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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 14
Quellenangabe
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typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Zwölfter Gesang.

Frithjofs Rückkehr.

Durchs Blau Lenzwolken schon leuchtend ziehn,
Und wieder neu wird der Erde Grün,
Da scheidet Frithjof vom Wirt, dem teuern,
Der Fluten Ebenen zu durchsteuern,
Und freudig ziehet sein schwarzer Schwan
Die Silberfurch' auf der Spiegelbahn.
Des Westwinds Zungen im Segel klingen,
Wie Nachtigallen im Frühling singen,
Und Agirs Töchter mit Schleiern blau
Das Schiff fortschnellen auf feuchter Au'.
Es ist so schön, wenn vom fernen Lande
Der Kiel sich wendet zum Heimatstrande,
Wo Rauch vom eigenen Herde steigt,
Wo dir Erinn'rung die Kindheit zeigt,
An Spiele rieselnde Quellen mahnen,
Doch in den Hügeln sanft schlummern Ahnen
Und voller Sehnsucht die treue Braut
Vom Uferfels auf die Wogen schaut. –
Sechs Tage schifft er, am siebten zeiget
Ein blauer Streif sich, der aufwärts steiget;
Der wächst und wächset am Himmelsrand
Mit Klippen, Inseln, zuletzt mit Land.
Sein Land ist's, das aus dem Meere scheidet,
Er sieht die Wälder in Grün gekleidet,
Sieht in des Wildbaches Schaumkaskaden
Den Marmorbusen die Felsen baden.
Er grüßt den Sund und das Felsgesteine
Und fährt vorüber am Baldershaine,
Wo letzten Sommer so manche Nacht
Mit Ingborg kosend er froh verbracht.
»Was säumt sie? Sollte sie denn nicht ahnen,
Wie nah ich schaukle auf blauen Bahnen?
Verließ sie etwa Gott Balders Hut
Und sitzt nun trauernd auf Helges Gut
Beim Harfenspiele, beim Seidespinnen?«
Da steigt urplötzlich von Tempelzinnen
Sein Falk empor, und wie sonst nun wieder
Auf Frithjofs Schulter läßt er sich nieder.
Er schlägt und schlägt mit den weißen Schwingen,
Ist von der Schulter nicht fortzubringen,
Er kratzt mit goldener Klau' voll Hast,
Er läßt nicht Ruh und er läßt nicht Rast.
Den Schnabel will er ins Ohr ihm stecken,
Als hätt' er etwas ihm zu entdecken,
Vielleicht von Ingborg, der teuren Braut,
Doch keiner faßt den gebrochnen Laut.

Ellid' umsaus't nun die Landeszunge,
So hüpft im Grase das Reh, das junge;
Bekannte Wogen der Kiel durcheilt,
Und Frithjof munter am Steven weilt.
Er reibt die Augen und hält dann spähend
Die Hand darüber, zum Ufer sehend;
Doch wie er reibet und schauet umher,
Sein Framnäs findet er nirgend mehr:
Dem Schutt entragen nur nackte Schlote –
Im Grabeshügel so thront der Tote:
Verkohlt Getrümmer, wo Framnäs stand,
Und Asch' umfliegt den verheerten Strand.
Ans Land springt Frithjof erzürnt mit Grauen;
Nichts als Verwüstung ist rings zu schauen,
Wo Kindheitstage ihn glücklich sah'n.
Da kommt in Eile der zott'ge Bran,
Sein Hund, der treue, herangesprungen,
Der oft mit Bären für ihn gerungen;
Er springt schweifwedelnd, was er nur kann,
Vor Freuden winselnd am Herrn hinan.
Milchweißer Renner mit goldner Mähne,
Rehschenkeln und mit dem Hals der Schwäne,
Den Frithjof ritt wie so manches Mal,
Kommt mächt'gen Satzes nun aus dem Thal.
Er wiehert fröhlich, den Hals er wendet
Nach Brot, wie's oft ihm der Herr gespendet;
Doch Frithjof, ärmer ja noch als sie,
Hat nichts zu geben den Treuen hie.

Trüb, obdachlos auf ererbten Fluren
Steht Frithjof, rings der Verwüstung Spuren;
Da wird er Hilding, den Greis, gewahr,
Den Pflegevater im Silberhaar.
»Nicht nimmt mich's wunder, was hier ich schaue:
Ist fort der Adler, gilt's seinem Baue!
Das nenn' ich löbliche Königsthat!
Den Eidschwur Helge gehalten hat
In Götterfurcht und in Menschenhasse,
Und Mordbrand heißt ihm die Eriksgasse.
Zwar Ärger macht es mir mehr denn Sorg';
Doch sag' mir an, wo ist Ingeborg?« –
Der Alte sprach: »Was ich dir muß künden,
Du wirst es wenig erfreulich finden.
Kaum warst du fort, als auch Ring schon kam:
Fünf Schild' auf einen, wie ich vernahm.
Im Disarthal sie am Fluß sich wogen,
Von Blut gerötet die Fluten zogen.
Wie sonst hat Halfdan gescherzt, gelacht,
Doch zeigt' als Mann er sich in der Schlacht.
Mein Heerschild deckte den jungen König,
Sein Probestück, mir gefiel's nicht wenig.
Doch lange dauerte nicht der Strauß,
Als Helge floh, da war alles aus.
Vorüberfliehend – ihm war's Ergetzen –
Ließ dein Gehöft er in Flammen setzen.
Den Brüdern blieb nur die eine Wahl:
Ring heischt' die Schwester sich zum Gemahl,
Sie nur sei Sühnung nach allem Hohne,
Wenn nicht, so nähm' er sich Land und Krone.
Wohl hin und her dann viel Botschaft ging –
Die Braut heimführte nun König Ring.«

»O Weiber, Weiber!« so Frithjof klagte,
»Das erste, welches bei Loke tagte,
War eine Lüg', und in Weibsgestalt
Trat hin die Falsche zum Mann alsbald
Mit blauen Augen, die stets berücken,
Mit falschen Thränen, die stets entzücken;
Die Wangen rosig, der Busen weiß,
Mit Treue, schwindend wie Frühlingseis;
Es flüstern Falschheit und Trug im Herzen,
Meineide stets auf den Lippen scherzen ...
Und teuer war mir die Falsche doch!
Wie teuer war sie und ist sie noch!
So weit mein Denken zurück ich leite,
War sie im Spiele mir stets zur Seite;
Was je ich übte mit Sinn und Fleiß,
Sie war vor allem mir stets der Preis.
Zwei Stämm', entwachsen der Wurzel zusammen:
Schlägt Thor den einen mit Himmelsflammen,
So welkt der andre; ist einer grün,
Auch alle Zweige am andern blühn:
So war auch Freud' uns und Schmerz gemeinsam,
Ich kann, ich kann mich nicht denken einsam.
Jetzt bin ich einsam. Du hohe War,
Die rings du waltest so offenbar
Und Eide schreibest auf goldnen Scheiben,
O laß die Possen, o laß das Schreiben!
Die Scheibe füllst du mit nichts als Lug,
Zu gut das Gold ist für solchen Trug.
Von Balders Nanna sie zwar erzählen,
Doch Wahrheit ist nicht in Menschenseelen,
In Menschenbrust ist die Falschheit nur,
Seit Ingborgs Stimme den Meineid schwur –:
Sie klang wie Winde durch Blumen gleiten,
Sie klang wie Laute von Bragas Saiten.
Nicht horchen will ich auf Harfenlaut,
Nicht denken will ich der falschen Braut.
Ihr, Sturmestänze, nur sollt mir winken!
Blut, Weltmeerswoge, nur sollst du trinken!
Auf Höh'n und Thälern erwächst mir Freud',
Wo Grabessaaten das Schwert verstreut.
Treff' einen König ich mit der Krone,
Möcht' sehen wohl, ob ich den verschone!
Treff' ich wohl auch in der Streiter Schwarm
Ein Bürschlein an mit verliebtem Harm?
Was will auf Treue der Narr noch bauen?
Aus Mitleid will ich ihn niederhauen,
Will's ihm ersparen, dereinst zu stehen
Beschimpft, verraten, wie mir geschehen!«

»Wie kocht's gleich über im Jugendmute!«
Sprach ruhig Hilding; »dem heißen Blute
Muß Kühlung bringen der Schnee der Zeit!
Wie thust du Unrecht der edeln Maid!
Nicht Ingborg schelte, sie fehlte nimmer!
Die Norne schelte; die schleudert immer
Aus Wetterwolken des Zornes Los
Dem Erdgeborenen in den Schoß.
Wohl schwieg beständig der Edeln Klage,
Wie Widar schweigt in der Göttersage,
Wie's Turteltäubchen im Süd vor Gram
Verstummt, wenn ihm man den Tauber nahm.
Ihr Leid erschloß sie, die tiefen Schmerzen,
Die namenlosen, nur meinem Herzen;
Wie's Wasservöglein, verwundet schwer,
Zu Grunde tauchet im tiefen Meer,
Daß nicht es möge der Tag durchgluten
Und still es könne sich dort verbluten:
So auch ihr Kummer in Nacht versank –
Ich weiß allein, wie die Starke rang,
›Ein Opfer bin ich,‹ die Worte klangen,
›Für Helges Herrschsucht; Schneeglöckchen prangen
Im Haar der Jungfrau, und Wintergrün
Muß nun das Opfer, wie schön! umblühn,
Ich könnte sterben, doch wär's Verhöhnung,
Der zorn'ge Balder will zur Versöhnung
Langsamen Tod, gönnt nicht Ruh' im Schmerz;
Die Pulse fliegen, es pocht das Herz.
O, sprich mit keinem von meinem Trauern,
Wie ich auch leid', ich will kein Bedauern!
König Beles Tochter, sie trägt ihr Weh –
Grüß' Frithjof, kehret er heim von See!‹ –
Am Hochzeitstag – o wie säh' ich gerne
Doch diesen Tag von dem Runstab ferne! –
Zum Tempel schritten nun Paar bei Paar
Bewehrte Männer, der Jungfrau'n Schar,
Trüb zog der Skalde vorm Hochzeitstrosse,
Bleich saß die Braut auf dem schwarzen Rosse,
Bleich wie ein Geist auf der Wolke sitzt,
Der schwarzen, wenn es am Himmel blitzt.
Dem Roß enthob ich die Lilienschlanke
Und fühlte hin sie zur Altarschranke
Im Raum des Tempels. Da gab die Braut
Ihr Ja an Lofna so fest als laut
Und flehte lange zu Balder. Keinen
Gab's außer ihr, den man nicht sah weinen.
Als deinen Ring ihr am Arm nun sieht
König Helg', ingrimmig er ab ihn zieht,
Und Baldern gab er, was ihr genommen.
Zu viel! Der Zorn war mir wild erglommen,
Voll Grimmes faßt' ich mein gutes Schwert
Und – Helges Leben war wenig wert.
Doch Ingborg raunte: ›Das Schwert laß fahren!
Er hätte können mir dies ersparen;
Viel trägt das Herz ja, bevor es bricht;
Allvater richtet, ich murre nicht.‹

»Allvater richtet!« streng Frithjof sagte.
»Wenn mir das Richten nun auch behagte?!
Ist heut nicht Balders Mittsommerfest,
Bei dem auch Helge sich blicken läßt?
Mordbrennerfürst, der die Schwester verhandelt,
Die Lust zu richten auch mich anwandelt!«

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