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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 16
Quellenangabe
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typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Vierzehnter Gesang.

Frithjof wird landflüchtig.

Auf Deck verwacht
Der Held die Nacht,
Durchras't von Schmerzen.
Ihm tobt im Herzen
Wie Meeresflut
Bald Weh, bald Wut –;
Vom Tempelbrande
Noch raucht's am Strande.

»Steig', Tempelrauch,
Mit mächt'gem Hauch
Zu Walhalls Stufen,
Herabzurufen
Mir das Gericht
Vom Gott im Licht!
Schrei', daß die Hallen
Der Götter schallen,
Vom Tempelrund,
Das Schutt jetzund;
Vom Bild von Holze –
Es sank das stolze,
Zerstört vom Brand,
Wie andrer Tand;
Vom Hain künd' weiter,
Gefeit, seit Streiter
Gesehn dies Land –
Verbrannt! Verbrannt!
Statt zu vermodern,
Mußt' er verlodern.
Was hier geschah,
Was sonst man sah,
Dem Gott erzähle
Und nichts verhehle,
Verhehle nichts
Dem Gott des Lichts!

Einst hallen Lieder
Des Namen wieder,
Der bannte mich,
Zwar nicht von sich,
Doch aus dem Reiche.
Wohlan, ich weiche
Ins Reich, so blau,
Zur Wogenau'!
Ellid', ans Ende
Der Welt behende
Nun fortgeeilt
Und nicht verweilt!
Weit fortgezogen
Durch Meereswogen,
Mein Drache gut!
Ein Tropfen Blut
Mag dir nicht schaden;
Auf, dich zu baden!
Im Sturmgebraus
Bist du zu Haus,
Das andre brannte
Der Gottverwandte.
Du bist mein Nord,
Mein Heimatort,
Denn von dem andern
Muß ich ja wandern;
Bist meine Maid,
Du, schwarz von Kleid –
Die Treu' der Weißen
War nichts als Gleißen!
Du, freies Meer,
Läßt nimmer schwer
Dich je bedrücken
Von Königstücken.
Gebieter dein
Ist der allein,
Der nimmer bebet,
Wie sich auch hebet
In Zorneslust
Die schaum'ge Brust;
Auf blauen Wiesen
Ihm Wonnen sprießen;
Als Pflug zieht drauf
Der Kiel im Lauf;
Blutregen tauen
Auf diese Auen;
Blank ist wie Stahl
Die Saat zumal.
Das Feld der Meere,
Es trägt ihm Ehre,
Es trägt ihm Gold –
Meer, sei mir hold!
Auf euch, ihr Wogen,
Nun fortgezogen!
Mein Vätergrab
Schaut hoch herab
Zum Meeresspiegel,
Grün steht sein Hügel –:
Mein Grab ist blau
Auf schaum'ger Au',
Umstürmt, wogt's immer
Im Nebelschimmer,
Zieht andre mehr
Stets zu sich her.
Dich, mir gegeben
Zum Heim im Leben,
Zum Grab begehr'
Ich mir dich eben,
Du freies Meer!« –

So sang der Wilde,
Der trauernd schied
Vom Heimgefilde,
Das nun er mied,
Umfuhr im Schiffe
Des Sundes Riffe,
Die weit und breit
Zahllos verstreut.
Doch Rächer wachen.
Mit zehn der Drachen
Kam auf dem Meer
Nun Helge her.
Da scholl's von allen:
»Nun will er fallen
Im Kampf als Held;
Nicht mehr gefällt
Dem Walhallsohne,
Daß hier er wohne:
Zur Heimat hin
Steht ihm der Sinn,
Zu Odins Höhen
Will er nun gehen!« –

Gesagt, geschehn;
Denn ungesehn
An Helges Drachen
Sich Kräfte machen,
Die mehr und mehr
Sie ziehen schwer
In Ranas Arme.
Mit Müh' und Harme
Entrann zur Not
Dem nassen Tod
Im Wogenschaum
Der König kaum. –

Björn, froh unmaßen,
Ruft: »Sproß der Asen,
Gelungen ist
Mir diese List!
Ohn' andrer Wissen
War ich beflissen:
Nachts bohrt' am Riff
Ich Schiff um Schiff
Dir, Helge, an.
Wohl war's gethan!
Ran, hoff' ich, heget
Sie, wie sie's pfleget,
In ihrem Schoß;
Doch schade bloß,
Daß du im Sunde
Nicht gingst zu Grunde!«
Von Grimm entbrannt
König Helge stand,
Entfloh'n den Wogen,
Und spannt' den Bogen
Von Stahl zur Stund',
Ohn' Überlegen
Ihn stemmend gegen
Den Klippengrund,
Bis er zersprang
Mit schrillem Klang.
Doch Frithjof wieget
Den Speer: »Hier lieget
Mein Todesaar,
Gebannt fürwahr.
Wollt' ich ihn senden,
Du würdest enden
Im Strafgericht,
Gekrönter Wicht!
Doch laß dein Zagen,
Nicht ihm behagen
Kann Feiglingsblut!
Er ist zu gut
Für deinesgleichen!
Wohl ritzt als Zeichen
Man ihn in Steine,
Wo die Gebeine
Von Helden ruh'n;
Nie wird man's thun
Auf jenen Pfählen,
Die einst erzählen
Dem ganzen Lande
Von deiner Schande.
Hinab ins Meer
Sank deine Ehr';
Zu Land' auch, König,
Gilt sie gar wenig.
Rost bricht den Stahl,
Nicht du. Ein Mal
Will ich mir stecken,
Das wert des Kecken.
Gieb acht, mein Stern
Ist deinem fern!« –
Nun faßt' er kräftig
Ein Ruder heftig,
Das stolz einmal
Im Gudbrandsthal
Als Mastföhr' prangte.
Das andre langte
Er sich dazu,
Und dann im Nu
Bewegt' er sie
Mit Hünenkraft,
Ließ rudernd wie
Des Rohrpfeils Schaft,
Wie Stahlesklingen
Im Takt sie springen.

Da flammt empor
Des Morgens Thor,
Und Winde säuseln
Von Land und kräuseln
Die See zum Tanz
Im Frühlichtsglanz!
Auf blauer Welle
In Purpurhelle
Ellida jagt,
Doch Frithjof klagt:

»Heimskringlas Scheitel,
Du hehrer Nord!
Hoffnung ist eitel –
Ich muß nun fort.
Daß ich entstamme
Dir, freut mich wohl,
Doch, Heldenamme,
Nun lebe wohl!

»Leb wohl, du Wonne,
Du Nordlandspracht,
Mittsommerssonne:
Auge der Nacht!
Leb' wohl, o Himmel,
So klar, so rein!
Du Sterngewimmel!
Du Nordlichtschein!

»Lebt wohl nun alle,
Gebirg' und Thal,
Der Ehren Halle,
Thors Runensaal!
Ihr blauen Seeen,
Du Inselbucht –
Muß von euch gehen,
Verfehmt, verflucht!

»Lebt wohl, Grabhügel
Am Strand der See,
Euch deckt Lenzflügel
Mit Blütenschnee;
Doch Saga wäget,
Was tief im Grund
Die Erde heget –
Lebt wohl jetzund!

»Lebt wohl, ihr Haine,
Du Silberbach,
Ihr grünen Raine,
Wo oft ich lag!
Ihr Freunde teuer,
Gehabt euch wohl!
Stets denk' ich euer,
Lebt wohl, lebt wohl!

»Verhöhnt mein Lieben,
Mein Hof verbrannt!
Von Heim vertrieben,
Entehrt, verbannt!
Vom Land wir scheiden,
Die See geht hohl –
Nun, Lebensfreuden,
Lebt wohl! lebt wohl!«

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