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Flagranti und andere Heiterkeiten

Ludwig Hevesi: Flagranti und andere Heiterkeiten - Kapitel 8
Quellenangabe
typenarrative
booktitleFlagranti und andere Heiterkeiten
authorLudwig Hevesi
year2009
firstpub1910
publisherMetroverlag
addressWien
isbn3-902517-97-5
titleFlagranti und andere Heiterkeiten
pages94
created20101007
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die Junggesellensteuer

»Ja wohl, liebe Vaseline. Sie können mir's glauben. Mein Vetter ist ja Abgeordneter. Ihm hat's der Finanzminister selber gesagt, daß er die Vorlage nächtens einbringen wird. Eine Junggesellensteuer in aller Form. Die müssen alle unverheirateten Männer bezahlen, ohne Gnade und Barmherzigkeit. Fünfzehn Prozent von ihrer jetzigen Steuer ... Nein, von ihrem Einkommen ...«

»Hoffentlich vom ganzen Einkommen, liebe Babette!«

»Noch besser vom ganzen Vermögen, liebe Nancy! Sie verdienen's ja nicht besser! Jedes Jahr fünfzehn Prozent von ihrem ganzen Vermögen! Das wird die Herren Junggesellen mürbe machen. Na ja, sie sollen heiraten! Wie kommen wir dazu, alte Jungfern zu sein?«

»Zu werden,« berichtigte Fräulein Vaseline, die jüngste der drei. Sie hatte die beiden Freundinnen zu einem kleinen Kaffeetratsch geladen. Den Zucker brachte jede mit, denn der ist jetzt schändlich teuer. Das war so unter ihnen abgemacht; mehr zum Spaß natürlich. Nebenbei: Vaseline war natürlich nur ein Kosename für Lina. Vaselinchen klang doch bei weitem geschmeidiger.

Eine gute Stunde freuten sie sich nun weiter über die köstliche neue Steuer. Nur ein Punkt erregte einiges Bedenken. Fräulein Nancy, eine wohlerhaltene 84 Fünfundvierzigerin, der man doch deutlich ansah, daß sie eine tiefere Brünette gewesen, stieß sich an dem Vorbehalt wegen der Personen, für die ein Junggeselle etwa zu sorgen hätte.

»Warum sollen diese Personen ihm von der Steuer abgezogen werden? Die Frau geht doch vor. Und dann ... Da kann sich einer eine Geliebte halten und hat dann weniger zu zahlen. Und wenn er sich zwei hält, noch weniger. Ein illegitimer Harembesitzer bleibt wohl ganz steuerfrei, oder der Staat zahlt ihm noch was heraus.«

»Aber, liebe Nancy!« rief Fräulein Babette, die älteste (wie die beiden anderen, sobald sie nicht dabei war, einstimmig behaupteten). »Wo reißt Sie nur Ihr Eifer hin! Illegitime Sachen nimmt der Finanzminister überhaupt aus. Nur korrekte Unterstützungen werden anerkannt. Se. Exzellenz ist ein hochanständiger Herr. Und dann, so was würde ihm seine Gemahlin gar nicht erlauben. Sie würde ihn schon Mores lehren.«

»Das ist schon richtig, daß er ein ungewöhnlich klarer Kopf ist. Und ein Gerechter, wie keiner vor ihm. Er hat ein Herz für uns und will uns von Staats wegen rächen. Er soll leben! Ich schlage vor, wir reiben ihm einen solennen Salamander. Mit Kaffee.«

Unter nicht geringer Begeisterung wurde diese imaginäre Eidechse von den drei Damen frottiert. Dunkle Jugenderinnerungen Babettens, deren Bruder einst Student gewesen, dienten dabei als Leitsterne. Bei dem Geklapper mit den Kaffeeschalen brach freilich 85 ein Henkel ab, was Fräulein Vaseline für eine Stunde verstimmte, aber der Gemütszustand war doch im ganzen sehr gehoben. Bis dann Fräulein Babette, ein verhängnisvoller Charakter, in ihr gewohntes »Allerdings« verfiel. Wenn sie »Allerdings« sagte, erschrak immer die ganze Gesellschaft. Denn da kam nichts Gutes.

»Allerdings betrachtet der Finanzminister auch die Mädchen als ... unverheiratet.«

»Wa ... a ... s? Sie meinen doch nicht ...«

»Gewiß. Auch die Jungfrau soll als Junggeselle qualifiziert sein. Eine Junggesellin, sagt er. Und soll auch fünfzehn Prozent zahlen. Warum hat sie nicht geheiratet? Sagt er. Jedes Frauenzimmer, sagt jenes Ressort, kann heiraten. Xmal im Leben bietet sich ihm eine Hand. Aber da gefällt der Dame die Nase nicht ... oder er hat noch keine Stellung ... oder es wird überhaupt auf den »Prinzen« gewartet. Romantisch sind wir, sagt er. Und dann reden wir uns aus: es ist keiner gekommen ... es hat mich keiner mögen ... und dergleichen Gemeinplätze.«

»Aber das ist ja entsetzlich!« schrie Fräulein Nancy auf in wildem Schmerz. »Aber dieser Finanzminister, dem wir soeben einen Salamander gerieben haben, ist ja ein Unmensch vom reinsten Wasser!«

»Seien Sie nicht so vernichtet, liebe Nancy,« mahnte Fräulein Babette. »Warten Sie, bis Sie alles wissen.« Ein Gewitter war heraufgezogen, ein Regenguß ging nieder. Die Damen eilten unwillkürlich ans Fenster und blickten in die Sintflut hinaus. Die Straße war 86 leer. Nur ein Mann stand auf dem Bürgersteig gegenüber und trotzte unter dem Regenschirm den schweren Regenböen, die daherfuhren. Ja er lüftete sogar einen Zipfel des Schirmes und schielte wie ein Ertrinkender an dem Hause hinan. Gerade in der Richtung dieses Fensters.

»Ah!« rief Vaseline unwillkürlich und trat ins Zimmer zurück. Die Freundinnen folgten ihr bald.

»Ein Hundewetter, brr!« schauderte Fräulein Nancy. Worauf Vaseline tief errötete, als hätte die Indiskrete mindestens gefragt, ob der wasserdichte Jüngling da unten ihr diese Fensterpromenade im Wolkenbruch mache. Überhaupt errötete Vaseline von nun an bei jeder Äußerung, die überhaupt noch getan wurde. Fräulein Babette aber nahm den Faden des Allerdings wieder auf:

»Denn sehen Sie, liebe Freundinnen, die Mannsleute, die sind halt außerordentlich perfid. Stellen Sie sich nur vor, wie das nun mit uns sein wird. Wenn wir die Junggesellinnensteuer – merken Sie wohl: Linnen – Wenn wir die nicht zahlen wollen, werden wir beweisen müssen, daß uns wirklich nie ein Mann zur Frau verlangt hat. Daß wir keine von den fünfzig Millionen männlichen Händen in dieser Monarchie jemals ausgeschlagen haben ... Liebste Vaseline, Ihnen wird es da schlecht gehen. Aber schon sehr schlecht! Alle die interessanten Herren-Photographien da, mit denen Sie Ihre Wände gepflastert haben, zur Erinnerung an ... einstige Flammen ... an diesen und jenen Schwarm ... gleich mehrere Leutnants mit 87 blonden Schnurrbärten, und der Postbeamte dort mit dem aristokratischen Monokel, ... und diese Glatze da ... die muß mindestens schon ein Regierungsrat sein ... Und da sagen Sie noch allen Leuten ganz unverhohlen, daß alle diese hübschen jungen Herren in Sie verliebt waren und Sie durchaus heiraten wollten! Welche Unbesonnenheit! Wenn das die Steuerbehörde erfährt! Sie werden ja tausend Kronen jährlich Junggesellinnensteuer zahlen müssen! Bei so hochgradigem Begehrtgewesensein! Lassen Sie sich raten, verbrennen Sie dieses Zeugs beizeiten!«

»Zeugs!!?« stammelte Vaseline, beide Ohren blutrot.

»Allerdings,« fuhr Fräulein Allerdings grausam fort. »Denn Sie wissen gar nicht, was uns alles bevorsteht. Welche neue Schlauheiten die Steuerbehörde gegen uns im Schilde führt. Wir werden ja natürlich aus Leibeskräften leugnen, daß wir jemals irgendwelche Heiratswerber abgewiesen haben. Aber da ist im Finanzministerium schon ein eigener Kniff ausgeheckt. Mein Vetter, der Abgeordnete, hat mir's aus verwandtschaftlicher Fürsorge verraten, damit ich nicht unwissenderweise ins Malheur komme. Nämlich eigene Lockspitzel werden sie anstellen, lauter geriebene agents provocateurs, die uns auf den Leim führen sollen. Der Steuerbeamte wird nicht mehr mit offenem Visier zu uns kommen, sondern in der Maske eines Courmachers, und wird uns nach ausreichender Einfädelung einen Heiratsantrag machen. Daß er bei der Steuer ist, wird er verschweigen, ... Beamter 88 mit 2000 Kronen Gehalt, wird es heißen. Natürlich kann unsereins so was nicht heiraten. Ich kann doch nicht ihn und seine Kinder erhalten. Ich werde also ablehnen, und da werden mir flugs die fünfzehn Prozent aufdividiert.«

»Mir ist schlecht!« stöhnte Fräulein Nancy und trank ein Glas Wasser. Vaseline errötete bloß wieder und starrte auf eine der kleinen Photographien an der Wand.

»Und wissen Sie,« fuhr Fräulein Babette fort, »die armen Mädel werden überhaupt nicht gut mehr heiraten können. Die werden nichts mehr sein, als Erpressungsobjekte. Da kommt der erste beste Werdawill und bietet mir seine Hand an. Wenn ich ablehne, zeigt er mich bei der Steuerbehörde an, außer ich kaufe mich los ... Und bei der Steuerfassion wird auf dem Einbekenntnisbogen eine neue Rubrik auszufüllen sein: »Ist jemals um Ihre Hand angehalten worden?« Bitte das mit Nein auszufüllen, unter Ihrem Eid! ... O, wir kommen da in eine schreckliche Lage. Wir können ja einem unverheirateten Mann gar nicht mehr Rede stehen, denn er könnte uns meuchlings fünfzehn Prozent kosten. Ich sage Ihnen, liebe Freundinnen, wir gehen schrecklichen Zeiten entgegen.«

Draußen ging die Schelle. Man hörte die Türe öffnen, eine männliche Stimme, leise, fast raunend. Vaseline wurde purpurrot. Die anderen Damen horchten angespannt. Fräulein Babette schnupperte auch sonderbar gegen die Türe hin. Dann kam die Magd 89 herein und reichte Vaselinen eine Karte. Der Herr wolle sie selbst sprechen. Vaseline sprang auf, teils verwirrt, teils verworren, jedenfalls feuerrot und an allen Gliedern bebend. Die Visitenkarte entfiel ihren Fingern. Fräulein Babette haschte sie sofort und las: »Jean-Louis Tourniquet, professeur de langues modernes.«

»Also doch!« rief Fräulein Nancy. »Wahrhaftig, der Herr unter dem Regenschirm. Ich hatte ihn ja gleich erkannt, aber nur so halb und halb, durch den Regenschleier, und da sagte ich lieber nichts.«

»Werden Sie ihn empfangen, Vaseline?« fragte Fräulein Babette. »Nach alledem, was ich soeben ... Gehen Sie, schicken Sie ihn lieber fort. Sicher ist sicher.«

»Ich werde ihn fortschicken,« stotterte Vaseline und ging hinaus. Das Nähtischchen fiel dabei um und eine Schachtel voll Glasperlen entleerte sich über den ganzen Boden hin. Sie zerkrachten dann bei jedem Schritt, und das war nicht nett zu hören; von dem Schaden gar nicht zu reden.

Fräulein Babette schnupperte immer stärker gegen die Türe hin. »Haben Sie schon bemerkt, daß Verliebte einen ganz eigenen Geruch haben? Ich rieche die Liebe des Monsieur Tourniquet deutlich durch das Schlüsselloch. Abstoßende Sache, was? Wer ist er denn eigentlich?«

»Französischlehrer an der Anstalt, wo Vaseline unterrichtet. Windiger Franzos. Unbegreiflich, was er gerade an Vaseline findet ... Sie scheinen sich in 90 das Stübchen der Magd zurückgezogen zu haben, denn ich höre keinen Laut ... Und wie lange diese Audienz dauert. Dieses Rendezvous vielmehr, bei dem wir ... hihi ... etwas störend zu sein scheinen. Eine halbe Stunde stecken sie schon beisammen.«

Fräulein Babette sah auf die Uhr. »Zwei Minuten erst.«

Da ging auch schon die Türe auf und Vaseline erschien wieder. Sie stand hoch aufgerichtet, an die Türe gelehnt, stumm. Blaß wie die Blässe war ihr Gesicht. Ihr Busen flog. Es gibt Frauen, bei denen er sich nur verrät, wenn sie so in Verzweiflung sind. Sie brachte wirklich kein Wort heraus, so von Grund auf war sie durchschüttert ... Aber das stand ihr gut, wahrhaftig.«

»Nun?« ...

»So reden Sie doch ein Wort!« ...

»Vaseline, ist Ihnen was?« ...

Vaseline brach in einen Tränenstrom aus. Sie sank auf den Divan und schluchzte. Sie sah wirklich immer besser aus. Eine feine Bösartigkeit spielte um Babetten Mundwinkel.

»Sie haben ihn abgewiesen?« (Vaseline nickte.) »Vielmehr, hoffentlich, gar nicht zu Worte kommen lassen?« (Vaseline nickte.) »Ihn hoffentlich gleich mit einem Blick für immer stumm gemacht?« (Vaseline nickte.) »So daß er seine Werbung gar nicht anbringen konnte?« (Vaseline nickte.) »Das ist gut. Nun kann er Sie nicht der Steuerbehörde angeben. Man kann jetzt wirklich nicht vorsichtig genug sein. Ich 91 gratuliere Ihnen, liebe Vaseline, zu diesem mannhaften Entschluß. Er hat Sie, wie ich sehe, einen harten Kampf gekostet. Ich hätte gar nicht geglaubt, daß Sie sich so etwas gar so nahe gehen ließen. Bah! Es ist doch schließlich bloß ein Mann. Sie, in Ihrer selbständigen Stellung, unabhängig als Weib und Dame ... Unanfechtbar selbst als Steuerzahlerin. Wer kann wissen, was hinter so einem Monsieur Tourniquet steckt? Sicher ist sicher.«

Alle fuhren zusammen, denn es schellte wieder. Vaseline schnellte förmlich vom Sofa auf und stand, wie im Lauschen erstarrt. Wieder die raunende Männerstimme draußen ... Vaseline stürzte zur Türe.

»Vaseline!« rief Fräulein Babette, Silbe für Silbe wie mit der Zungenspitze herausstechend. Diese abgestandene, saure Person hatte eine Kraft der Suggestion in sich ...!

Vaseline sank wieder auf das Sofa, rücklings, das Taschentuch an die Augen gepreßt. Was für eine hübsche Hand sie hatte, für so melancholische Verrichtungen. Es gibt Frauen, die erst hübsch werden, wenn es ihnen recht schlecht geht.

Die Resi erschien: »Der Herr hat halt seinen Hut da vergessen ... und drunten im Regen ist's ihm erst eingefallen. Er ist waschlnaß. Ich hab's ganze Vorzimmer aufwischen müssen.« Die Resi lachte, und es war ja auch so spaßhaft.

Dann lachten die Freundinnen, und weidlich. Nein, so ein Verliebter! »Wie haben Sie das nur angefangen, holdselige Vaseline, ihm den Kopf gar so zu 92 verdrehen? Im strömenden Gußregen barhäuptig auf die Gasse zu gehen! Nun, das kalte Wasser wird ihm gewiß gut tun. Er wird schon zur Besinnung gelangen.«

Und in der Tat, er gelangte zur Besinnung. Wieder ging draußen die Türe und die gewisse Männerstimme entschuldigte sich – man merkte es nur am Tonfall – und Fräulein Babette schnupperte mit allen Nüstern nach dem Schlüsselloch hin.

»Den Regenschirm hat er sich auch noch geholt,« kicherte Fräulein Nancy, das Ohr an der Türe. »Bleiben Sie nur sitzen, Vaseline. Er wird schon noch einmal kommen, um die Galoschen.«

Allein Vaseline war diesmal schlechterdings nicht aufzuhalten. Vergebens rief das suggestive Fräulein Babette wiederum so silbenstecherisch ihren Namen. Vaseline sah und hörte nichts und stürmte geradenwegs hinaus. Offenbar, um Monsieur Tourniquet seinen Regenschirm persönlich zu überreichen. Als sie ihn dann in seinem triefenden Jammer erblickte, wie er ihretwegen so träufelte und strömte, da erbarmte er sie mächtig.

»Aber, lieber Tourniquet, Sie sind ja schandbar durchregnet! Sie sind ja windelnaß!« Augenscheinlich war sie zu verwirrt, um die Tragweite ihrer Ausdrücke genau zu ermessen. »Kommen Sie doch zu uns, in die warme Stube ... Resi, gießen Sie den Kaffee nochmals auf! ... Lieber Herr Monsieur! Ich wollte sagen: Monsieur Tourniquet ... Apropos, eine Frage, solange wir noch unter uns sind ... Nicht wahr, Sie 93 werden mir die Wahrheit sagen? Wie stehen Sie eigentlich ... Sind Sie nicht vielleicht so in Ihren freien Stunden ... Ach, es ist ja gewiß nicht wahr, was die Leute sagen.«

»Was sagen die Leute?«

»Daß es so eine Art ... Steuer-Detektivs gibt, die herumgehen und Heiratsanträge machen, um uns dann zu denunzieren, wegen der Junggesellensteuer. Sie lachen aus vollem Halse? Nun, das beruhigt mich einigermaßen.«

Monsieur Tourniquet wand sich in der Tat vor Lachen. Dann griff er in die Brusttasche, holte drei blaue Zettel hervor, so recht formularmäßig bedruckte, beschriebene, gefaltete und verklebte, und hielt sie Vaselinen hin.

»Da ... Nicht weniger als drei Steuermahnungen, mit Exekutionsdrohung ... hier, an meine Adresse. Allerdings schreiben sie immer Fourniquet statt Tourniquet.«

Ja, das war ein gültiger Beweis. Steuerbeamte sind keiner Steuerexekution ausgesetzt. Vaseline wurde plötzlich um fünfzehn Prozent schöner, als sie in ihren schönsten Zeiten gewesen. Sie führte den Prinzen, der ihr endlich gekommen, feierlich in ihre Stube, setzte ihn an ihren buntgedeckten Tisch und schenkte ihm des perlenden Kaffees. Da er zufällig keinen Zucker bei sich hatte, süßte sie ihm den Trank aus eigenem, so daß er von den sparsamen Hausregeln gar nichts merkte. Fräulein Babette griff zwar in die Tasche und reichte ihm boshaft noch ein 94 Stückchen Zucker, da der Kaffee gewiß nicht süß genug sei, aber der Franzose lehnte dankend ab.

»Ihr Zucker, liebe Lina, ist doppelt süß. Schon aus Sparsamkeit kann man nicht umhin, Sie zu heiraten.«

Solche Ehegründe haben die Leute. Und dann kann es Spieße regnen. Und dann sagt Fräulein Babette wohl noch, er heirate bloß aus Geiz, um die Junggesellensteuer zu ersparen.

 

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