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Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 13
Quellenangabe
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typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Buchschmuck

Elfter Gesang.

Frithjof bei Angantyr.

Vernehmt, was nun zu melden.
Im hohen Föhrensaal
Saß bechernd mit den Helden
Jarl Angantyr beim Mahl.
Er schaute voller Wonne
Wohl auf den Ocean,
In dessen Blau die Sonne
Versank, ein goldner Schwan.

Es hielt am Fensterbogen
Der alte Halwar Wacht,
Der, spähend auf die Wogen,
Des Mets auch hatte acht.
Eins war dem Alten eigen:
Das Horn trank er stets leer
Und reicht' es dann mit Schweigen
Hinein und heischte mehr.

Nun thät er's weithin schnellen,
Und laut er Kunde bot:
»Ein Schiff treibt auf den Wellen,
Wie's scheint, in arger Not.
Schier mit dem Tod sie ringen ...
Nun legen sie an Land ...
Zwei wahre Riesen bringen
Erschöpfte an den Strand.« –

Hin auf der Fluten Spiegel
Vom Saal der Jarl nun sah:
»Das sind Ellidas Flügel,
Dann ist auch Frithjof da.
An diesem stolzen Schreiten
Wird Thorstens Sohn erkannt;
Der Blick loht keines zweiten
So in des Nordens Land.«

Vom Zechtisch da ohn' Zaudern
Sprang Wiking Atle. Traun,
Es machte jeden schaudern,
Den Berserk nur zu schau'n.
»Nun soll es sich erweisen,
Ob Frithjof« – so er schrie –
»Bezaubern kann das Eisen
»Und Gnad' erflehet nie!«

Mit ihm vom Tische sprangen
Zwölf Recken allzumal;
Die Luft durchhauend, schwangen
Sie Kolben wild und Stahl.
Dann stürmten sie zum Strande,
Wo müd' Ellida lag,
Und Frithjof saß im Sande
Und Mut den Seinen sprach.

»Leicht wär's mir, dich zu fällen,«
Anschrie jetzt Atle ihn,
»Doch will ich's frei dir stellen
Zu kämpfen oder fliehn.
Nur Frieden zu begehren
Brauchst du, dann als Genoß
Geleit' ich dich in Ehren
Zu Jarl Angantyrs Schloß.«

»Wohl thät die Fahrt ermüden,«
Sprach Frithjof zornbewegt,
»Doch eh' ich bettle Frieden,
Sei Hand ans Schwert gelegt!«
Der Stahl fuhr auf im Schwunge
Der sonnverbrannten Hand,
Auf Angurwadels Zunge
Stand jede Run' in Brand.

Da blitzten jäh die Klingen,
Da hagelt's Streich um Streich,
Bis daß die Schilde springen
Den Streitenden zugleich;
Wohl trotzten sonder Tadel
Die Kämpen jedem Schlag,
Doch scharf biß Angurwadel,
Und Atles Klinge brach.

Sprach Frithjof: »Nie war Dränger
Schwertlosen dieser Stahl;
Doch lüstet dich's noch länger,
Triff andern Kampfes Wahl.«
Und aufeinander flogen
Sie los in Todeslust
Wie sturmempörte Wogen
Und rangen Brust an Brust.

Sie rangen, wie in Klüften
Zwei Bären tief im Schnee,
Wie Aare hoch in Lüften
Ob sturmgepeitschter See.
Wohl feste Klippen schwankten
Und wurzelten sich los,
Wohl mächt'ge Eichen wankten
Bei minder wucht'gem Stoß.

Vom Schweiß die Ringer dampfen,
Hohl klingt der Brust Gekeuch;
Wie stiebt von ihrem Stampfen
Gestein rings und Gesträuch!
Des Ausgangs harrt mit Zagen
Die Kämpferschar am Strand;
Weit pries in jenen Tagen
Den Strauß das Nordenland.

Ein Griff nun – Frithjofs letzter –
Da lag sein Gegner, ha!
Ihm auf die Brust schnell setzt' er
Das Knie und herrschte da:
»Fort warf ich mir zum Leide
Mein Schwert, sonst – glaube mir! –
Stieß ich's ins Eingeweide,
Schwarzbärt'ger Berserk, dir!«

»Die Sorg' ist nur geringe,«
Voll Trotzes Atle sprach,
»Geh, hole deine Klinge;
Ich liege, wie ich lag.
Der eine wie der andre
Wird einst Walhalla sehn,
Und wie ich heute wandre,
Mußt du wohl morgen gehn.«

Held Frithjof schwingt, weil enden
Das grause Spiel er will,
Sein Schwert mit beiden Händen,
Und still liegt Atle, still.
Vor solch todmut'gem Sinne
Voll Rührung Frithjof stand,
Hielt mit dem Schwertstreich inne
Und bot dem Feind die Hand.

Schrie Halwar: »Euer Raufen
Bringt uns statt Lust nur Qual!
Kommt schnell herbei zu Haufen,
Im Saal winkt längst das Mahl!
Kaum dampfen auf dem Tische
Die Silberschüsseln mehr;
Kalt werden Fleisch und Fische,
Und Durst plagt mich gar sehr!«

Und durch des Hochsaals Pforten
Versöhnt die Helden gehn.
Gar viel schaut Frithjof dorten,
Was er noch nie gesehn.
Die nackte Wand deckt weder
Gebälk noch Borke hier,
Nein, übergüldet Leder
Mit bunter Ranken Zier.

In Saales Mitten Feuer
Auf niederm Herd nicht schien:
Es lehnt sich ans Gemäuer
Ein marmorner Kamin;
So war des Rauchs kein Bleiben
Im Hallenraum hinfür;
Die Fenster zeigten Scheiben,
Ein Schloß war an der Thür.

Es flammt dem Reckenschwarme
Zum Rausch der Kienspan nicht:
Hier senden Silberarme
Ringsum ein Meer von Licht,
Und auf dem Tisch prangt oben
Ein Hirsch, gebraten, frei,
Den Goldhuf sprungerhoben
Und Laubschmuck im Geweih.

Und hinter jedem Stuhle
Steht eine Maid so traut,
Wie aus Gewölk in Thule
Ein Stern holdselig schaut;
Goldlocken wallend kosen,
Und blaue Augen sprüh'n,
Und wie in Runen Rosen,
So rote Lippen blüh'n.

Doch alles schier verdunkelnd
Der Jarl im Hochstuhl sitzt,
Sein Helm wie Sonnen funkelnd,
Von Gold sein Panzer blitzt;
Mit Sternen übersäet
Der reiche Mantel schien,
Der Purpur reich benähet
Mit schneeigem Hermelin.

Vom Tische ging drei Schritte
Entgegen er dem Gast;
Dem Handschlag folgt die Bitte:
»Nimm mir zur Seiten Rast!
Manch Trinkhorn wohl ich leerte
Mit Thorsten einstmals hier;
Sein Sohn, der weitgeehrte,
Nicht sitz' er fern von mir!«

Den Becher füllt der Hohe
Mit Wein von Sikelö;
Der glühte wie die Lohe,
Der schäumte wie die See.
»Ein Gott thät her dich lenken!
Willkommen, Freundessohn!
Auf Thorstens Angedenken!
Wir tranken's oftmals schon.«

Von Morvens Höh'n ein Skalde
Prüft nun der Harfe Klang –
Es scholl wie Sturm im Walde
Der welsche Heldensang;
Doch nach der Väter Weise
Norränisch sang man dann
Ein Lied zu Thorstens Preise,
Und dies den Sieg gewann.

Gar viel der Jarl nun fragte
Nach Freunden fern im Nord,
Und Frithjof Antwort sagte
Mit frohbereitem Wort;
Sein Urteil klang verständig
Und seine Rede schlicht
Und malte doch lebendig,
Wie Saga hält Gericht.

Er sprach von Abenteuern,
Die er im Meer bestand
Mit grausen Ungeheuern,
Von Helge ausgesandt;
Da jauchzten alle Recken,
Da lachte Angantyr,
Und Frithjof ward, dem kecken,
Ihr Beifallssturm dafür.

Man hört' ihn drauf erwähnen
Schön Ingborgs und vernahm
Von der Geliebten Thränen,
Von ihrem tiefen Gram;
Da seufzt' verstohlnerweise
Manch Mädchen; glutentbrannt
Drückt's gern voll Rührung leise
Des treuen Jünglings Hand.

Den Auftrag, wie er's schuldig,
Erledigt Frithjof dann;
Der Jarl hört' ihn geduldig,
Worauf er ernst begann:
»Zins wagt man zu begehren?
Mein Volk ist frei, wie ich!
Stets thät ich Bele ehren,
Doch nie beherrscht' er mich.

»Nicht kenn' ich seine Erben;
Doch wird Tribut begehrt,
Laß sie wie Männer werben,
Ihn fordernd mit dem Schwert.
Auch unser Schwert dann blinket –
Doch Thorsten sah ich gern –«
Und mit der Hand er winket
Der Tochter, die nicht fern.

Auf sprang die Weidenschwanke,
Vom goldnen Stuhl geschnellt,
Zart war der Leib, der schlanke,
Der volle Busen schwellt';
Im Grübchen saß der lose
Schelm Astrild, neckisch froh;
Wohl sitzt im Kelch der Rose
Der Schmetterling also.

Sie sprang zur Kemenate,
Ein Beutelchen holt sie
Von köstlichem Brokate
Es war zu schauen hie,
Vom Silbermond beschienen,
Ein segelvolles Meer,
Das Schloß war von Rubinen,
Von Gold die Quaste schwer.

Den Säckel legt die Holde
Dem Vater in die Hand;
Mit fern gemünztem Golde
Füllt er ihn bis zum Rand.
»Nimm dies als Willkommsgabe!
Mach', was du willst, mit ihr;
Doch diesen Winter labe
Dich, Frithjof, nun bei mir!

»Mut nützt zu allen Zeiten,
Doch wütet jetzt das Meer,
Und Ham und Hejd, sie reiten
Auf Wogen dort einher.
Ellida springt nicht immer
So glücklich, wie sie's pflegt,
Auch fehlt's an Walen nimmer,
Ist einer auch erlegt.«

So scherzte man im Saale
Bis an das Tageslicht
Und trank aus dem Pokale
Wohl Lust doch Rausch sich nicht.
Zum Schluß ließ man erschallen
Vom »Skål dem Jarl!« die Burg...
Hier ließ sich's wohlgefallen
Der Held den Winter durch.

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