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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 6
Quellenangabe
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typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Vierter Gesang.

Frithjofs Brautwerbung.

Zum Preise der Ahnen ertönt beim Mahl
Von Skaldenliedern wohl Frithjofs Saal,
            Doch Freude bringen
Mag dies ihm nimmer – er lauscht nicht dem Singen.

Und schmückt auch die Erde sich grün und hehr,
Und schwimmen auch Drachen wieder aufs Meer:
            Im Mondenscheine
Durchirrt er, der Sohn des Helden, die Haine.

Jüngst war gleichwohl ihm so wonnig zu Mut,
Als die Königsbrüder zu Gast er lud,
            Und nun mit ihnen
Die schöne Schwester zugleich war erschienen.

Er saß ihr zur Seiten, er drückt' ihr die Hand,
Und heimlichen Gegendruck leis er empfand,
            Und an den Zügen,
Den holden, hing er mit sel'gem Genügen.

Da hielten sie über die Tage Schau,
Wo die Welt ihnen lag im Morgentau:
            Beim Kinderspiele
Wie blühten ihnen der Rosen einst viele!

Sie gemahnt' ihn an Thal und Flur, an den Hain,
Wo die Runen er schnitt in die Rinden ein,
            Ans Grab des Hünen,
Ob dem die Eichen so üppig grünen.

»In der Fürstenburg bin ich nie so froh,
Denn Halfdan ist kindisch und Helge so roh.
            Die Königssöhne
Vernehmen nur knechtische Schmeicheltöne.

»Und Klagen?« – sie sah ihn errötend an –
»Wer ist, dem man dort sie vertrauen kann?
            Im Königssaale
Wie schwül doch gegen Hildings Thale!

»Die Tauben, die einst wir gehegt, die so zahm,
Entflogen, als der Habicht kam;
            Ein Paar alleine
Noch blieb mir: o nimm doch von dem die eine!

»Sie fliegt dann heim wohl, ohne zu ruhn,
Zum Freund sich hinsehnend – wie's andre thun.
            Mir Gruß zu bringen,
Bind' heimlich Runen ihr unter die Schwingen.«

Sie flüsterten so tagüber lang'
Und flüsterten noch, als die Sonne sank,
            Wie Abendwinde
Wohl flüstern im Lenz mit dem Laub der Linde.

Doch nun ist sie fort, und Frithjofs Mut
Ist mit ihr verschwunden. Das junge Blut
            Steigt in die Wangen:
Er glüht und seufzt vor stillem Verlangen.

Mit dem Täubchen dann schrieb er vom Gram, der so tief,
Und freudig entflog's mit dem Liebesbrief;
            Doch kehrt' es nimmer,
Es blieb getreu beim Geliebten auf immer.

Solch Wesen schien Björn gar wunderbar.
Er sprach: »Was fehlt unserm jungen Aar?
            Warum verschlossen?
Ist wund die Brust? Ist die Schwinge zerschossen?

»Was soll's, da genug zu Gebot uns steht
An Bärenschinken und braunem Met?
            Und nun die Menge
Der Skalden! Schier endlos sind ihre Gesänge!

»Der Streithengst bäumt sich umsonst im Stall,
Umsonst nach Raub schrei'n die Falken all'.
            In Wolken jagen
will Frithjof ja nur, sich verzehrend in Klagen.

»Hin drängt es Ellida zum Meere fern,
wir sehn sie am Ankertau zerr'n und zerr'n.
            Lieg still! Friedfertig
Ist Frithjof, Ellida, nicht Kampfes gewärtig.

»Ha, Strohtod ist auch ein Tod! Ich muß,
wie Odin, ihn selbst mir wohl geben zum Schluß.
            Mit Hohnwillkommen
Dann werden von Heia wir aufgenommen.« –

Den Anker Ellidas Frithjof nun hob.
Das Segel schwoll; die Woge schnob.
            Rasch ging's die Pfade
Zur Königsburg drüben am Felsgestade.

Thing hielten die Fürsten gerade zur Zeit
Auf Beles Hügel und schlichteten Streit,
            Doch laut vor allen
ließ Frithjof die Stimme nun weit erschallen:

»Ihr Kön'ge, schön Ingborg ist lieb mir und wert.
Drum wird sie von mir zur Braut begehrt.
            Hold war dem Bunde
Schon König Bele im Herzensgrunde.


»Er ließ uns, zwei Bäumchen, bei Hilding erblühn,
Wo die Wipfel sich einten im Morgenglühn;
            Wie so sie standen,
Umschlang sie Freia mit goldnen Banden.

»Nicht Fürst war mein Vater, nicht Jarl an Rang;
Doch sein Lob verkündet der Skalden Gesang,
            Und Runen melden
Von meines Geschlechts gewaltigen Helden.

»Leicht würd' ich erstreiten Reich und Land,
Doch bleib' ich lieber am Heimatstrand,
            Um da zu stützen
Der Könige Burg und die Hütten zu schützen.

»Hier stehn wir auf Beles Hügel. Hinab
Dringt jedes Wort in des Helden Grab.
            Nun sprecht den Segen!
Mit mir fleht der Alte – wollt's wohl erwägen!«

Da erhob sich Helge und sprach mit Hohn:
»Nie wird unsre Schwester dem Bondensohn,
            Denn Throneserben
Nur dürfen um Walhallstöchter werben.

»Laß nur dich schelten den Ersten im Nord,
Durch Kraft bann' Männer und Weiber durchs Wort –
            Dem Übermute
Preis giebt man kein Weib aus Odins Blute.

»Meines Reiches nehm' ich mich selber an;
Dein bedarf's da nicht – aber sei mein Mann:
            Ein Platz ist ledig
Beim Hausgesind, den verleih ich dir gnädig,« –

»Dein Knecht werd' ich nie!« rief Frithjof drein,
»Wie mein Vater will eigner Herr ich sein.
            Entfahr' der Scheide
Nun, Angurwadel! Sprich du für uns beide!«

Auf blitzte das Schwert im Sonnenstrahl,
Rot glühten die Runen dran allzumal.
            »Du, Angurwadel,«
Sprach Frithjof, »du bist doch von altem Adel.

»Und wäre der Ort hier kein heiliger Ort,
Dich, gekrönter Feigling, zermalmt' ich aufs Wort!
            Jedoch empfahe
Den Rat, komm' hinfort meinem Schwert nicht zu nahe!«

König Helges Goldschild hing am Zweig –
Ein Hieb genügte schon, daß er sogleich
            Das Prachtstück spalte.
Ringsher und tief in den Hügel das hallte.

»Ha, brav, mein Schwert! In der Scheide sinn'
Auf größ're That nun und birg darin
            Die Runengluten!
Jetzt heimwärts über die blauen Fluten!«

Buchschmuck
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