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Friedrich Hölderlin: Friedrich H - Der Frieden
Quellenangabe
typepoem
booktitleGesammelte Werke
authorFriedrich Hölderlin
editorBernt von Heiseler
year1954
publisherC. Bertelsmann Verlag
addressGütersloh
titleDer Frieden
pages137-138
created20030213
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Friedrich Hölderlin

Der Frieden

              Wie wenn die alten Wasser, die . . .
                                                . . . in andern Zorn
        In schrecklichern verwandelt wieder
            Kämen, zu reinigen, da es not war,

So gählt' und wuchs und wogte von Jahr zu Jahr
    Ratlos und überschwemmte das bange Land
        Die unerhörte Schlacht, daß weit hüllt
            Dunkel und Blässe das Haupt der Menschen.

Die Heldenkräfte flogen, wie Wellen, auf
    Und schwanden weg, du kürztest, o Rächerin!
        Den Dienern oft die Arbeit schnell und
            Brachtest in Ruhe sie heim, die Streiter.

O du, die unerbittlich und unbesiegt
    Den Feigern und den Übergewaltgen trifft,
        Daß bis ins letzte Glied hinab vom
            Schlage sein armes Geschlecht erzittert,

Die du geheim den Stachel und Zügel hältst,
    Zu hemmen und zu fördern, o Nemesis,
        Strafst du die Toten noch, es schliefen
            Unter Italiens Lorbeergärten

Sonst ungestört die alten Eroberer.
    Und schonst du auch des müßigen Hirten nicht,
        Und haben endlich wohl genug den
            Üppigen Schlummer gebüßt die Völker?

Wer hub es an? wer brachte den Fluch? von heut
    Ists nicht und nicht von gestern, und die zuerst
        Das Maß verloren, unsre Väter
            Wußten es nicht, und es trieb ihr Geist sie.

Zu lang, zu lang schon treten die Sterblichen
    Sich gern aufs Haupt, und zanken um Herrschaft sich,
        Den Nachbar fürchtend, und es hat auf
            Eigenem Boden der Mann nicht Segen.

Und unstät wehn und irren, dem Chaos gleich,
    Dem gärenden Geschlechte die Wünsche noch
        Umher, und wild ist und verzagt und kalt von
            Sorgen das Leben der Armen immer.

Du aber wandelst ruhig die sichre Bahn,
    O Mutter Erd, im Lichte. Dein Frühling blüht,
        Melodischwechselnd gehn dir hin die
            Wachsenden Zeiten, du Lebensreiche!

Komm du nun, du der heiligen Musen all,
    Und der Gestirne Liebling, verjüngender
        Ersehnter Friede, komm und gib ein
            Bleiben im Leben, ein Herz uns wieder.

Unschuldiger! sind klüger die Kinder doch
    Beinahe denn wir Alten; es irrt der Zwist
        Den Guten nicht den Sinn, und klar und
            Freudig ist ihnen ihr Auge blieben.

Und wie mit andern Schauenden lächelnd ernst
    Der Richter auf der Jünglinge Rennbahn sieht,
        Wo glühender die Kämpfenden die
            Wagen in stäubende Wolken treiben,

So steht und lächelt Helios über uns
    Und einsam ist der Göttliche, Frohe nie,
        Denn ewig wohnen sie, des Äthers
            Blühende Sterne, die Heiligfreien.

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