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Flamme

Karl Bröger: Flamme - Kapitel 20
Quellenangabe
typepoem
authorKarl Bröger
titleFlamme
publisherEugen Diederichs
printrunErstes bis drittes Tausend
year1920
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectide350bf61
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Wallfahrt aus der Zeit

Da ich die Stadt verließ
und ihre kalte Wut,
das Herz befleckt von dem verspritzten Blut,
geschah mir dies:

Aus Gärten, still und friedsam eingehegt,
in weißer, roter, goldner Maienblüte
hat sich ein Zug von Bäumen zu mir herbewegt
und einer hat um meine Brust gelegt
sein blühendes Gerank als einen Kranz der Güte.

Er sprach:
»Was rennst du, Bruder in dem grauen Kleid,
so dunklen Schatten nach?
Wirf ab den Zorn, entbürde dich vom Leid
und tu dem blauen Tag Bescheid,
der froh aus jeder Vogelkehle lockt!
Sei länger nicht in Winterwut verstockt!
Blüh auf und bringe dich der Sonne dar!«

In feierlichem Reigen tanzt um mich die Schar.
Sie winkt und nickt, beugt sich in Lob und Dank,
bis ich mit hellem Schrei ans Herz der Erde sank.

Seit ich verließ des Wunders hohen Ort,
im sanft berauschten Blut
raunt Geist der Blüte in mir fort
und Stadt und Mensch sind alle wieder gut.

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