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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 4
Quellenangabe
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typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Zweiter Gesang

König Bele und Thorsten Wikingssohn

König Bele stand im Hochsaal,      gestützt aufs Schwert,
Und bei ihm Thorsten Wikingssohn,      der Bonde wert,
Der zählt', sein Waffenbruder      im Silberhaare,
Vielnarbig wie ein Runstein,      fast hundert Jahre.

Sie standen, wie im Thale      zwei Tempel stehn,
Geheiligt Heidengöttern,      doch im Vergehn,
An deren Wänden Runen      der Weisheit prangen,
Und die von Tagen künden,      die längst vergangen.

Und Bele sprach, der König:      »Die Nacht kommt her;
Der Met will mir nicht munden,      der Helm dünkt schwer;
Das Leben rückt mir ferner      mit seinen Bahnen,
Und näher scheint Walhall      mir im Todesahnen.

»Drum rief ich meine Söhne      und deinen her,
Gehören doch zusammen      stets sie und er.
Ich will noch warnend mahnen      der Aare jeden,
Eh' toten Mannes Zunge      verlernt das Reden.«

Da traten in den Saal sie      nun nach Befehl;
Der erste, Helge, blickte      so scheu, so scheel;
Am liebsten mit den Priestern      stets im Vereine,
Kam jetzt mit blut'ger Hand er      vom Opferhaine.

Dann kam der junge Halfdan      im Lockenhaar,
Der edel wohl von Antlitz      doch weichlich war.
Ihm schien das Schwert am Gurt nur      zum Spiel zu dienen;
Er, nach der Rüstung Recke,      war Maid an Mienen.

Zuletzt, im blauen Mantel,      trat Frithjof ein.
Er mocht' um Hauptes Länge      wohl höher sein
Und glich, so neben ihnen,      dem Tagsgefunkel
Bei ros'gem Frühlingsmorgen      und Waldnachtsdunkel.

»Ihr Söhne,« sprach der König,      »mein Tag sinkt hin,
Nun herrscht nach mir in Eintracht      mit Brudersinn.
Eintracht macht stark, sie gleichet      dem Ring der Lanze,
Die nichts ohn' ihn: die Eintracht      erhält daß Ganze.

»Die Kraft bewach' als Hüter      des Landes Thor,
Im Innern blüh' der Frieden      im vollen Flor.
Das Schwert soll nur beschirmend      den Feind bekriegen,
Der Schild vor Bauernscheunen      als Thürschloß liegen.

»Sein Volk bedrücket nur ein      bethörter Mann,
Denn das nur kann der König,      was jenes kann.
Es muß der Wipfel welken,      sobald dem Stamme
Das Mark verdorrt auf nacktem      Gebirgeskamme.

»Vier Säulen stützen sicher      des Himmels Rund –:
Der Thron ruht einzig      nur auf Gesetzes Grund.
Geht Macht vor Recht am Thinge,      muß Unheil kommen,
Denn Recht bringt Ruhm dem König,      dem Lande Frommen.

»Die Götter, Helge, wohnen      im goldnen Haus,
Doch nicht wie Schnecken enge      so überaus;
So weit die Stimmen lauten      und Sonnen lohen
Und die Gedanken fliegen,      da sind die Hohen.

»Des Opferfalken Lunge      täuscht oft genug,
Und manche Balkenrunen      sind nichts als Trug.
Ein redlich Herz, o Helge,      mit offnen Zügen,
Schrieb Odin voll mit Runen,      die nimmer trügen.

»Sei hart nicht, König Helge,      doch immer fest,
Wie ja der Schwerter bestes      sich biegen läßt.
Es schmückt die Huld den Fürsten,      wie Blumen Schilde,
Und mehr als Winterstrenge      schafft Lenzesmilde.

»Zu Grund' geht jeder,      dem es an Freunden fehlt,
Dem Stamm gleich, dem die Rinde      wird abgeschält;
Wer freundreich, gleich dem Baume,      der reich an Blättern,
Des Wurzeln Wässer tränken      im Schutz vor Wettern.

»Sei stolz nur auf die Ehre,      die du gewannst;
Dein Bogen ist nur jener,      den selbst du spannst,
Was kann dir frommen andrer      begrabne Ehre?
Der starke Strom bahnt Weg sich      durch weite Meere.

»O Halfdan, Frohsinn ziert auch      den weisen Mann,
Doch Tändeln steht vor allem      nicht Kön'gen an.
Im Met braut man zum Honig      der Hopfen viele:
Nimm Stahl zum Schwert, o König,      füg' Ernst zum Spiele.

»Zu vielen Witz hat keiner,      ob Mann, ob Greis,
Doch weiß zu wenig jeder,      der gar nichts weiß.
Den Dummen ehrt kein Hochsitz,      dem Gast von Witze
Lauscht alles gern beim Feste,      wo er auch sitze.

»Zum Waffenbruder, Halfdan,      ist nah der Pfad,
wie fern auch seine Wohnung      der treue hat;
Ob auch an deiner Straße,      liegt doch dagegen
Der Hof des Feindes immer      weit abgelegen.

»Nicht jedem traue, welcher      von Treue spricht:
Das leere Haus steht offen,      das reiche nicht.
Wähl' einen Freund, der Treue      dir mag bewahren:
Was dreie wissen, wird auch      die Welt erfahren.« –

Und Thorsten trat hervor nun:      »Das soll nicht sein,
Daß ich zu Odin lasse      dich gehn allein,
wir teilten, König Bele,      stets Lust und Leiden,
Im Tod auch, hoff' ich, bleiben      vereint wir beiden.

»Sohn Fritjof, sieh, das Alter,      das raunte mir
Ins Ohr so manche Warnung,      vernimm sie hier.
Auf Grabhöh'n, wohnt im Norden      hier Odins Rabe,
Wie auf dem Mund des Greisen      des Wortes Gabe.

»Vor allem ehr' die Götter!      Nur sie verleih'n
Unglück und Glück, Sturmwetter      und Sonnenschein.
Geheimste Tiefen wissen      sie zu erkunden
Und lange Jahre büßen      die Schuld von Stunden.

»Gehorch dem König! Einem      gebührt die Macht,
Wie tags am hohen Himmel       ein Auge wacht.
Der Bess're folgt dem Besten,      weiß nichts von Neide.
Scharf Schwert bedarf des Griffs auch,      nicht bloß der Schneide.

»Wohl ist Geschenk der Götter      des Kriegers Kraft,
Doch sonder Klugheit selten      sie Segen schafft.
Ein Mann erschlägt den zwölfmal      so starken Bären,
Schutz vor Gewalt mag Schild      und Gesetz gewähren.

»Furcht weckt der Stolze wenig,      Haß überall,
Und Hochmut kommt, o Frithjof,      stets vor dem Fall.
Hoch sah ich manchen fliegen,      des jetzt die Krücke;
Die Luft gebeut den Saaten,      der Wind dem Glücke.

»Den Tag, o Frithjof,      preise vorm Abend nie,
Bier nach dem Trunk, den Rat nur,      wenn er gedieh;
Der Jüngling trauet arglos      so manchem Dinge,
Erst Not erprobet Freunde      und Kampf die Klinge.

»Vertrau nachtaltem Eise      und Lenzschnee nie,
Der Schlang' im Schlaf', dem Lieb      nicht auf deinem Knie,
Denn Weiberlaune läßt sich      von keinem zügeln,
Und Wankelmut nur wohnet      in Lilienhügeln.

»Du selber stirbst, und alles,      was dein, verweht,
Doch weiß ich eines, Frithjof,      was nicht vergeht:
Das ist der Ruhm des Recken,      der ging zur Ruhe,
Drum wolle nur, was edel,      was recht, das thue!« –

So warnten ernst die Greise      im Königssaal,
Wie Skalden später sangen      im Hawamal.
Geschlecht hat nach Geschlecht fromm      gelauscht den Worten,
Der Wind raunt sie an Grabhöh'n      noch nächtens dorten.

Drauf sprachen ferner beide      manch herzlich Wort
Von ihrer treuen Freundschaft,      berühmt im Nord,
wie tapfer sie zusammen      allzeit gehalten
In Freud' und Leid, gleich Händen,      wenn sie gefalten.

»Sohn, Rücken gegen Rücken      wir hielten Stand,
So war ein Schild der Norne      stets zugewandt.
Nun eilen nach Walhalla      vor euch wir Alten,
Mag stets der Geist der Väter      in euch auch walten.« –

Und viel noch sprach der König      von Frithjofs Mut,
von Heldenkraft, die mehr sei      als Königsblut,
Und viel von Glanz sprach Thorsten,      der ewig kröne
Des Nordens hohe Fürsten,      die Asensöhne.

»Und wollt ihr drei getreulich      zusammen stehn,
Dann wird euch überwunden      der Nord nie sehn,
Denn Kraft und Königshoheit,      vereint mit Milde,
Ist wie der blaue Stahlrand      am goldnen Schilde.

»Grüßt nun die Rosenknospe,      mein Töchterlein,
In Stille aufgewachsen,      wie das soll sein;
Umhegt sie, daß wenn Sturmwind      sie auch umwüte,
Er an den Helm nicht hefte      die zarte Blüte.

»Dir, Helge, übertrag' ich      des Vaters Macht:
Ingborg sei dir wie Tochter,      hab ihrer acht,
Zwang reizt den Sinn der Edeln,      doch sanfte Lehre
Lenkt Weib und Mann, o Helge,      zu Recht und Ehre.

»Wölbt nun uns an der Meerbucht      der Hügel zwei,
Daß einer gegenüber      dem andern sei.
Die Geister werden gern dann       den Wogen lauschen,
wenn wie ein Heldenlied sie      am Strande rauschen.

»Streut aufs Gebirg' der Mond      dann den bleichen Schein
Und netzt der Tau der Mittnacht      den Bautastein,
Dann sitzen wir, o Thorsten,      dort manche Stunde
Und tauschen überm Wasser      geheime Kunde.

»Und nun lebt wohl, ihr Söhne!      Zum letztenmal!
Wir sehnen uns nach Walhall,      nach Odins Saal,
Wie müde Ströme sehnend      zum Meer hinstreben.
Heil mögen Frei und Odin       und Thor euch geben.«

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