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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 15
Quellenangabe
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typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Dreizehnter Gesang.

Balders Scheiterhaufen.

Mitternachtssonn' auf den Bergen lag,
Blutrot anzuschauen;
Nicht war es Nacht und nicht war es Tag,
Rings nur Dämmerungsgrauen.

Balders Holzstoß, der Sonne Bild,
Flammte auf heiligem Herde,
Bald sinkt er zusammen wild,
Dann ist Höders die Erde.

Schürend standen die Priester geschart,
Nahrung den Gluten zu spenden,
Bleiche Greise im Silberbart,
Flintsteinmesser in Händen.

Helge, in hehrer Königspracht
Schafft am Opfersteine –
Horch, da klirren um Mitternacht
Waffen im Baldershaine.

»Björn, gefangen sind alle, sind mein!
Wache am Thor nun gehalten!
Keinen laß aus und keinen laß ein!
Eher den Schädel gespalten!«

Bleich ward der König, und ihn durchlief
Beben beim Klange der Stimme.
Ein trat Frithjof voll Zorns und rief
Wie mit des Herbststurms Grimme:

»Hier ist der Schoß, den dein Gebot
Fern mich im Westmeer hieß fodern.
Nimm ihn, doch Kampf dann auf Leben und Tod;
Balders Flammen laß lodern!

»Schild auf den Rücken! Brust – wenn dir's lieb –
Frei: so ziemt es zu streiten;
Du führst als König den ersten Hieb,
Ich hab' – das merke! – den zweiten.

»Schiele nicht scheu nach jener Thür!
Fuchs, kein Verließ war je fester!
Denk' an Framnäs, so teuer mir,
Denk' der goldlockigen Schwester!«

Also sprach der Held mit Fug,
Rasch den Beutel, den reichen,
Lösend vom Gurt; ins Gesicht er ihn schlug
Helge, dem schreckensbleichen.

Dunkles Blut entquoll dem Mund,
Auge schien zu verglasen;
Ohnmächtig lag am Altarrund
Da der Sprößling der Asen.

»Schmach du alles Königtums,
Feigster zwischen den Fjällen,
Angurwadel begehrt nicht des Ruhms
Deinesgleichen zu fällen.

»Priester ihr mit dem Opferbeil,
Bleiche Mondscheinfürsten,
Schweigt, sonst wird euch euer Teil,
Unsere Schwerter, sie dürsten.

»Weißer Balder, den Zorn bezwing',
Blick' nicht so finster verhohlen!
Hier an deinem Arm der Ring,
Mit Verlaub, ist gestohlen.

»Nicht für dich, soweit bekannt,
Schmiedete ihn Waulunder;
Räuber entwand ihn der Jungfrau Hand –
Her damit jetzunder!« –

Kraftvoll zerrt' er, doch Ring und Arm
Schienen gewachsen zusammen –
Endlich löst sich's, da stürzt voll Harm
Balder sich in die Flammen.

Horch, wie's knattert! Den Goldzahn schlägt
Lohe in Dachstuhls Sparren.
Todbleich Björn sich am Thor nicht regt,
Frithjofs Glieder erstarren.

»Auf die Thür! Das Volk hinaus!
Wachen eingezogen!
Gießt! Übers brennende Tempelhaus
Gießet des Weltmeers Wogen!«

Emsig vom Tempel hinab zum Strand
Schafft eine Kette ohn' Enden:
Wellen wandern von Hand zu Hand,
Kämpfen mit knisternden Bränden.

Frithjof schickt wie ein Regengott
Hochher vom Dache die Güsse,
Alles beherrschet sein Machtgebot,
Ruhig lenkt er die Flüsse.

Eitel! Das Feuer nimmt überhand,
Rauchwolken wirbelnd sich wälzen,
Schon tropft Gold auf glühenden Sand,
Silberplatten schon schmelzen.

Alles verloren! Der rote Hahn
Läßt sich nicht zähmen, nicht zügeln,
Schwingt sich krähend zum First hinan,
Schlägt mit entfesselten Flügeln.

Frühwind spielt vom Norden herein,
Läßt die Lohe sich mehren;
Sommerdürr ist Balders Hain,
Hungernd will jene nur zehren.

Züngelnd zuckt's in die Zweige hinein,
Gierig schlagend zusammen.
Hei, wie schauerlich prächtig der Schein
Dieser Baldersflammen!

Horch, wie's tief in den Wurzeln kracht!
Schau nur der Wipfelglut Schöne!
Was sind Menschen gegen die Macht
Roter Muspelsöhne!

Feuermeer woget im Hain umher,
Uferlos wallen die Fluten;
Sonne geht auf, doch Sund und Meer
Spiegeln nur Abgrundgluten.

Asche nur blieb vom Tempel dort,
Asche von Balders Haine;
Traurig schwanket Frithjof fort,
Weinend im Morgenscheine.

Buchschmuck
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