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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 9
Quellenangabe
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typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Siebenter Gesang

Frithjofs Glück.

Ziehn Hilfe heischend Beles Erben
Auch jetzt umher thalaus, thalein:
Vergebens um mein Schwert sie werben,
Mein Wahlplatz ist in Balders Hain.
Zurück denk' ich an Fürstentücken
Dann nicht und nicht an Erdensorg',
Ich koste göttliches Entzücken
Vereint mit meiner Ingeborg.

So lang' die Sonn' in stiller Feier
Auf Blumen ihren Purpur gießt,
Wie jener rosenfarbne Schleier,
Der Ingborgs Busen leicht umfließt:
So lang' am Meerstrand auf und nieder
Irr' ich von Sehnsuchtsqual verzehrt
Und ritze in den Sand stets wieder
Den teuren Namen mit dem Schwert.

Wie schleicht so träge Stund' um Stunde!
Sohn Dellings, zögerst du zu gehn?
Hast du zuvor denn Inseln, Sunde,
Gebirg' und Haine nicht gesehn?
Harrt deiner auf des Westens Auen
Denn keine Maid mit leisem Flehn,
Ihr süß Geheimnis im Vertrauen
An deinem Busen zu gestehn?

Doch endlich, matt von deiner Reise,
Sinkst in die Fluten du zurück;
Dann zieht den ros'gen Vorhang leise
Der Abend vor der Götter Glück.
Von Liebe raunt die Wog' am Strande,
Von Liebe säuseln Lüfte sacht –:
Im Perlenschmuck, im Brautgewande
Willkommen, Göttermutter Nacht!

Wie auf den Zeh'n ein Bursch verschwiegen
Nun eilet zum geliebten Kind,
Soll durch die Bucht Ellida fliegen –
Fort schnell' uns, Woge, pfeilgeschwind!
O, trage mich zum heil'gen Hagen,
Zu guten Göttern trag' mich hin!
Dort seh ich Balders Tempel ragen,
Der Liebe Göttin weilt darin.

Wie froh betret' ich dies Gestade!
Ich küsse dich, du teures Land,
Und euch am vielgewundnen Pfade,
Blaublümlein, die ihr schmückt den Rand!
Dein Silber rings auf Heldenmale
Und Haine streuend, prangst du, Mond,
Wie Saga hehr im Hochzeitssaale
Voll träumerischer Schönheit thront.

Wer lehrt mein tiefst Gefühl dich lallen,
Du Bächlein, das durch Blumen rauscht?
Wer lieh euch, Nordlands Nachtigallen,
Die Klagen, die mir abgelauscht?
Mit Abendrot wohl Alfen malen
Mir Ingborgs Bild am Himmel dort,
Doch angewandelt von den Qualen
Der Eifersucht haucht's Freia fort.

Verschwind' es nur, mich soll's nicht kränken!
Wie Hoffnung schön, naht selbst sie schon,
Treu wie der Kindheit süß Gedenken,
Sie naht mit meiner Liebe Lohn.
Komm', laß an dieses Herz dich drücken,
Geliebte, komm', o komm' zu mir!
Nur du allein kannst mich beglücken,
In meinen Arm, und ruhe hier!

Der Lilie gleich an Wuchs, du Schlanke,
Bist du wie Rosen voll erblüht,
Rein wie ein göttlicher Gedanke,
Warm wie der Busen Freias glüht.
Küss' mich, daß nun von meinen Flammen
Auch dein Herz sich durchlodern läßt!
Sink' Erd' und Himmel nur zusammen,
Wenn Lippe sich an Lippe preßt!

Nicht sorge, daß Gefahren drohen,
Da Björn gewappnet Wache hält;
Wenn's not, schirmt er mit kampfesfrohen
Genossen wider eine Welt.
Wenn ich doch selbst das Glück erführe,
Im Kampfe für dich einzustehn!
O, hätt' ich dich nur als Walküre,
Wie gern würd' ich nach Walhall gehn!

Was fürchtest du von Balders Grimme?
Der Gott, der fromme, zürnt uns nicht.
Wir folgen treu nur seiner Stimme,
Die macht uns Liebe ja zur Pflicht.
Der Gott, der selbst so treu – sieh's glänzen
Auf seiner Stirn wie Sonnenschein! –
Einst liebt' er Nanna sonder Grenzen,
Wie ich dich liebe treu und rein.

Dort steht sein Bild; er selbst ist nahe.
Wie mild auf mir sein Auge ruht!
Als freudig Opfer denn empfahe
Er dieses Herz voll Liebesglut.
Knie' hin mit mir, denn bess're Spende
Bringt Liebe nie dem Gotte dar,
Als Herzen, treu bis an das Ende,
So treu, wie einst das seine war.

Dem Himmel mehr als dieser Erden
Ist meiner Liebe Glut verwandt,
Geboren ließ sie jener werden,
Und heim strebt sie ins Vaterland.
O, wer schon dürfte droben weilen!
Ich stürbe froh und sonder Harm,
Dürft' ich nur zu den Göttern eilen,
Du bleiche Maid, in deinem Arm!

Wenn dort die andern Kämpen reiten
Aus Silberthoren in die Schlacht,
Dann säß' ich still an deiner Seiten
Und hätte liebend dein nur acht.
Und geht das Methorn dann von Golde,
Kredenzt von Jungfrau'n, dort im Kreis.
Mit dir abseits dann säß' ich, Holde,
Und zärtlich flüsterten wir leis.

Ich würd' uns schattige Lauben flechten
An dunkelblauer Meeresbucht,
Dann ruhten dort wir in den Nächten
Des grünen Hains mit goldner Frucht,
Und strahlte neuverjüngt hernieder
Der Walhallssonne klarer Blick:
Wir kehrten zu den Göttern wieder,
Doch sehnten uns zu uns zurück.

Ich würde dann mit Sternen kränzen
Die Stirne dir, die Locken reich,
Du solltest rosig glühn von Tänzen
Im Wingolfsaal, du Lilie bleich,
Bis daß ich aus dem Reigen führte
Zum Zelt der Lieb' und Treue dich,
Wo Braga seine Saiten rührte
Beim Brautgesang allabendlich.

Die Drossel schlägt im dunkeln Haine –
Das Lied kommt her von Walhalls Strand!
Den Sund bedeckt mit Silberscheine
Der Mond – ein Gruß vom Totenland!
Des Liedes und des Lichtes Auen
Sind Liebeswelten sonder Sorg',
Ach, Welten, die ich möchte schauen
Mit dir, du meine Ingeborg!

O, nicht geweint! Noch strömt das Leben
In meinen Adern! Nicht geweint!
Lieb' und des Mannes Träume schweben
Gern hin durchs weite All vereint.
Umfängt jedoch dein Arm mich wieder,
Ach, weilt dein Auge nur auf mir,
wie leicht lockst du den Schwärmer wieder
Dann aus der Götter Reich zu dir!

»Horch, Lerchenruf!« Nein, dort im Walde
Gurrt leis ein Tauber im Geäst;
Das Lerchlein schläft auf grüner Halde
Beim trauten Lieb im warmen Nest.
Die Glücklichen! denn ihnen bringet
Der Tag nicht Trennung noch Gefahr,
Frei leben sie, zur Wolke schwinget
Sich frei hinauf das frohe Paar.

»Schau nur, dort tagt's!« Nein, ostwärts flammen
Die Brände einer Hafenwacht.
Noch kosen selig wir zusammen,
Noch ist nicht hin die holde Nacht,
Komm' heute spät mit deinem Schimmer,
Verschlaf' dich, goldner Tagesstern!
schliefst du bis Ragnarok auch immer,
Ach, Frithjof säh' es nur zu gern!

Doch eitel, eitel ist dies Hoffen,
Kühl haucht bereits der Morgenwind.
Des Ostens Rosen sind schon offen,
Frisch wie die Wangen Ingborgs sind.
Das Heer der Sänger kommt gezogen
Und stimmet seine Hymnen an,
Das Leben rauscht, es glühn die Wogen,
Und Buhl' und Schatten ziehn hindann.

Sie naht in ihrem Strahlenmeere!
's ist eine Gottheit, welche naht
In solcher Schönheit, solcher Hehre!
Vergieb, o Sonne, was ich bat!
O, wer wie du auf seinen Bahnen
Einher doch zog' in Herrlichkeit,
Den frohen Sieg auf seinen Fahnen,
Das goldne Strahlenlicht zum Kleid!

Nun soll dein Aug', o Sonne, schauen
Das Schönste hier im Nordgefild,
Sie, die die Krone aller Frauen,
Sie, die auf grüner Au' dein Bild!
Rein ist ihr Herz wie deine Strahlen,
Ihr Aug' ist wie dein Himmel klar,
Das Gold, womit wir dich sehn malen,
Trägt sie in ihrem Lockenhaar.

Leb' wohl, Geliebte! Uns vereinen
Wird eine längre Nacht einst doch!
Noch diesen Kuß der Stirn, der reinen,
Und deinen Lippen diesen noch!
Nun schlaf', und magst im Traum du wähnen,
Mit mir vereint am Ziel zu sein!
Erwacht, gedenke mein voll Sehnen –
Leb' wohl, leb' wohl, Geliebte mein!

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