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Freundschaft mit Oscar Wilde

Alfred Douglas: Freundschaft mit Oscar Wilde - Kapitel 32
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typebiography
authorLord Alfred Douglas
titleFreundschaft mit Oscar Wilde
publisherPaul List Verlag
year1929
translatorE. Mc Calman
correctorJosef Muehlgassner
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30. Kapitel – Olive

Gleich nach meiner Ankunft in London schrieb ich an Olive und bat sie, mich zu besuchen. Ein Brief von ihr, den ich nach meiner Rückkehr vorfand, hatte mich in Erstaunen gesetzt, denn sie teilte mir mit, daß sie sich mit George Montagu verlobt hätte. George Montagu, jetzt Graf Sandwich, war mit mir zusammen in der Schule in Winchester gewesen, das heißt, er kam hin, als ich nur noch zwei Jahre dort zu absolvieren hatte. Folglich war er ungefähr drei oder vier Jahre jünger als ich. In Winchester war er ein blonder, blauäugiger, hübscher Knabe mit einschmeichelndem Wesen; ich hatte ihn sehr gern gemocht, obgleich er mir später erzählte, daß ich ihn in Winchester unbarmherzig schikaniert hätte. Ich glaube zwar, daß mein »Schikanieren« nur »Necken« gewesen ist, was unter Schuljungen oft ein Zeichen der Zuneigung bedeutet. Jedenfalls interessierte ich mich sehr für ihn, und später, als er älter wurde, waren wir recht gute Freunde. Wenn ich von Oxford auf einen Tag nach Winchester kam, was häufig geschah, war George, oder »Jidge«, wie ich ihn damals nannte, der allererste, den ich aufsuchte. Seine Mutter, Lady Montagu, war innig mit meiner Mutter befreundet. Ich war einmal ihr Gast in Wherwell Priory, dem schönen alten Haus am Fluß Test, wo die Familie damals lebte.

Nach der Wilde-Affäre ging ich ins Ausland und blieb ein paar Jahre fort. Nach meiner Rückkehr behandelten mich viele meiner früheren Freunde sehr kühl, und andere »schnitten« mich. Da ich über das Privatleben dieser Männer unterrichtet war und wußte, daß ihr Verhalten mir gegenüber in neunundneunzig unter hundert Fällen nicht von ethischen Rücksichten diktiert wurde, sondern einfach von Snobismus, Heuchelei und Feigheit, machte ich mir nichts aus ihrem Benehmen. Von mir aus konnten sie alle »zum Teufel gehen« (und in vielen Fällen hat mich der Teufel beim Wort genommen!). Von dieser Zeit an bis auf den heutigen Tag habe ich es mir zur Regel gemacht, Bekannte niemals zuerst zu begrüßen, sondern zu warten, bis sie mich anreden.

Trotzdem aber gab es noch eine ganze Menge Menschen, die anscheinend jetzt noch ebenso erfreut waren, mich zu sehen, als sie es in meinen glücklichen Tagen gewesen waren. Sonderbarerweise (oder vielleicht ist es gar nicht sonderbar) waren es gerade diejenigen, deren Privatleben am meisten zu wünschen übrig ließ, die unliebenswürdig zu mir waren. Jedenfalls kam mir George Montagu ebenso herzlich wie früher entgegen. Während der zwei oder drei Monate, die ich in London verbrachte, ehe ich nach Amerika fuhr, waren wir sogar sehr viel zusammen. George wurde in dieser Zeit von seinen Eltern »sehr knapp gehalten«, und sein Onkel, der alte Lord Sandwich war keineswegs das, was man einen »guten Kerl« nennt, wenigstens nicht seinem Neffen und Erben gegenüber. Ich war damals immer »bei Kasse«, denn ich hatte das von meinem Vater geerbte Geld noch nicht alles ausgegeben. Diese Tatsache vermehrte sicherlich meine Anziehungskraft in Georges Augen sowie in denen anderer junger Leute, die sich nicht genierten, in Lord Alfred Douglas' Gesellschaft in Restaurants, Klubs, Variétés und anderen ähnlichen Vergnügungsplätzen gesehen zu werden.

Gerade zur Zeit, als George und ich fast unzertrennlich waren und er fast jeden Tag mein Gast beim Mittag- und Abendessen war und in meiner Wohnung ein und aus ging, als wäre sie seine eigene, beschlossen seine Eltern, daß er sich zum Abgeordneten aufstellen lassen sollte. Als sie erfuhren, daß er so viel bei mir war, sagten sie ihm, daß es eine Vorbedingung zu seiner Wahlkampagne sei, meine Gesellschaft zu meiden. Das tat er, ohne sich die geringsten Gewissensbisse zu machen. Ich war sehr ärgerlich und auch tief gekränkt, und als mir die Bedeutung seiner Handlungsweise klar wurde, schrieb ich ihm und sagte ihm gehörig meine Meinung. Später schrieb ich auch ein Sonett über diesen Vorfall, »Der Verräter«, das man in meinem Band » Collected Poems« lesen kann.

Wie es immer in solchen Fällen geschieht, spielte sich der Schuldige als der Gekränkte auf und redete sich schließlich fest ein, daß er sehr schlecht behandelt worden sei. George konnte nichts auf meine Briefe erwidern, und anstatt mich aufzusuchen und mir sein Benehmen zu erklären, ignorierte er sie einfach. Ungefähr um diese Zeit schrieb ich mein wenig schmeichelhaftes Sonett über ihn und schickte es ihm. Jetzt finde ich mein Sonett natürlich lächerlich, obgleich es vom dichterischen Standpunkt aus betrachtet eins der besten ist, die ich jemals geschrieben habe. Ich glaube, George begriff einfach gar nicht, worüber ich »so viel Aufhebens« machte. Es erschien ihm ganz natürlich und unvermeidlich, daß er in dem Augenblick, in dem der Vorteil es erforderte, seinen Freund einfach fallen ließ. Bei meinem Temperament kam mir, dem Schotten, sein Benehmen wie der schwärzeste Verrat vor, während er nur eine Weltklugheit darin sah. Darum wohl kam er sich zum Schluß, wie gesagt, sehr schlecht behandelt vor und versäumte nicht, es allen Leuten zu erzählen.

Dann fuhr ich nach Amerika, und unterdessen begegnete George Olive. Olives Interesse für ihn hatte seinen Ursprung in der Tatsache, daß er früher mit mir befreundet gewesen war. Sie suchte seine Gesellschaft nur, weil sie gern mit ihm von mir plauderte. George erzählte ihr, daß ich mich sehr schlecht gegen ihn benommen hätte, und er zeigte ihr auch meine Briefe. Aber da kam er an die falsche Adresse, denn Olive sagte ihm ganz offen; sie fände im Gegenteil sein Benehmen mir gegenüber niederträchtig und unwürdig. George nahm sich ihre Worte so zu Herzen, daß er sich in langen Erklärungen und Entschuldigungen über seine Handlungsweise erging. Er war ein sehr geschickter Mimiker, und es machte Olive Spaß, zu sehen, wie gut er »Bosie« in dieser oder jener Situation nachahmen konnte. Das Resultat war, daß sie sich sehr befreundeten. Olive machte kein Geheimnis aus der Tatsache, daß sie mich vergötterte, aber sie stimmte mit George überein, wenn er sagte (und er wiederholte es andauernd), daß eine Ehe zwischen uns ganz unmöglich sei, und daß ich gar nicht ernstlich daran denke. Unter diesen Umständen war es kein Wunder, daß sie ihn, als er ihr fortwährend seine Liebe versicherte und ihr Heiratsanträge machte, schließlich erhörte. Ihre Mutter, die keine Ahnung von ihrer Liebe zu mir hatte, tat alles, was in ihrer Macht lag, um ihre Freundschaft mit George zu fördern. Olive gibt auch zu, daß es unrecht von ihr war, sich mit George zu verloben. Als es geschah, hatte sie auch wirklich die Absicht, ihn zu heiraten. Aber mit Recht sagt sie, daß sie ein viel größeres Unrecht gegen ihn, mich und sich selber begangen hätte, wenn diese Heirat zustande gekommen wäre, nachdem sie sich klar geworden war, daß sie mich liebte und George nur »sehr gern hatte«.

Ich will nichts gegen George sagen. Er war einmal mein Freund, und ich sehe jetzt ein, daß ich damals viel mehr für ihn übrig gehabt haben muß als er für mich, denn mir wäre es nie im Traume eingefallen, mit ihm zu brechen, bloß »um meiner Familie gefällig« zu sein oder um meine Wähler zu beruhigen. Die kaltblütige Art, wie er mich fallen ließ, erbitterte mich natürlich sehr gegen ihn. Als ich bei meiner Rückkehr aus Amerika hörte, daß er sich mit Olive verlobt hatte, wallte das Blut meiner hundert Douglas-Ahnen in mir auf, und ich sagte mir: »Nein, mein Junge, nicht, solange ich lebe!« Außer meiner Armut konnten die Verwandten Olives nichts gegen mich als Bewerber einwenden, was nicht auch George, dem Winchester-Schüler, vorzuwerfen wäre. Nachdem er mich so behandelt hatte, war mein Vertrauen zu seiner Treue stark erschüttert, und ich beschloß, schnell und energisch zu handeln. Ich lud Olive ein, mit mir ins Restaurant zu gehen. Sie kam, und als sie mir sagte, daß sie nur eingewilligt hätte, George zu heiraten, weil sie dachte, daß ich sie nicht haben wollte und unwiderruflich beschlossen hätte, eine »reiche Amerikanerin« zu heiraten, erwiderte ich ihr, daß ich sie vergötterte und mir niemals etwas aus einem anderen Mädchen gemacht hätte. Meinen Plan, eine reiche Amerikanerin zu heiraten, hätte ich aufgegeben und wäre darum so schnell nach England zurückgekehrt, weil ich nicht ohne sie leben könne. Nur deshalb hätte ich nicht um sie angehalten, weil ich es für unfair hielt, es zu tun, solange ich mittellos und von meiner Mutter abhängig war. Diese Unterredung fand in Kettners Restaurant statt. Schließlich, nach einer langen Diskussion, und weil Olive mir immer wieder beteuerte, daß sie nie einen anderen als mich geliebt hätte, bat ich sie, mit mir zu fliehen. Ich sagte ihr, daß es die einzige Möglichkeit für uns sei, uns zu heiraten, denn ihre Verwandten würden, sobald sie Wind von unserem Plan bekämen, alle Hebel in Bewegung setzen, uns für immer zu trennen.

Wir beschlossen also, uns einige Tage darauf wieder zu treffen. Sonderbarerweise wählten wir das obere Zimmer des kleinen Bilderladens von Robert Ross in der Ryder-Street (natürlich mit Ross' Einwilligung). Olive sollte am Tage darauf nach Hinchingbroke fahren, dem Gut Lord Hinchingbrokes, um das Wochenende dort zu verbringen und Georges Familie kennenzulernen. Sie erzählte mir, daß ihre Mutter morgens einen Brief vom König erhalten hätte, in dem er sie zur Verlobung ihrer Tochter mit George beglückwünschte. Ich sagte ihr, daß ich eine Befreiung vom kirchlichen Aufgebot beschaffen würde, während sie in Hinchingbroke weilte. Falls sie sich nicht inzwischen anders besonnen hätte, würde ich sie am folgenden Dienstag morgen, dem 4. März 1902, vor der St. Georgskirche auf dem Hannover-Platz um neun Uhr erwarten.

Ich sah sie erst zur verabredeten Zeit wieder. Bis zur letzten Stunde war ich mir nicht ganz sicher, ob sie kommen würde. Sie wohnte in der Dover-Street bei ihrer Mutter und mußte ihre Sachen am Abend vorher mit der Hilfe ihrer Jungfer, die sie ins Vertrauen zog, packen. Ihrer Mutter sagte sie, daß sie einen Tag, den Dienstag, bei ihrer früheren Erzieherin verbringen wolle, die irgendwo in einem Vorort wohnte. Auf diese Weise konnte sie, ohne aufzufallen, frühmorgens das Hotel verlassen. Ihre Jungfer ging ihr voraus mit ihrem kleinen Handkoffer – mehr hatte sie nicht herausschmuggeln können – nach dem Bahnhof.

Ich kam also zehn Minuten vor neun Uhr vor der Kirche an, von meiner Schwester, Lady Edith Fox-Pitt begleitet. Ich hatte diese am Abend vorher überredet, mitzukommen, um uns zu unterstützen. Die treue Seele erfüllte meine Bitte und mußte nachher, was zu erwarten war, sehr viele Vorwürfe deswegen ertragen. Im letzten Moment hatte ich auch meiner Mutter von meiner Absicht gesagt. Meine geliebte Mutter gab mir zweihundert Pfund, ihre herzlichsten Glückwünsche, einen Brillantring für Olive und ihr Versprechen, mir eine jährliche Rente auszusetzen. Mein Freund Cecil Hayes, der bekannte Anwalt, der damals Lord Denbighs Privatsekretär war und später mein Verteidiger in verschiedenen Prozessen wurde, kam auch zur Kirche und gab uns nachher das Geleit zum Bahnhof. Meine geliebte kleine Olive kam ›auf die Minute‹, und wir wurden getraut. Kurz ehe unser Zug abfuhr, schickte sie ein Telegramm an ihre Mutter, um ihr das Geschehene mitzuteilen und ihr unsere Adresse in Paris zu geben. Später erfuhr ich, daß Robert Ross während der Trauung ganz hinten in der Kirche gesessen hatte. Ich hatte ihn ins Vertrauen gezogen, weil Olive und ich uns manchmal in seinem kleinen Bilderladen in der Ryder-Street getroffen hatten. Aus mir unerklärlichen Gründen schien Ross unsere Heirat zu mißbilligen. Trotzdem war er weiter äußerlich mit uns befreundet, trug stets eine tiefe Verehrung für Olive zur Schau und gab sich die größte Mühe, ihr zu gefallen. Meine Frau jedoch, die immer eine sehr feine Intuition hatte, konnte ihn nicht leiden und traute ihm auch nie.

Unsere heimliche Trauung erregte, wie man sich denken kann, großes Aufsehen. König Eduard soll »sehr böse« gewesen sein, aber ich habe nie einsehen können, was es ihn überhaupt anging. Die Montagus und Yorkes machten natürlich einen furchtbaren »Krach« und steigerten sich in eine unbeschreibliche Wut und Empörung hinein, der arme George ausgenommen, der nur eine tiefbekümmerte und würdevolle Miene zur Schau trug. Mrs. Custance war in großer Aufregung, und Oberst Custance, der eben vom südafrikanischen Kriegsschauplatz zurückgekehrt war, führte alle die üblichen Gesten aus, die man von dem beleidigten Vater einer durchgegangenen Tochter erwartet. Ich kann es ihm im übrigen gar nicht verdenken. Natürlich war es für ihn ein sehr schwerer Schlag, daß seine älteste Tochter und Erbin – sein Besitz war ihr als unveräußerliches Erblehen vermacht – eine so gute Partie wie George, den Erben eines Grafentums und eines jährlichen Einkommens von mindestens dreißigtausend Pfund, verschmäht hatte und mit einem völlig mittellosen jüngeren Sohn eines Lords durchgegangen war, der außerdem in den allerschlimmsten Skandal verwickelt gewesen war, den London seit hundert Jahren gekannt hatte (wenn es noch etwas gibt, das ich in dieser Liste meiner Nachteile zu erwähnen vergessen habe, bitte ich den Leser, es ad libitum hinzuzufügen).

Das erste, was Oberst Custance komischerweise tat, als er die Nachricht erhielt, war, nach Scotland Yard zu stürzen und dort Erkundigungen über mich einzuziehen! Er war zweifellos enttäuscht, als man ihm mitteilte, daß ihnen nichts Nachteiliges über mich bekannt sei, und ich, soviel sie wüßten, ein Muster aller erdenklichen Tugenden wäre. Als er sich viele Jahre später an das Vormundschaftsgericht wandte mit der Absicht, mir mein einziges Kind nehmen zu lassen, konnte er nichts Schlimmeres über mich in Erfahrung bringen, als daß ich »sehr jähzornig« sei und »der Religion allzuviel Wichtigkeit beimesse«! Einige Wochen nach unserer Trauung jedoch erklärte mein Schwiegervater, daß er uns »verziehen« habe, und lud uns ein, vierzehn Tage nach seinem Haus in Norfolk, Weston Old Hall, zu kommen. Bis zu jenem Augenblick haben er und auch Mrs. Custance sich vollkommen korrekt benommen.

Inzwischen verlebten Olive und ich eine herrliche Zeit – die glücklichste unseres Lebens – in Paris im Hotel Rastadt, das jetzt nicht mehr existiert. Trotz des Schmutzes und der Steine, mit denen man mich seit über dreißig Jahren beworfen hat, und auch hin und wieder einmal meine Frau, besteht unsere Ehe noch. Obgleich wir uns schließlich elf Jahre später trennten, sind wir trotz fast übermenschlicher Bemühungen (ich könnte eher sagen: unmenschlicher und teuflischer Bemühungen), unsere Ehe zu zerstören und uns zu einer Scheidung zu zwingen, noch verheiratet und lieben uns nach wie vor sehr. Es ist eine erstaunliche Tatsache, daß manche Menschen – einer inbegriffen, der den allerbesten Grund haben müßte, das positive Gegenteil zu wissen – versucht haben, unsere Ehe als ein Fiasko hinzustellen, und behaupten, daß sie nach unserem kurzen Honigmond, dem die Geburt unseres Sohnes Raymond folgte, nur »dem Namen nach« eine Ehe gewesen sei. Ich wüßte nichts, was unwahrer und lächerlicher wäre. Ich denke nicht daran, Beweise herbeizuziehen, obgleich ich es könnte, und zwar schon durch unsere Briefe, die wir während unserer ganzen Ehe bis kurz vor unserer Trennung und, eine kurze Zeit der Entfremdung ausgenommen, bis auf den heutigen Tag ausgetauscht haben. Normalerweise würde man es für überflüssig halten, Worte über eine Sache zu verlieren, die schließlich eine Privatangelegenheit zwischen Mann und Frau ist. Doch für die Nachwelt, die sich so sicher, wie es eine Sonne am Himmel gibt, mit dieser Frage befassen wird, will ich hier ein für allemal die Tatsache feststellen, daß alle die niederträchtigen Versuche unserer lieben Mitmenschen, unsere Ehe zu zerstören und mir die Liebe meiner Frau zu rauben, niemals einen wirklichen Erfolg hatten. Im Jahre 1907 veröffentlichte ich in der »Academy« die Serie von Sonetten, die in meinem Gedichtband »Collected Poems« unter dem Titel »An Olive« erschienen sind.

Diese Sonette werden immer bleiben, und die Fluten aller Meere können sie nie verwischen.

Eins davon will ich hier anführen:

To Olive

When we were Pleasure's minions, you and I,
When we mocked grief and held disaster cheap,
And shepherded all joys like willing sheep
Who love their shepherd; when a passing sigh
Was all the cloud that flecked our summer sky, –
I floated on an unimagined deep,
I loved you as a tired child loves sleep,
I lived and loved and laughed, and knew not why.
Now I have known the uttermost rose of love,
(The world is very strong, but love is stronger).
I love you so, I have no time for hate
Even those wolves without. The great winds move
All their dark batteries to our fragile gate.
The years are very long, but love is longer.

An Olive

Da wir lieb Kind der Lust noch, ich und Du,
Und lachten alles Unheils dieser Erde,
Und aller Wonnen willige Lämmerherde
Froh weideten in blauen Himmelsruh',

Da träumt ich ahnungslos auf alles zu;
Ich liebte Dich ohn' jegliche Beschwerde,
Wie Kind den Schlaf, und fragte nicht was werde,
Ich lebte, lachte – und wußte nicht wozu.

Jetzt kenne ich der Liebe vollste Glut
(Die Welt ist stark, doch stärker ist die Liebe)
Ich lieb' Dich so, daß keine Zeit mir bliebe

Zu Hassen – nicht einmal der Wölfe Wut
Da draußen und des Sturmwinds finstre Not,
Der fauchend unsre schwache Tür bedroht.

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