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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 3
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typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Erster Gesang.

Frithjof und Ingeborg.

Es wuchsen in getreuer Hut
Zwei Pflanzen einst auf Hildings Gut.
Nie war zuvor auf Nordlands Auen
Solch wunderherrlich Paar zu schauen.

Die eine wie ein Eichbaum sproß.
Dem Speer gleicht seines Stammes Schoß;
Die Krone rauscht so lind, so leise,
Zum Helm gewölbt, des Windes weise.

Die andre einem Röslein glich,
Das, wenn der Winter eben wich,
Noch in der Knospenwiege säumet
Und ahnungsvoll vom Lenze träumet.

Doch wenn ein Sturm durchrast die Welt,
Dann kühn die Eiche stand ihm hält;
Wenn Sonnengluten Lenz verkünd'gen,
Erschließt die Ros' ihr Purpurmündchen.

So wuchs bei Scherz und Spiel das Paar.
Die junge Eiche Frithjof war,
Schön Ingborg hieß jedoch die Rose
In dieses Thales grünem Schoße.

Sähst du die zwei im Sonnenstrahl,
Du wähntest dich in Freias Saal,
Wo Liebende, im Goldhaar Rosen,
Purpurbeschwingt sich haschend kosen.

Doch sähst du sie im Mondenschein
Im grünen Hain beim Ringelreih'n,
Dir wär's, als wenn im bleichen Glanze
Elfkönig mit der Königin tanze.

So traut war's Frithjof und so lieb,
Als er die erste Rune schrieb:
Kein König schien ihm gleich an Ehren –
Die Rune mußt' er Ingborg lehren.

Wie schön, wenn übers dunkle Meer
Mit ihr im Boot er fuhr daher,
Und wenn sie dann beim Segelwenden
Klascht' mit den kleinen weißen Händen!

Zu hoch kein Nest auf Baum und Joch:
Für Ingeborg erklomm er's doch;
Zum Adlerhorst selbst aufgeschwungen,
Bracht' er die Eier ihr und Jungen.

Stob auch der Wildbach sonder Rast,
Hindurch trug er die süße Last;
Wie schön, wenn in des Tobels Branden
Die weißen Ärmchen ihn umwanden!

Die erste Blum' an Baches Rand,
Die erste Erdbeer', die er fand,
Die erste Ähre, reif und golden,
Die bot er Ingborg, seiner Holden.

Doch schnell entflieht die Kinderzeit.
Bald steht ein Jüngling vor der Maid
Mit Glut im Blick und voll Verlangen,
Und sie erbebt in süßem Bangen.

Oft zog jung Frithjof aus zur Jagd,
Die andre hätte grau'n gemacht:
Der Kühne! sonder Speer und Klingen
Liebt' er es, Bären zu bezwingen.

Dann kämpften Brust sie gegen Brust,
Und Frithjof bracht' in heller Lust,
Wenn auch oft blutend, ihr die Beute,
Und stolz sich Ingborg dessen freute.

Denn Mannesmut das Weib stets ehrt;
Das Starke ist des Schönen wert:
Wie Helm und Stirn, so passen beide
Zusammen sie in Lust und Leide.

Doch las er in der Winternacht
Beim Schein, den Herdesglut entfacht,
Von Göttern und Göttinnen allen
In Odins strahlenreichen Hallen,

Dann dacht' er: »Freias Goldhaar fliegt,
Wie sich im Wind ein Kornfeld wiegt;
Ein golden Netz, umrahmen lose
Auch Ingborgs Locken Lilj' und Rose.

»Idunas Busen, schön und reich,
Wogt unter grüner Seide weich,
Doch lächeln unter andrer Seide
Lichtelfen zwei, wie Röslein beide.

»Und Friggas Augen sind wohl blau,
Gleichwie der Himmel ob der Au;
Doch kenn' ich Augen, ach, vor denen
Wir Nacht das Licht des Lenzes wähnen.

»Wie frischer Schnee bei Nordlichtschein,
So sollen Gerdas Wangen sein:
Zwei Morgenröten aber flammen
Auf Wangen, die ich sah, zusammen,

Ich weiß ein Herz, das Nannas gleich
An Lieb', nur nicht an Ruhm so reich,
O Balder, der einst die errungen,
Wohl wird mit Recht dein Glück besungen!

Wie du, wär' ich zum Tod bereit,
Beweinte mich so treue Maid;
Ja, Hel, dein wär' ich sonder Bangen,
Dürft' eine Nanna ich umfangen!« –

Die Königstochter aber hob
Ein Heldenlied an, wenn sie wob,
Und wob ein Bild alsdann des Kühnen
In Wogenblau und Waldesgrünen.

Dann wuchs auf weißem Wollengrund
Der goldnen Schilde blankes Rund,
Rot flogen Lanzen hin und wieder
Im Kampf auf Silberpanzer nieder.

Doch wie sie wob: der Recke trug
Stets Frithjofs Antlitz, Zug um Zug,
Und sie, gewahrte sie's beim Weben.
Errötete – vor Freude eben.

Und Frithjof schnitt im Birkenhain
Ein I und F den Rinden ein;
Verbunden so die Runen standen,
Wie längst sich ihre Herzen fanden.

Und prangt der Tag am Himmel klar,
Weltkönig mit dem goldnen Haar,
Wenn Leben pulst, wenn Menschen wandern,
Denkt eines treulich nur des andern.

Und prangt die Nacht am Himmel klar,
Weltmutter mit dem dunkeln Haar,
Wenn Schweigen herrscht, wenn Sterne wandern.
Dann träumen sie nur eins vom andern.

»Du Erde, die sich stets, wenn's lenzt,
Das grüne Haar mit Blumen kränzt,
Laß mich zum Kranz die schönsten pflücken,
Um Frithjofs Stirn damit zu schmücken!«

»»Unendlich Meer, des dunkler Saal
An Perlen reich ist ohne Zahl,
O, laß die herrlichsten mich finden,
Um Ingborgs Hals will ich sie winden!««

»Du Knauf an Odins Königsthron,
Weltauge Sonn' in ew'gen Loh'n,
O, wärst du mein: fürs Schlachtgefilde
Dann gäb' ich Frithjof dich zum Schilde!«


»»Du Mond mit deinem bleichen Strahl,
Der Ampel gleich im Göttersaal,
O, wärst du mein, gäb' zum Geschmeide
Ich dich der lieblichsten der Maide!««

Doch Hilding sprach: »Mein Pflegesohn,
Hier ist nur Leid der Liebe Lohn.
Laß ab von ihr, hör', ich befehl' es!
Bedenk': die Tochter König Beles!

»Zu Odin – ungezählt fürwahr! –
Hinauf reicht ihrer Ahnen Schar;
Du, der nur Thorstens Sohn, mußt weichen,
Denn Gleiches fügt sich nur zum Gleichen.«

Doch Frithjof lacht: »»Zum Todesthal
Hinab reicht meiner Ahnen Zahl.
Waldkönig Bär fällt' ich – beim Sterben
Ließ er mich Fell und Ahnen erben.

»»Der Freie thut, was ihm gefällt;
Des Freigebornen ist die Welt.
Was Glück versah, giebt Glück zum Lohne;
Hoffnung trägt eine Königskrone.

»»Nur Kraft hebt aus dem Staub empor,
In Thrudwang wohnt ihr Ahnherr Thor;
Der mißt die Welt nach ihrem Werte –
Ein mächt'ger Freier steckt im Schwerte.


»»Ich kämpf' um meine junge Braut,
Und selbst vorm Donn'rer mir nicht graut.
Du Lilie, bleib getrost im Leiden!
Weh dem, der dich und mich will scheiden!««

Buchschmuck
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