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Flamme

Karl Bröger: Flamme - Kapitel 5
Quellenangabe
typepoem
authorKarl Bröger
titleFlamme
publisherEugen Diederichs
printrunErstes bis drittes Tausend
year1920
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectide350bf61
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Der Aufbruch

I

Einen Herzschlag zuvor
noch rasselnde Kette,
gefesseltes Volk, ein Schrei: Rette, rette
aus Schlössern, Riegeln, Spangen von Stahl ...
Weit im Norden zuckt der erste Strahl.

II

Der Vogel Rock
kreist um den schwimmenden Eisenblock
der Flotte, rührt rote Feuerflügel
durch Heide und Wald, über Triften und Hügel.
Es prasseln aus seinem Flammengefieder
Funken in alle Städte nieder,
hüpfen auf jede Stirne,
schlüpfen in alle Hirne,
lassen die Muskeln mächtig schwellen,
machen die Herzen überquellen – –

Einen Herzschlag zuvor!

Millionen Fäuste trommeln auf das Eisentor.

III

Schon birst das Tor gespalten auf,
es stürzt hervor, es quillt zuhauf.
Der Platz tobt schäumend, faucht und zischt,
kocht auf, wellt ab, sprüht bunten Gischt,
und aus dem Schlund der Straße bricht
Gesicht, Gesicht, endlos Gesicht,
grell überglänzt von heißem Licht ...

IV

Sie alle haben schon gelebt,
in Haß versteint, in Wut gebebt.
In ihren Adern, dumpf vergrollt,
Empörerblut von Ahn und Urahn rollt.
Mein Ahne schwang den Morgenstern
bei Königshofen auf die Herrn
und deiner hielt im Zünftestreit
das Schlächterbeil in harter Faust bereit.
Trotzt dieser nicht in Paderborn
des Bischofs blutigem Pfaffenzorn,
und hackte jenen nicht das Blei
im Kampf um die Berliner Hausvogtei? ...
Sie sind's, sind alle aufgewacht
aus schwerem Schlaf, aus langer Nacht.
Wie schmettert ihre Losung wieder hell:
Hie Rebell!

V

Eine schlanke Gestalt
stößt durch zähe Haufen, dick geballt,
wirft Arme hoch und springt gewandt
auf Schultern, Fahne in der Hand.
Er reckt sie hoch und zögernd in den Falten
ein leiser Lufthauch spielt,
bis wie gezielt
ein Windstoß um die Ecke schnellt,
die rote Fahne packt und über alle hält.

Und jeder spürt das hohe Walten
einen Herzschlag lang.
Fern fliegt zersprungener Ketten Klang ...
Geschwungene Fäuste, gedrungener Schrei:

Frei! Frei! Frei!

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