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Friedrich Hölderlin: Friedrich H - Chiron
Quellenangabe
typepoem
booktitleGesammelte Werke
authorFriedrich Hölderlin
editorBernt von Heiseler
year1954
publisherC. Bertelsmann Verlag
addressGütersloh
titleChiron
pages170-171
created20030213
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Friedrich Hölderlin

Chiron

            Wo bist du, Nachdenkliches! das immer muß
    Zur Seite gehn, zu Zeiten, wo bist du, Licht?
        Wohl ist das Herz wach, doch mir zürnt, mich
            Hemmt die erstaunende Nacht nun immer.

Sonst nämlich folgt' ich Kräutern des Walds und lauscht'
    Ein weiches Wild am Hügel; und nie umsonst.
        Nie täuschten, auch nicht einmal deine
            Vögel; denn allzubereit fast kamst du,

So Füllen oder Garten dir labend ward,
    Ratschlagend, Herzens wegen; wo bist du, Licht?
        Das Herz ist wieder wach, doch herzlos
            Zieht die gewaltige Nacht mich immer.

Ich wars wohl. Und von Krokus und Thymian
    Und Korn gab mir die Erde den ersten Strauß.
        Und bei der Sterne Kühle lernt' ich,
            Aber das Nennbare nur. Und bei mir

Das wilde Feld entzaubernd, das traurge, zog
    Der Halbgott, Zeus Knecht, ein, der gerade Mann;
        Nun sitz ich still allein, von einer
            Stunde zur anderen, und Gestalten

Aus frischer Erd und Wolken der Liebe schafft,
    Weil Gift ist zwischen uns, mein Gedanke nun;
        Und ferne lausch ich hin, ob nicht ein
            Freundlicher Retter vielleicht mir komme.

Dann hör ich oft den Wagen des Donners
    Am Mittag, wenn er naht, der bekannteste,
        Wenn ihm das Haus bebt und der Boden
            Reiniget sich, und die Qual Echo wird.

Den Retter hör ich dann in der Nacht, ich hör
    Ihn tötend, den Befreier, und drunten voll
        Von üppgem Kraut, als in Gesichten,
            Schau ich die Erd, ein gewaltig Feuer;

Die Tage aber wechseln, wenn einer dann
    Zusiehet denen, lieblich und bös, ein Schmerz,
        Wenn einer zweigestalt ist, und es
            Kennet kein einziger nicht das Beste;

Das aber ist der Stachel des Gottes; nie
    Kann einer lieben göttliches Unrecht sonst.
        Einheimisch aber ist der Gott dann
            Angesichts da, und die Erd ist anders.

Tag! Tag! Nun wieder atmet ihr recht; nun trinkt,
    Ihr meiner Bäche Weiden! ein Augenlicht,
        Und rechte Stapfen gehn, und als ein
            Herrscher, mit Sporen, und bei dir selber

Örtlich, Irrstern des Tages, erscheinest du,
    Du auch, o Erde, friedliche Wieg, und du,
        Haus meiner Väter, die unstädtisch
            Sind, in den Wolken des Wilds, gegangen.

Nimm nun ein Roß, und harnische dich und nimm
    Den leichten Speer, o Knabe! Die Wahrsagung
        Zerreißt nicht, und umsonst nicht wartet,
            Bis sie erscheinet, Herakles Rückkehr.

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