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Flamme

Karl Bröger: Flamme - Kapitel 10
Quellenangabe
typepoem
authorKarl Bröger
titleFlamme
publisherEugen Diederichs
printrunErstes bis drittes Tausend
year1920
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150506
projectide350bf61
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Schöpfung

Jedes Herz hat seinen Stern.
Millionen Herzen glühen,
Millionen Sterne sprühen
alle um den lichten Kern.

Millionen sind zerstampft
in der Kelter blutiger Stunden
und mit jedem Leib voll Wunden
ist ein klarer Stern verdampft.

Himmel dunkelt stündlich ab.
Schwarz sind seine blauen Wiesen.
Sonne, Mond und Sterne fließen
in ein nebelgraues Grab.

Einmal fällt der letzte Mann.
Blut wird dann sein Amen schreien,
Haß wird letzten Geifer speien.
Alle Zeiten enden dann.

Letzter Schuß, der da verhallt,
wird den Himmel donnernd brechen,
wird der Zeit das Urteil sprechen:
»Schuldig bist du der Gewalt!«

Alter Himmel stürzt ins Nichts.
Seine Sterne sind zerronnen ...
Sieghaft steigen neue Sonnen
auf mit Fülle jungen Lichts.

Tote Brüder flammen auf.
Und am Himmel unsrer Herzen
zünden sie die neuen Kerzen.
Schlanker Tag wölbt seinen Lauf.

Liebe heißt die lichte Kraft.
Komm, o komm, du Tag der Weihe!
Alle Menschen eine freie,
neue Sterngenossenschaft!

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