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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 25
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authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Dreiundzwanzigster Gesang

Frithjof auf dem Grabhügel seines Vaters

Wie hold die Sonne lacht! Von Zweig zu Zweigen
Hüpft milden Scheins ihr Goldstrahl hier im Hain.
Tautropfen schon Allvaters Blicke zeigen
So klar uns wie das Weltmeer und so rein!
Rot angeglüht der Berge Gipfel steigen –
O, das ist Blut auf Balders Opferstein!
Der Sonne goldner Schild sinkt in die Wogen,
Bald ist von Nacht das weite Land umzogen.

»Laß erst mich wiedersehn die teuren Stellen,
Die einst des Kindes liebster Aufenthalt!
Dieselben Blumen duften an den Quellen,
Dasselbe Vogellied durchklingt den Wald!
Ans Ufer branden noch wie sonst die Wellen –
Den nie sie wiegten, preis' ich tausendfalt:
Von Thatenruhm die falschen stets dir prahlen,
Und führen fort dich von der Heimat Thalen.

»Dich kenn' ich, Fluß, der du so oft getragen
Den kühnen Schwimmer auf krystallner Flut;
Dich kenn' ich, Thal, in dessen Schattenhagen
Wir Treu' uns schwuren voll von heil'ger Glut;
Ihr Birken, denen ich in schönern Tagen
Einst Runen einschnitt, steht noch wohlgemut,
Weißstämmig, grünbelaubt – in meinem Norden
Ist es wie sonst, nur ich bin anders worden.

»Ist es wie sonst? Ist's so in Framnäs' Saale?
In Balders Tempel am geweihten Strand?
Ach, schön war es in meiner Kindheit Thale,
Doch wie ward dies verheert mit Mord und Brand;
Von Menschenhaß, vom Rachegötterstrahle
Erzählt dem Wandrer das versengte Land.
Hierher nie, frommer Waller, du dich wage:
Das Wild des Waldes haust im Baldershage.

»Ja, ein Versucher schreitet durch das Leben,
Der grimme Nidhögg aus des Dunkels Wust;
Er haßt das Asenlicht, das fromme Streben
Des Heldenschwertes und der Heldenbrust.
Wenn wir im Zorn vor Frevel nicht erbeben,
Ist es sein Werk, der bösen Mächte Lust,
Und glückt's ihm, setzt den Tempel er in Flammen,
Schlägt er die schwarzen Hände froh zusammen.

»Wohnt denn Versöhnung nicht in Odins Hallen?
Sühnt, frommer Balder, nichts denn deine Wut?
Der Mann nimmt Wehrgeld, wenn Verwandte fallen,
Die hohen Götter selbst versöhnet Blut.
Man sagt, du sei'st der mildeste von allen,
Sprich, und ich opfre freudig jedes Gut.
Den Brand verschuldet' ich nicht in Gedanken,
Nimm diesen Flecken mir vom Schild, dem blanken!

»Die Bürde nimm hinweg, die gar zu schwere!
Der Seel' erlaß all ihre Pein und Schmach!
Verschmäh' die Reu' nicht; eines Lebens Ehre
Laß sühnen, was ein Augenblick verbrach!
Ich bebe nicht, ob nah' selbst Thor, der Hehre,
Der Anblick Hels ruft keine Furcht mir wach:
Dich, frommer Gott, der mondscheingleich du blickest,
Dich fürcht' ich und die Rache, die du schickest.

»Hier ruht mein Vater! Ach, es muß wohl gelten:
Von wannen keiner kehrt, weilt längst er schon,
Weilt, wie sie sagen, in den Sternenzelten,
Trinkt Met, freut sich an Schildgeklirres Ton.
Du Asengast, schau her aus Himmelswelten,
Dich ruft dein Sohn, dich, Thorsten Wikingssohn!
Mit Runen komm' ich nicht und Zaubertönen,
Lehr' mich nur Asa-Balder zu versöhnen!

»Giebt Antwort nicht das Grab? Um eine Klinge
Sang einst aus seinem Hügel Angantyr.
Das Schwert war gut, doch Tyrfing ist geringe;
Ich bitte mehr, kein Schwert erbitt' ich mir –
Im Holmgang hol' ich's selbst; du aber bringe
Verzeihung von der Asen Stadt mit dir.
Dem trüben Blick, der Ahnung laß es tagen,
Kein edles Herz mag Balders Zorn ertragen.

»Du schweigst, o Vater? Horch, welch süßes Klingen!
Die Wogen murmeln – leg' dein Wort hinein!
Der Sturmwind saust – häng' dich an seine Schwingen
Und flüstre mir, wenn er durchbraust den Hain.
Das Westgewölk schmückt sich mit goldnen Ringen –
Laß einen deiner Botschaft Herold sein!
Kein Wort, kein Zeichen wird dem Sohn entboten?
Mein Vater, o wie arm sind doch die Toten!« –

Die Sonn' erlosch, und Abendwinde sangen
Ihr Schlummerlied den Erdenkindern mild.
Auf Purpurrädern fuhr mit Rosenwangen
Das Abendrot im himmlischen Gefild.
In blauen Thälern, auf den Höh'n welch Prangen!
Vorüber jagt's wie ein Walhallabild.
Da plötzlich, säuselnd ob des Westens Fluten,
Naht ein Gesicht, geformt aus Gold und Gluten.

Luftspieglung nennen wir dies Himmelszeichen,
Mit schönerm Namen nennt es Walhalls Saal.
Sanft schwebt es nieder über Balders Eichen,
Ein Goldkranz ruht es überm grünen Thal;
Es schimmert rings, so weit die Blicke reichen,
Kein Auge sah so lichten Glanzes Strahl.
Zur Erde sinkt zuletzt das Bild, das helle,
Ein Tempel an des frühern Tempels Stelle.

Ein Abbild Breidablicks! Die Mauern ragen
Am Felsgestad' empor im Silberschein;
Die Pfeiler sind aus blankem Stahl geschlagen,
Und der Altar ein einz'ger Edelstein.
Die Wölbung hängt, von Geisterhand getragen,
Ein Winterhimmel, sternenklar und rein;
Gewandung himmelblau mit goldnen Kronen,
Also die Götter Walhalls droben thronen.

Und sieh, gestützt auf ihre Runenschilde,
Stehn dort die hohen Nornen an dem Thor,
Gleichwie drei Rosenknospen in der Wilde
Ernst blühn, doch schön, aus einem Zweig empor.
Auf den zerstörten deutet Urda milde,
Und Skuld weist auf des neuen Tempels Chor.
Doch kaum hat Frithjof wieder sich gefunden,
Von dem Gesicht entzückt, da ist's verschwunden.

»O, ich versteh' euch, hohe Schicksalsfrauen,
Ein Zeichen, Vater, war's, von dir gesandt:
Den Tempel Balders soll ich wieder bauen
Auf jenem Fels erhaben, wo er stand.
Durch Friedenswerk gesühnt soll man nun schauen
Der Jugend Frevel, jenen Tempelbrand.
Es blüht die Hoffnung dem Verstoßnen wieder,
Vergebung blickt der weiße Gott hernieder.

»Heil euch, ihr Sterne, die ihr kommt gezogen!
Froh schau' ich wieder euern stillen Gang.
Willkommen, Nordlichtschein am Himmelsbogen,
An Tempelflammen mahntest du mich lang'.
Ergrüne, Heldengrab, und aus den Wogen
Steig' schön wie sonst, du wunderbarer Sang!
Hier will ich träumen, schlummernd auf dem Schilde,
Von Menschensühn' und von der Götter Milde.«

Buchschmuck
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