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Frau Hempels Tochter

Alice Berend: Frau Hempels Tochter - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
booktitleFrau Hempels Tochter
authorAlice Berend
year1928
firstpub1912
publisherS. Fischer Verlag
addressBerlin
titleFrau Hempels Tochter
pages240
created20090408
sendergerd.bouillon@t-online.de
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In der Nacht hatte es wieder zu regnen begonnen. Die nächsten Tage brachten kühlen und feuchten Wind, und Blumen wie Menschen wußten nicht mehr, ob sie den schönen Sommertag erträumt oder erlebt hatten.

An einem dieser Regentage fuhr vor dem Hintereingang des Bombachschen Hauses ein einfacher Leichenwagen vor, dem eine gewöhnliche Droschke folgte. Die Leichenträger beeilten sich, aus dem strömenden Wasser unter Dach zu kommen und verschwanden erst eine Weile in Kempkes Wirtschaft. Als Kempke ihnen zu einem teuren Schnaps riet, weil sie einen Grafen holen gingen, lachten sie und sagten, daß sie sich wenig aus dem Rang der Leute machten, sondern ihnen mehr der Kassenbestand der Hinterbliebenen naheginge. Und davon sei im Hinterhaus nicht viel zu erwarten. –

Hempels öffneten die Tore des Hauses, soweit es 96 ging, und bald wurde der prunklose Sarg hinausgetragen. Hinter ihm führte der junge Graf seine Mutter. Die Pferde zogen an, und zum letztenmal fuhr der alte Graf in einer Kutsche seinen Weg, was er lange nicht mehr gewohnt gewesen war.

Hempels riegelten die Haustüren wieder zu.

»Nun braucht er sich nicht mehr um seine durchgelaufenen Sohlen zu sorgen,« sagte Hempel.

Frau Hempel gab ihm recht und meinte, daß es kein Vergnügen gewesen sein muß, treppauf, treppab zu laufen, um den Leuten einzureden, daß sie Sekt kaufen sollen, und dann zu Haus nur Gejammer um die Ohren zu haben.

»Ja,« sagte Hempel, der wieder bei seiner Arbeit saß. »So recht versteht man das immer erst hinterher.« –

Es ist eine alte Sache, daß wir die allerschönsten Prädikate erst auf dem Leichenstein zugelegt bekommen, wo sie sich auch weniger abnutzen als bei beweglicheren Gegenständen.

Auch die traurige Gräfin wußte erst jetzt, daß sie einen wahren Edelmann verloren hatte. Der junge Graf mußte es immer wieder hören, von früh bis spät, und es brachte ihn, zusammen mit dem eigenen Schmerz um den Vater, fast zur Verzweiflung.

Er besuchte Herrn Bombach und bat ihn, sie früher aus der Wohnung zu lassen, als es vertragsmäßig erlaubt gewesen wäre, denn er hoffte, daß eine andere 97 Umgebung und die Arbeit des Umzugs den Schmerz der Mutter ablenken würde. Herr Bombach bewilligte seine Bitte. Er wollte ohnedies im Gartenhaus bauliche Veränderungen vornehmen. Der gräflichen Wohnung sollte ein kleiner Balkon und eine Badestube angeflickt werden.

So öffneten sich bald darauf die Tore des Hauses noch einmal weit vor der gräflichen Familie, um ihr Hab und Gut ohne Schaden hinauszulassen.

Als Laura erst mehrere Sonntage später wieder Urlaub erhielt und mit mancherlei Neugier nach dem elterlichen Hause geeilt kam, waren die bekannten Fenster jener Gartenwohnung nichts anderes mehr als schwarze Löcher mit Scheiben.

Laura weinte bitterlich über den Tod des armen alten Grafen, und Frau Hempel störte sie nicht.

Es gibt immer Freuden, die das Gleichgewicht wiederherstellen.

Bald sollte sie Laura wieder eine Zeitlang bei sich haben. Frau Leutnant ging mit den Eltern auf Reisen, aber der Lohn wurde trotzdem gezahlt.

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