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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 5
Quellenangabe
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typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Dritter Gesang.

Frithjof tritt sein Erbteil an.

Waren nun, wie sie's gewollt, der König und Thorsten der Alte
Beigesetzt in den Hügeln: an jeder Seite der Meerbucht
wölbte das Rund sich des einen, zwei Brüste, geschieden im Tode.
Helge und Halfdan beherrschten laut Volkes Beschluß nun gemeinsam
Nach dem Vater das Reich; doch Frithjof als einziger Sprößling
Teilte mit keinem und nahm in Frieden Besitz so von Framnäs.
Rings drei Meilen weit dehnten die Äcker sich seines Gehöftes,
Thäler und Höhen an dreien, das Meer an der vierten der Seiten.
Birkenwald krönte die Hügel, doch rings auf sonnigen Halden
Reifte üppig das Korn, und manneshoch wogte der Roggen.
Bergen zum Spiegel hier dienten der friedlichen Seeen gar viele,
Hielten dort Wäldern ihn vor, wo Elche mit mächt'gen Geweihen
Königlich schritten einher, getränkt von zahlreichen Bächen;
Aber es gras'ten ringsum in den Thälern auf grünenden Triften
Glänzende Rinder in Menge, mit Eutern, gewärtig des Eimers,
Während dazwischen die Schafe mit schneeweißschimmernden Fließen
Weideten zahllos schier, wie du hoch am Himmelsgewölbe
Haufenweis flockige Wölkchen im Hauche des Lenzes siehst wallen.
Rot durchflochten die Mähnen, und blank beschuhet die Hufe,
Drängten sich wild an den Raufen voll duftenden Heues der Rosse
Zweimal zwölfe, laut wiehernd und stampfend, gefesselte Winde.
Einsam ragte der Trinksaal, gebaut von fichtenem Kernholz.
Nicht fünfhundert der Gäste, zu zehnmal zwölfen das Hundert,
Füllten den mächtigen Raum bei frohen Gelagen am Julfest.
Ganz durch die Länge des Saales hin zog sich die eichene Tafel,
Blank gebohnt wie von Stahl; doch als Pfeiler standen am Hochsitz –
Kunstvoll aus Ulmen geschnitzt – zwei gewaltige Göttergestalten:
Odin gebietenden Blicks, und Frei, die Sonn' auf dem Haupte.
Jüngst saß zwischen dem Paar auf dem Bärenfell (welches schier kohlschwarz,
Scharlach gefärbt der Rachen, die Klau'n von geschmiedetem Silber)
Thorsten im Kreise der Freunde, wie Gastlichkeit neben der Freude.
Oft, wenn der Mond durchs Gewölk hinzog, erzählte von Wundern
Fremder Länder der Greise, und von seinen Wikingerfahrten
Fern auf den Wogen der Ostsee, im Westmeer, so wie in Gandwik.
Stumm dann hing wohl der Blick der Lauscher am Munde des Alten,
Wie an der Rose die Biene; und Bragas gedachte der Skalde,
Wie – auf den Lippen die Runen – er sitzet im Silberbarte
Unter der Buche Gewölb' und Sagen erzählet an Mimers
Ewig murmelndem Quell, er selbst eine lebende Sage.
Mitten auf halmenbestreueter Diele entloheten fröhlich
Flammen gemauertem Herd, und durch den luftigen Rauchfang
Lugten herein in den Saal die Sterne, die himmlischen Freunde;
Doch an den Wänden umher, mit stählernen Nägeln gefestet,
Hingen Panzer und Helme, und hier und dorten dazwischen
Blitzte hernieder ein Schwert wie ein Sternschuß in Nächten des Winters.
Mehr noch glänzten als Panzer und Helm' im Saale die Schilde,
Blank wie des Tages Gestirn, wie des Mondes silberne Scheibe.
Schritt um den Tisch eine Maid, den Zechern die Hörner zu füllen,
Hold errötenden Blicks, dann errötete lieblich ihr Bild auch
Rings auf den Schilden zumal – das ergötzte die zechenden Recken. –
Reich war das Haus: wohin auch du schautest, gewahrte dein Auge
Voll so Keller wie Schreine und voll bis zum Giebel die Speicher.
Manches Kleinod auch barg es, die Beute errungener Siege,
Gold, mit Runen geschmückt, und kunstvoll getriebenes Silber.
Aber es galten zumal von dem Reichtum drei Dinge am höchsten:
Allem voran war das Schwert, das der Vater dem Sohne vererbte,
Angurwadel, so hieß es, genannt auch »Bruder des Blitzes«.
Fern einst im Lande des Morgens geschmiedet (so wollte die Sage),
War es von Zwergen gestählt und Björn erst zu eigen, dem Blauzahn.
Doch mit dem Schwerte zugleich verlor der Riese das Leben,
Als er im Gröningersund mit Wifell dem Mächtigen kämpfte.
Wifells Sohn hieß Wiking. – Bejahrt und gebrechlich, bewohnte
Damals Ullraker ein König mit seiner erblühenden Tochter.
Plötzlich erstand aus der Tiefe der Wälder ein schrecklicher Hüne,
Übermenschlich an Größe und zottig und rohen Gebahrens,
Heischete Zweikampf oder das Reich samt der Tochter des Königs.
Keiner vermaß sich des Kampfs, denn des Riesen Schädel zu spalten
(Eisenkopf nannte man ihn), im Lande sich nirgends ein Schwert fand;
Wiking nur, fünfzehnjährig erst, wagt's, der Kraft seines Arms und
Angurwadel vertrauend, und siehe! das grausige Scheusal
Hieb er mitten hindurch, also die Schöne befreiend.
Wiking vererbte das Schwert auf Thorsten, den Sohn, und von Thorsten
Kam es auf Frithjof. Wenn dieser es zog, dann flammt' es im Saale,
Wie wenn jählings ein Blitz ihn durchzucke oder ein Nordlicht.
Pures Gold war der Griff, doch geschmückt war die Klinge mit Runen,
Seltsamen, fremd unserm Nord, nur bekannt an den Thoren der Sonne,
Wo einst die Väter gewohnt, eh' herauf die Asen sie führten.
Waltete Frieden im Lande, nur matt dann erglänzten die Runen,
Aber wenn Hildur ihr Spiel begann, dann glühten sie alle
Rot wie des Hahnen Kamm, wenn er kämpft. Verloren war jeder,
Hielt er Stand in der Schlacht dem Stahl mit den flammenden Runen.
Weithin berühmt war das Schwert und der Schwerter bestes im Norden.

   

Diesem zunächst an Wert und berühmt war ein herrlicher Armring,
Welchen der nord'sche Vulkan, der hinkende Waulund, geschmiedet;
Drei Mark schwer an Gewicht, bestand er aus lauterem Golde.
Drauf war der Himmel zu schaun mit der zwölf Unsterblichen Burgen,
Wechselnder Monde Bild, doch Sonnenhaus nannten's die Skalden.
Alfheim erblickte man dort, Freis Burg, die Sonne, die freudig
Himmlische Höhen verjüngt zu erklimmen beginnt um die Julzeit.
Söquabäck sah man dort auch, wo Odin bei Saga im Saale
Wein trank aus goldenem Kelch, und dieser Kelch ist das Weltmeer,
Goldig von Gluten des Morgens, die Saga ist aber der Frühling,
Auf ein grünendes Feld mit Blumen statt Runen geschrieben.
Balder auf prangendem Thron, der Mittsommersonne, auch sah man,
Gießend vom Himmel herab den Segen, ein Sinnbild des Guten,
Denn das Gute ist strahlendes Licht und Dunkel das Böse.
Immer zu steigen, ermüdet die Sonne; das Gute desgleichen
Schwindelt auf ragender Höh', und seufzend sinken sie beide
Wieder zu Hel hinab: das ist Balders lodernder Holzstoß.
Glitner dann sah man, die Burg des Friedens: jegliches schlichtend
Saß, in der Hand die Wage, Forsete, der Richter beim Herbstthing.
Diese Bilder und viele noch sonst, die Kämpfe des Lichtes
Droben am Himmel und tief im Gemüte des Menschen bezeichnend,
Ritzte des Meisters Geschick in den Ring. Ein prächt'ger Rubinknopf
Krönte den köstlichen Reif, wie die Sonne krönet den Himmel.
Lang' war der Ring beim Geschlecht; als Erbteil weiblicher Seite,
Ward zurück er geleitet auf Waulund, den Ahnherrn des Stammes.
Einst jedoch wurde das Kleinod gestohlen von Sote, dem Räuber,
Welcher die nördlichen Meere durchschweifte. Später verscholl er.
Endlich taucht' auf das Gerücht, daß Sote am Strande von Bretland
Lebend mit Schiff und mit Gut ein gemauertes Grab sich erkoren,
Aber dort Ruhe nicht finde; beständig dort spuk' es im Hügel.
Thorsten vernahm's, und alsbald den Drachen bestieg er mit Bele,
Schäumende Wogen durchfurchend, und steuerte hin zu der Stelle.
Weit wie ein Tempelgewölb', eine Königsburg, welche verschüttet
Liegt unter grünendem Rasen, so hob sich der mächtige Hügel.
Lichtschein flimmert' heraus. Durch die Spalten der Pforte nun lugend,
Schauten die Kämpen hinein, und mit Ankern und Masten und Rahen
Stand da das Wikingerschiff; doch hinten zuhöchst an dem Steven
Saß eine grause Gestalt, im Flammenmantel ein Recke.
Grimmig saß er, bemüht das Blut von der Klinge zu reiben,
Was ihm doch nimmer gelang. Das Gold all, das je er gestohlen,
Lag rings in Haufen umher, doch den Goldring trug er am Arme.
»Steigen wir,« flüsterte Bele, »hinab und bekämpfen zu zweien
Dieses scheusäl'ge Gespenst?« Doch zornig entgegnete Thorsten:
»Einer mit einem war Sitte der Väter – ich kämpfe alleine!«
Lange zankten sie nun, wem zuerst es gebühre zu steh'n in
Diesem gefahrvollen Kampfe; doch schließlich nahm Bele den Stahlhelm,
Schüttelnd zwei Lose darin, und beim matten Scheine der Sterne
Zog nun Thorsten das seine. Ein Stoß von der eisernen Lanze
Sprengte so Riegel wie Schloß; doch fragte ihn jemand wohl später,
Was in der nächtlichen Tiefe geschehen – erschaudernd dann schwieg er.
Anfangs vernahm zwar der König ein Lied voll grausigen Zaubers,
Dann jedoch rasselnden Laut, wie wenn Klingen sich kreuzen im Zweikampf,
Endlich entsetzlichen Schrei ... nun schwieg es. Und Thorsten – ha! – stürzte
Bleich heraus und verstört, denn er hatte gekämpft mit dem Tode.
Doch –: er hielt ihn, den Ring. »Er ist teuer erkauft,« sprach er oft, »denn
Einmal</k> erbebt' ich im Leben – das war, als den ich genommen!«
Weit berühmt war der Schmuck, im Norden das hehrste Geschmeide.

Schließlich besaß das Geschlecht ein Kleinod, ein Schiff war's »Ellida«.
Einst als Wiking – so sagt man – heimkehrend von blutigem Heerzug,
Segelte längs dem Gestade, da sah er auf treibendem Schiffswrack
Schaukeln und kühn mit den Wogen fast spielend, hinziehn einen Menschen.
Hoch war der Mann und von edler Gestalt und von offenem Antlitz,
Froh, doch veränderlich auch, wie das Meer im Glanze der Sonnen.
Blau war der Mantel, der Gurt von Golde, besetzt mit Korallen,
Weiß sein Bart wie der Woge Schaum, doch meergrün das Haupthaar.
Wiking lenkte sein Schiff dorthin, den Armen zu bergen,
Nahm den Erfror'nen mit heim und verpflegt' ihn als Gast im Gehöfte.
Aber als abends der Wirt ihn zu Bett lud, da lachte der Fremde:
»Gut ist der Wind, und mein Schiff, wie du siehest, ist nicht zu verachten;
Hundert Meilen, so hoff' ich, werd' ich heut' Abend noch fahren.
Dank für den gastlichen Schutz, den wohlgemeinten; ich gäbe
Gern dir ein Zeichen desselben, mein Reichtum liegt aber im Meere.
Morgen entdeckst du vielleicht trotzdem am Strand eine Gabe.«
Tags drauf stand nun am Meere Wiking, und sieh! wie ein Seeaar,
Wenn seinen Raub er verfolgt, so flog in die Föhrde ein Drachschiff.
Führerlos schien's, nicht einmal ein Steuermann war zu entdecken;
Kreuzend fand es den Weg doch zwischen den Schären und Riffen,
Gleichwie von Geistern gelenkt. Und als es dem Ufer sich nahte,
Refften die Segel sich selbst; ohn' Hilfe von menschlichen Händen
Sank der Anker hinab und bohrte sich fest in den Meergrund.
Stumm stand Wiking und sah's, doch da sangen die spielenden Wogen:
»Ägir, zum Dank für den Schutz, entsendet als Gabe den Drachen.«
Königlich war das Geschenk. Die gebuchteten eichenen Planken
Waren gefugt nicht wie andre, nein, waren zusammengewachsen.
Langgestreckt war das Schiff, wie ein Meeresdrache; am Bug vorn
Hob er dräuend sein Haupt, im Schlunde rotgoldige Flammen;
Blau, gesprenkelt mit Gelb, war der Bauch, doch nach hinten am Ruder
Bog er aufwärts in Ringeln den Schweif, den silbergeschuppten.
Spannt' er all seine schwarzen, von Rot umrandeten Schwingen,
Dann mit dem sausenden Sturm wettflog er, der Aar blieb dahinten.
Füllten gewappnete Männer das Schiff, du wähntest zu sehen
Schier eine schwimmende Burg, wenn nicht gar die Stadt eines Königs.
Weit berühmt war das Schiff, war der Schiffe bestes im Norden.

   

Dieses und noch weit mehr ererbte Frithjof vom Vater.
Kaum in nordischen Landen gab's je einen reicheren Erben,
's wär' denn der Sohn eines Königs, denn Königsgewalt ist das höchste.
Wenn auch nicht fürstlichen Stammes, so war er doch fürstlichen Sinnes,
Huldvoll, edel und mild, und täglich mehrte sein Ruhm sich.
Kämpen hatte er zwölf, grauhaarige, Kriegesgenossen
Schon seines Vaters, mit stählerner Brust und narbiger Stirne.
Unterst saß zwischen den Kämpen ein Jüngling. Gleichaltrig mit Frithjof,
Glich er der Rose beim welkenden Laube – Björn war sein Name –
Froh wie ein Kind, aber fest wie ein Mann, war ein Greis er an Weisheit.
Aufgewachsen zusammen, Milchbrüder, hatten sie beide
Nach dem Gebrauche des Nordens ihr Blut gemischt und geschworen
Treue in Lust und in Leid und einander zu rächen im Tode ....
Unter der Menge der Kämpen und Gäste saß Frithjof beim Grabtrunk,
Saß als ein trauernder Wirt, im Auge schimmernde Thränen,
Trank nach Vätergebrauch zum Gedächtnis des Vaters und hört' ihn
Preisen im Liede der Skalden, in donnernder Drapa; dann stieg er
Auf zu dem Sitze des Vaters, der sein jetzt, und setzte sich zwischen
Freis und Odins Gebilden – Asathors Platz ist's in Walhall.

Buchschmuck
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