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Frau Hempels Tochter

Alice Berend: Frau Hempels Tochter - Kapitel 6
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authorAlice Berend
titleFrau Hempels Tochter
publisherWilhelm Goldmann Verlag
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Zweiter Teil

Das Leben ist eine Serie von Überraschungen.

Als Hempels am anderen Morgen Fenster und Türen ihres neuen Häuschens öffneten, um sich einzurichten und sich an der schönen Landluft zu erfreuen, quoll ihnen ein furchtbarer Geruch entgegen. Es stellte sich heraus, daß ein Bauer hinter ihrem Gärtchen eine große Fuhre Mist angefahren hatte, die er jetzt auf sein Feld gabelte, wo er Kohl pflanzen wollte.

Man merkt erst auf dem Land, daß man Großstädter geworden ist.

Der Bauer sah die Stadtleute, die ihm über sein natürliches Tun Vorwürfe machten, wortlos an und löffelte weiter in seiner duftenden Brühe. Schließlich sagte er freundlich und ruhig, daß dieser Duft das Gesündeste von der Welt sei und er sich jede Nacht zwei gefüllte Kübel davon neben sein Bett stelle, um gute Luft zu atmen. Er könne auch ihnen nichts Besseres raten und wolle den neuen Nachbarn gern davon abgeben.

Da der Geschmack auch bei einfachen Leuten verschieden ist, dankten Hempels. Auch hatten sie anderes zu tun, als ihrer Gesundheit zu leben. Alles mußte aufs geschwindeste eingerichtet werden. Man war im Mai. Jeder Tag konnte die ersten Gäste bringen. Frau Hempel und Laura arbeiteten tüchtig im Haus. Hempel pflanzte Schnittlauch und Petersilie, wobei ihm das Bücken recht schwer fiel.

Weiße nette Gardinen flogen an die kleinen Scheiben, blanke Töpfe auf den Herd, saubere Decken über die Betten. Die alten Möbel sahen im Tageslicht neu und anders aus als in der Kellerdämmerung. Sie waren fremd und doch vertraut, wie Herrschaften, die einen langen Sommer verreist gewesen waren. In Lauras Stübchen aber stand eine neue, hellgelbe Kommode, zu der Laura immer wieder hinlief, um sie sich anzuschauen. Sie schien ihr schöner als alle Möbel, von denen sie jemals den Staub gewischt hatte, und sie benutzte jeden freien Augenblick, um darin zu kramen. Oben auf der gehäkelten Decke stand im kleinen Blechrahmen ein Bild des Kaisers, vor ihm lag wie die Vornehmheit selbst der ledergebundene gräfliche Goethe. Frau Hempel hatte ihn vorsichtig in die Hand genommen, daran gerochen und dann die Aufschrift gelesen.

»Den kenn' ich«, sagte sie, »den habe ich oft abgewaschen. Bombachs haben ihn in Gips oben auf dem Bücherschrank.« Sie legte das Buch zurück, ohne zu fragen, wie es in Lauras Besitz gekommen war.

Nun aßen sie die erste Suppe und die ersten Kartoffeln am eigenen Herd. Die Stille während des Essens machte sie fast verlegen.

Wie ruhig die Teller vor einem stehen, als ob es überhaupt keine elektrischen Bahnen gäbe, sagte Frau Hempel, während sie eine heiße Kartoffel schälte.

»Ich bin neugierig, wie der erste Badegast aussehen wird«, sagte Laura und wiegte den Kopf.

In demselben Augenblick klopfte jemand mit dem Stock gegen die verschlossene Tür, heftig, als ob das Schicksal selber draußen stünde.

»Ich glaube, das ist er«, sagte Hempel. Er zitterte vor Schreck. Durch die Gardinen sah man draußen einen älteren Herrn mit blauer Brille und einem schwarzgrauen Spitzbart.

Es war der erste Badegast.

»Hä, hä«, sagte er und stocherte mit dem Stock in die Luft. »Ich rieche es zehn Kilometer weit, wenn die Badeanstalt eröffnet ist. Nun hinein ins Wasser.«

Schon war er hinter der bunten Bretterwand der Herrenabteilung verschwunden.

Frau Hempel hatte von Frau Godowsky gelernt, daß kein Gast allein in der Anstalt bleiben dürfte. Der Bademeister aber sollte erst morgen kommen. Der einzige Mann war Hempel. Leider zeigte er sich wenig männlich. Er kroch vor Schreck in sich zusammen und sagte kläglich:

»Wenn der fremde Herr badet, soll ich zusehn! Das ist eine Unanständigkeit.«

»Das ist polizeiliche Vorschrift«, sagte Frau Hempel energisch und schob ihn hinter die bunte Bretterwand.

»Entschuldigen Sie nur vielmals«, sagte Hempel rot und verlegen, als er hineingeflogen kam, und zog tief die Mütze. Aber der Herr tauchte und sah und hörte nichts. Als er sein Bad beendet hatte, gab er seine Badesachen zur Aufbewahrung und schrieb sich als Dr. Simrock, Stammgast, ein. –

Am Abend machten Hempels noch eine Bekanntschaft, das heißt eigentlich erneuerten sie nur eine vom Morgen. Aber Menschen sehen anders aus zu verschiedenen Tageszeiten. Es war der kohlbauende Bauer, der jetzt, im sauberen Rock und mit einer Pfeife im Mund, auf ihr Haus zugeschlendert kam. Man beobachtete sich schweigend, denn der Bauer war einige Schritte vor Hempels stehengeblieben, die vor dem Haus saßen. Nach einer Weile sagte er:

»Schöner Feierabend heute abend.«

Hempels bejahten es höflich im Dreiklang.

»Ja, der Godowsky ist weg. Das ist kein großer Schaden«, fing der Bauer wieder an, tat einen langen Pfeifenzug und kam einige Schritte näher. Er befand sich in einer schwierigen Lage. Seine Frau hatte ihn ausgeschickt, um die Neuen auszuforschen. Wenn die Bekanntschaft gemacht war, wollte sie selbst nachkommen. Sie war sehr vergnügungssüchtig, weil sie einst bessere Zeiten gesehen hatte und sich noch zu gut daran erinnerte.

Dies erfuhren Hempels bald von dem Ehemann, der schließlich neben ihnen saß. Auch seinen Namen sagte er. Er hieß Speck. Hempel, der sein Pfeifchen mit Tabak stopfte, den ihm der neue Bekannte geboten hatte, meinte, daß dies ein saftiger Name sei.

Der andere lachte geschmeichelt und antwortete, daß es schade sei, daß man seinen Namen nicht anknabbern könne. Sie hätten schon Jahre gehabt, wo sie das gern getan hätten. Somit kam er auf die Frau zu sprechen und erzählte, daß sie bessere Zeiten gesehen hätte, weil sie vor der Hochzeit Probiermamsell gewesen wäre. Hempels fragten höflich, was sie denn vor ihrer Verheiratung probiert hätte, und er sagte: allerhand, meistens Mäntel. Man hörte Schritte, und da kam Frau Speck selbst. In der Dunkelheit des Abends konnte man nicht viel von ihr sehen. Sie roch ein wenig nach gepflanztem Kohl, aber wie eine Dame der feinsten Gesellschaft sagte sie, daß es ihr eine Ehre und Freude sei, die neuen Herrschaften kennenzulernen. Sie hatte Laura für einen Sommergast gehalten, dem man ein Zimmer abvermietet hatte, und durch diese Verwechslung stieg sie sehr in Frau Hempels Achtung.

Eine kleine Schmeichelei ist der beste Grundstein für eine Freundschaft.

*

Der andere Morgen brachte den Bademeister. Er war ein Fünfziger, ernst und bartlos, und hieß Herr Otto.

Man wurde schnell bekannt.

Als er aus Frau Hempels großer Kaffeekanne eingeschenkt bekam, erzählte er von seinem wechselvollen Leben. Er war Heizer, Maurer und Taucher gewesen, und seit einigen Jahren bekleidete er die Stelle eines Pflegers in einem Irrenhaus. Er bewachte die Dauerbäder, denn Wasser war sein Lieblingselement. Darum wollte er im Sommer gern Bademeister sein, weil das der schönen Jahreszeit angemessener war; luftiger und lustiger, obgleich es ihm in der Anstalt auch nicht schlecht gefiel und der Unterschied zwischen Verrückten und anderen lange nicht so groß wäre, wie man aus einem allgemeinen Vorurteil heraus annähme.

Herr Otto machte einen sehr weltmännischen Eindruck. Er war auf eine Zeitung abonniert, rauchte Zigarren und gab Herrn Hempel drei Paar Stiefel auf einmal zum Ausbessern.

Ihm zu Ehren wurde am Nachmittag die schwarz-weiß-rote Fahne gehißt, an der Laura vom frühen Morgen an genäht hatte, wobei sie jubelnd sang und an Krieger, Soldaten, Kaiser und Grafen dachte.

Eigentlich hätte dieses Banner auf dem Bombachschen Hause wehen müssen, denn es war aus einem alten Stück Flaggentuches entstanden, das Frau Bombach einmal ihrer Portierfrau geschenkt hatte. Die Schäden der Zeit waren in dem schwarzen Streifen mit dem Stoffrest eines Regenschirms geflickt, der einst Herrn Bankdirektor vor Nässe geschützt hatte, und die Löcher im weißen Felde hatte ein abgelegtes Bettuch der Frau Konsulin stopfen müssen.

Aber als die Fahne widerstandslos an der blau getünchten Stange hinaufgesaust war und von oben herab auf ihre Urheber sah, war sie so recht ein Beispiel dafür, daß man jemandem, der in die Höhe gekommen ist, nicht mehr ansieht, woher er stammt. Sie war ein wunderschönes, schmuckes Fähnchen, das jedem Kaiser zu Ehren hätte flattern können.

Hempels, die Nachbarn Speck und Herr Otto sahen bewundernd zu ihr auf.

»Wer auch da oben sein könnte«, sagte Laura.

Der Bademeister prophezeite einen guten Sommer, weil sie ohne Stocken hinaufgeflogen war.

Man glaubte ihm gern und vertraute ihm auch sonst.

Er richtete die Rechnungsbücher ein und setzte die Inserate auf, die nötig waren, um die Pächter für das Weltetablissement zu gewinnen, das man inzwischen »Die Wunderwiese« getauft hatte. Dabei war er ein bescheidener Mann. Er begnügte sich mit einem Bretterverschlag neben der Badeanstalt, an dessen Wänden er als einzigen Schmuck die Photographien einiger dankbarer Patienten aus der Irrenanstalt angeheftet hatte.

Frau Hempel fuhr in die Stadt, um seine schön geschriebenen Inserate an einem der vielen Schalter der großen Zeitungsbüros abzugeben. Der junge Mann hinter dem lackierten Drahtnetz las ernsthaft Wort für Wort, steckte dann den Kopf hervor wie eine Schildkröte und fragte:

»Soll es genau so groß gedruckt werden, gnädige Frau?«

Die gnädige Frau nickte stumm. Ihr fehlten im Augenblick die angemessenen Worte.

Aber die höflichsten Menschen sind nicht immer die edelsten. Schon einen Augenblick später steckte der junge Mann wieder den Kopf hervor und verlangte hundert Mark von der gnädigen Frau.

Frau Hempel zuckte zusammen.

»Für ein paar lumpige gedruckte Buchstaben so viel Geld? Eine ganze Zeitung kann man für fünf Pfennig kaufen. Da suchen Sie sich einen andern Dummen aus«, rief sie empört und griff nach Herrn Ottos hübschen Schriftstückchen, um sie wieder in den Pompadour zu stecken.

Der Herr hinter dem Netz war nicht übelnehmerisch, er entwand ihr sanft das Blatt, sagte, daß man es eben in kleinerem Druck bringen müsse, und schließlich einigte man sich auf die Hälfte des Preises. Aber als der Herr ihr die Quittung überreichte, sagte er:

»Hier, Frau Hempel.«

Umsonst ist nichts. Titulationen wollen verdient oder bezahlt sein. –

Lumpige schwarze Buchstaben hatte Frau Hempel die Anzeige gescholten, die sie in die Zeitung gesetzt hatte. Es ist sich noch mancher der großen Bedeutung von Gutenbergs Erfindung nicht voll bewußt. Hempels sollte reiche Aufklärung werden.

Am andern Tage um sieben Uhr morgens, als Frau Hempel in der Morgenkühle mit Laura Badeanstalt und Garten gefegt hatte und das Haus wieder schloß, um sich nun am Küchentisch die Semmel in den warmen Kaffee zu brocken, klopfte es an die Scheiben, und eine dünne Stimme rief:

»Wohnt hier der Wunderwiesen-Hempel?«

Man sah niemanden am Fenster und glaubte, daß es ein frecher Spott der Bauernjungen war. Aber nach einer Minute der Erwartung klopfte es wieder, und die dünne Stimme fistelte aufs neue:

»Ist da jemand? Hier sind Prinz Konrad und die berühmte Prinzessin Pauline.«

Zu gleicher Zeit stampften schwere Schritte um die Ecke, und eine grobe Stimme brüllte:

»Seid ihr Flöhe schon wieder früher da als ich?«

Ein riesiger Schatten hob sich vor der neuen Blumengardine des Fensters ab.

Draußen standen sich Max, der Riese, und Prinz Konrad, der Liliputaner, zornig gegenüber. Sie kannten sich aus dem Panoptikum, wo sie vor Jahren die Glanznummer desselben Programms gebildet hatten. Schon damals hatte ihnen gegenseitiger Neid das Leben versauert. Der Riese ärgerte sich über die Zierlichkeit des Kleinen, die auch die täglichen Ausgaben verkleinerte, und der Zwerg haßte den Großen, dessen Gestalt schon allein Aufsehen erregte und so erstaunlich viel Platz im Weltenraum einnahm.

Hempels kamen heraus und starrten erschrocken auf das ungleiche Paar, zwischen denen eine zierlich geputzte Puppe mit einem gelblichen, alten Frauengesicht Frieden zu stiften versuchte. Sie klopfte mit einem kleinen roten Sonnenschirm von einem zum andern und piepste ängstlich:

»Aber meine Herren, die Wunderwiese wird Raum für alle haben. Geduld, Geduld.«

Es war Prinzessin Pauline, Konrads Frau und Geschäftsteilhaber.

Plötzlich drehte sich der Riese um und trat auf Frau Hempel zu. Sie wurde sehr bleich, wich aber um keinen Schritt zurück. Unter der blauen Schürze hielt sie das Küchenbeil fest in den zitternden Händen. Hinter ihr standen Laura und der Vater. Der Riese aber lächelte, zog tief den großen Hut und sagte:

»Verehrte Dame, wo wohnt die Familie Hempel?«

Es tut immer wohl, wenn große Männer lächeln. Die allgemeine Erregung legte sich. Frau Hempel legte das Küchenbeil wieder an seinen Platz neben den Herd, und Herr Otto führte die Herrschaften auf die Wiese. Sie wollten sie sich ansehen, sich Plätze aussuchen und dann Preise vorschlagen. Laura, die sich wie ein Kind im Puppentheater vergnügte, wollte gern mitlaufen. Aber Frau Hempel gab ihr eine Schüssel voll Kartoffeln zu schälen und setzte sie damit in die Küche. Das Volk da war kein Umgang für eine künftige Dame.

Aber sie hatte nicht bedacht, daß jede halbe Stunde ein neuer Eisenbahnzug aus der Stadt vorüberkam und eine Minute hielt. In einer Minute kann viel geschehen.

Ein kurzer Lokomotivenpfiff schrillte in der Ferne, und bald darauf sah man zwischen den hellgrünen Baumreihen bunte Punkte nah und näher kommen.

Es waren zwei Herren und zwei Damen im lebhaften Gespräch. Weiter hinter ihnen schritt eine schlanke Elegante mit einem Blechkoffer in der rechten Hand.

Laura ließ die wenigen geschälten Kartoffeln gleichgültig zwischen die ungeputzten erdigen purzeln, preßte die Nase gegen die Scheiben und rief freudig:

»Wirklich, sie kommen zu uns.«

Sie klatschte vor Freude in die Hände, ihre Augen strahlten. Das war ein Tag, bunt und voll sonderbarer Überraschungen, wie man ihn sich gar nicht schöner austräumen konnte. Sie drehte sich zur Mutter und fragte erregt:

»Wie oft wird unsere Wiese denn in der Zeitung stehen?«

»Siebenmal«, antwortete Frau Hempel und spähte ebenfalls über den Weg.

Hinter ihnen wurde die Tür aufgerissen, und Hempel stürzte herein«.

»Mutterchen«, rief er, »was hast du nur angestellt? Ein leibhaftiger Neger ist dabei mit ganz hellgelben neuen Schuhen.«

»Na ja doch«, sagte Frau Hempel, »das wußten wir doch früher, daß es Neger und hellgelbe Schuhe gibt. Deswegen kannst du wohl die Tür zumachen, wir können mit den Leuten auch durchs Fenster verhandeln.«

Und Hempel verriegelte sogar die Tür, als ob es Nacht werden sollte.

Der Schwarze verbeugte sich und stellte eine der Damen als seine junge Frau vor: die weltbekannte Fee Melusine. Sein Begleiter, ein untersetzter, breitschultriger Mann, erklärte mit heiserer Stimme die andere, etwas üppigere Schlanke als seine Gattin: die berühmte Löwenbraut Thusnelda.

Beide Herren wollten einen Teil der Wunderwiese pachten. Der Neger brauchte nicht mehr Erde, als nötig war, um einen Brunnen aufzubauen. Auf dem Boden desselben würde die Fee Melusine für 25 Pfennig Entree tanzen. Der kleine Breitschultrige brauchte etwas mehr Platz, da er einen Löwenkäfig aufstellen mußte, worin die Löwenbraut ahnungslos auf Papierrosen schlief, während der Löwe in den Käfig schlich.

Frau Hempel, die bisher schweigend zugehört hatte, schüttelte hier heftig den Kopf und sagte energisch:

»Damit ist nichts zu machen hier. Solches Tier will ich nicht in der Nähe haben.«

Der heisere Mann verbeugte sich und sagte mit beruhigendem Lächeln:

»Keine Bange, meine Dame. Der Löwe bin ich«, und er stieß einige Laute aus, die dem mähnenreichsten und mächtigsten König der Wüste zur Ehre gereicht hätten.

Dies Geheul beruhigte Hempel, aber es hatte eine andere unbeabsichtigte Wirkung. Auf der sandigen Straße blitzte ein Schutzmannshelm auf, der von Minute zu Minute größer und deutlicher wurde.

Inzwischen aber war auch die einzelne Dame herangekommen und hatte den Blechkasten vor das Haus gestellt. Sie reichte eine wunderhübsche Ansichtskarte durchs Fenster, auf der sie im rosa Trikot, von Schlangen umringelt, abgebildet war. Hempels hatten »Kleopatra, die Schlangenkönigin«, vor sich. Der Blechkasten enthielt ihr Arbeitsmaterial, fünf schöne Klapperschlangen, die sie mit sich genommen hatte, weil sie fürchtete, daß der Gerichtsvollzieher bei ihr vorsprechen könnte, während sie fort war. Sie wollte nur eine kleine Bretterbude aufschlagen, denn sie konnte nicht mehr als 10 Pfennig Eintrittsgeld nehmen, trotzdem die Schlangen sehr gefräßig waren.

Herr Otto, der jetzt mit dem Riesen und den Zwergen von der Wiese zurückkehrte, wollte die neue Führung übernehmen, aber in diesem Augenblick bog der Schutzmann um die Ecke. Er war ein kräftiger, breiter Mann, der seine Uniform wie ein Stück Mauer ausfüllte. Seine Stirn war gerunzelt, und seine buschigen Augenbrauen waren streng emporgezogen. Man hätte sich vor ihm fürchten können, aber die Art, mit der sein Helm auf einem Ohr saß, ließ hoffen, daß er auch Nachsicht üben konnte, zumal der netten Weiblichkeit gegenüber.

Er stemmte die Fäuste in die breiten Hüften und sagte:

»Was ist denn hier los? Das sieht ja wie ein entsprungener Zirkus aus.«

Aber dabei zwinkerte er mit den Augen des Gesetzes ein ganz klein wenig nach der Brunnenfee-Melusine, die ihm zulächelte.

Man erklärte ihm nun, um was es sich handelte, und Herr Otto flüsterte Frau Hempel ins Ohr, daß sie dem Gewaltigen etwas Stärkendes anbieten sollte. Man muß der Gerechtigkeit etwas nachhelfen. Die bunten Leute erklärten dem Uniformierten, daß sie in Paris, London und Amerika gewesen seien und genau wüßten, wie sie sich der Polizei gegenüber zu benehmen hätten. Aber erst müßten sie über den Pachtpreis verhandeln. Schreibend und messend verschwanden sie mit lautem Gezeter in der Richtung der Wunderwiese.

Eine Flasche Kümmel, ein Geschenk von Kempkes, wurde entkorkt. Der Schutzmann sagte: »Prost«, trank ein Gläschen und meinte dann, während er mit dem Säbel auf die Blechkiste mit den Schlangen klopfte:

»Was ist denn das für eine Tortenschachtel?«

Laura schrie auf und erklärte ihm, was da drin verborgen sei.

»Donnerwetter noch einmal«, sagte der Uniformierte und trat schnell einen Schritt zurück.

Laura lachte. Sie saß auf dem Fensterbrett und wiegte sich dort wie auf einer Schaukel.

Der Schutzmann sah sie an und fragte, worüber das Fräulein so vergnügt sei, und ob sie schon einen Bräutigam habe.

Sie antwortete, daß ihn das nichts anginge, da man dergleichen nicht polizeilich anzumelden brauchte.

Er lachte und kam einige Schritte näher. Sie gefiel ihm bei jedem Schritt mehr. Er wollte nur wissen, ob sie ihre Lippen auch sonst so geschickt zu handhaben verstünde. Er spitzte dabei den Mund und erklärte, daß er nicht nur ein königlicher Beamter, sondern auch ein Mann sei.

Laura meinte, daß sie sich immer gedacht habe, daß ein Schutzmann ein Mann sei.

Frau Hempel, die draußen im Grünen die Wunderwiese unter die schreienden Berühmtheiten in Teile aufteilte wie einen Napfkuchen, sah mit Beruhigung, daß bei Laura noch der Schutzmann war. Sie hatte wieder einen Lokomotivenpfiff gehört. Sie war jetzt auch auf Tiger und Elefanten gefaßt. Es kam aber nur ein Mann mit drei zahmen Affen.

Der Schutzmann strich den Schnurrbart.

»Wir sehen uns wieder, mein schönes Fräulein«, sagte er und ging den Weg hinaus zum Bahnhof.

Laura schloß das Fenster und begann bei Gesang die Kartoffeln zu schälen. Der Schutzmann war ein drolliger Mann gewesen. –

Am Abend dieses bunten Tages saßen Hempels in schweigender Erregung vor dem Haus und sannen den neuen Eindrücken nach. Hempel suchte sich die Beschaffenheit der Schuhe von jedem Besucher ins Gedächtnis zu rufen. Spangenschuhe, Lackspitzen hatte er gesehen, aber auch viele Absätze, die schief waren.

Frau Hempel addierte. Ihre Finger bewegten sich, als spiele sie auf einem großen, unsichtbaren Klavier.

Laura dachte, wer wohl einem solchen Schutzmann die vielen Knöpfe seiner Uniform blank putzen möge. Sinnend sah sie zum Himmel auf. Da fand sie den glitzernden Wagen über ihrer Stirne, und ihre Gedanken sprangen weit von hier fort.

Es wurde heiß. Die Sonne rückte näher und rief alles auf die Sommerplätze.

Vom Weg zum Bahnhof, der eine blühende Lindenallee geworden, kam nach jedem Lokomotivenpfiff ein Trupp Badegäste angerückt. Herr Otto sprang in gestreiftem Trikot zwischen tauchenden Jungen, springenden Jünglingen und bedächtig badenden Männern umher. Frau Hempel jagte im hellblauen Kattunkleid und weißer Schürze geschäftig über die nassen Planken, rieb dicke Damen trocken, frottierte frierende dünne, half Unbeholfenen ins Wasser, schalt Schulmädchen, die mit Wasser spritzten, neckte Ängstliche, warnte Tollkühne und war niemals müßig.

Auf der Wunderwiese aber klopfte und hämmerte es.

Am Sonntag sollte sie eröffnet werden. Männer in Hemdärmeln und Frauen mit zerzausten Haaren stritten und schrien durcheinander. Zwischen hellbemalten Brettern und bunten Vorhängen mit Goldfransen.

Unter ihnen stand der große Schutzmann mit dem Schnauzbart, sah sich die Berühmtheiten im Privatzustand an und dachte, daß Frauen sehr verschiedenartig aussehen können. Er war nicht gut gelaunt. Die Tochter der tüchtigen Frau Hempel wollte ihm nicht mehr aus dem Sinn kommen. Er wußte nicht, aus welchem Grunde er immer an sie denken mußte. Er wollte sie wiedersehen und sprechen, um herauszufinden, ob irgend etwas Besonderes an ihr sei. Stirnrunzelnd grübelte er, wie er das am besten anfangen könnte.

Der Himmel hilft immer noch solchen ehrlichen Herzen.

Am Abend sauste plötzlich ein Platzregen auf das glühende Land, und der Schutzmann mußte in Hempels Küche Unterschlupf suchen. Seinen Helm unter dem Arm, saß er auf einem kleinen Schemel und starrte auf Laura, die sich neben dem Herdfeuer wiegte, wie Aschenbrödel aus dem Kinematographen, und Schoten pellte.

Am Fenster hämmerte Hempel an der sonderbarsten Bestellung seines Lebens. Er machte ein Paar Stulpenstiefel für den ersten Liebhaber des Affentheaters, den Schimpansen »Bolo der Schöne«.

Im Nebenzimmer murmelte Frau Hempel wie ein tibetanischer Mönch. Sie zählte die Kasse.

Draußen rauschte der Mairegen.

Der Schutzmann brach das Schweigen und fragte, ob Fräulein Laura denn schon wisse, wie er heiße. Sein Name sei Paul Degenbrecht.

Laura lachte und sagte, daß es gut sei, daß Schutzmänner verschiedene Namen hätten, denn aussehen täten sie doch einer wie der andere. Degenbrecht strich den Schnurrbart in die Höhe und meinte, so ganz gleich wären sie doch nicht alle, und sie solle ihn sich einmal richtig ansehen.

Aber Laura fand, daß das nicht nötig sei. Sie wisse sehr genau, wie ein Schutzmann aussehe.

Nach einer Weile – es war nichts zu hören als der Regen draußen und das Aufspringen der Schotenhülsen in Lauras Händen – fragte der Schutzmann, ob das Fräulein das schöne Lied kenne: »Nur einmal blüht im Jahr der Mai, nur einmal im Herzen die Liebe.«

Laura schüttelte den Kopf.

Sie kannte es nicht. Aber es gefiel ihr sehr gut, und es mochte schon etwas Wahres daran sein. Plötzlich wurde sie traurig und vergaß ihre Arbeit.

Der Schutzmann beobachtete sie in stummer Bewunderung. Er hätte sich nicht gewundert, wenn sie nun plötzlich verschwunden gewesen wäre, um ebenso schnell als Königin gekleidet wieder dazusitzen. – Er hatte den Winter hindurch Abenddienst im Kinematographen gehabt.

Aber der Film des Lebens klappt nicht nur angenehme Bilder. Frau Hempel kam herein und sagte freundlich:

»Herr Wachtmeister, es regnet nicht mehr.«

Schutzmann Degenbrecht stand auf, zog den Rock straff, schnallte den Säbelgurt fester, wünschte allen eine gute Nacht und ging.

Frau Hempel zündete die Lampe an. Laura verließ ihren Platz am Herd, um den Tisch zu decken.

Draußen regnete es aufs neue.

Aus dem kleinen Haus fiel ein heller Lichtschein in das regenfeuchte Dunkel. Ehe der Schutzmann um die Ecke bog, sah er sich noch einmal um.

Er dachte, wenn er Bademeister geworden wäre, statt Schutzmann, könnte er dort der zarten Laura gegenübersitzen. Stattdessen mußte er sich jetzt im rauschenden Regen auf dem durchnäßten Platz vor dem Bahnhof aufstellen, um das Flimmern der Laternen zu beobachten, die das einzige waren, das sich bei solchem Wetter dort regte.

Man kann nicht vorsichtig genug in der Wahl seines Berufes sein.

*

Kein Großvater konnte sich solchen heißen Sommers entsinnen. Herr Otto und Specks waren sich einig darüber, daß Hempels ungewöhnliches Glück hatten und übermütig vor Freude sein müßten.

Andere Leuten wissen immer besser, wie es uns geht, als wir selbst.

Frau Hempels einzige Empfindung dieser Tage war die Angst, daß die Sonne noch näherrücken konnte. Wenn sie spät abends erschöpft auf einen Stuhl sank, blickte sie mißtrauisch zum Himmel auf, der sich endlich zu verdunkeln begann, und sagte, daß sie nicht gewußt hätte, daß die Sonne so nah kommen könne. Vielleicht sollte die Welt untergehen.

Aber Herr Otto, der trotz aller Arbeitsfülle die Zeitung las, erklärte ihr, daß es vor hundertundsechs Jahren noch heißer gewesen wäre, ohne daß die Erde dabei Schaden genommen hätte.

Der See glich einer guten Bouillon mit Fettaugen. Aber unermüdlich kamen die erhitzten Großstädter, um sich mit Jubelgeschrei hineinzuwerfen.

Hempel hämmerte zwischen zwei Bretterwänden neben dem Eingang schiefe Absätze gerade, im Schweiße seines Angesichts. Es wurde ihm erst jetzt klar, auf wie schiefen Füßen alles lief und stand.

Laura saß an der Kasse, ihr Kopf hob sich auf dem schlanken Hals, den ein Spitzenkragen freiließ, wie eine Blume über dem hellgrünen Zahlbrett ab. Sie sah nichts anderes als heiße Hände, die Nickelstücke auf das Holz warfen.

Hinter ihr dudelte der laute Lärm der Wunderwiese, Drehorgeln leierten ineinander, Trompetenstöße schmetterten. Sie hörte das Surren der Schaukeln und das Geklingel der Karussellglocken.

Aber es hieß aufmerksam zu sein beim Zählen und Wechseln und die Wunderwiese zu vergessen.

Dicht neben der Kasse stand Schutzmann Degenbrecht und bewachte viele Stunden des Tages das Gedränge vor dem Zahlbrett, obwohl das nicht zu seinen Dienstvorschriften gehörte.

Es ist immer schön, wenn jemand mehr tut, als sein Beruf von ihm verlangt.

Fest und stämmig stand er auf seinen kräftigen Beinsäulen und sah scharf zu, daß keine der vielen heißen Hände den Schätzen der Kassiererin zu nahe kam.

Laura hatte wenig Zeit für ihn übrig. Nur selten tauschten sie einige kurze Sätze miteinander.

Er fragte sie, ob sie überhaupt wisse, daß er da sei.

Sie antwortete, daß man jemanden auch sehen könne, ohne mit ihm zu sprechen.

Nach einiger Zeit sagte er, daß es ungewöhnlich heiß sei.

Sie erwiderte, daß sie das ebenfalls finde und daß ihn der Helm gewiß in der Sonne drücke.

Sein rotes Gesicht wurde breit vor Freude, und er sagte bald darauf, daß es noch etwas Heißeres gäbe als die Sonne.

Laura sagte, daß sie sich das nicht denken könne. –

Am Mittsommertag erkundigte sich Schutzmann Degenbrecht, ob Laura auch wisse, daß heute Sonntag und der längste Tag im Jahre sei.

Laura wechselte gerade ein größeres Geldstück und antwortete erst nach einer Weile, daß sie wisse, daß Sonntag sei, aber nicht, daß dieser Tag besonders lang werden sollte. Dann würde sie auch länger als sonst an der Kasse sitzen müssen.

Der Schutzmann machte ihr darauf den Vorschlag, am Nachmittag einmal ihrem Vater die Kasse zu überlassen. Heute kämen doch alle in den neuen Sonntagsschuhen, deren Absätze sie erst schief laufen mußten, und somit könnte er sein Schusterwerkzeug auf ein paar Stunden an den Nagel hängen.

Laura meinte, daß sie nicht zugucken wollte, wenn ihre Eltern arbeiteten.

Das wäre auch gar nicht nötig, erwiderte hierauf der Schutzmann. Sie könne derweil unter seinem Schutze die Wunderwiese besuchen.

Laura antwortete darauf gar nichts.

Nach recht langer Zeit sagte sie, daß sie die Wunderwiese sehr gern einmal im vollen Gange sehen möchte. Der Schutzmann holte seine große Nickeluhr aus der Tasche und erklärte, daß er jetzt nach Frohndorf in Dienst müsse. Bis sechs Uhr hatte er den Verkehr am Bahnhof zu regeln, dann aber bekäme er Ablösung und Urlaub. Um sieben Uhr wollte er wieder hier sein und nachschauen, ob Fräulein Laura ebenfalls freie Zeit habe. Er salutierte und verschwand: –

Am Nachmittag saß Hempel im schwarzen Sonntagsanzug an der Kasse, und die Stammgäste neckten ihn und sagten: daß sich das Fräulein seit gestern sehr verändert habe.

Er aber war nur darauf bedacht, jedem richtig herauszugeben, und dachte schwitzend: Was um Himmelswillen will Lineken mit allem diesem Gelde machen?

Frau Hempel hatte nichts dagegen gehabt, daß Laura einmal aus dem Kassenkasten kroch und sich ein wenig auf der Wiese tummelte, wenn es unter dem sicheren Schutz eines soliden Schutzmanns geschehen konnte.

Laura hatte ein zartes weißes Kleid angezogen, das ihre ganze Zierlichkeit zur Geltung brachte. Auf das hellbraune Haar hatte sie den feinen Sommerhut gesetzt, den im vergangenen Jahr Frau Leutnant ihrer Zofe geschenkt hatte.

So spähte sie vor der Haustür nach den blanken Knöpfen des Schutzmanns.

Wie erschrak sie, als plötzlich ein riesiger Mensch, der einen schwarzen Feiertagsanzug aus den Nähten zu sprengen drohte, vor ihr haltmachte, lächelnd einen kleinen Strohhut zog und fragte, ob Fräulein Laura bereit sei.

Schon ein fehlender Knopf kann viel verschulden. Hier aber vermißte man zwei ganze Reihen blanker Knöpfe.

Laura war mit ihnen auch das Blanke der Sonntagsfreude geschwunden. Das hier war ein Mann wie alle anderen. Wo war die Uniform, die Würde gab und von weitem alle Prügelnden auseinanderbrachte? Wo war der blinkende Helm?

Sehr schweigsam schritt sie neben dem großen Schwarzrock der Wunderwiese zu. Schutzmann Degenbrecht bemerkte nichts. Große Freude macht uns blind gegen den Verdruß der Welt. Er war zufrieden mit Lauras Aussehen.

Im Trubel der Musik wurde Laura wieder fröhlicher. Man erkannte sie und ihren Begleiter an jeder Bude, und wie regierende Fürsten durften sie überall aus- und eingehen, ohne zu zahlen.

Laura spürte, daß sich die Welt drehte, als sie zehnmal auf einem Karussellpferd herumgeschwenkt war.

Sie schritten nun zu Melusine, der weltberühmten Brunnenfee.

Der Neger verkaufte die Karten vor dem Brunnen, wo man sich drängte und puffte. Tief unten tanzte Melusine.

Der Schutzmann beugte sich zuerst herunter und begann behaglich zu schmunzeln.

»Lächelt sie beim Tanzen?« fragte Laura.

»Das kann man nicht wissen«, erwiderte Degenbrecht. Er sprach die Wahrheit. Obwohl man genug von Melusine sah, konnte man dies nicht bemerken. Denn sie tanzte auf dem Kopf; ein Spiegelbild der Wahrheit. Immer wieder beugten sich neue Gesichter lächelnd über den Brunnenrand. Neugier ist der Anfang aller Menschenkenntnis.

Thusnelda, die Löwenbraut, wollte Laura nicht sehen, weil sie den Löwen persönlich kannte. Dagegen zog es sie nach der Mitte der Wiese, wo der große Fesselballon hin und her wogte und atembeklemmend an dem schweren Anker zerrte, der seinen Abtrieb hinderte.

Jetzt stieg er langsam in die Höhe. Laura folgte mit langgestrecktem Halse den Bewegungen des sich wiegenden Ballons. Immer höher schwebte er. Um besser sehen zu können, trat sie einige Schritte zurück, wobei sie sich einem Herrn auf die Füße stellte.

Der Herr sagte: »Verzeihung, gnädiges Fräulein.« Aber als Laura sich verlegen lächelnd umwandte, sah sie, daß es Graf Egon von Prillberg gewesen war, den sie mit Füßen getreten hatte.

Er musterte den breitschultrigen Begleiter des jungen Mädchens, bis dieser verlegen wurde, sich verbeugte, die Hand salutierend an den Strohhut legte und: Schutzmann Degenbrecht, Revier Frohndorf, schnarrte.

Der Graf lüftete höflich den Hut und sagte: von Prillberg.

»Hoho«, schnalzte der Schutzmann geehrt und fragte, ob der Herr mit ihm und Fräulein Laura eine Gratisfahrt in die Lüfte machen wollte, denn sie hätten hier alles umsonst.

Der Ballon senkte sich jetzt, und im Gedränge der auseinanderspringenden Menge erfuhr Graf Egon, daß alles dies, Wiese wie Badeanstalt, Hempels gehörte.

Er dankte liebenswürdig für die Einladung, die er nicht annehmen konnte, weil er jetzt in die Stadt zurück müßte. Doch wollte er bald an einem anderen Tage wiederkommen. Er grüßte noch einmal zurück, dann verschwand er im Gewühl des sich wieder zusammenschließenden Menschenknäuels.

Laura sagte, daß sie nach Hause gehen wolle. Sie hätte mehr gesehen, als sie erwartet hätte.

*

Die ungeheure Sonne schien allen den Atem aussaugen zu wollen.

Auch die praktischsten Leute hatten oft die Augen am Himmel und sahen ins Blaue. Jeder wartete auf ein Gewitter.

Das Wasser in Hempels Badeanstalt verringerte sich von Tag zu Tag, als ob ein Riese nächtens daraus schnapste. Aber die Zahl der Badegäste nahm zu.

Auch Graf Egon beschloß, den freien Nachmittag des Sonnabends zu benutzen, um Hempels See und alles, was dazu gehörte, in Augenschein zu nehmen.

Dieses Jahr, das seit dem Tode seines Vaters verflossen war, hatte ihn ein gutes Stück in seiner Laufbahn vorwärts gebracht, und obgleich seine Mutter jeden Morgen beim Frühstück bitterlich klagte, daß er ein eines Grafen ganz unwürdiges Leben führen müßte, war sein Lebensmut doch mit der Höhe seines Einkommens gestiegen.

Heiteren Sinnes schwang er sich auf einen schon ins Rollen gekommenen Zug, der nach Frohndorf ging. Er nahm einen Fensterplatz ein, und ganz im Bewußtsein des Adlers in seinem Wappen holte er seine Zigarettentasche hervor, um bei einer guten Zigarette die Fahrt ins Freie zu genießen. Aber ehe noch das Streichholz aufflammte, flüsterte jemand, ob das nicht der Graf aus dem Hinterhaus sei. Unangenehm berührt, blickte er auf und bemerkte, daß er dieses Wagenabteil mit Bombachs teilte. Herr und Frau Bombach saßen in neuen hellen Sommerkleidern, aus denen ihre Gesichter verblichen und abgenutzt lächelten, zu beiden Seiten ihres kleinen Jungen, der mit denselben runden Augen wie sein Vater sein Gegenüber musterte.

Man grüßte sich.

Um die Eltern nicht anzusehen, richtete Graf Egon seinen Blick auf den Kleinen. Er erinnerte sich, daß Laura dieses Kind in seinen ersten Lebenstagen gepflegt hatte, und wunderte sich, daß es nicht niedlicher aussah.

Herr Bombach war seinen Blicken gefolgt und sagte stolz:

»Der hat sich herausgemacht, wie?«

Der Graf nickte beistimmend. Er sah den kleinen Bombach zum erstenmal.

»Wie geht es Ihnen denn jetzt?« fragte Frau Minchen im Töne gesellschaftlichen Beileids.

»Ich danke«, sagte der Graf, »man hat Freude an der Arbeit, wenn sie Frucht trägt.«

Bombachs verstanden, außerdem hatten sie inzwischen das gute Geflecht seines Panamahutes bemerkt.

»Da hat Ihre arme Mutter nun wohl ein Dienstmädchen?« fragte Frau Minchen.

Der Graf gab dies zu. Herr Bombach erzählte, daß ihn die Mieter bei dieser Hitze bankrott duschten, und daß, wie auch das Wetter sei, die Bemittelten den Schaden trügen. Heutzutage hätte es nur gut, wer nichts habe.

Im weiteren Geplauder erfuhr man, daß man dasselbe Ziel hatte. Bombachs wollten sehen, wie es ihren früheren Portiersleuten ging. Herr Bombach glaubte nicht, daß sie diese Sache durchhalten konnten und wollte sie, falls es ihnen schlecht ginge, wieder zurück ins Haus haben. Er war mit seinen neuen Hausverwaltern sehr unzufrieden. Die Frau habe sich als Wahrsagerin entpuppt, die ihm alle Rohrbrüche schon wochenlang vorher prophezeie, was seinem Nervensystem sehr schlecht bekomme.

Als man in Frohndorf ausstieg, mußten Bombachs, ihrem kleinen Jungen zuliebe, ein paar Schritt vom Weg gehen. Natur läßt sich nicht unterdrücken.

Graf Egon benutzte dies, um sich zu verabschieden ...

An der Kasse saß Laura und wartete wie alle anderen auf das Gewitter.

Eine schmale Männerhand zahlte mit einem Zwanzigmarkstück, das gewechselt werden sollte.

Laura sah auf.

»Es ist ja ganz wunderhübsch hier«, sprach der Graf und sah dabei auf Lauras weißen Hals.

Laura sagte errötend, daß es noch schöner gewesen sei, als der See voll Wasser gewesen wäre. Aber der Graf meinte, daß es für ihn noch ausreichen werde, und er hätte gewiß noch mehr Angenehmes zu sagen gewußt, wenn er nicht Bombachs hinter sich gesehen hätte. So nahm er den Rest seines Geldes und ging.

Herr Bombach hob Hans Friedrich hoch und hielt ihn vor das Kassenfenster, damit Laura sein Wachstum bewundern könne. Dann fragte er, ob sie mit ihrer Einnahme zufrieden wäre. Laura aber war ganz erschreckt über diese zweite überraschende Begegnung und wußte nichts Vernünftiges zu sagen.

Schutzmann Degenbrecht bemerkte die Verlegenheit auf ihrem hübschen Gesicht und trat mit einem großen Schritt hinzu.

»Weitergehn«, sagte er kurz.

Bombachs verschwanden zu beiden Seiten der bunten Bretter. Den Kleinen nahm Frau Bombach mit sich. –

Sobald Herr Bombach in die Badehose geschlüpft war, suchte er nach dem Grafen, um etwas ausführlicher zu erfahren, inwieweit seine Arbeit jetzt früchtereicher sei.

Aber der Graf schwamm dauernd unter Wasser. So versuchte er mit dem Bademeister zu plaudern, um etwas über den hiesigen Geschäftsgang zu hören. Aber dieser hatte keine Zeit dazu, weil man ihn stets von mehreren Seiten zu gleicher Zeit rief. Herr Bombach sagte, daß das Baden bei solcher Überfüllung kein Vergnügen sei, und zog sich wieder an.

Frau Hempel wurde sehr verlegen, als sie ihre frühere Hauswirtin vor sich sah. Sie öffnete für sie die beste Zelle mit dem größten Spiegel und dem Kleiderhaken aus Nickel, holte die weichsten Handtücher und den feinsten Anzug herbei, bediente sie und war taub geworden für das Schreien der anderen. Man glaubte bald, daß die Dame eine hochgestellte Persönlichkeit und Hans Friedrich ein kleiner Prinz seien.

»Wunderschön steht ihm der große Kopf«, sagten die kleinen Ladenmädchen im Wasser und zeigten auf den etwas unförmigen Schädel des kleinen Bombach, der sie mit kindlicher Freude beobachtete.

Frau Bombach klagte über Frau Hempels Nachfolgerin. Sie wahrsagte und legte Karten und machte das ganze Haus verrückt.

Frau Hempel zuckte bedauernd die Achseln und meinte dann, man müsse eben überall ein Auge zudrücken, irgendwo hapere es schließlich bei jedem Menschen.

Auch die Aufrichtigkeit muß ihre Grenzen haben. Frau Bombach zog sich in ihre Zelle zurück und schloß sie ab.

Sie tauchte nur einen Augenblick lang mit ihrem Söhnchen bis zur Hälfte ins Wasser, dann kleidete sie sich wieder an und ging.

Als sie fort war, wollten alle wissen, wer die Dame gewesen sei. Aber Frau Hempel sagte nichts. Nun waren alle überzeugt davon, zusammen mit einer wirklichen Prinzessin gebadet zu haben. Alles Glück liegt in unserer Einbildung. –

Ehe sich Bombachs, wieder vereint, der Wunderwiese zuwandten, wechselte der Hausbesitzer noch einige gütige Worte mit Hempel.

Er stand ehrerbietig auf, als er den früheren Herrn unvermutet vor sich sah, und verbeugte sich, so gut es der enge Raum gestattete.

Auf der Wunderwiese zahlte Herr Bombach viermal das Eintrittsgeld, um Melusine auf dem Kopfe stehen zu sehen. Als Minchen ihn beim fünftenmal begleiten wollte, sagte er, daß es sich für sie nicht lohne, hinunterzublicken, weil gar nichts Besonderes zu sehen sei, und sie gingen weiter. Herr Bombach bestieg mit Hans Friedrich ein Karussell, um allen Zuschauern seine junge Vaterschaft zu beweisen. Davon wurde ihm sehr übel, und mißmutig nahmen sie den staubigen Weg zum Bahnhof zurück. Es sah nicht so aus, als ob es Hempels schlecht ginge, und als sie die Fahrkarten genommen hatten und auf den Zug warteten, sagte Bombach:

»Ich glaube, mit diesen Leuten sind wir fertig.«

Um den rötlich schimmernden See schlich der zärtliche Juniabend.

Mit Eintritt der Dunkelheit sollte die Anstalt geschlossen werden, aber Schutzmann Degenbrecht fand es noch hell, denn er sah auf Lauras weißen Hals. So klapperte immer noch Geld auf das Kassenbrett.

Als der Graf aus der Badeanstalt trat, blieb er neben dem Schutzmann stehen und erneuerte die Bekanntschaft, indem er ihm eine Zigarre anbot. Dieser verbeugte sich stramm und steckte die Zigarre in die Ärmelklappe. Graf Egon fragte, ob er sich noch seiner Einladung für den Fesselballon entsinne.

Der Schutzmann zog den Rock straff und sah zu Laura, ob sie diese Ehre bemerke. Sie bemerkte sie.

Als man sie fragte, wie sie über den morgigen Sonntag dächte, meinte sie, daß der Vater vielleicht wieder die Kasse übernehmen würde. Über ihr Gesicht lief ein Schein der Abendröte.

Der Graf verabschiedete sich, um morgen wiederzukommen. Die Sonne war verschwunden. Die Kasse wurde geschlossen.

Als alle um den Abendtisch saßen, sagte Frau Hempel:

»Was aber sagt ihr zu Bombachs?«

Laura sah erstaunt auf. Sie hatte es ganz vergessen, daß auch Bombachs dagewesen waren.

Hempel schüttelte den Kopf.

»Ich möchte nicht wieder zurück«, sagte er, und er hob die Hand, als ob er die nahe Rechte Linekens streicheln wollte. Aber dann fand er, daß sie doch nicht nahe genug war, und ließ die Hand wieder langsam sinken. –

Aber Frau Hempel hatte Laura nicht erlaubt, die Wunderwiese wieder zu besuchen. Sie meinte, daß das allzuviele Wundern den jungen Mädchen nicht zuträglich sei.

Graf Prillberg mußte allein mit dem Schutzmann in die Lüfte steigen. Was seinen Absichten nicht ganz entsprach. Doch dauerte der Aufstieg nicht lange, weil sich ein Gewitter zusammenballte«

Wünsche erfüllen sich meist im falschen Augenblick.

Am Sonntagnachmittag waren wenige mit diesem Wettersturz zufrieden, aber Gewitter kommen nun einmal gegen den Wind.

In den Lärm der Drehorgeln, Glöckchen und Trompeten rollte schwer der erste Donner hinein, dann der zweite und dritte. Blitze blendeten die Augen der Löwenbraut, gleißten selbst in Melusines Tiefe und ließen sie Tanz und Brunnen hinter sich lassen.

Die vielen Zuschauer, die durcheinanderliefen und Schutz suchten, konnten sich bald davon überzeugen, daß der Neger waschecht war. Ein Prasselregen sauste nieder, der mit Peitschenhieben alle bis auf die Haut durchnäßte. Über die sich bäumenden Karussellpferde und die Glücksschätze der Würfelbuden wurden Leinwandfetzen geworfen, und nach wenigen Augenblicken war die Wiese nichts weiter als eine große, schlammige Pfütze voll Segelwracken.

Schutzmann Degenbrecht wußte für sich und seinen Begleiter keine bessere Zuflucht als Hempels Küche.

Hier roch es wunderschön und am Herd stand Laura.

Frau Hempel begrüßte den Grafen ohne besondere Herzlichkeit. Aber als er von früheren Zeiten zu reden anfing, kam sie doch mit ihm ins Gespräch. Der Schutzmann rühmte den schönen Kaffeegeruch. Frau Hempel ließ Laura die guten Tassen mit dem Goldrand aus dem Schrank holen und schenkte ein. Bald saß man gemütlich um den Tisch, während draußen die Donnerschläge krachten.

Graf Egon sagte, wenn er das voraus gewußt hätte, würde er einen schönen, großen Napfkuchen aus der Großstadt mitgebracht haben und meinte, daß er das eigentlich am nächsten Sonntag nachholen könnte.

Frau Hempel wollte ihn nicht beleidigen. Außerdem aß sie Napfkuchen sehr gern. So riet sie ihm, den Kuchen bei dem Bäcker neben Bombachs Haus zu kaufen.

Am nächsten Sonntag brachte der junge Graf einen großen, schweren Kuchen. Er war vom Hofkonditor gegenüber dem Königlichen Schlosse.

Als man ihn kostete, erzählte der Graf, daß ihm die Luft hier außerordentlich gut tue, und daß er sehr gern jeden Abend herauskommen möchte.

Frau Hempel hatte im Mund ein zu großes Stück des prächtigen Napfkuchens und konnte es ihm nicht untersagen. Auch gefiel er ihr. Man konnte nicht leugnen, daß er ein Herr war und sich als solcher benahm. Wie schön hatte er schon damals mit ihrer Laura von den Sternen gesprochen. Nicht anders hatte er gestern erzählt, daß der Kaffee auf Bäumen wachse, von denen ihn pechschwarze Neger herunterholten. Alle Tage hatte sie Kaffee getrunken, ohne zu wissen, wer eigentlich die Bohnen mache. Er hatte ihr. trotzdem geschmeckt, aber jetzt genoß sie ihn Schluck für Schluck.

Umgang bereichert den Verstand. Wenigstens kann man das verlangen. Wenn der Schutzmann ins Reden kam, wußte er nichts anderes zu erzählen, als daß seine Mutter immer gesagt hatte: »Junge, so viel Schmalzstullen wie du verschlingt kein zweiter Bengel auf der Welt.« Frau Hempel aber hatte Sinn für Besseres.

Hempel stimmte wie immer auch hierin ganz mit seiner Frau überein. Der Graf war ein feiner Mann.

Er hatte Hempel erzählt, daß der erste Schuster ein Heiliger geworden sei und mit einem Glorienschein im Himmel herumspaziere. Er war ein tüchtiger und auch ein guter Mann gewesen, der Leder gestohlen habe, um den Armen Schuhe daraus zu machen.

Schutzmann Degenbrecht meinte, das müsse sehr lange her sein, wer heute Leder stehle, komme erst einmal ganz woanders hin als in den Himmel.

Aber Hempel meinte, das sei ein Geschichtchen, das man alle Tage hören könne. –

So war es ganz von selbst gekommen, daß der Graf ein gern gesehener Gast an Hempels Gartentisch wurde, wo sich jeden Abend nach des Tages Last ein kleiner Kreis zusammenfand, um die Ruhe des Abends zu genießen. Da waren Specks, der Bademeister, Schutzmann Degenbrecht und dann und wann kam auch Herr Fabian, der Löwe, dazu. Er sah nicht froh aus und klagte, daß das Fell des Wüstenkönigs in diesen heißen Tagen kein geeignetes Kostüm sei. Auch auf Thusnelda schalt er, mit der er nun seit acht Jahren verheiratet war, ohne daß sie ihm gefiel. Aber sie hatten nun einmal das Geschäft miteinander, das Fell war teuer gewesen.

»Geschäft ist eben Geschäft«, sagte er seufzend und sah wehmütig zu Laura hinüber.

Laura scherzte meist mit dem Schutzmann, der vor Glück und Hitze strahlte. Er sah nur Laura. Den feinen Herrn mit den dünnen Knöchelchen beachtete er wenig. Wenn er wieder ein gutes Späßchen gemacht zu haben glaubte, lachte er laut und lange, zog den Rock mit den Knöpfen und den Tressen stramm, setzte sich fester auf den Stuhl, der unter der Wucht seiner Schenkel knarrte und krachte, und strich sich den Schnurrbart. Es war nicht schwer zu erraten, wem hier ein Mädchen den Vorzug geben mußte.

Wir täuschen uns selbst leichter als andere.

Auch Laura war überzeugt davon, daß Graf Egon nicht ahnen könne, an wen sie in diesen weichen Sommernächten dachte. Aber dieser war sich klar, daß die Zarte keinen wirklichen Gefallen an diesem Brocken in Uniform finden konnte.

Er fragte Laura, warum sie immer einen Schutzmann neben sich habe. Ob sie fürchte, daß ihr Herz gestohlen würde.

Sie antwortete, daß er es ganz richtig erraten habe. Herr Otto läse ihr jeden Morgen aus der Zeitung vor, wie viele schlechte Menschen es gibt.

Der Graf wollte wissen, ob sie auch ihn für diebisch halte.

Sie sagte nein. Denn er habe täglich so viel mit Gold und Geld zu tun, daß ihm nichts gelegen sein könne an einem leeren Herzen.

Der Schutzmann lachte laut auf und schlug sich vor Vergnügen auf die Knie.

»Wenn das Herzchen nun aber nicht mehr leer ist?« fragte er blinzelnd.

»Was sollte denn drinnen sein?« fragte Laura zurück und sah ihn an.

Da wurde er verlegen, kratzte sich unter dem Helm und wußte nichts zu sagen.

Erst nach einer ganzen Weile meinte er, daß Laura viel zu hochmütig wäre und nie im Leben einen Kuß kriegen werde.

Der Graf sagte, daß er das ebenfalls glaube.

Herr Otto, der wie alle Zeitungsleser über alles Bescheid wußte, sagte, daß in Amerika das Küssen polizeilich verboten sei.

Der Schutzmann runzelte die Stirn und erklärte bestimmt, daß dies hier im Lande nicht der Fall sei. Sein Reglement enthalte keine derartigen Vorschriften. Er faltete noch heftiger die glatte Bahn seiner Stirn zusammen und brummte:

»Was zu viel ist, ist zu viel.«

Es gibt Lebenslagen, wo selbst ein Schutzmann wütend werden kann auf die Polizei.

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