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Freundschaft mit Oscar Wilde

Alfred Douglas: Freundschaft mit Oscar Wilde - Kapitel 26
Quellenangabe
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typebiography
authorLord Alfred Douglas
titleFreundschaft mit Oscar Wilde
publisherPaul List Verlag
year1929
translatorE. Mc Calman
correctorJosef Muehlgassner
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24. Kapitel – Aus dem Zuchthaus entlassen

Die Briefe, die Oscar mir um diese Zeit schrieb, waren, wie ich schon gesagt habe, in einem etwas herablassenden Ton gehalten, den ich, trotz meiner Liebe zu ihm, nicht lange ertragen konnte. Ich erwiderte in einem energischen Brief, daß seine Stellungnahme mir gegenüber nicht nur ungerecht, sondern auch undankbar und seiner unwürdig sei und, wie ich hoffte, nur den psychologischen Wirkungen seiner Zeit im Gefängnis zuzuschreiben, die er aber abschütteln würde, sobald er sich geistig und körperlich erholt hätte. Das Resultat war, daß Oscar allmählich den herablassenden und nörgelnden Ton aufgab. Seine Briefe wurden immer liebevoller, und er machte kein Hehl mehr daraus, daß er sich nach einem Wiedersehen mit mir sehnte, und daß nur die Notwendigkeit, »es mit gewissen Leuten nicht zu verderben«, ihn daran hinderte, sofort nach Paris zu stürzen, um mich zu besuchen oder mich zu bitten, nach Berneval zu ihm zu kommen. Anscheinend hatten diese gewissen Leute, Ross natürlich an der Spitze, das für Oscar gesammelte Geld in Händen behalten und gaben es ihm nur teelöffelweise. Ich muß aber hinzufügen, um Mißverständnissen vorzubeugen, daß ich Ross seine Vorsicht mit dem Geld und seine leider vergeblichen Bemühungen, Oscar zu veranlassen, sparsamer damit zu wirtschaften, nicht verdenke. In dieser Beziehung handelte er mit den allerbesten Absichten.

Außerdem muß ich wieder das betonen, was ich schon öfter in diesem Buch gesagt habe, nämlich, daß die Briefe, die Oscar mir zu dieser Zeit schrieb (selbst wenn man die Tatsache in Betracht zieht, daß ich später viele von denen, die die übertriebensten Erklärungen von Liebe und Anhänglichkeit enthielten, vernichtete), alle jene törichten Beschuldigungen im »unveröffentlichten Teil« von De Profundis hinfällig machen. Zwischen jener Zeit, als er die heftige Tirade gegen mich losließ, und dieser, als er mir Briefe voll Liebe und Vergötterung schrieb, war gar nichts geschehen, außer daß er aus dem Zuchthaus gekommen war. Wenn ich wirklich vorher ein so schlechter Freund und so »unwürdig der großen Liebe«, die er mir entgegenbrachte, gewesen wäre, warum war ich jetzt plötzlich »sein Trost«, »seine Freude«, »seine einzige Hoffnung für die Zukunft«, sein »geliebter Junge« geworden? Als er jene Briefe schrieb, hatte er mich seit fast zwei Jahren nicht gesehen, so daß die »katastrophalen« Wirkungen, die meine Gegenwart und Persönlichkeit Sherards, Harris' und Ross' Meinung nach auf ihn ausübten, ihn nicht beeinflußt haben konnten.

Die Wahrheit ist, so unangenehm sie auch Ross, Sherard und Harris sein mag, daß Oscar sich mehr aus meinem kleinen Finger machte als aus all den übrigen Menschen zusammen. Man kann ebenfalls nicht einwenden, daß seine Zuneigung zu mir nur eine körperliche war, denn von allen seinen Freunden war ich der einzige, der ihm an Intellekt gleichkam, wie selbst Harris, mein größter Feind und Verleumder, zugibt. Harris kann unmöglich beide Auffassungen vertreten. Er kann der Welt nicht einreden wollen, wie er es in einem seiner Bücher tut, daß ich eine Art Patroklus für Wilde-Achilles war (in Troilus und Cressida), wie der gemeine Thersites ihn darstellt, während er im selben Buch meine Sonette mit denen Shakespeares vergleicht und offen erklärt, daß ich selbst in meiner Jugend stets ein viel besserer Dichter war als Wilde. Obwohl Harris keine Entschuldigung für sein unerhörtes Benehmen gegen mich hat – denn ich war jahrelang sein vertrauter Freund, und er hat mich einmal um zweitausend Pfund gebracht, ohne daß ich ihm darum meine Freundschaft entzog oder ihm Vorwürfe machte –, will ich doch, da es immer mein Bestreben ist, gerecht zu sein, selbst gegen die, die ungerecht gegen mich sind, sagen, daß ich Harris' rückhaltlose Anerkennung meiner Verdienste als Dichter und Schriftsteller doch erstaunlich finde. Früher konnte er viele meiner Sonette auswendig und pflegte sie mit seiner sonoren Stimme in Restaurants und anderen ähnlichen öffentlichen Versammlungsorten zu rezitieren; seine Art vorzutragen, konnte dem Herzen jedes Dichters wohltun, denn er war ein geborener Rezitator. Seine reizende und hochkultivierte Frau sagte mir einmal, daß er eine Zeitlang immer zu sagen pflegte, wenn er dem Werk irgendeines Dichters das höchste Lob zollen wollte: »Es ist so schön wie ein Sonett von Alfred Douglas.« Es ist also Harris sehr hoch anzurechnen, daß sein Wunsch, meinen Ruf zu untergraben (seine Gründe hierfür weiß wohl nur er allein), ihn doch nicht gehindert hat, seine ehrliche Meinung über meine Gedichte zu sagen. Wer weiß aber, ob nicht diese äußerliche Ehrlichkeit nur eine raffinierte List war, um seinen Anklagen gegen mich mehr Gewicht zu verleihen, so als ob er sagen wollte: »Ihr seht ja, wie aufrichtig und gerecht ich bin. Obgleich ich im Interesse der Wahrheit Alfred Douglas' Charakter angreifen muß, zögere ich nicht, ihm die Ehre, die ihm als Dichter und Mann von Intellekt zukommt, zu lassen.« Ich will aber lieber glauben, daß Harris fühlte, er müsse in seinen Verleumdungen einmal eine Grenze ziehen, und daß sein literarisches Gewissen – das wie Wildes empfindlicher war, als sein moralisches – ihm nicht gestattete, Unwahres über meine Dichtung zu sagen, selbst wenn er keine Skrupel empfand, Lügen über meinen Charakter und mein Verhältnis zu Oscar Wilde zu verbreiten, obwohl er die wahren Tatsachen sehr wohl kannte. Einen Menschen der Lüge zu bezichtigen, ist keine Kleinigkeit. Ich war darum bereit, Harris' Erklärung, daß Ross schuld an all den Unwahrheiten in seinem Buch sei, weil dieser ihm irreführende Mitteilungen gemacht hatte, zu akzeptieren, ohne die Richtigkeit von Harris' Erklärung in Frage zu ziehen (ganz gleich, wie ich privatim darüber dachte). Aber da Harris jetzt seine Verleumdungen sowohl in einem Neudruck seines Buches über Wilde als auch in einer neuen billigen Ausgabe des De Profundis, die die »Modern Library« in New York vor ungefähr einem Jahr herausbrachte, wiederholt hat, kann ich keinen anderen Ausdruck als »absichtliches Lügen« für seine Handlungsweise gebrauchen.
Man höre, was er in seinem »Neuen Vorwort« zu seinem Buch »Oscar Wilde, eine Lebensbeichte« über mich sagt: »Daß ich den ersten Dichter unserer Zeit so falsch beurteilte, bedauere ich aufs lebhafteste, auch daß ich geglaubt habe, daß solche hohen, edlen Gaben mit einem schlechten Charakter gepaart sein konnten, beweist die Raffiniertheit und Bosheit seiner Verleumder.« Mit diesen Worten schließt er sein Vorwort, und trotzdem veröffentlicht er im selben Jahr einen Neudruck dieses Buches, das alle die alten unwahren Angaben und Lügen enthält, und schreibt noch dazu eine Unmenge neuer Lügen als Vorwort zur neuen Auflage.

Nachdem Oscar und ich ungefähr ein Dutzend Briefe ausgetauscht hatten, lud er mich ein, ihn in Berneval zu besuchen. In dem für ihn charakteristischen schalkhaften Ton schrieb er, es wäre wohl ratsam, wenn ich zu diesem Besuch einen anderen Namen annähme; er überlege schon einen passenden für mich und könne sich nicht entscheiden, welcher geeigneter wäre: »Fleur-de-Lys« oder »Jonquil du Vallon«. In einem späteren Brief teilte er mir mit, daß er sich für »Jonquil du Vallon« entschieden habe. Sich selbst nannte er »jenen seltsamen violetten Schatten, den man als Sebastian Melmoth kennt«; das war auch der Name, den er nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis annahm und den ich benutzte, wenn ich meine Briefe an ihn adressierte. Dies alles mag sehr unwichtig und töricht erscheinen, aber damals freute ich mich darüber, weil es dem früheren Oscar, den ich gekannt und geliebt hatte, ehe die Katastrophe hereinbrach, ähnlich sah. Ich war gerade im Begriff nach Berneval abzufahren, als ein Telegramm ankam, in dem er mich bat, einen Brief abzuwarten, ehe ich reiste. Dieser Brief kam; er enthielt eine Geschichte von einer Warnung, die er inzwischen erhalten hätte, daß mein Vater ihn von Kriminalbeamten beobachten lasse und sicher eingreifen und einen neuen Skandal heraufbeschwören würde, wenn ich auftauchte. Dies war natürlich eine reine Ente, aber er glaubte zweifellos daran. Er beklagte in herzbewegenden Worten die Unmöglichkeit eines Wiedersehens mit mir, erklärte aber, daß seine Liebe durch die gezwungene Trennung nur noch stärker würde.

In meiner Antwort verlachte ich die Idee von dem Komplott meines Vaters und schlug vor, daß wir uns in einem anderen Ort treffen sollten. Er erwiderte, daß er unter keinen Umständen nach Paris käme, da er »Paris noch nicht ertragen könne«, und schlug Rouen vor. Wir beschlossen also, uns in Rouen zu treffen. Dort verbrachten wir eine Nacht und einen ganzen Tag im Hotel de la Poste zusammen, wo ich schon früher einmal gewohnt hatte und bekannt war. Dieser Umstand machte es mir natürlich unmöglich, einen anderen Namen anzunehmen, was Oscar, glaube ich, sehr enttäuschte. Das Wiedersehen war eine ungetrübte Freude für uns beide. Ich habe oft seitdem gedacht, daß, wenn einer von uns gleich darauf gestorben wäre, unsere Freundschaft einen schönen und romantischen Abschluß gefunden hätte. Der arme Oscar weinte, als er mich auf dem Bahnhof sah. Am nächsten Tag fuhr er nach Berneval zurück und ich nach Paris, aber wir hatten beschlossen, uns in Neapel wieder zu treffen, wohin ich sechs Wochen später fahren wollte.

Ungefähr acht Tage darauf reiste ich mit meiner Mutter und Schwester nach Aix-les-Bains und verbrachte da fünf sehr schöne Wochen. In dieser Zeit schrieb ich die »Ballade des St. Vitus«, die ich für eine meiner drei besten Balladen halte. Meine Mutter fuhr dann nach London zurück, und ich reiste weiter nach Neapel und traf mich im Pariser Zug mit Oscar. Wir stiegen im Hotel Royal ab, und ich feierte unser Wiedersehen damit, daß ich in den vierzehn Tagen, die wir dort verbrachten, meine Hotelrechnung auf achtundsechzig Pfund anwachsen ließ. Diese Rechnung bezahlte ich erst ungefähr zwei oder drei Monate später, als ich Oscar in Neapel zurückließ und meine liebe Mutter mir zweihundert Pfund für Oscar schickte sowie das Geld für die Hotelrechnung und für meine Rückreise nach Paris über Rom. Ich muß hier die Erklärung hinzufügen, daß der Hotelbesitzer oder Direktor anscheinend die damals auf dem Kontinent weitverbreitete Auffassung teilte, daß ein englischer Lord stets ein Millionär sei, und sich gar nicht weiter beunruhigte, als ich ihn bat, die Rechnung anstehen zu lassen. Im Gegenteil, er erklärte, er sei entzückt, mir eine Gefälligkeit erweisen zu können. Davon abgesehen, daß er zwei Monate darauf die Rechnung noch einmal einsandte, ließ er gar nichts mehr von sich hören. Heutzutage würde ich nicht den Mut haben, es auf so etwas ankommen zu lassen, aber im Jahre 1897 lebte ich noch in der angenehmen Illusion, daß das Leben mir mehr oder minder gehöre, und daß das Geld kein Objekt sei, das man ernst nehmen müsse.

Während wir in Neapel waren, beendete Oscar seine Zuchthausballade, und ich schrieb die vier Sonette, die unter dem Titel »Die Stadt der Seele« bekannt sind, mein Sonett über das Sonett und »Dreiklang im Mondlicht«. Ungefähr ein Jahr vorher hatte ich einige Monate mit meiner Mutter zusammen in Rom verbracht, und dort wurde mir das Glück zuteil, Harry de Windt kennenzulernen, dessen Freundschaft ich heute noch zu meinen teuersten Schätzen rechne. Harry und ich begegneten uns das erstemal in der Bar des Grand Hotels. Er war jahrelang mit meinem Vater und auch mit anderen Mitgliedern meiner Familie befreundet gewesen, deshalb redete er mich sofort an, als er erfuhr, wer ich war. Er war gerade in eine mehrere Stunden dauernde Diskussion mit einem außerordentlich hitzigen Herrn aus den Kolonien verwickelt, die häufig den Anschein hatte, als würde sie mit Blutvergießen enden. Um was die Diskussion ging, kann ich mich jetzt nicht erinnern, aber der »hitzige« Herr, der sich für einen Busenfreund Percys ausgab (ich erfuhr später, daß dies auch wirklich den Tatsachen entsprach), griff im Laufe der Unterhaltung mehrere Male nach seiner Pistole, die er in einer Hosentasche trug. Die Diskussion wurde mehr oder minder lebhaft weitergeführt, nur von freundschaftlichen Intermezzos unterbrochen, in denen Getränke gegenseitig angeboten und angenommen wurden, bis fast halb vier Uhr morgens. Um diese Zeit wurde auf Grund allgemeiner Erschöpfung ein Waffenstillstand geschlossen und die Sitzung aufgehoben. Harry begleitete mich nach dem Hause, in dem meine Mutter Zimmer gemietet hatte, und dann »begleitete« ich ihn wieder nach seinem Hotel. Dieser Vorgang wiederholte sich mehrere Male, so daß es heller, lichter Tag war, als wir uns schließlich trennten.

Einige Monate später begegnete ich zufällig unserem hitzigen Freund aus den Kolonien, als ich in Monte Carlo war. Er borgte mir liebenswürdigerweise fünfundzwanzig Louis, als er hörte, daß ich gerade mein ganzes Geld beim Spiel verloren hatte, und er bestand sogar noch darauf, mich zu einem fabelhaften Essen im Hotel de Paris einzuladen. Von Harry sprach er in sehr schmeichelhaften Ausdrücken; dieser habe, wie er behauptete, vom ersten Augenblick an eine sehr starke magnetische Anziehungskraft auf ihn ausgeübt, die von Harry ihm gegenüber ebenfalls empfunden wurde. Acht Tage später traf ich ihn wieder, und ich freue mich, berichten zu können, daß ich ihm bei dieser Gelegenheit die geborgten fünfundzwanzig Louis zurückzahlte, denn als ich das letztemal von ihm hörte, erfuhr ich, daß er Selbstmord begangen hatte. Ich kann mich leider nicht auf den Namen des armen Mannes besinnen.

Harry de Windt tauchte in Neapel auf, als Oscar und ich dort waren. Er kannte Oscar gut und bewunderte seine Arbeiten und seine Unterhaltungsgabe. Wir aßen zusammen zu Mittag in einem Café, in dem ich die beiden nachher allein ließ, da ich zu irgendeiner Verabredung fortmußte. Harry de Windt sagte mir viele Jahre später, wie erstaunt und empört er beim Lesen der Zeitungsberichte von dem Prozeß Ransome über den Brief Oscar Wildes an Ross gewesen war, in welchem Oscar beschreibt, wie ich ihn in Neapel »verließ«. »Sobald kein Geld mehr da war, verließ er mich«, schreibt Wilde in diesem unglaublichen Brief; der Rest des Schreibens, das Harris in seinem Buch »Oscar Wilde, eine Lebensbeichte« veröffentlicht hat, ist in demselben gehässigen Ton gehalten. Die zweihundert Pfund, die ich ihm zurückließ, sind mit keinem Wort erwähnt worden. Harry erzählte mir, daß Wilde damals im Café in Neapel während meiner Abwesenheit eine Lobeshymne auf mich gesungen und ihm erzählt hätte, wie ich durch dick und dünn zu ihm gehalten, und daß ich sein treuester und bester Freund sei. Harry sagte mir auch später, daß, wenn er eine Ahnung von diesem Prozeß Ransome gehabt hätte, er sehr gern gekommen wäre, um über diesen Punkt Zeugnis abzulegen. Ich habe bereits im vierzehnten Kapitel dieses Buches ausführlich geschildert, wie ich gezwungen wurde, Oscar in Neapel zu verlassen; meine Mutter schrieb mir, als sie erfuhr, daß ich bei ihm war, daß sie mir keinen Pfennig Geld mehr schicken würde, wenn ich nicht sofort abreiste. Was Oscar veranlasste, jenen ekelhaften Brief an Ross zu schreiben, den ich zum erstenmal vierzehn Jahre später las, ahne ich nicht. Harris sagt in seinem »Vorwort« sehr richtig: »Solche Heuchelei und Falschheit sind schwer zu begreifen, aber die Tatsache besteht.«

Oscar und ich verbrachten eine glückliche Zeit in Neapel, obgleich wir uns öfters stritten. Er war, abgesehen von den drei Pfund wöchentlich, die seine Frau ihm gab, völlig mittellos; auch ich hatte sehr wenig Geld, höchstens acht Pfund die Woche. Die beständigen Geldsorgen waren aufreibend, und Oscar konnte sich nicht so leicht veränderten Verhältnissen anpassen, wie ich es kann und es immer gekonnt habe, wenn ich dazu gezwungen war. Trotzdem waren wir sehr gute Freunde, und als das Ultimatum meiner Mutter wie eine Bombe hereinplatzte, um unsere glückliche Vereinigung wieder zu zerstören, waren wir beide ganz untröstlich. Doch blieb mir nichts anderes übrig, als ihn zu verlassen, da wir nicht in der Lage waren, Geld aufzubringen. Im Augenblick handelte es sich eigentlich nur darum, genügend Geld aufzutreiben, damit Oscar weiterleben konnte, bis er aus einer anderen Quelle etwas erhielt. Ich ließ ihn also in meiner Villa zurück, nachdem ich drei Monate Miete im voraus bezahlt und ihm außerdem zweihundert Pfund gegeben hatte. Dieses Geld hätte genügen müssen, um ihm bei einiger Umsicht und Sparsamkeit, besonders in Neapel, wo alles erstaunlich billig ist, zu gestatten, wenigstens fünf bis sechs Monate behaglich zu leben. Ich habe selbst oft mit bedeutend weniger eine viel längere Zeit in Frankreich gelebt, ohne mich zu beklagen. Aber Oscar blieb nur einige Wochen nach meiner Abreise in Neapel. Dann fuhr er nach Paris.

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