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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 7
Quellenangabe
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typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Fünfter Gesang.

König Ring.

König Ring schob vom Tisch seinen Goldstuhl fort.
            Auf sprang da im Kreise
Die Schar der Kämpen, zu lauschen dem Wort,
            Das berühmt im Nord,
Denn wie Balder war fromm er, wie Mimer weise.

Es glich sein Land einem Götterhain.
            Kein Waffentosen
Scholl dröhnend in dessen Frieden hinein;
            Auf Flur und Rain
sproß üppiges Grün, und es blühten die Rosen.

Auf dem Richterstuhl saß Gerechtigkeit,
            In Maßen strenge;
Der Bauer war jährlich zu Zinsen bereit,
            Lag weit und breit
Doch im Sonnenschein goldig der Acker Menge.

Und Schiffe zogen wie Schwäne durchs Meer
            Mit weißen Schwingen,
Aus hundert Landen, beladen schwer,
            Zu schaffen her,
Was Reichtum nur wünscht zu erringen.

Zum Frieden war aber auch Freiheit beschert
            In froher Einung;
Geliebt war des Landes Vater, geehrt,
            Der's keinem wehrt
Zu sagen des Herzens Meinung.

Schon dreißig Winter beherrschte so Ring
            Des Nordens Söhne.
Mißmutig schlich keiner von seinem Thing,
            Und zu Odin ging
Gebet stets, daß Segen ihn kröne.

Und vom Tisch schob der König den Goldstuhl fort,
            Und mit Behagen
Erhoben sich alle zu lauschen dem Wort,
            Das berühmt im Nord;
Doch man hörte seufzend ihn sagen:

»Meine Königin atmet nun Volkwangs Luft
            Auf Purpurdecken,
Und Gras entsprießt schon ihrer Gruft,
            Um welche Duft
Rings hauchen Rosenhecken.

»So gut, so schön find' ich keine fürwahr,
            So dem Reich zur Ehren;
Ihr wird nun Lohn in der Götter Schar,
            Doch das Land und gar
Die Kinder der Mutter begehren.

»König Bele, den oft ich in diesem Saal
            Als Gast empfangen,
Er starb – seine Tochter ist meine Wahl,
            Die Lilj' im Thal
Mit Morgenrot auf den Wangen.

»Sie ist jung, und es liebt so junge Maid,
            Bei Blumen zu hocken –
Ich ging in die Saat schon, die Winterzeit
            Hat mir beschneit
Des Hauptes spärliche Locken.

»Doch sagt ihr zu ein ehrlicher Mann
            An Alters Grenze,
Und nimmt sie der Kleinen sich mütterlich an,
            Gern teilet dann
Der Herbst den Thron mit dem Lenze.

»So nehmt aus dem Schatz denn Gold für die Braut
            Der Kleinode viele;
Folgt, Skalden, dem Zuge mit Harfenlaut:
            Gesänge traut,
Sie ziemen beim Frei'n wie beim Spiele.« –

Ein reisiger Zug, so bunt, so lang,
            Mit Pauk' und Drommeten!
Dazu auch Skalden mit Heldengesang
            Und Harfenklang! –
Vor König Beles Söhne sie treten.

Zwei Tage tafeln sie, tafeln drei,
            Welch ein Gelage!
Am vierten fragen sie frank und frei,
            Was die Antwort sei,
Die zu geben es Helge behage,

König Helge opfert Fall und Roß
            Im grünen Haine
Und forscht bei der Wala, beim Priestertroß,
            Ob als Eh'genoß,
Als der rechte für Ingeborg Ring erscheine.

Kein Beifall, mag Helge auch Gaben weih'n!
            Umsonst jedwede!
Da ruft er, erschreckt durch die Zeichen, sein Nein
            Entschieden drein,
Denn der Mensch gehorche der Götter Rede,

Und Halfdan, der lustige, lachte hell:
            »Das Fest ist zu Ende!
wär' König Graubart selber zur stell',
            Ich hülf' ihm schnell
In den Sattel, daß heim er fände.«

Erbittert trugen die Mannen fort
            Des Schimpfes Märe
Zu Ring. Der sprach das stolze Wort:
            »Ich will den Hort
Schon schirmen von ›König Graubarts‹ Ehre!«

Und dröhnend schlug er den Heerschild am Stamm
            Der hohen Linde,
Und bald eine Flotte von Drachen schwamm
            Mit rotem Kamm,
Und Helmbüsche nickten im Winde.

Der Herold zum Kampf König Helge lud.
            Der sprach voll Sorgen:
»Vor Rings Gewalt, vor des Krieges Wut
            Nur in Balders Hut
Ist die Schwester, im Tempel geborgen.« –

Und schwermutvoll weilt nun die Jungfrau hold
            Im Heiligtume;
Sie wirket Seide, sie spinnet Gold,
            Doch die Thräne rollt,
wie Tau fällt auf die Blume.

Buchschmuck
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