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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 17
Quellenangabe
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typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Fünfzehnter Gesang.

Wikingerbalk.

Nun er schweifte umher auf dem einsamen Meer,
                    zog er weit wie ein jagender Falk;
Für die Kämpen an Bord gab Gesetz' er und Recht.
                    Willst du hören den Wikingerbalk?

»Nimmer zelt' auf dem Schiff, und im Hause nicht schlaf',
                    denn im Saal sind die Feinde stets wach;
Auf dem Schild schlaf' der Wiking, das Schwert in der Faust,
                    und der Himmel nur dien' ihm als Dach.

»Kurzen Schafts ist der Hammer des siegenden Thor,
                    eine Ell' lang bei Frei nur das Schwert.
Das genügt! Hast du Mut, auf den Feind dann nur los,
                    und zu kurz bist du nimmer bewehrt.

»Wenn es stürmet mit Macht, dann die Segel du hiß';
                    es ist lustig auf stürmischer See,
Mag es gehn, wie es geh'! Segel streicht nur, wer feig';
                    und weit lieber zu Grunde du geh'!

»Schütz' am Lande die Maid, doch sie bleibe von Bord;
                    wär's auch Freia, sie täuschte dich doch!
Denn das Grübchen der Wang' ist die falscheste Grub',
                    und ein Netz nur ist fliegend Gelock'.

»Wein ist Walvaters Trank und ein Rausch dir vergönnt,
                    doch Besinnung bewahre du dir;
Wer da taumelt am Land, steht wohl auf, doch zu Ran,
                    die dich einwiegt, enttaumelst du hier.

»Wenn der Krämer sich naht, so beschirme sein Schiff,
                    doch der Schwache den Zoll dir bezahl'.
Du bist König der See, er ist Sklav des Gewinns,
                    und so gut wie sein Gold ist dein Stahl.

»Den Gewinn teilt auf Deck man durch Würfel und Los –
                    wie er fällt, nicht beklage du dich;
Doch der Seekönig selber den Würfel nicht wirft,
                    nur die Ehre behält er für sich.

»Kommt ein Wiking in Sicht, dann giebt's Ent'rung und Kampf;
                    unter Schilden geht's heiß her im Streit.
Wenn du weichst um ein Haar, ist gelöst unser Bund;
                    das Gesetz kennt nur diesen Entscheid.

»Dir genüge der Sieg! Wer um Frieden dich fleht,
                    wer entwaffnet, ist nicht mehr dein Feind.
Fleh'n ist Walhallas Sproß; gieb dem Bleichen Gehör,
                    nur ein Schurke die Bitte verneint.

»Wund' ist Wikingsgewinn, und sie zieret den Mann,
                    wenn die Narbe schmückt Brust und Gesicht;
Wie sie blute, verbinde vor Abend sie nie,
                    sonst bist einer der Unsern du nicht!«

So nun schrieb er Gesetz, und sein wachsender Ruhm
                     flog durch Lande und Meere bald weit;
Seinesgleichen nicht kannte die blauende See,
                    und die Kämpen ergötzte der Streit.

Doch er selbst saß am Steuer und blickte hinab
                    in die Wogen mit gramvollem Leid:
»Du bist tief – in der Tiefe ist Frieden vielleicht,
                    doch hier oben er nimmer gedeiht.

»Ist der Weiße mir gram, nun so zieh' er sein Schwert –
                     soll es sein, geh' ich gerne dahin;
Doch er sitzt im Gewölk und Gedanken er schickt,
                    die mir stetig verfinstern den Sinn.«

Doch wenn Kampf ward verkündet, dann hob sich sein Mut,
                    wie nach stärkender Ruhe der Aar,
Und die Stirn ward ihm klar und die Stimme voll Klangs,
                    wie der Blitz zog er her vor der Schar.

Und so schwamm er von Siegen zu Siegen getrost
                    auf dem schäumenden Grabe daher,
Und er schaute die Schären und Inseln im Süd
                    und durchkreuzte das griechische Meer.

Als die Gärten er dort sah entsteigen der Flut
                    mit der Tempel verfallender Zier,
was er sann da, weiß Freia, der Skalde es weiß,
                    und ihr wißt es, ihr Liebenden, ihr!

»Hier wir hätten gewohnt, hier ist Insel und Hain,
                    hier der Tempel, den Vater beschrieb,
Ach, hierher, ach, hierher die Geliebte ich lud,
                    doch im Norden die Grausame blieb.

»Wohnt nicht Frieden in seligen Thälern allhier,
                    in der Prachtsäulen hallendem Gang?
Ach, wie Liebesgeflüster tönt Plaudern des Quells,
                    wie ein Brautlied der Vögel Gesang.

»Wo weilt Ingeborg nun? Ob sie mein schon vergaß
                    bei dem greisen, dem welken Gemahl?
Ach, ich gäbe mein Leben, mein Leben dahin,
                    sie zu sehn, sie zu sehn nur einmal!

»Und drei Jahre sind's nun, seit mein Land ich geschaut,
                    das des Ruhmes hochfürstlicher Saal!
Ragt der herrliche Fjällen noch himmelempor?
                    und ergrünt noch mein heimisches Thal?

»Auf mein väterlich Grab eine Linde ich pflanzt',
                    ob sie sproßt wohl mit freudigem Trieb?
Wer nimmt ihrer sich an? Gieb, o Erde, den Saft,
                    und den Tau du, o Himmel, ihr gieb!

»Doch was schweif' ich noch länger auf fremdem Gewog'
                    und brandschatze mit mordender Hand?
Mir ward Ehre genug und des flammenden Golds –
                    ich verachte den elenden Tand.

»Auf dem Mast weht die Flagg' und nach Norden sie weis't,
                    und das Land meiner Lieb', es ist dort;
Ja, ihr himmlischen Winde, ich folg' eurem Gang,
                     und ich steure zurück nach dem Nord!«

Buchschmuck
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