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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 21
Quellenangabe
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typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Neunzehnter Gesang.

Die Versuchung.

Frühling kommt mit Vogelliedern, Waldesgrün und Sonnenstrahl,
Und die eisbefreiten Flüsse tanzen singend nun zu Thal,
Und wie Freias Wangen glühend steht das Röselein in Blust,
Und das Menschenherz fühlt sprühend neuen Mut und Lebenslust.

Heute will der alte König mit der Königin auf die Jagd,
Und der Hof ist schon versammelt in bewegter, bunter Pracht.
Bogen klirren, Köcher rasseln, Hengste scharren stolz den Staub,
Und die Kappe vor den Augen schrein die Falken laut nach Raub.

Sieh, da naht des Jagdzugs Herrin! Armer Frithjof, flieh doch, flieh!
Wie ein Stern auf Lenzgewölke sitzt auf weißem Zelter sie.
Halb wie Freia, halb wie Rota, nur weit schöner noch zu schau'n,
Blaue Federn auf dem Hütchen, naht die holdeste der Frau'n.

Sieh nicht in der Augen Himmel, auf der Locken Goldgeroll!
Nicht wie dieser Leib geschmeidig, dieser Busen wie so voll!
Lilj' und Rosen dieser Wangen, wie sie wechseln so geschwind!
Lausch' nicht! Ihre teure Stimme säuselt wie der Frühlingswind.

Fertig ist der Troß der Jäger. Heißa! Über Berg und Thal!
Hörner schmettern, Falken steigen jach hinan zu Odins Saal.
Angstvoll fliehn des Waldes Tiere zu der Höhlen Schirm und Dach,
Doch mit vorgestrecktem Speer setzt die Walküre ihnen nach.

Nimmer kann der alte König folgen dieser wilden Jagd.
Ihm zur Seite reitet Frithjof, ernst und schweigsam wie die Nacht;
Tiefwehmütige Gedanken peinigen die Seele ihm,
Ihre Klagetöne flüstern stets mit größerm Ungestüm:

»O, daß ich das Meer verlassen, vor dem eignen Unheil blind!
Gram gedeiht nicht auf dem Meere, da entführt ihn jeder Wind,
Wenn der Wiking grübelt, rufen Kampf und Not ihn auf zum Tanz,
Und die finstern Grillen weichen vor der Waffen hellem Glanz.

Hier ist's anders! Unaussprechlich Sehnen läßt den Flügelschlag
Um die Stirn mir wehn, und träumend geh' ich, wo ich gehen mag.
Balders Hain vergeß ich nimmer, nimmer je den heil'gen Eid,
Den sie schwur, und den gebrochen sie nicht, nein, der Götter Neid.

Das Geschlecht der Menschen hassend, schau'n sie neidisch deren Lust.
Meine Rosenknospe setzten so sie an des Winters Brust.
Was soll der mit einer Rose, die er nicht zu schätzen weiß?
Er umkleidet kalten Bauchs nur Stengel, Knosp' und Blatt mit Eis!«

Also klagt' er; da erreichten sie ein felsumschloss'nes Thal,
Welches Birken rings und Erlen überschatteten zumal.
Und vom Rosse stieg der König: »Sieh, wie schön, wie kühl der Hain!
Müde bin ich, laß uns ruhen, auf ein Weilchen schlummr' ich ein.« –

»Hier darfst du nicht schlafen, König, wo das Lager hart und kalt,
Laß uns hier nicht ruhn, ich führe dich zurück zur Hofburg bald!«
»Unverhofft, wie andre Götter, kommt der Schlaf und oft im Nu,«
Sprach der Greis, »gönnt denn der Gast nicht seinem Wirt ein Stündchen Ruh'?«

Da nahm Frithjof seinen Mantel, deckt' auf Blumen ihn und Moos,
Und des Königs Haupt, es ruhte voll Vertraun in seinem Schoß,
Sicher wie auf ihren Schilden Helden ruh'n nach heißer Schlacht,
Wie das Kind im Schoß der Mutter, welche seinen Schlaf bewacht.

Horch! da singt ein schwarzer Vogel von des nächsten Baumes Ast:
»Frithjof, töt' ihn und befreie dich von deiner Sorgen Last!
Nimm dir Ingborg, die als Braut sich einst zum Kusse dir geneigt,
Keines Menschen Auge sieht es, und das tiefe Grab – es schweigt.« –

Frithjof lauscht – ein weißer Vogel, horch! läßt da vernehmen sich:
»Sieht's auch keines Menschen Auge, Odins sieht es sicherlich.
Feigling, willst den Schlaf du morden? Einen Greis, der wehrlos liegt?
Was du auch damit gewinnest, Ruhm wird nicht damit ersiegt!« –

Also sangen beide Vögel; doch sein Schwert ergriff alsbald
Frithjof, und er schleudert' weit es von sich in den finstern Wald,
Und nach Nastrand fliegt der schwarze, doch der weiße Vogel hebt
Sich zur Sonne, und sein Flug klingt wie wenn Harfenton erbebt.

Da erwacht der alte König: »Viel war dieser Schlaf mir wert;
Angenehm ruht sich's im Schatten, treu beschirmt von tapferm Schwert.
Doch wo ist dein Schwert, o Fremdling? Wo des Blitzes Bruder? Sprich!
Wer hat euch getrennt, die beide nimmer sollten trennen sich?«

Frithjof sprach: »Laß diese Fragen! Schwerter hat genug der Nord;
Scharf ist, König, Schwertes Zunge, redet nicht des Friedens Wort.
Finstre Geister sind im Stahle, welche Nifelheim gebar,
Nicht der Schlaf ist ihnen heilig, Silberhaar reizt sie sogar.« –

»Nicht geschlafen hab' ich, Jüngling! Dich zu prüfen war mir Pflicht,
Unerprobtem Schwert und Manne traut ein Kluger ewig nicht.
Du bist Frithjof, mir bekannt, seit meinen Saal dein Fuß erstieg,
längst schon weiß der alte Ring, was ihm sein kluger Gast verschwieg.

Warum schlichest du verkleidet, namenlos dich ein bei mir?
Stehlen wolltest deine Braut du aus dem Arm des Alten dir.
Nie mischt namenlos sich Ehre in ein gastfrei Festgelag,
Blank ist wie die Sonn' ihr Heerschild und ihr Antlitz wie der Tag!

Frithjof heißt ein Feind der Götter, gilt als aller Menschen Schreck;
Schilde spalte, Tempel brenne, sagt man, dieser Wiking keck –
Mit dem Heerschild also, wähnt' ich, zieh' er gegen dieses Land,
Und er kam, jedoch als Bettler, mit dem Stab in seiner Hand.

Warum schlägst den Blick du nieder? Ich auch weiß von wilder Zeit!
Nur ein Kampf ist alles Leben, Jugend ein Berserkerstreit,
Wo es gilt, sich durchzuringen, bis die tollen Tage fliehn –
Nun, geprüft hab' ich, vergeben, dich beklagt und dir verziehn.

Siehst du? Ich bin alt geworden; bald zieh' ich zum Hügel ein!
Nimm mein Reich alsdann, o Jüngling, meine Königin sei dein.
Sei im Königssaal bis dahin mir als Sohn ein lieber Gast!
Fried' und Freundschaft! Schirme fürder mich, wie du geschirmt mich hast!« –

»Wie ein Dieb,« sprach Frithjof düster, »nimmermehr beschlich ich dich;
Wollt' ich deine Königin nehmen, wer hätt' es verhindert? Sprich!
Meine Braut nur wollt' ich sehen, sie ein einzig Mal nur sehn!
Thor ich! Halb erloschne Flammen ließ aufs neue ich erstehn.

»Schon zu lang' als Gast, o König, säumt' ich hier, ich darf's nicht mehr!
Zorn der unversöhnten Götter ruht auf meinem Haupte schwer.
Balder, der den Menschen sonst als Freund sich zu erweisen sucht,
Er selbst haßt mich, einsam irr' ich, bin geächtet und verflucht.

»Ich zerstörte seinen Tempel – Tempelwolf nennt man mich drum.
Kinder schrei'n bei meinem Namen, jedes Festmahl macht er stumm.
Ein verlorner Sohn, verbannt von meiner Heimat Mutterschoß,
Bin ich friedlos nicht nur dorten, auch im Herzen friedelos.

»Nicht auf grüner Erde will ich fürder Frieden suchen hier;
Unterm Fuß brennt mir der Boden, Schatten beut der Baum nicht mir.
Ingeborg ist mir verloren, die der alte Ring gewann,
Meine Sonne ist erloschen, Finsternis hüllt mich fortan.

»Darum hin zu meinen Wogen! Ei, hinaus, mein Drache gut!
Bade dir die Brust, die schwarze, wieder in der Meeresflut!
Auf die Schwingen in die Lüfte! Zischend durch das Meer gesaust!
Flieg', so weit dich Sterne leiten, dich besiegt die Well' umbraust!

»Laß mich Sturmgetöse hören, Donnerkrach ist meine Lust!
Wenn der Weltkampf mich umwettert, ist es still in Frithjofs Brust!
Schildesklang, Pfeilregen, Alter! Schlachtfeld soll das Meer mir sein!
Und ich falle froh und gehe zu versöhnten Göttern ein!«

Buchschmuck
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