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Friedrich Hölderlin: Friedrich H - Versoehnender, der du nimmergeglaubt
Quellenangabe
typepoem
booktitleWerke, Band 1: Gedichte
publisherAtlantis Verlag
titleVersoehnender, der du nimmergeglaubt
authorFriedrich Hölderlin
year1944
pages309-313
sendernussbaum@solnet.ch
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Friedrich Hölderlin

Versöhnender, der du nimmergeglaubt ...

(Entwurf zur Friedensfeier)

Versöhnender, der du nimmergeglaubt
Nun da bist, Freundesgestalt mir
Annimmst Unsterblicher, aber wohl
Erkenn ich ... das Hohe
Das mir die Knie beugt,
Und fast wie ein Blinder muß ich
Dich, himmlischer Bote, fragen, wozu du mir,
Woher du seiest, seliger Friede!
Dies Eine weiß ich, sterbliches bist du nichts
Denn manches mag ein Weiser oder
Treuanblickender Freunde einer erhellen, wenn aber
Ein Gott erscheint, auf Himmel und Erd und Meer
Kömmt allerneuende Klarheit.

Einst freueten wir uns auch,
Zur Morgenstunde, wo stille die Werkstatt war
Am Feiertag, und die Blumen in der Stille
Wohl blühten schöner auch sie und helle quillten lebendige Brunnen.
Fern rauschte der Gemeinde schauerlicher Gesang,
Wo heiligem Wein gleich, die geheimeren Sprüche
Gealtert, aber gewaltiger einst, aus Gottes
Gewittern im Sommer gewachsen,
Die Sorgen doch mir stillten
Und die Zweifel, aber nimmer wußt ich, wie mir geschah,
Denn kaum geboren, warum breitetet
Ihr mir schon über die Augen eine Nacht,
Daß ich die Erde nicht sah, und mühsam
Euch atmen mußt, ihr himmlischen Lüfte.

Zuvorbestimmt wars. Und es lächelt Gott
Wenn unaufhaltsam, aber von seinen Bergen gehemmt
Ihm zürnend in den ehernen Ufern brausen die Ströme,
Tief, wo kein Tag die begrabenen nennt,
Und o, daß immer, allerhaltender, du auch mich
So haltest und leichtentfliegende Seele mir sparest,
Drum hab ich heute das Fest, und abendlich in der Stille
Blüht rings der Geist, und wär auch silbergrau mir die Locke,
Doch würd ich raten, daß wir sorgten, ihr Freunde,
Für Gastmahl und Gesang und Kränze genug und Töne,
Bei solcher Zeit unsterblichen Jünglingen gleich.

Und manchen möcht ich laden, aber o du,
Der freundlichernst den Menschen zugetan
Dort unter syrischer Palme,
Wo nahe lag die Stadt, am Brunnen gerne weilt',
Das Kornfeld rauschte rings, still atmete die Kühlung
Vom Dunkel des geweiheten Gebirgs,
Und die lieben Freunde, das treue Gewölk,
Umschatteten dich auch, damit der reine, kühne
Durch Wildnis mild der Strahl von oben kam zu Menschen.
Ach! aber dunkler umschattete, mitten im Wort dich
Furchtbarentscheidend ein tödlich Verhängnis. So ist schnell
Vergänglich alles Himmlische; aber umsonst nicht.

Denn schonend rührt, des Maßes allzeit kundig,
Nur einen Augenblick die Wohnungen der Menschen
Ein Gott an, unversehn, und keiner weiß es, wer?
Und drüber hin darf alles Freche gehn,
Und kommen muß zum heilgen Ort das Wilde
Von Enden fern, und blindbetastend übt den Wahn
Am Göttlichen und trifft daran ein Schicksal. Aber
Dank folgt niemals auf dem Fuße solchem Geschenke.
Zu schwer ist solches zu fassen,
Denn wäre der es gibt, nicht sparsam,
Längst wäre vom Segen des Herds
Uns Dach und Boden entzündet.

Des Göttlichen aber empfingen wir
Doch viel. Es ward die Flamm uns
In die Hände gegeben und Boden und Meersflut.
Viel mehr denn nur auf menschliche Weise, nimmermehr
Sind jene mit uns die fremden Kräfte vertraut,
Und es lehret das Gestirn dich, das
Vor Augen dir ist, und nimmer kannst du ihm gleichen,
Dem Alllebendigen, aber von dem
Viel Freuden sind und Gesänge.
Ist einer ein Sohn, ein Ruhigmächtiger ist er,
Denn nun erkennen wir ihn,
Jetzt da wir kennen den Vater,
...............
Und Feiertage zu halten
Der Hohe sich der Geist
Froh zu den Menschen geneigt hat.
Ist rätselhaft der Ruhigmächtige nimmer.

Denn versiegt fast, all in Opferhainen
War ausgeatmet das heilige Feuer,
Da schickte schnellentzündend der Vater
Das liebendste, was er hatte, herab
Damit entbrennend.
Und wenn fortzehrend von Geschlecht zu Geschlecht,
Die Menschen wären des Segens zu voll,
Daß jeder sich genügt und übermütig vergäße des Himmels,
Dann, sprach er, soll ein neues beginnen,
Und suchen was du verschwiegest,
Der Zeiten Vollendung hat es gebracht.
Wohl wußtest du es, aber nicht zu leben, zu sterben warst du gesandt,
Und immer größer, denn sein Feld, wie der Götter Gott
Er selbst, muß einer der anderen auch sein.

Es mag ein Gott auch, Sterblichen gleich
Erwählen ein Tagewerk und teilen alles das Schicksal
Daß alle sich einander erfahren,
Und wenn die Stille wiederkehret, eine Sprache unter Lebenden sei.
Wie der Meister tritt er dann, aus der Werkstatt
Geringer und größer,
Und ander Gewand nicht denn ein festliches ziehet er an.
Und andere sind noch bei ihm,
Und der Vater thront nimmer oben allein.
Viel hat erfahren der Mensch,
Der Himmlischen viele genannt,
Seit ein Gespräch wir sind
Und hören können voneinander.
Die Gesetze aber,
Die unter den Liebenden gelten,
Die schönausgleichenden sie sind dann allgeltend
Von der Erde bis hoch in den Himmel.

Ein Chor nun sind wir. Drum soll alles Himmlische was genannt war,
Eine Zahl geschlossen, heilig, ausgehn rein aus unserem Munde.
Denn sieh! es ist der Abend der Zeit,
Die Stunde wo die Wanderer lenken zu der Ruhstatt.
Es kehrt bald Ein Gott um den anderen ein.
Daß aber ihr geliebtestes auch, an dem sie alle hängen, nicht fehle,
Und Eines alle in dir, sie all, sein,
Und alle Sterblichen seien, die wir kennen bis hieher.
Darum sei gegenwärtig, Jüngling. Keiner, wie du, gilt statt der übrigen alle.
Darum haben die, denen du es gegeben,
Die Sprache alle geredet,
Und du selber hast es gesagt, daß in Wahrheit wir auf Höhen
Und geistig auch anbeten werden in Tempeln.
Selig warst du damals aber seliger jetzt,
Wenn wir des Abends mit den Freunden dich nennen
Und singen von den Höhen und rings um dich
Die Deinigen alle sind. Abgelegt nun ist die Hülle.
Bald wird auch noch anderes klar sein,
Und wir fürchten es nicht.

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