Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Esaias Tegnér >

Frithjofs-Sage

Esaias Tegnér: Frithjofs-Sage - Kapitel 12
Quellenangabe
pfad/tegner/frithjof/frithjof.xml
typelegend
authorEsaias Tegnér
titleFrithjofs-Sage
publisherHermann Gesenius
editorPeter Johann Willatzen
translatorG. Mohnike
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110000
projectida065e85c
Schließen

Navigation:
Buchschmuck

Zehnter Gesang.

Frithjofs Meerfahrt.

          Doch am Strand voll Groll
          Und mit grausem Fluch
          König Helge den Troll
          Rief durch Zauberspruch.

Schwarz kommt's da heraufgezogen,
Donner dröhnt im öden Raum,
In der Tiefe brauen Wogen,
Ihre Kämme krönt der Schaum.
Blitze zucken und umziehen
Nachtgewölk mit blut'gem Rand,
Und des Meeres Vögel fliehen,
Schreiend uferwärts gewandt.

           »Hart wird's Wetter, Brüder!
          Schon hör' ich des Sturmes
          Flügel ferne schlagen,
          Doch wir zagen nicht.
          Denk' indes im Haine
          Liebend mein voll Sehnsucht,
          Schön in deinen Thränen,
          Schöne Ingeborg!«

*

          Mit Ellida kam
          Nun ein Trollpaar in Streit:
          Windkalt schnaubend Ham,
          Schneeflockstaubend Hejd.

Los nun sind des Sturmes Schwingen!
Bald taucht sie der Wilde jach
Abgrundtief, um bald zu dringen
Wirbelnd bis ans Himmelsdach.
Alle Schreckensmächte reiten
Auf den Wogen wild zuhauf
Aus dem schäumenden, dem weiten,
Bodenlosen Grab herauf.

          »Schöner ließ sich's fahren
          In des Mondes Schimmer
          Über Spiegelwellen
          Hin zu Balders Hain;
           Wärmer, als es hier ist,
          War's an Ingborgs Herzen;
          Weißer als der Seeschaum
          Hob ihr Busen sich.«

 

          Seht, ein Eiland steigt
          Aus den Wogen dort!
          Steuert hin! Vielleicht
          Bietet's friedlichen Port.

Doch der kühne Wiking zaget
Nicht so leicht auf treuem Kiel,
Steuert froh, denn ihm behaget
Dieser Winde tolles Spiel,
Eilt die Segel mehr zu festen,
Reißt die Wogen schärfer auf,
Rasch gen Westen, rasch gen Westen
Geht es mit der Wellen Lauf.

          »Noch ein Weilchen freut mich's
          Mit dem Sturm zu kämpfen;
          Sturm und Normann ringen
          Stets gern um den Preis.
          Ingborg würd' erröten,
          Wenn ihr Seeaar flöge,
          Scheu vor einem Windstoß,
          Flügelschlaff ans Land.«

*

           Wie sich's bäumt – o Grau'n!
          Tiefer gähnt der Schlund!
          Horch, wie's pfeift in den Tau'n,
          Wie's erkracht im Grund!

Doch ob das Gewog', das jache,
Taumelt auch ohn' Unterlaß,
Trotzt das Götterwerk, der Drache,
Dennoch allem Grimm und Haß,
Setzet mit des Steinbocks Schnelle
Über jede Wogenkluft,
Fährt dahin, gleichwie der helle
Sternschuß blitzt in nächt'ger Luft.

          »Schöner war's zu küssen
          Dort die Braut im Haine,
          Als den Salzschaum kosten,
          Der mich hier umspritzt;
          Schöner zu umarmen
          Dort die Königstochter,
          Als das Steuerruder
          Festzuhalten hier!«

*

          Doch es stöbert wild
          Aus der Wolk' alsbald,
          Und auf Deck und Schild
          Prasselnd Hagel prallt.

Finsternis die Fahrtgenossen
Unsichtbar einander macht,
Wie im Grabgemach umschlossen
Tote Kämpen hält die Nacht.
Wogen wie verzaubert haschen,
Um das Schiff zu ziehn hinab;
Weißgrau, wie bedeckt mit Aschen,
Gähnt ein unermeßlich Grab.

          »Blaue Polster breitet
          Ran uns in der Tiefe,
          Doch mir winken deine
          Polster, Ingeborg!
          Wackre Burschen schwingen
          Hier Ellidas Ruder,
          Und noch hält der Kiel wohl,
          Den ein Gott gebaut!«

*

          Nun ergießt sich, o Schreck!
          Übern Steuerbord
          Eine See, und das Deck
          Spült sie klar sofort.

Streift den Armring, pur von Golde,
Frithjof da vom Handgelenk –
Blank wie Frühlicht glänzt der holde,
Beles fürstliches Geschenk.
Mit dem Schwert zerschlägt er eilend
Das Gebild der Zwergenkunst,
Jeglichem ein Stück verteilend,
Jeglichem bezeigend Gunst.

          »Gold ist gut zu haben,
          Geht man auf die Brautfahrt;
          Niemand nah' der blauen
          Ran mit leerer Hand.
          Wohl ist kalt ihr Kuß nur,
          Flüchtig ihr Umarmen,
          Doch die Meerbraut fesseln
          Wir mit lauterm Gold.«

*

          Mit erneuter Macht
          Ist der Sturmwind da,
          Und die Schote kracht,
          Und es springt die Rah'.

Und das Schiff, schon halb begraben,
Jäh zu entern braust's daher!
Wie sie schöpfen, Frithjofs Knaben
Schöpfen doch das Meer nicht leer.
Und er muß es sich gestehen,
Daß den Tod er hat an Bord;
Lauter läßt als Sturmeswehen
Dröhnen er das Herrscherwort:

          »Björn, herbei ans Ruder!
          Pack's mit Bärentatzen!
          Solches Wetter senden
          Walhalls Mächte nicht.
          Zauber ist im Spiele,
          Den der Schurke Helge
          Uns heraufbeschworen –
          Selbst will ich's erspähn!«

*

          Gleich dem Marder flog
          Er alsbald hinauf
          Und hielt Umschau hoch
          Von des Mastes Knauf.

Wie ein Eiland sieht er schwimmen
Eines Wales Ungetüm
Mit zwei Trollen, feindlich grimmen,
Durch der Wogen Ungestüm.
Hejd zeigt in dem weißen Felle
Zott'gen Eisbärs Mißgestalt,
Ham als Sturmaar schwenket schnelle
Flügel, dräuend mit Gewalt.

          »Nun, Ellida, gilt es!
          Zeig', ob Heldenmut du
          Birgst in eisenfester,
          Wölb'ger Eichenbrust!
           Meinem Wort gehorche,
          Wenn du Göttertochter:
          Mit dem Kupferkiele
          Stoß' den Zauberwal!«

*

          Wie der Ruf erklingt,
          Da voll Kampfeslust
          Auch Ellida springt
          Nach des Wales Brust.

Und gleich einer dunkeln Säule
Blut aus tiefer Wunde raucht,
Und das Untier mit Geheule
In den Abgrund jählings taucht.
Gleicher Zeit jedoch entsendet
Frithjofs Arm ein Lanzenpaar
Und der zott'ge Bär verendet,
Sterben muß des Sturmes Aar.

          »Brav, Ellida, trafst du!
          Nicht so bald steigt, glaub' ich,
          Helges Zauberdrache
          Aus dem Meer herauf.
          Hejd und Ham auch halten
          Wohl die See nicht länger:
          Bitter ist's zu beißen
          In den blauen Stahl.«

           Aber plötzlich legt
          Sich der Sturm zur Ruh',
          Nur ein Schaumberg trägt
          Dort der Insel zu.

Durchs Gewölk tritt da die Sonne
Wie ein König in den Saal,
Neubelebend gießt sie Wonne
Über Woge, Berg und Thal.
Letzte Purpurstrahlen brennen
Noch auf Fels und Wiesengrund,
Und den grünen Strand erkennen
Alle froh als Efjesund.

          »Ingborgs Bitten stiegen,
          Maide bleich, gen Walhall,
          Beugten lilienweiße
          Knie' auf Göttergold.
          Blauer Augen Zähren,
          Schwanenbusens Flehen
          Rührten Asenherzen –
          Ihnen werde Dank.«

*

          Doch des Wales Stoß
          Traf Ellida schwer,
          Und sie schleichet bloß
          Wie erschöpft durchs Meer.

Aber noch erschöpfter, müder
Sind die Mannen Frithjofs doch;
Kaum, gestützt aufs Schwert die Glieder,
Halten sie sich aufrecht noch;
Auf gewalt'ger Schulter brachte
Vier derselben Björn ans Land,
Frithjof aber ihrer achte
Zu dem schnell entfachten Brand.

          »Schämt euch nicht, ihr Bleichen!
          Wog' ist wilder Wiking,
          Schwer auch zu bekämpfen
          Sind die Meeresfrau'n.
          Seht, da kommt das Methorn
          Wandernd auf dem Goldfuß!
          Wärmt erfror'ne Glieder!
          Trinkt auf Ingborgs Wohl!«

Buchschmuck
 << Kapitel 11  Kapitel 13 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.