begrüßungen:

yoyo bwana, yoyo bwana
anacheza na nduguye.

Immer lustig:

yoyo, der Herr, yoyo, der Herr
tanzt mit seinem Freunde.

Wer aber ist es, der den Ankömmlingen vorantanzt? Einen Gnuschweifwedel schwingend und in verzückten Verrenkungen? Mhamed der Beludsch! – –

Bewirtung der Gäste mit frischem Hirsebier, abends großes Schauri, Freundschaftsschluß. Nur einer fehlt, der in seiner Hütte vor Angst schlotternde Pasi Toni. Schließlich versichern die Häuptlinge auf des Weißen Bitte, daß er freigesprochen sein solle. Herbeigerufen, findet er aber kein Wort, und der Weiße zieht vor, ihn einstweilen noch unter seinem Schutze zu lassen.

Am nächsten Tage, als die neuen Freunde abgezogen sind, erscheint schmunzelnd Mhamed, um sich den ausbedungenen Lohn zu holen. Drei Häuptlinge, zehn Älteste und ein Zauberpriester macht zusammen zwanzig Rupien.

»Wieso zwanzig, der Mganga ist kein Häuptling!«

»Freilich nicht, ich rechne ihn für zwei. Du, Herr, weißt, daß er mehr wert ist als die anderen zusammen!«

»Nun gut, hier hast du zwanzig Silberlinge, du Taugenichts!«

Mhamed berichtet lachend, wie er die Mpangirileute gekriegt habe. Seine Bauchrednerkunst sei Goldes wert in diesem Lande von dummen Teufeln.

»Herr, wenn ich bei dir bliebe, verhexten wir das Land bis nach Udschidschi hinüber!«

»Mag sein, Mhamed, aber du gehst morgen mit einem Briefe nach Sansibar!«

»Ah, ich verstehe!«

»Noch nicht, Mhamed! Aber du wirst in Sansibar hören und dann nach einem Monat verstehen!«

Mhamed lächelt geschmeichelt.

»Ich werde schweigen, Herr, wie das Grab!«

»Aber, bitte, nicht wie das von Mpangiri.« – –

Dies Gespräch hätte nicht kommen dürfen. Pasi Toni,[*] der nicht mehr bewacht wird, hat es aufgeschnappt. Und an allen Gliedern zitternd schleicht er davon. Am Morgen ist er verschwunden. Abends kommt die Nachricht, daß der Entflohene aufgegriffen und verbrannt sei.

Und als der Dorfälteste dieserhalb bestraft werden soll, kommen alle gutgesinnten Häuptlinge der Umgegend zum Weißen, um bekümmerten Herzens vorstellig zu werden, was denn aus dem Lande werden solle, wenn kein Zauberer mehr verbrannt werden dürfe. – –

Wenn es in diesem Lande einen Tag gäbe, an dem die Opfer wollüstig wüster Blutgier vereint ihre Stimmen erheben könnten, welch ein schauerlicher Chor würde dann, um Gnade und Gerechtigkeit flehend, sich erheben:

Tuómbe, tuómbe,
watúmwa, tuómbe!

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