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Flamme

Karl Bröger: Flamme - Kapitel 11
Quellenangabe
typepoem
authorKarl Bröger
titleFlamme
publisherEugen Diederichs
printrunErstes bis drittes Tausend
year1920
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectide350bf61
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Gebet zum Volk

Die alten Götter sind tot.
In diesen Tagen
haben wir ihre Bilder zerschlagen
und künden laut ein neues Gebot.

»Volk, du bist groß
und unbegreiflich in deinem Tun.
Volk, dein Schoß
läßt die Kinder der Zukunft los.
Söhne der Lüge, Söhne der Wahrheit.
Brüder im Irrtum, Brüder in Klarheit
wirren um dich in buntem Schwarm.
Alle liegen in deinem Arm
und wollen an deinem Herzen ruhn,
Mutter!

Ewig junges Angesicht
kehrst du nach der Erde hin.
Große Allgebärerin,
du stirbst nicht.
Du bist unsres Lebens Leben,
Volk, und unser tiefster Wurzelgrund.
jeder Hauch ist dir ergeben,
jede Hand beschwöre neu den Bund.

Tod ist Irrtum, Sterben Trug,
Was da lebt, ist schon gewesen.
Immer hebt zu neuem Flug
sich der Geist und will in Sternen lesen.
Einmal müssen wir genesen,
und aus aller Wirnis uns befrein.
Volk, dann wirst du erst geboren sein,
wirst dein eignes Antlitz kennen
und dich mit dem wahren Namen nennen.

Mächtig schwillt das Beten, Rufen, Schrein:
Geburt! Geburt!

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