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Frauen und Männer der Renaissance

Franz Blei: Frauen und Männer der Renaissance - Kapitel 13
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typenarrative
authorFranz Blei
titleFrauen und Männer der Renaissance
publisherAvalun-Verlag Julius Brüll
year1927
firstpub1927
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Brevio erzählt

Als der Bischof seine Geschichte geendet hatte, war es wieder Messer Doni, dessen Fürwitz sich an die heiter lächelnde Figur eines Kanonikus mit der Frage wandte:

»Ihr kanntet wohl die Geschichte, Monsignore Brevio, wie Ihr die des Ser Machiavelli kanntet?« Aber dem Angesprochenen verschwand das Lächeln nicht aus dem Gesichte, als er sagte:

»Und ob ich die Geschichte vom Belfegor kenne, Messere Doni, steht sie doch als ob es die meine wäre in dem Büchlein, das ich zu Rom im Jahre 1545 drucken ließ, neben fünf anderen und den Canzonen, die ich für Freunde aufschrieb, denen es gefiel, sie in Musik zu setzen. Jene Teufelsgeschichte gefiel meinem Gönner, dem Kardinal Farnese, so über alles, daß ich sie in mein kleines Buch aufnahm, das ich dem Kardinal widmete. Messer Machiavelli hat mir deswegen nicht den schelen Blick gegeben, der Euren Augen eigentümlich, Messere Doni, und von dem Ihr reicheren Gebrauch machtet als manchem recht war. Und vielleicht auch Euch selber. Ihr riefet ein bißchen zu oft das Haltet den Dieb. Nichts für ungut, Bruder, ich mag Euch dennoch«.

Ser Doni schien sich wenig Freunde gemacht zu haben, denn der Kanonikus, es war Monsignore Giovanni Brevio, hatte alle Lacher auf seiner Seite.

Dieser aber fuhr fort:

»Was ich an Blumen auf den Weg stellte, von dem unser gescheuter Kopf, Messer Machiavelli sprach, ist ein gar geringes Beetchen voll, Ihr Herren. Denn Faulheit und Neigung ließen mich mehr der Einladung folgen, zu genießen was andere schrieben und dachten und bildeten, als daß ich mich selber ans Werk gesetzt hätte. Als ein Mann von Kenntnissen und gutem Geschmack kam ich in wenig verdienten Ruf, an dem so erlauchte und begabte Männer wie die Herren Bembo, Berni und della Casa mit ihrem Rühmen zu arbeiten nicht verschmähten, und mein halber Landsmann, Messer Pietro aus Arezzo glaubte mein Urteil nötig zu haben, indem er manches, was er schrieb, meiner vermeinten Einsicht vorlegte und meinen Rat einholte.

Was aber nun die Geschichte meines Lebens anbetrifft, so ist es im Gegensatz zur Lebensgeschichte mancher von Euch, verehrte Herren, und auch der Euren, Messere Doni, so ohne Nennenswertes verlaufen, wie ich durch meine Natur nicht vorbereitet war, Nennenswertes oder gar Aufregendes und Spannendes zu erleben. Armer Eltern Kind und aus Venedig lernte ich auf der Schule von Padua, wurde geistlich und lehrte auf derselben Schule das Jus Canonicum. Dann holte man mich nach Rom, wo ich die Aufgaben eines Auditore der Rota erfüllte. Und endete mein irdisches Leben als Bischof in Ceneda. Mehr als alles liebte ich es, in den Büchern zu lesen, mich der Genüsse eines mir geschenkten Daseins zu erfreuen und heiterer Rede. Ihr seht, es würde mich Mühe kosten, mehr zu berichten. Also laßt mich gleich eine Geschichte erzählen.

In Venedig, einer Stadt, ebenso edel wie reich an hübschen Frauen, lebte ein Händler namens Polo di Bernado, ein Mann mittleren Alters, von geringer Herkunft, der sich aber eines guten Kredits und ehrlichen Wohlstandes erfreute. Seine Frau Caterina war liebenswürdig und so hübsch, daß ein anderer junger und reicher Kaufmann sich in sie verliebte. Caterina verliebte sich gleicherweise in ihn, aber ganz im Geheimen, ohne Filippo, das war der Name des jungen Mannes, zu zeigen, daß sie ihn liebte und sich um ihn kümmerte.

Filippo hofierte ihr lange, glaubte aber nicht, zu irgend einem Schluß zu kommen und fast verzweifelt kam ihm der Gedanke, sich einem Gevatter Caterinas anzuvertrauen, der im selben Hause, aber abgetrennt, wie es in Venedig gebräuchlich ist, seine Wohnung hatte. Er verstand es so gut, sich durch Worte und Geschenke einzuschmeicheln, daß der Gevatter zufrieden schien und versprach, seiner Liebe ein guter Fürsprecher zu sein.

Eines schönen Tages nun, nachdem er gewartet hatte bis Polo fort war, ging besagter Gevatter zu Caterina und erzählte ihr, was Filippo ihm gesagt hatte und dichtete noch mehr dazu; er drängte sie, Filippos Liebe zu dulden. Caterina, nicht weniger lustig als Filippo, glücklich mit ihm zu sein, die aber immer die Ehrbare spielen wollte, hielt sich einige Tage zurück. Aber schließlich, aufgereizt durch die Bitten des Gevatters und von der eigenen Liebe getrieben, verbarg sie es nicht mehr, daß sie sich glücklich schätzen würde durch ein Zusammentreffen mit ihrem Geliebten. Von nun an warteten sie nur auf den günstigen Augenblick, daß Polo seiner Geschäfte wegen zu einer Messe gehen mußte, die jedes Jahr im September nicht weit von Venedig in einem Ort, namens Trebasiliche, abgehalten wurde. Als die Dame den günstigen Augenblick erkannte, ließ sie ihren Filippo kommen, und da sie die Abwesenheit ihres Gatten auf einige Tage schätzte, lud sie ihren Liebhaber zum Abendessen ein, mit dem Gedanken, ihn dann zurückzuhalten und mit ihm zu schlafen. Aber sie wollte sich nicht begnügen, ihren Geliebten im Dunkeln in ihre Arme zu nehmen wie und wo sie konnte und wie es verständige Frauen machen; im Gegenteil, sie wollte sich sehr nobel und reich zeigen und ließ alle Zimmer mit Tapeten, Wandbehängen und Stickereien schmücken. Andrerseits hatte Gevatter Marco Filippo Geld abgeschmeichelt, um ein gutes Essen zu besorgen; er kaufte denn auch alles ein und schickte es in Caterinas Wohnung.

Als es Zeit geworden war, gingen sie und brachten noch einen Freund mit, Agostino, der mit Caterina und ihrem Gatten sehr gut bekannt war. Sie wurden mit großer Liebenswürdigkeit empfangen und in Erwartung des Essens setzte man sich und plauderte über ein Liebesabenteuer, das besagter Agostino erlebt hatte. Agostino war lange Zeit in eine junge Frau verliebt gewesen; sie war die Tochter eines Kaufmannes mit Namen Pandolfo Rinucci, und wurde von ihr wiedergeliebt; bevor sie sich angehörten, wechselten sie ihren Glauben und wurden dann Mann und Frau. Um zu einem Entschluß zu kommen, wurde Pandolfo, durch Wiederholungen und die verschiedensten Vermittler gebeten, Agostino seine Tochter zur Frau zu geben; aber man konnte nicht seine Einwilligung erlangen und Agostino, von einem derartigen Widerstand ermüdet, entführte eines Nachts Camilla und nahm sie zu sich. Filippo kannte nicht nur dieses Abenteuer, sondern hatte auch den Gevatter bei Überreichung des Ringes gemacht.

Als sie, so plaudernd, die Essenszeit erwarteten, mußte eine der Mägde wegen Besorgungen für die Küche ausgehen und ließ, wie das so vorkommt, die Haustür offen. Da erschien Polo: er hatte einem anderen Händler die Sorge um seine Ware aufgetragen und war nach Venedig zurückgekommen. Er kam vor sein Haus und als er die Tür offen fand, beschwerte er sich laut über die Nachlässigkeit der Magd; als er dann die Treppe heraufgekommen war, und die Tür, die zum Saal führte, verschlossen fand, wurde er sanfter. Da er herein wollte, klopfte er und pfiff, wie es die Venetianer zu tun pflegen, und daran erkannte ihn sofort seine Frau. Alle erhoben sich zitternd, Marco und Caterina flüchteten in ein Zimmer, das unter der Treppe lag und zum Boden führte, während Filippo und Agostino ihre Mäntel zurücklassend und im bloßen Wams sich auf dem Boden versteckten.

Polo, der draußen immer noch darauf wartete, daß man ihm öffne, guckte durch das Schlüsselloch in den Saal. Als er die Wandbehänge und den hellbeleuchteten Tisch sah, glaubte er vor Erstaunen seinen Augen nicht zu trauen und da er sich nicht denken konnte, was all das bedeuten sollte, glaubte er zu träumen und wartete, daß die Tür sich öffnete. Während er so tausend Vermutungen anstellte, trat unvermutet die Magd herein und als sie Polo oben an der Treppe erblickte, war sie ganz bestürzt. Polo, der seine Frau unversehens überraschen wollte, nahm den Schlüssel und beide traten ein. Polo fand niemand, aber da er die Bodentür offen sah, und das Geräusch hörte, das Filippo und Agostino machten, ging er zu der Treppe, die hinauf führte. Wie Marco und Caterina das hörten, kamen sie aus ihrem Versteck hervor und stürzten die andere Treppe hinunter und flohen, Caterina zu einer Nachbarin und Marco zu sich.

Polo der sich gänzlich im Dunkeln befand und die anderen auf dem Dach wußte, glaubte, klüger zu tun, wenn er sich zurückzog. Er fing an, seine Frau in allen Winkeln zu suchen; aber er traf keine Menschenseele, denn selbst die Dienerinnen hatten sich aus Angst versteckt; so ging er in den Saal zurück, wo er alles genau ansah und prüfte. Er wußte immer noch nicht, was er denken, sagen oder tun sollte, und ging seufzend um den Tisch, als plötzlich Gevatter Marco, der, wie immer Makler untereinander, Polo oft besuchte, um mit ihm zu plaudern, in den Saal trat und, sich ein ungezwungenes Aussehen gebend, dort Polo erblickte, der, allein und verlassen, auf seine Frau fluchte. Sich dumm stellend, ließ sich der Gevatter alles berichten und, indem er Polos Partei nahm, entblödete er sich nicht, den ersten Stein auf Caterina zu werfen.

Während dieser Zeit gingen Filippo und sein Freund von einem Dach zum anderen; endlich erreichten sie die Bodenluke eines Freundes und Einlaß heischend klopften sie vorsichtig an die Falltür. Aber der Sohn Antonio Galli's, so hieß der Freund, der, um der Hitze zu entgehen, auf dem Boden schlief, erwachte von dem Klopfen und ging sogleich zu seinem Vater, weckte ihn und erzählte, was er gehört hatte. Der Vater schenkte den Worten seines Sohnes keinen Glauben und befahl ihm, wieder zu Bett zu gehen; er hätte wohl Katzen gehört, die hereinwollten. Der Sohn gehorchte, hörte aber wieder Geräusch an der Falltür. Er stand auf um nachzuschauen, ob es wirklich Katzen seien und durch eine Ritze sah er, die Nacht war sehr klar, Filippo und Agostino dort oben stehen. Er lief sofort zu seinem Vater zurück und beteuerte, zwei Männer auf dem Dache gesehen zu haben. Der Vater vermutete Diebe und den nackten Säbel in der Faust stieg er zum Boden und öffnete die Luke. Er wollte gerade losschlagen als er von Filippo seinen Namen rufen hörte, der ihn bat, sich zu beruhigen, weil es Freunde wären. Antonio erkannte ihn an der Stimme und ließ beide eintreten. Er führte sie in sein Zimmer und sie erzählten ihm ihr Mißgeschick, für welches er sie freundschaftlichst ausschalt; aber er tadelte noch mehr die Dame für ihre Dummheit; er überlegte sich also, wie er sie retten könne, schon um die Ehre Polos zu erhalten. Da er nun wußte, daß Agostino die Tochter Pondolfos entführt und geheiratet hatte, entwarf er einen Plan. Er wandte sich an Agostino und sprach:

›Du gehst Deine Frau holen, mit ihr eine Magd und einen Diener, die beide eine Fackel tragen werden. Du gehst dann sofort zu Polo di Bernado und fragst nach Filippo und Marco und sagst, Du wärest von diesem mit Deiner Frau zum Speisen eingeladen worden. Das übrige werde ich schon besorgen.‹

Antonio ließ sich dann von Filippo den ganzen Fall noch einmal gründlich erzählen; darauf zog er sich Wams und Schuhe an und blieb noch eine kleine Weile zu Haus. Inzwischen war Agostino nach Hause gekommen, ließ seine Frau sich ankleiden und folgte Antonios Anordnungen, indem er sich wieder zur Wohnung Polos begab. Er klopfte ein- bis zweimal und man fragte ihn, wer er sei und was er wolle. Er bat um Einlaß, weil er von Filippo und Marco, dem Makler, zum Abendessen eingeladen worden sei. Man riet ihm, umzukehren, weil da weder der eine noch der andere sei; aber Agostino machte Miene, sich mit Gewalt Eintritt zu verschaffen und bat noch einmal, ihn doch nicht mit seiner Gattin an der Luft stehen zu lassen und ihn nicht länger zum Narren halten zu wollen. Er würde sich sonst schrecklich an Filippo rächen, der ihn so neckte. Man erwiderte ihm, daß durchaus keine Vorbereitungen zum Essen getroffen worden wären und daß er nun mit Gott gehen sollte. Marco, der seinen Namen aussprechen hörte und Agostino an der Stimme zu erkennen glaubte, hob, Polo treuherzig in die Augen schauend, bedauernd die Schultern als wollte er sagen: ich weiß von gar nichts. Aber er blieb stumm und haderte mit Gott, daß er wieder hierher zurückgekommen war. Polo glaubte, verrückt zu werden; er sprach nicht, rührte sich nicht, wußte nichts zu denken oder zu glauben.

Während sie alle in diesem geistigen Zustand verharrten, begab sich Antonio, nachdem er Filippo befohlen hatte, bei ihm zu bleiben und Agostino, seine Frau zu holen, zu Polo und bat um Einlaß, indem er seinen Namen nannte und sich als Polos Gevatter vorstellte. Polo, dies hörend, öffnete sofort und noch im Treppenhaus begann er sich bitter über seine Frau zu beklagen. Als er von Anfang an alles erzählt hatte, wandte sich Antonio mit gereiztem Ausdruck gegen Marco und sagte ihm die größten Beleidigungen, dann, sich an Polo wendend:

›Mein Gevatter, nur über diesen hier braucht Ihr Euch zu ärgern, denn er ist der einzige Anlaß zu diesem Skandal und verdiente, gehängt zu werden.‹

Marco, der nicht wußte was Antonio Galli sagen wollte, stand, als er diese Worte hörte, die größte Angst aus, die er je gehabt hatte, denn er fürchtete, daß der Gevatter über die Bestellungen, die er Caterina gemacht, die Vorbereitungen, die er getroffen hatte und alles andere genau unterrichtet wäre; er wünschte sich tausend Meilen fort und war ganz verstört. Antonio schaute ihn schief an und sagte:

›Eh, Du bleibst stumm und sagst nicht wie die Dinge liegen? Aber wenn Du schweigst, werde ich reden!‹

Und an Polo gewandt:

›Mein Freund, dieser ganze Apparat, diese Tische, die Lichter, das Essen, sind weder zu Eurer Schande noch zu Eurem Schaden vorbereitet, sondern zu guten Zwecken. Ihr werdet wohl wissen, wie Agostino dal Gigante die Tochter Pandolfo Rinuccis geheiratet hat; Filippo Baldani, als Trauzeuge, wollte ihm und seiner Frau ein Abendessen bieten und mein Weib und ich dachten, Marco mit den Vorbereitungen zu beauftragen, da wir wußten, daß er in Fragen des Geschmacks sehr maßgebend ist. Andernteils bat Filippo, aus Rücksicht auf seinen Vater, der, wie Ihr wißt, etwas merkwürdig ist, Marco, das Essen bei sich zu richten; aber der fand diesen Raum größer und frischer als den seinen und bereitete hier das Mahl vor. Um nun Filippo und seiner Frau eine Ehre zu erweisen und sie zu versichern, daß Eure alten Streitereien nicht mehr bestünden, hat Caterina ihnen mit diesen Gemälden und Tapeten eine Augenfreude bereiten wollen.‹

Und er fragte Marco, ob dies nicht alles so stimmte.

›Aber selbstredend, antwortete der, ich habe nicht gewagt, es dir zu sagen; ich muß gestehen, ich war nicht sehr ruhig, als ich dich so zornig sah. Aber, auf Ehre, die Sache verhält sich so, wie Antonio sie erzählt hat; ich bitte dich um Gottes Willen, mir zu verzeihen.‹

Antonio sagte noch:

›Glaubst du denn Polo, daß sich Liebesdinge in so heller Beleuchtung abspielen und zwischen Gemälden und Wandbehängen? Aber, wirst du sagen, Filippo ist doch geflohen! Ja, das stimmt, aber nur aus Furcht vor deiner Wut bei dem Gedanken, daß noch ein Groll von den verflossenen Streitigkeiten übrig geblieben sei. Und was mich anlangt, bin ich nicht gekommen, weil ich starkes Kopfweh hatte; es schmerzt mich noch so, daß ich kaum sehen kann. Ich mache dir nun den Vorschlag, um diesem Lärm ein Ende zu machen, Caterina zurückkommen zu lassen und, wenn Ihr gegessen habt, zu Bett zu gehen. Und morgen, wenn du willst, heut ist's zu spät geworden, lassen wir Agostino, seine Frau und Filippo kommen und essen vergnügt das Mahl.‹

Polo hatte der ganzen Erzählung sehr aufmerksam zugehört und da er sich erinnerte, daß Agostino und sein Weib kaum zu ihm gekommen waren und er Antonio als ernst zu nehmenden Menschen kannte, beruhigte er sich ein wenig. Er erkundigte sich nach dem Verbleib Caterinas; man antwortete ihm, sie befände sich im Hause eines Nachbarn und er ließ sie rufen.

Caterina erfuhr durch Marco, der sie holte, auf welchen Punkt das Abenteuer gelangt wäre. Als sie in den Saal kam, sagte sie zu ihrem Gatten:

›Ah, das ist hübsch, dazu zurück zu kommen, um unser Fest zu stören! Warum, zum Teufel, bist du nicht fortgeblieben und hast mit deinen Kumpanen Kastanien gegessen und süßen Wein getrunken? Ich wäre erstaunt gewesen, wenn du nicht gekommen wärst mit deinem verwünschten Zorn und Krach geschlagen hättest, um Sachen, die es gar nicht gibt. Wir waren so vergnügt, eh du kamst!‹

Polo, durch die Vernunftgründe Antonios und die sichtbaren Beweise der Lichter, des gedeckten Tisches und des Essens von der Unschuld seiner Frau überzeugt wurde durch ihre Worte nur noch mehr beschämt; er tadelte sich selbst innerlich heftig wegen seines Verdachtes und schämte sich seiner Wut. Er konnte nur sagen:

›Warum bist du denn aber fortgelaufen, als du mich kommen hörtest?‹

Caterina sah ihn über die Schulter an und erwiderte:

›Ich wäre wohl hübsch behandelt worden, wenn ich geblieben wäre! Gott sei gelobt, daß er uns Gevatter Antonio gesandt hat, um alles zu sagen. Denn mir hättest du ja nicht eine Silbe geglaubt. Du bist ja so lieb und reizend zu deinem Weibe!‹

Bartolomeo Veneto
Bildnis einer Venezianerin

Antonio sah, daß wohl die ganze Nacht unter solchen Gesprächen vergehen würde und er sagte deshalb zu Polo:

›Nun, Gevatter, da es spät geworden ist, wollen wir morgen wieder zusammen kommen und das Essen verspeisen, wie ich es schon vorgeschlagen habe und Agostino, seine Gattin und Filippo dazu bitten.‹

Dann zu Marco: ›Was hältst du davon, Marco?‹

›Ich wünschte, wir könnten jetzt essen, denn ich sterbe noch vor Hunger. Aber heute abend werde ich nur eine Kleinigkeit noch zu mir nehmen und morgen werden wir tun, was Gott gefällig ist.‹

So kam man zur Zufriedenheit aller überein, daß man am nächsten Tage die andern benachrichtigen und zusammen einen großen Schmaus abhalten werde. Und so geschah es. Was dann noch zwischen Caterina und Filippo geschehen ist, kann ich mich nicht erinnern.«

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