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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 19
Quellenangabe
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authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Siebzehnter Gesang.

Frithjof kommt zu König Ring.

König Ring, im Hochsitz thronend, beim Mete julend trank,
Die Königin saß daneben so blühend und so schlank,
Wie Frühling bei dem Herbste, sah man sie bei einand':
Er wie der Herbst so frostig, sie hold, wie Lenz im Land.

Und sieh, da trat ein alter wildfremder Mann herein,
Vom Haupt bis zu den Füßen hüllt' Bärenfell ihn ein.
Am Wanderstabe ging er gebückt einher und schwach,
Doch standen ihm an Größe die andern alle nach.

Er setzte sich ganz unten dicht bei der Thür im Saal,
Das ist der Armen Stelle noch jetzt wie dazumal;
Die Schranzen lachten höhnisch und sah'n einander an,
Und mit den Fingern wiesen sie auf den Zottelmann.

Scharf blitzt' des Fremdlings Auge wie jäher Wetterstrahl,
Rasch packt' er einen Hofmann mit einer Faust von Stahl,
Und spielend auf und nieder wog so er den Kumpan –
Da schwiegen still die andern; wir hätten's auch gethan.

»Was für ein Lärm ist drunten? Wer stört den Frieden hier?
Herauf zu mir, du Alter, und stehe Rede mir!
Wie heißest du? Was willst du? Wo ist dein Vaterland?«
So sprach voll Zorns der König; der Greis im Winkel stand.

»Gar vieles fragst du, König. Das mag die Antwort sein:
Nicht sag' ich, wie ich heiße, der Nam' ist mein allein.
Land Jammer ist mir Heimat, mein Erbteil heißet Not,
Jetzt komm' ich her vom Wolfe, der Unterschlupf mir bot.

Vor Zeiten ritt ich fröhlich auf meinem Drachen hin;
Er hatte starke Flügel und flog mit frohem Sinn;
Nun ist er eingefroren und liegt gelähmt am Land,
Ich selbst bin alt geworden und brenne Salz am Strand.

Seh'n wollt' ich deine Weisheit, man rühmt sie tausendfalt,
Da neckten sie mich höhnisch – für Hohn bin ich zu alt;
Ich packte einen Narren und drehte ihn herum,
Doch stand er auf ganz munter, nicht zürn', o König, drum!« –

»Nicht übel,« sprach der König, »stehn deine Worte dir;
Das Alter muß man ehren, komm', setz' dich her zu mir.
Laß fallen die Vermummung, zeig' uns dich frank und frei,
Vermummung stört die Freude, ich will, daß froh man sei!«

Da fiel vom Haupt des Gastes die zottige Bärenhaut,
Und statt des Alten jeder nun einen Jüngling schaut.
Von hoher Stirne nieder um Schultern breit und prall
Floß es von lichten Locken wie goldner Ströme Fall.

In blauem Sammetmantel trat er nun prächtig auf,
Handbreit der Silbergürtel, und wilde Tiere drauf,
In hochgetriebner Arbeit vom Meister angebracht,
Ging um des Helden Mitte die Hatz der wilden Jagd.

Des Ringes goldne Zierde umgab den Arm ihm reich,
Das Schwert hing an der Seite, gehemmtem Blitze gleich.
Das stille Heldenauge auf Saal und Gäste sah;
Schön stand er da wie Balder, wie Thor stand hoch er da.

Schnell in die bleichen Wangen der Königin schießt das Blut;
So wird ein Schneegefilde bestrahlt von Nordscheinsglut;
Gleichwie zwei Wasserlilien bei wilder Sturmeslust
Sich schaukeln auf den Wogen, hob sich die weiße Brust.

Nun blies das Horn im Saale, still stand der Zungen Lauf,
Es war Gelübdesstunde, Freis Eber trug man auf.
Mit Kränzen um den Nacken, im Rüstel Äpflein bunt,
Deckt' er, die Knie gebogen, der Silberschüssel Rund.

Und König Ring erhebt sich in grauer Locken Schein,
Des Ebers Stirn berührend; dies das Gelübde sein:
»Besiegen will ich Frithjof, geht gleich kein Kämp' ihm vor;
So helfe Frei' und Odin, dazu der starke Thor!«

Mit trotz'gem Lächeln hob sich der fremde Mann empor,
Ein Blitz des Heldenzornes schoß aus dem Aug' hervor;
Sein Schwert schlug auf die Tafel, so daß der Saal erklang,
Und von den Eichenbänken jedweder Kämpe sprang,

»Vernimm auch mein Gelübde du nun, Herr König, hier;
Wohl kenn' auch ich den Frithjof, er ist verwandt mit mir.
Ich schwöre, ihn zu schützen, sei's gegen eine Welt!
Das helfe meine Norne, den Schwur mein Schwert dann hält!«

Der König lacht' und sagte: »Das nenn' ich keck einmal!
Doch frei ist jede Rede im nordischen Königssaal!
Gieß Wein ins Horn ihm, Kön'gin, den besten, den du hast,
Der Fremdling, will ich hoffen, ist unser Wintergast.«

Da nahm die edle Fraue das Hom, das vor ihr stand,
Das Kleinod, einst die Zierde des Urs, in ihre Hand;
Auf Silberfüßen prangt' es mit goldner Reifen Wehr,
Und Vorzeitsbilder schmückten's und Runenschrift ringsher.

Mit zücht'gen Augen reichte dem Gast das Horn sie dann,
Doch ihre Hand erzittert', und etwas Wein verrann;
Wie abendroter Purpur auf zarte Lilien strahlt,
So auf der Hand, der weißen, die dunkle Flut sich malt.

Der Gast nahm's von der Hohen mit leuchtendem Gesicht.
Wie jetzt die Männer, leerten es zwei der Männer nicht,
Leicht leert' der Starke solches zur Luft der Königin
In einem Atemzuge, kein Tropfen blieb darin.

Zur Harfe griff der Skalde, er saß beim Königsmahl;
Von treuer Lieb' im Norden erklang es nun im Saal,
Von Hagbart und schön Signe: da schmolz zu süßer Lust
Das härteste der Herzen in stahlbedeckter Brust.

Er sang von Walhalls Sälen und der Einherien Ehr',
Von tapfrer Väter Thaten im Feld und auf dem Meer.
Da griff ans Schwert ein jeder, im Auge Heldenzorn,
Und fleißig um die Tafel im Kreise ging das Horn.

Nun wurde scharf getrunken im hohen Königshaus,
Und derben Julrausch holte sich jeder hier beim Schmaus
Und ging dann fort zu schlafen, befreit von Gram und Sorg';
Doch König Ring, der Alte, schlief bei schön Ingeborg.

Buchschmuck
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