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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 22
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authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Zwanzigster Gesang.

König Rings Tod.

          Skinfaxe ziehet,
          Goldmähnumflossen,
Schöner Lenzsonn' aus dem Meer als zuvor.
          Frührot erglühet;
          Holder ergossen,
Spielt es im Thronsaal; da pocht's an das Thor.

          Steht auf der Schwellen
          Frithjof in Leiden.
Bleich sitzt der König, der Busen bebt lind
          Ingborg gleich Wellen.
          Lieder vom Scheiden
Klagend der Fremdling zu singen beginnt.

           »Daß es sich bade,
          Sehnt in die Wogen
Sich das geflügelte Seeroß vom Strand.
          Fort vom Gestade,
          Heißt's nun, gezogen,
Fort, ach, vom Freund und vom heimischen Land!

          »Laß mich den Ring dir
          Wiederum geben,
Ingborg, ihn weihen Erinn'rungen hehr!
          Doch ich beding' mir:
          Keinem im Leben
Reich' ihn – mich siehst du auf Erden nicht mehr!

          »Nie seh' ich lichten,
          Ringelnden Rauch hier
Steigen im Norden mehr! – Sklaven sind wir:
           Nornen hier richten!
          Grab werdet auch ihr,
Wüsten des Meers, die jetzt Vaterland mir.

          »Nie geh zum Strande,
          Ring, mit der Frauen,
Niemals vor allem beim Sternenschein.
          Möchtest im Sande
          Schauen voll Grauen
Frithjofs, des friedlosen Wikings, Gebein!« –

           Singt da der König:
          »Feige kommt's vor mir,
Klaget ein Mann gleich der wimmernden Maid.
          Schon klingt dumpftönig
          Grablied ins Ohr mir,
Doch, wer da lebt, sei zum Sterben bereit.

          »Nornengewebe
          Schlingt uns in Bande;
Klage nicht wendet's, nicht wendet es Hohn.
          Frithjof, ich gebe
          Weib dir und Lande,
Schirm' sie für meinen erwachsenden Sohn!

          »Liebt' ich Gelag' auch,
          Fröhlich beim Mahle,
War ich stets goldenem Frieden geneigt:
          Schilde doch brach auch
          Gern ich im Thale,
Schilde zur See und bin nimmer erbleicht.

          »Will nun verbluten;
          Geirsodd ich schneide!
Normannfürst hat nicht nach Strohtod Begehr.
          Nicht mich entmuten
          Soll's, ob ich leide:
Minder als sterben, ist leben nicht schwer.«

           Mutig an Mienen,
          Odingeweih'te
Runen er ritzte nun, schweigend, voll Lust;
          Rot wie Rubinen,
          Blut sich befreite
Zwischen dem Silber behaareter Brust.

          »Her mit dem Horne!
          Heil deinem Ruhme,
Heil deiner Ehren, du herrlicher Nord!
          Segen dem Korne!
          Segen der Blume!
Friedlichem Thun war ich treu stets ein Hort.

          »Aber vergebens
          Unter den wilden
Fürsten des Nordens hatt' seiner ich acht;
          Irdischen Lebens
          Lohn in Gefilden
Walhalls reicht nun mir die Tochter der Nacht.

          »Heil sei euch Göttern,
          Walhallasöhnen!
Erde verschwindet – zum Feste nun laßt
          Laden das Schmettern
          Gellerhorns; krönen
Soll dort die Seligkeit jeglichen Gast!«

           Sprach es und drückte
          Ingborg die Hände,
Drückt' sie dem weinenden Freund und dem Sohn.
          Und der entrückte
          Geist flog behende
Mit einem Seufzer zu Allvaters Thron.

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