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Fritz Bley

Fritz Bley: Fritz Bley - Kapitel 28
Quellenangabe
authorFritz Bley
titleFritz Bley
publisherR. Voigtländers Verlag
year1923
printrunDritte Auflage
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180216
projectidc161a1b3
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Murmentl-Sepp

»Maria und Josef, daß du Gischpel alm meine alte G'schichten schäntest und für Lugeng'schmalch d'erklärtst!«

»Gees, Gees, ös Sauviecher, geht's jez daher? Da bleibt's! – Saalz, Saalz!«

Der Sepp war aufgesprungen und lockte mit etwas Salz seine davonsteigenden Geisen zurück, während die Wurzenlies ihre Kräuter in die Kraxe tat: Allmannsharnisch, Gambswurz und Fenchel.

»Und wann's noch so dot'lt daherred'st, wahr ist's do! Oder willst's epper a nöt glaub'n, daß die Berg-Mannder'ln hausen daheroben, die damischen Wicht'ln, die da umanandflitzen, daß a jed's meinen kunnt, den g'hörnten Greanäugl sein ertriger Schlupfwinkel sei dahier, wo's mehrschlimm zugeht?«

»Ui jegerl, Frau Muatter, ui jegerl! Jez schau oans: die Heiden-Mannder'ln dös san ja – hihihi! – dös san ja Murmentl'n!«

»Na na – vor söllen Viechern d'erschreck i nöt! – Zum Lachen wär's, wann i die Murmentl'n nöt kennen tät! I sag dir, bet' g'schwind a Vaterunser, bal's die Mannderl'n siagst, daß dir's nöt überzwerch kimmme!«

»Gees, Gees, Gees, ihr Luadern! – Saalz, Saalz!« ruft der Sepp und schnalzt mit der Peitsche.

»Du Bosnickel, schämst di net a weng? Hast's epper verlernt, der Muatter aufz'helfen? Wann i decht nöt im Witsch aufkimm, nach« hat si's g'feit!«

Gelassen hilft der Bub der Mutter in die Höhe; und als die Lies, unter der Last ihrer Kraxe gebeugt, hinabsteigt zum Karsee, von wo der Weg nach Dürnstein führt, schlägt er vor Übermut ein Rad. Dann geht er in die Kniebeuge und juchzet der Alten einen »saft'gen Lurler« nach: Ju hu huhu! – Dulliädühüh Hodlidüh!

Totlachen möchte er sich über den Aberglauben der Mutter und über die dalketen Geschichten. Aber den Berg-Mannderl'n, denen will er doch mal auflauern. Heute ist das richtige Wetter dazu; schön warm wird's werden, wenn erst die Sonne über den Spitzkogl herüber ist und hübsch prall gegen die Wand brennt.

Mit einem Rucke fährt der Sepp herum. Ah ja so: wieder ein paar Fremde! Wären gerade heute nicht nötig gewesen! Alle Tage keuchen jetzt welche von denen schwitzend hinter einem Führer her und nehmen an dem Kaltbrünnle, das oben an der Scharte zutage tritt, einen Quicktrunk und kurze Rast. Der vom Alpenvereine gezeichnete Steig führt dort über den Sattel hinüber ins Kalteneggtal. Ist auch ein schöner Blick von dort hinüber zu den ehrwürdigen Berghäuptern des Tirolerlandes; und Edelweiß wächst in ganzen Buschen dort am Gewänd – zum Ausraufen für die Fremden, die des tiefblauen Wunders der Enzianblüte kaum achten, geschweige der Gelbveilchen und Weißröschen, die an schwarzem Grunde von dunklen Schmetterlingen umgaukelt duften. Wer einmal ausruhen will, so recht tief ausruhen von dem Lärme der Vielzuvielen, der mag ein paar Stündchen in dieser Einsamkeit rasten und gar nichts denken. Rein gar nichts! Wozu auch hier oben denken? Hier dringt so vieles auf ihn ein, das Menschen nie bedacht haben: das Summen der Hummeln an tiefroten Mehlprimeln und der Pracht bunter Ranunkeln; die Liebestänze der Falter um Glockenblumen und Anemonen; das leise Surren im leuchtenden Almenrausch und die feierliche blaue Stille des klaren Spätsommertages. Und dann wieder mitten hinein in dies reine Lebensglück spielend frohen, leisen und doch emsigen Sichmühens der Schrei des Raben, der über dem Laatschenfelde drunten kreist, wo gestern ein Schuß fiel! In einem einzigen heiseren Tone eine ganze Geschichte von heimlichem und bitterem Tode eines stolzen Wildes! Das Volk hier oben herum weiß noch mehr von dem »Rappen« zu sagen, als daß er ein Unheilsvogel und tückischer Hinabstürzer schwachen Wildes ist. Suche dir ein Rabennest, koche die Eier hart und lege sie wieder zurück ins Nest. Wenn der Rappe kommt, so holt er einen Stein, mit dem berührt er die Eier, dann werden sie wieder schier und lauter, und die Rabenmutter brütet die Jungen aus. Den Stein aber läßt sie liegen, den holst du; und wenn du ihn in den Mund nimmst, so verstehst du die Sprache der Vögel. Die alte Lies hat einen gekannt, der trug den Rabenstein zeitlebens mit sich herum.

Hier oben ist der Lies ihr Reich, der richtige Teufelswurzgarten. Hier wächst das Totenveilchen Sinngrün neben dem Allmannsharnisch, der dich hieb- und schußfest macht. Hier blüht an schattiger Stelle die gelbe Gambswurz, mit der kranke Gambserln sich alle Gebrechen ausheilen – nur die Räude nicht, gegen die kein Kraut gewachsen ist! Hier wächst die Hirschwurz und die von altersher berühmte »kaiserliche« Meisterwurz, die gegen Vermeinung und schwarzen Tod ist und sogar dem alten Manne wieder aufhilft – so sagt die alte Lies.

Mancher Wilderer hat hier oben seine Seele dem Teufel verschrieben. Ist's ein Wunder, daß der Lies ihr einziger Bub', der Sepp, es ebenso macht? Dort liegt er zwischen drei Steinen regungslos auf dem Bauche, das Kinn in die Hände gestützt, und kehrt der Sonne die Fußsohlen zu. Als wäre er selbst ein Stein, so still liegt er. Seine Ziegen sind ihm längst davongeklettert. Mögen sie laufen! Zu was sind die dummen Luder denn auf der Welt, als daß der Sepp sie abends suchen und dabei auf die Gambserln spekulieren kann? Der Jager-Loisl hat ihn schon lange deshalb auf dem Striche! Ja, du mein! Wenn der meint, er habe den Sepp erwischt, kommt ihm der lustig entgegen, seine Ziegen rufend und lockend: »Saalz, Saalz, Saalz, Saalz!« Und wenn die bimmelnd angesprungen kommen, mag der Loisl nur schau'n, daß er weiter kommt, denn mit dem alten Bocke, auf den er aus war, ist es dann hier nichts! Der Sepp lacht, wenn er daran denkt, wie der Loisl den Bock hütet, damit er ihn zur Brunstzeit erwischen kann mit einem »wachlenden« reisigen Barte am Buckel. Den wird der Sepp ihm auch gerade lassen! Die Wechsel und Schliche des Bockes kennt der Bub schon vom vorigen Jahre her, und hätte er damals schon den Stutzen gehabt, so wäre der Bock längst hin, und sein Bart wachelte dem Sepp am Kirta-Hüt'l!

Heute ist der Junge nicht auf Gambserln gestimmt. Es sind zu viele Fremde hier durchgekommen, das hält kein Gambs aus. Er schaut nach ganz anderem aus. Ein Zaunkönig schlüpft vor ihm in den Laatschen herum und schmettert seinen silbernen Triller. Sein Weibchen hat hier gebrütet, und die Jungen müssen in der Nähe sein, die putzigen Dinger. Am Laatschenfelde, wo der Rabe vorhin quorkte, balgt sich jetzt eine Gesellschaft zänkischer Steindohlen. Und von der graugelben Wand flattert ein Paar rosenflügeliger Mauerläufer in die Höhe, um nach Käfern und Spinnen zu suchen. Vom Schotter drüben klingt das Geschwirr von Heuschrecken herüber. Aber was kümmern ihn die?

Der Sepp starrt unverwandt durch das Guckloch in seiner Steinmauer. Endlich kommt Leben in ihn. Vorsichtig zieht er den Stutzen unter dem Leibe hervor und schiebt ihn durch seine Schießscharte. Und wieder lauscht er dann. Da, horch: ein heller Pfiff durchschrillt die öde Felswüste. Und dort aus dem engen schwarzen Loche schiebt sich ein graubraunes Männlein heraus. Lachen müßte der Sepp, wenn er jetzt dürfte. Ein junges Murmentl ist's. Enttäuscht läßt er den Stutzen ein wenig sinken, blickt aber desto schärfer zu dem anderen Loche unter dem Felsblocke hin. Das junge Murmentl sichert und windet mißtrauisch nach allen Seiten hin, macht ein Männchen und rutscht dann langsam weiter zu dem anderen hinter dem Steine hin, das vorhin gepfiffen hat. Bedächtig äsen beide dort die Nelkenwurz und Schafgarbe und gehen zuweilen auf den Hinterpranten weiter, um ein Fenchelpflänzchen oder Alpenwegerich anzunehmen. Der Bub ist verdrießlich. Um der jungen Affen willen liegt er sich hier nicht die Knochen steif. Er wartet auf den alten Bären, wie die Jäger das Männchen nennen, den mit den Schlotterhosen von grauem Langhaar und den dreizölligen gelben Zähnen! Heute will er gar nicht heraus, der Langschläfer! Die »Katzen« (Weibchen) und Jungen kommen jetzt eins nach dem andern an, putzen und kratzen sich, pfeifen, springen und rennen um die Wette. Und sie müssen doch heute alle heraus, auch der Altbär; denn bei dem schönen warmen Wetter heuen die Murmentl'n, das weiß der Sepp gewiß! Da, endlich füllt sich das schwarze Loch unter dem Steine mit Pelzwerk: das ist er! Die schwarze Nase schiebt sich aus dem gelblichen Backenhaare heraus, die braune Kehle wird sichtbar, aber der übrige dicke Pelz bleibt dahinter stecken, als könne er nicht aus dem Loche heraus. Wohl gegen zehn Minuten sichert der Alte mißtrauisch auf das Vorland hinaus. Fürchtet er den Fuchs oder den Steinadler? Oder mißtraut er dem Steinhaufen, hinter dem der Sepp liegt? Die Katzen und Jungen sind doch alle draußen und kreuzlustig! Da plötzlich schallen drei Pfiffe, und blitzschnell ist die ganze Gesellschaft in ihre Löcher hineingefahren.

Der Sepp schiebt seinen Stutzen in das Versteck unter den großen Stein und sich selbst aus der Warte heraus. Er kann sich schon denken! Richtig, da kommen wieder ein paar von den Stadtleuten angetrottelt. Schon hofft der Sepp, daß sie an ihm Vorbeigehen werden, wie die vorigen. Aber einer hat ihn doch erblickt. Er will sich gnädig machen und meint: der Bub wisse wohl gar nicht, wie schön er es habe da heroben.

»Woll, woll!« meint der Sepp. »Söll weiß i scho! So vui leicht schnaufen, koan Arbeit nöt – aber –«

»Was denn aber?« meint der Fremde.

»Im Winter is's noch viel scheaner!«

»Im Winter? Geh!«

»Woll, woll! Koan Stadtlackerle nöt und –«

Der Fremde läuft lachend auf den Sepp zu, um ihn abzubeuteln. Aber da hat er sich verrechnet. Der Bub ist davongesprungen, knallt mit seiner Peitsche und jodelt dazu: Dulliähdühüh, hodlidüh!

Lachend gehen die Fremden weiter, und der Sepp bezieht, als habe er nur darauf gewartet, wieder seinen Platz zwischen den Steinen. So scheu die Murmentl'n sind, so leicht gewöhnen sie sich an die Almleute, und der Verkehr da oben auf dem Schartensteige macht ihnen gar nichts. Kaum ist das Klirren der Bergstöcke und Nagelschuhe verklungen, so lugt schon wieder ein Aff aus der Röhre heraus, sichert, schiebt sich heraus, pfeift und kehrt zur Äsung zurück.

Heute ist es auch gar zu schön im warmen Kar und unter der nun halbbeschienenen Sturzwand, unter der auch der alte Bär so gerne sich mollig sonnt. Aber noch immer will er nicht heraus, der alte mißtrauische Teufel. Die andern aber stellen sich nacheinander ein. Und richtig, jetzt geht das Geschäft los. Herr du mein, gerade so wie die richtigen Almleute! Erst machen sie Männchen, die Alten wie die Jungen, als ob sie Umschau hielten. Der grüne Fleck unter dem hohen Steine, das ist ihre Wiese. Die Jungen raffen mit den Nagezähnen dürres Gras zusammen und schleppen es fein stad in die Röhren. Jetzt merkt der Sepp erst, daß sie frühmorgens schon »gemäht«, das heißt das Gras abgebissen haben. Die Alte dort wendet jetzt die Mahd, damit die Prellsonne auch die andere Seite vollends dörre. Wie sie die Nase ins Heu steckt, um zu prüfen, ob es auch schon trocken sei! Dann rafft sie ein Bündel zusammen und fährt damit zum Baue, während zwei Junge Nachlese halten und die übriggebliebenen Halme zusammentragen. Der ganze Vorrat wird in den Winterbau hinuntergeschleppt, der wohl an die vierzig Fuß tief ist.

Ist auch nötig, bei der Winterkälten daheroben! Ein alter, uralter Bär schaut mit grämlicher Miene der Arbeit der Katzen und Jungen zu. Aber es ist nicht der starke, auf den der Sepp paßt; er hat kurze und schlechte Zähne und schäbige Pelzhosen. Von dem seinem Fette würde wohl kein Gelenkleiden vergehen. Aber der oberste der ganzen Sippe scheint er zu sein; denn ein Junges kommt und hilft ihm, sich das Ungeziefer aus dem alten Pelze zu kratzen!

Dann schlieft er in den Bau, kommt aber bald wieder heraus. Vermutlich hat er nachgesehen, ob die Liegerstatt da unten weich und warm genug ist für das volle Dutzend der Sippe, damit die Blutwärme während des Winterschlafes nicht allzutief sinkt. Der Befund da unten scheint nicht recht nach Wunsch zu sein; denn der Alte schleppt dort noch ein Bündel ergiebigen Krautes der weißen Nießwurz zusammen. Ja, ja, es wird, ihm schon sauer! Wie er sich umschaut, kommt eine starke Katze herbei und hilft ihm, und ein Junges kommt auch herbei. Das giftige Nießwurzkraut taugt nicht zur Äsung, aber gut zum Polster für Ähnes Patz im gemeinschaftlichen Lager im Winterkessel. Diesmal will Ähne selbst das Bündel hinunterschleppen. Aber er kommt nicht weit, da andere, nahe beim Bau Gebliebene es ihm abnehmen. Das scheint ihm auch zu gefallen, denn er setzt sich, lehnt sich gegen einen Stein und pfeift, daß ihm der dicke Schlotterbauch wackelt. Wie er da hockt, mag einer leicht ihn für einen Putz oder Nörgg mit zottiger Kutte und Zwergenkapuze halten!

In der Murmentlsprache muß dies Pfeifen den Ausdruck innigsten Wohlbehagens bedeuten. Denn keins der anderen stellt die Arbeit ein, wie bei einem Warnpfiffe. Und dem Alten selbst muß es einen Mordsspaß machen. Er blinzelt mit seinen runden schwarzen Sternguckerln, stellt die schwarzen Schnurrhaare an der gespalteten Oberlippe straff auf, als wolle er sagen: »Jez gebt's amoal acht, jez geht's los!« Dann öffnet er den Rachen und schreit seinen Pfiff heraus. Worauf er sich umguckt, als wolle er sagen: »Gel, söll kann i schean?« Und ein Grasteufel von Jungen setzt sich auch auf die Hinterpranten und macht es dem Ähne nach, als wolle er antworten: »Jez i aber aa!«

Der Winterbau wird erst bezogen, wenn der Oktober mit Kälte kommt. Dann werden die Röhren fest verbuddelt, und alle liegen dann zu Kugeln zusammengerollt und halten Winterschlaf. Dann haben sie auch Schonzeit. Auch jetzt, im August, meint es das Gesetz noch gut mit ihnen, denn die Jagdzeit ist nur vom ersten September bis fünfzehnten Oktober. In Bayern wird die auch streng gehalten, und die Mankei'n, wie man die Murmentl'n dort nennt, werden da auch sehr gehegt. Aber in Tirol gibt es viele Schützen und wenig Jäger. Zu den wenigen gehört der Loisl, der die Murmentl'n wie seine Augäpfel hegt. Aber der Sepp gehört nicht dazu. Es ist ihm nicht wegen des Fettes, das die Mutter Lies in Zehntelpfunden an die Bauern verkauft, die es eifrig fordern, auch nicht wegen des Schwartls, für das der Händler in der Stadt zwanzig bis vierundzwanzig Kreuzer zahlt, sondern wegen der Zähne. Zwei Paare hat der Bub schon an der silbernen Uhrkette, um die alle Burschen drunten beim Hirschenwirt ihn beneiden. Aber gar nichts sind die gegen die braungelben Dreizölligen von dem – – -

Dem Sepp setzt das Sinnieren aus. Vorsichtig steckt er den Stutzen zur Schießscharte hinaus, kaum daß die Mündung über den Stein guckt, auf den er ein braunes Büschel gelegt hat, um das Prellen des Schusses zu verhüten. Drüben in der Röhre erscheint der starke Bär! Langsam schiebt er sich vor. Jetzt gilt's! Mitten auf der Stirn muß das Küglein sitzen, wenn er auf dem Platze bleiben soll. Sonst fährt er in die Röhre und verendet unten, wo kein Pickel ihn herausschlagen kann. Vorsichtig tupft der Bub den Stecher ein. Dann schnallt es. Und wie der scharfe Knall von den Wänden widerhallt, ist mit einem Male die ganze Gesellschaft zu Baue gefahren, als hätte eine unsichtbare Hand sie weggewischt.

Totenstille herrscht am Karsee. Als fühle die Einöde, welch ein Verbrechen hier geschehen ist. Quorkend kommt das Kolkrabenpaar herbei und streicht über der Stelle des Unheiles hin, die noch eben so viel fröhlichen Arbeitsfrieden gesehen.

Den Sepp kümmert das alles nicht. Er ist herbeigesprungen und zieht das in sich zusammengesunkene Berg-Mannderl an den kleinen, dicht behaarten Geöhren aus der Röhre. Drolliges Kerlchen, mit seinen kurzen, dicken Füßen und den langen Grabnägeln. Wie sauber das Schnäuzchen weiß eingefaßt ist, wie rostbraun die Kehle und die zartgraue Platte auf dem Schädel! Das ganze Mannderl mitsamt der flachen langen Schleppe ist kaum anderthalb Fuß groß; aber seine zehn, zwölf Pfund wiegt es gewiß! Hat der Weiß unter dem dickpelzigen Schwartl! Und die Zähne – ui Jegerl, ui Jegerl!

»Wird sich der Loisl giften, wenn er die siagt am nächsten Kirta!« denkt der Sepp. Dulliähdühüh, hodlidüh!

Freili wird's den Loisl giften! Ist's nicht eine Schande, daß jeder Lausbub die Murmentl'n zusammenschießt, wie's ihm halt gerade einfällt? Was soll der Jäger dagegen schaffen? Ihn anzeigend Ja, du lieber Himmel! Da hat einer nur die Lauferei davon zu den Gerichten. Und auf die Letzt kommt solch Lump mit einem Verweise oder einer lächerlichen Geldstrafe davon! »Is halt a so a bissel a Jager!« meinen lachend die Stadtherren.

Aber der Loisl weiß schon, was er tun wird, wenn er ihn endlich mal erwischt, den dreckigen Galgenvogel, damit er inne wird, was beim Wildern herauskommt! In seiner Joppentasche hat der Loisl eine Handvoll Salz. Aber nicht für die »Gees«! Und einen Stecken hat er auch, solch einen geschmeidigen vom Kranawettstock, der durchzieht, wo er hintrifft. »Was der Mensch alloanig tuat, daß es nöt aufmar wird, söll hat an Wert, aber nöt's Reden oder's Laufen zu Gericht. Auf die Schläg' sollst a Weil denken, Lausbua elendiger! Pumm'lwitziger Satansbraten! Saalz, Saalz!« – –

Dulliähdühüh, hodlidüh!

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