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Flamme

Karl Bröger: Flamme - Kapitel 6
Quellenangabe
typepoem
authorKarl Bröger
titleFlamme
publisherEugen Diederichs
printrunErstes bis drittes Tausend
year1920
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectide350bf61
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Die Freiheit spricht

Gebunden lag ich im tiefsten Turm der Zeit,
fern von Luft und Winden, von Sonne und Sternen weit,
alle Glieder geschnürt mit Eisenketten, mit goldenen Stricken,
über dem Haupt das schwarze Netz, um nicht den Tag zu erblicken,
Trauer und Scham im Herzen, Groll und Gram im Blut
saß ich im dunklen Verließ in waffenklirrender Hut ...
Wolken wehten über meine Trübsal ...

Da geschah es. – – – An jenem nebelfeuchten Tag
bebten die starken Mauern unter einem Donnerschlag;
bis in den Grund erschüttert wankte der Turm ...
Jede Bastille erlebt doch ihren Bastillensturm ...
Volk stieß die Tore des Zwingers auf,
holte mich aus der grauen Gruft herauf,
löste mich aus den Ketten, Stricken, Netzen, Banden ...
Wieder bin ich frei unter freiem Himmel gestanden.
Glorreicher Tag der Tat!

Volk, nun führ ich dich!
Volk, schließe enger den Ring um mich!
Hast du mich aus dem Kerker befreit,
hüte mich wohl! Sie halten schon wieder den Käfig bereit.
Volk, nicht müde werden! Wachsein! Zaudre nicht!
Höre und merke, was die Stimme der Freiheit spricht:
Alle rufen dich jetzt in meinem Namen an,
jedes Werk wird unter meinem Zeichen getan,
und ich kenne doch viele nicht, noch ihre Tat,
weiß nichts von ihrem Irrtum und falschen Rat.

Volk, steh mir in dem großen Werke bei!
Nur wo du selber dich bindest, da bleibt die Freiheit frei!

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