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Fertig!

Max Halbe: Fertig! - Kapitel 1
Quellenangabe
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typenarrative
authorMax Halbe
booktitleNeuland
titleFertig!
publisherAlfred Schall, Königliche Hofbuchhandlung
printrunZweite Auflage
editorCäsar Flaischlen
year1895
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090416
projectid2c435421
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Max Halbe

Fertig!

Eine Lebensstudie

»Sehen Sie, ich lebe nur noch aus Neugierde! Ich will nur wissen, was noch wird. Und wegen meiner Jungens natürlich auch. Aber sonst ... Sie können mir glauben, wenn ich jetzt umfiele, hier auf der Stelle, und wäre tot ... Mir könnte gar nichts Besseres passieren. Ich will nur Ruhe haben. Vollständige Ruhe! Und die hat man dann. Davon bin ich überzeugt. Ich weiß das sogar. Wirklich! Das glauben Sie mir wohl nicht?«

»O, gewiß, gewiß, Herr Heyn! Ich persönlich ... ich stimme Ihnen vollkommen bei. Ich bin auch überzeugt. Natürlich wissen ...?«

»Ja, ich weiß das. Meine Erfahrungen haben das bewiesen. Aber abgesehen davon ... Ich will nichts mehr denken. Das hält mich noch allein aufrecht, daß man dann nichts mehr denkt. Das wäre ja fürchterlich, noch einmal ... Aber das ist ausgeschlossen. Ja, und dann die Zukunft. Die interessiert mich noch. Schließlich, nichts als Neugierde! Neugierde!«

Er sprach in gewöhnlichem Ton, ohne eine Spur von Thuerei. Seine Stimme klang leise, wie immer, mit einem leichten nervösen Zittern. Bei jedem Schritt, den wir nebeneinander thaten durch die Dunkelheit, griff der Knotenstock in seiner Rechten weit aus und setzte sich mit einem feinen metallischen Aufstoß wieder auf den Kies der Chaussee. So Schritt um Schritt, Schritt um Schritt, eine Weile, während wir schwiegen.

Aber in mir raunte und redete es von der Menschenmisere und von der unendlichen Überflüssigkeit alles Lebens, und die Musik des Stockes und der Klang unserer Schritte auf der Chaussee brachten den Taktschlag, den Schicksalstaktschlag in die Melodie meiner Gedanken. Und ich betrachtete meinen Genossen von der Seite, welchem diese Erkenntnis wahr und wirklich geworden war, ein Selbstverständliches und Notwendiges, das er gerade so hinwarf, aus der Fülle seiner Überzeugung und der gewonnenen Resultate, wie Einer, der das auch noch hunderttausendfach ausdrücken kann, aber sich mit dieser einen Gabe begnügt, aus Überdruß oder Müdigkeit oder weil's ihm schließlich auch gleichgiltig war.

Und ich selbst ... Ich selbst ging hier neben ihm und wünschte noch etwas und wollte noch etwas, und das Leben winkte mir noch, und ich kam mir so eigentümlich grün und jung vor neben diesem Mann, diesem kaum dreißigjährigen Mann, welcher fertig war, so ganz fertig und reif zur Ruhe. Höchstens, daß ihn noch die Neugierde reizte, die Neugierde so ganz im allgemeinen.

Es überschauerte mich wie Hauch aus einer fremden Welt, und ich blickte mich um in der Dunkelheit, nach Menschen gleich mir und meiner Art. Da zogen sie, vor und hinter uns, in Scharen und Pärchen, oder allein. Ungewisse Gestalten im Flackern der spärlichen Laternen, hier und da am Chausseerand. Hinter uns war das Toben des Bocks verbraust, von dem wir heimschritten, unheimliche Karfreitagsgäste. Eine Pferdebahn schwankte an uns vorbei, vollgepfropft bis zum Dach mit Menschenfleisch. Halloh und Gelächter verhallten in der Nacht, Rufe flogen uns zu. Aber wir hielten uns schweigsam und schritten fürbaß.

Und die Misere des Lebens drückte wieder auf meine Seele, stärker noch als vorher. Zwischen zwei Mühlsteinen verrieb es mich, zwischen dem Taumel und der Verödung, und ich wußte mir keinen Ausweg, wie ich diesen beiden entrann. Waren das wirklich die Angeln, in welchen die Welt sich dahinwälzte, nach Schicksalsschluß?

Da schrie es in mir auf: »Warum tobst du nicht auch wie die da? Warum trankst du nicht wie die alle und sogst den Saft der Stunde? Was willst du überhaupt?! Sinnlos! Zwecklos! Und ich biß die Zähne zusammen und wehrte mich gegen den Wahnsinn, welcher mich angrinste.

So zogen wir vorüber an den ersten Vorstadthäusern und kamen auf die Höhen über den Bahnhofsgeleisen von Westend. Zahllose Laternen flammten unter uns, rote und grüne, blaue und weiße, ein blitzendes Lichtmeer. Lokomotiven schnaubten, Pfiffe schrillten. Auf den stählernen Schienen rollte das Leben, Und in der Ferne, in der ganzen Weite des Nachthimmels vor uns, breitete sich ein rötlicher Dunst und Nebel, welcher die nächtliche Weltstadt kündete, in ihrer heißen Nähe und dem feurigen Atem. Über den unendlichen Häuserzeilen, die wir dort unten ahnten, hingen dick geballte Wolkenmassen, finster verschwommen gegen den feurigen Dunst, wie Rauchknäuel über lohendem Weltbrand.

Da erwachte mein Genosse aus seinem Schweigen, und er erzählte mir von den wechselnden Wegen, auf welche sein Muß ihn geworfen, und von der Unrast, welche ihn gehetzt wie einen Hund, von früher Jugend bis zu diesem Tage. Er erzählte erst stockend und langsam, dann schneller und lebhafter, aber immer mit der gleichen, leisen Stimme, und dem nervösen Zittern, daß man die innere Bewegung merkte, und wie jedes Wort erkauft war mit seinem Fleisch und bezahlt war mit seinem Blut.

»Sehen Sie, an mir ist herumexperimentiert worden, von Kind an. Erst mein Vater und meine Lehrer und nachher ... dann hat es das Leben besorgt. Und das hat's am besten verstanden. Sie wissen doch, daß ich Theologe werden sollte?«

›Sie, Theologe? Nicht möglich! Sie?‹

»Ja, ich war in Darmstadt auf dem Gymnasium, Meine Angehörigen wollten so recht was mit mir zu stande bringen. So recht eine Stütze des Staats und der Gesellschaft. Mein Vater war Offizier in holländischen Diensten gewesen.«

Ich nickte.

»Ich war damals sehr fromm. Ich nahm mir alle möglichen kleinen Sünden zu Herzen. Ich war fürchterlich gewissenhaft. Betete z. B. peinlich mein Morgen- und Nachtgebet, und was so Geschichten mehr waren. Mit der Hölle hab' ich mich viel abgeplagt. Aber darauf kam's meinen Verwandten nicht an. Sie wollten einfach mit mir renommieren. Ich sollte etwas vorstellen. Vielleicht Hofprediger werden u. s. w. Aber ich kam nicht vorwärts. Das wollte mir absolut nicht in den Kopf, das Griechische und dann dies schreckliche Auswendiglernen! Diese Regeln! Wenn ich daran denke! Ich nahm das alles viel zu schwer. Natürlich gab's alle möglichen Reibereien mit den Lehrern und das Ende vom Lied war, daß ich einem eine Ohrfeige wiedergab. Er hatte mich immer schlecht behandelt. Schließlich ohrfeigte er mich. Ich war damals in Tertia. Ich ließ mir das nicht gefallen, und so kam's denn. Natürlich mußte ich weg. Mit dem Theologen und dem Hofprediger war's vorbei.

Ich hatte einen fürchterlichen Krach mit meinem Vater, – und dann sollte ich Offizier werden. Ich kam in ein Kadettenhaus und sollte mich vorbereiten. Aber damit war's auch nichts. Ich war schon viel zu eigensinnig. Offizier werden wär mir schon recht gewesen. Ich war damals junkerlich bis zum letzten Faden. Das war ja auch ganz natürlich. Immer die Einflüsse von Hause! ... Und dann den ganzen Tag draußen sein und reiten! Reiten, das machte mir Spaß! Aber das Lernen paßte mir nicht mehr. Es war schon zu viel mit mir probiert worden. Na kurz, ich kam da auch nicht weiter. Natürlich war ich nun schon eine halb verbummelte Existenz.

Wär ich da bloß in einen praktischen Beruf hineingekommen! Aber ich lebte ja in einer Atmosphäre! Das alles war ja meinen Verwandten nicht gut genug. Mein Vater wollte noch einen letzten Versuch mit mir machen. Nach seiner Art. So brachte er mich in eine Reitschule in Göttingen. Ich weiß nicht, wie er sich das dachte. Ich sollte nachher in die Karriere als königlicher Stallmeister kommen. Bei irgend einer Gelegenheit sollte ich so einem hohen Tier vorgestellt werden; vielleicht meine Kunst zeigen, und dann würde sich das schon machen. Denn auf das Reiten verstand ich mich.

Ich lag natürlich den ganzen Tag auf dem Pferde. Das war mein Element, Hätte ich mir das träumen lassen, was noch alles aus mir werden sollte! Anschauungen hatte ich damals! Anschauungen! Aber die Herrlichkeit dauerte nicht lange. Es stellte sich heraus, daß ich nicht königlicher Stallmeister werden konnte. Dazu werden nur Offiziere genommen oder wurden genommen, was weiß ich! Mein Vater hatte das nicht gewußt. Wir hatten uns nie verstanden. Er hatte allerlei Pläne mit mir gehabt. Jetzt war's damit wieder nichts. Er gab mich so halb und halb auf. Nun konnte ich was Praktisches werden.

Ich war damals neunzehn Jahre alt. Wir hatten einen Verwandten, einen Gutsbesitzer in Hessen. Zu dem wurde ich geschickt. Ich mußte seine Leute beaufsichtigen. Na kurz und gut, so etwas wie Inspektor! Ich war also mit einem Mal Landwirt.

Wie mir das vorkam! Nun ganz allein. Der Mann war ein ganz anständiger Mensch. Aber er hatte absolut keine Zeit, sich mit mir zu befassen. Er hatte noch alle möglichen Ämter und Nebenstellen. Wir sahen uns nur beim Essen. Kaum da. Wir hatten eigentlich gar keine Beziehungen. Ich war also ganz allein mit meiner Wenigkeit. Ich lernte natürlich nichts. Höchstens, was so von selbst kam. Und dann diese Einsamkeit! Meilenweit kein Mensch! Wenigstens nicht, was mir so schien. Die Leute verstanden mich nicht und ich sie nicht. Es waren auch noch zwei Kollegen da. Ein Oberinspektor und ein anderer! Aber mit denen kam ich auch nicht recht aus. Ich war das anders gewöhnt. Ich muß damals ein fürchterlicher Mensch gewesen sein. So war ich also auf mich allein angewiesen. Wie ich damals die Welt ansah! Ich glaub's manchmal selbst nicht mehr.

Natürlich kam ich auf alle möglichen Gedanken. Junger Mensch! Da lernte ich also meine spätere Frau kennen. Sie war Wirtschafterin auf dem Gut. Ich sah sie alle Tage. So ziemlich das einzige weibliche Wesen, das in Betracht kam. Und man war zwanzig Jahre alt! Sie siebzehn. Und die hübsche Nationaltracht! Ich verliebte mich eigentlich in die Tracht ... Ja, Sie lachen!«

»O, nein, durchaus nicht, bitte sehr! Ich begreife das vollkommen. Ich kann mir das so gut vorstellen! Ich freu' mich nur, wie Sie das alles so erzählen! So alles in dem gleichen Ton! Als ob das alles gar nichts sei! Und dabei doch wieder ... Man könnte die Fäuste ballen! Aber bitte, weiter!«

»Ja, das sagen Sie! Mir war das damals auch gar nichts. Wir verlobten uns einfach. Ich wollte sie schlankweg heiraten. Als ich das nach Hause schrieb, da war der Teufel los. Natürlich setzte ich erst recht meinen Kopf auf. Hätte man mich irgendwie darauf aufmerksam gemacht, wie ich mir das eigentlich dachte! wovon wir leben wollten! wie das werden sollte! Wer weiß, ob ich mich nicht besonnen hätte! Aber da kennen Sie meinen Vater schlecht. Kein Wort von so etwas! Von vernünftigem Vorstellen! Bloß Flüche und Vorwürfe! Mein Stand und ihr Stand! Enterbung und Verstoßung und solche Scherze mehr! Natürlich hielt ich nun erst recht fest.

Da kam mir der Gedanke mit Amerika. Ich stellte mir das in den glänzendsten Farben vor. Es konnte mir gar nicht fehlen. Meine Frau stimmte mir bei. So zogen wir los. Drüben heiratete ich sie. Und hinter mir warf mein Vater mir seinen fürchterlichsten Fluch nach. Es ist damals ein Dokument aufgesetzt worden, worin ich feierlichst enterbt wurde. Mich ließ das alles kalt. Mit meinem Vater war ich fertig.«

»Und wie stehen Sie heute zu Ihrem Vater?«

»O, ganz gut. Natürlich, ich war nicht untergegangen. Ich brachte sogar noch Geld mit. Was denken Sie sich, das imponierte doch meinem Vater! Solchen Leuten imponiert nur der Erfolg! Er hielt es für seine Pflicht, äußerlich wieder anzuknüpfen, und ich kam ihm entgegen. Aber wir sind uns fremd. Er weiß, was ich von ihm halte. Das sind alles Vorurteile, mit der Vaterliebe und sonst! Ich kenne keine Vaterliebe! Ich kenne nur noch die allgemeine Menschenliebe und vielleicht die Mutterliebe! Vielleicht! Ich bin mir noch nicht klar, ob das nicht auch nur Egoismus ist. Aber alles andere ist Vorurteil!

Vorurteile! Ja, die brachte ich genug mit nach drüben. Das ist der Vorteil, wenn man rauskommt, in ein fremdes Land, Sie glauben gar nicht, wie mir das hier alles verbarrikadiert vorkommt! Jetzt! Mir ist das alles so klar. Ich begreife gar nicht, daß die Leute das nicht einsehen! Aber damals war ich selbst so vollgepfropft mit Vorurteilen. Das mußte ich alles über Bord werfen. Wenn ich zurückdenke, wundre ich mich, daß ich nicht untergegangen bin. Es hat auch ein paarmal nicht viel gefehlt. Zuerst fingen wir ein Barbiergeschäft an. Denken Sie sich, aufs Geratewohl ein Barbiergeschäft! Mitten in einer kleinen Stadt.

Wir blieben in New York. Englisch konnte ich nicht. Meine Frau natürlich auch nicht. Ich hatte von Hause noch tausend Dollars mitbekommen, als Reisegeld. Mein Vater war ja froh, daß er mich los war! So, als letzte Abfindung! Die gingen natürlich drauf. Nach drei Monaten waren wir fertig. Und dann ging erst das Leben los. So lang waren wir ja Bourgeois gewesen, immer noch Europäer. Aber dann kam's! Dann kam's ...«

Mein Genosse atmete tief auf, während wir schon durch die menschenleeren Straßen von Charlottenburg schritten, und unter unseren Sohlen das Pflaster klirrte, daß die Häuser den Klang zurückwarfen, die dunkeln Häuser mit ihren erloschenen Fenstern gleich stieren Augen. Und mein Nachbar erzählte weiter in seiner gedämpften Art, und schwenkte seinen Stock, und das dumpfe Dröhnen unserer Schritte geleitete uns.

»Ich weiß, was das heißt, Proletarier werden! Ich hab' das kennen gelernt, wie man so allmählich vertiert. Wenn ich abends nach Hause kam, von der Arbeit, in der ersten Zeit legte meine Frau immer eine weiße Decke über den Tisch, das Essen stand auf der Decke, und Teller und Messer und Gabeln dabei. Da waren wir noch bourgeoisistisch angehaucht. Da mußte noch alles nach was aussehen. Sonst fühlten wir uns nicht wohl. Aber nachher kam für die weiße Decke ein Wachstuch, und dann blieb das auch weg. Das Essen stand auf dem bloßen Tisch in einer Schüssel, und ich fuhr mit dem Löffel rein und aß mit einer Gier! Da macht man keine Umstände, wenn man den ganzen Tag auf dem Gerüst gestanden hat. Da wird Einem alles egal. Bloß satt werden! Satt werden! Ich schlang das runter und wenn ich voll war, ging ich ins Nebenzimmer und warf mich aufs Bett. Manchmal brannte ich mir noch eine Pfeife an und las in 'ner deutschen Zeitung. Aber schließlich auch das nicht mehr! Kaum lag ich, dann schlief ich und gleich durch bis zum Morgen. Und am Morgen ging's von neuem los. Ja, da sah ich erst, was das Leben war! Da lernt' ich's erst von der richtigen Seite kennen. Das muß man durchgemacht haben! Und dann keine Aussicht, daß es mal anders wird! Proletarier bleiben!«

›Ja, da liegt's,‹ warf ich ein, ›Proletarier bleiben! Was waren Sie, wenn ich fragen darf?‹

»Ich polierte zuerst. Aber damit war nichts zu verdienen. Das wird schlecht bezahlt. Was blieb mir weiter übrig! Ich verstand ja nichts. Zum Polieren gehört dort nicht viel. Anders als hier. Ich war froh, daß ich dabei ankam. Ich war ja so schrecklich unpraktisch. In jeder Beziehung. Ich fand mich furchtbar schwer in das Leben. Auch mit der Sprache und meinen Kollegen. Das machte mir alles solche Schwierigkeiten, mich da hineinzufinden! Das waren die Früchte meiner Erziehung. Erst allmählich ging mir das auf. Ich mußte das alles erst lernen, eigentlich von der Pike anfangen. Die einfachsten Handgriffe! Dabei kam ich nicht weiter. Ich war zu schwerfällig, das ganze System ekelte mich an. Diese wahnsinnige Konkurrenz! Dies gegenseitige Übertölpeln! Dies Ducken nach oben und Drücken nach unten! Das wurde mir alles viel schwerer als den anderen. Ich empfand alles so schrecklich! ...

Ich wehrte mich, so lang es ging. Aber ich kam nicht weiter. Bis mir das Wasser am Halse saß. Ich hatte die Wahl, unterzugehen, oder es zu machen, wie die anderen. Mit meinem Lohn als Polierer war nicht zu leben. Meine Frau hatte eine Stelle als Aufwärterin, nachher als Dienstmädchen. Aber das half auch nicht viel. Da war guter Rat teuer. Das Schiff war am Versinken.

Aber ich hatte schon ausgelernt. Ich sah, wie's die anderen machten. Ich war schon geschmeidiger geworden. Ich sagte mir: Jetzt machst du noch einen Versuch. Wenn der mißglückt, dann giebst du's auf. Aber frech! frech! ... Ich wußte, daß Lackierer besser bezahlt wurden. Es wurde damals viel gebaut. Auf den Neubauten braucht man Lackierer. Wissen Sie, zu den Thüren und Fenstern u. s. w. Ich hatte keine Ahnung, wie man das macht. Aber warum sollte ich das nicht ebenso gut können, wie die anderen. Sie sehen, ich paßte mich schon an. Ich ging einfach zu einem Unternehmer, es war ein Deutscher, ein fürchterlicher Schinder, und fragte, ob ich eine Stelle als Lackierer bekommen könne. Er fragte mich: »Haben Sie schon lackiert?« »Selbstredend,« antwortete ich, »sonst stünd' ich nicht hier.« »Wo?« fragte er, »da und da,« sagte ich und wußte natürlich, daß er nicht nachfragen würde. »Wieviel verlangen Sie?« fragte er. »Unter sieben Dollar die Woche kann ich's nicht machen.« »Schön,« sagte er, »sollen Sie haben, aber leisten Sie nichts, werden Sie entlassen,« »Selbstredend,« sagte ich und ging. Die Stelle hatte ich also.

Am nächsten Morgen trat ich an. Ich sah so 'n bißchen von der Seite, wie's die anderen machten, und fing an. Erst so, dann so. Das ging ja. Aber neben mir stand einer, der war hingesetzt, aufzupassen. Den kaufte ich mir. Ich horchte ihn erst ein bißchen aus. Er schien zugänglich. Ich gab ihm Schnaps und versprach ihm die Hälfte von meinem Wochenlohn der ersten Woche. Dafür zeigte er mir die Handgriffe. Schwer war das ja nicht. Man mußte es nur wissen. Ich hatte das bald kapiert, und nach vier Wochen lackierte ich, als wenn ich nie was anderes gethan hätte.

Ich blieb da ziemlich lange. Zuerst dachte ich jeden Tag, ich werde rausgeworfen. Der Unternehmer, er hieß Lindner, paßte auf wie'n Luchs. Jeden Abend stellte er sich vor den Ausgang, wenn wir von der Arbeit rauskamen, und entließ die Untauglichen. In Amerika giebt's keine Kündigung. Sie wissen nie, ob Sie nicht morgen auf dem Pflaster sitzen. Das gehört mit zum System. Vollständige Freiheit zum Verhungern, Es hat ja auch sein Gutes. Wenn's Einem nicht gefällt, geht man. Man ist wenigstens nicht gebunden ... Der stellt sich also vor den Ausgang und zeigt mit dem Finger: »Sie können gehen, und Sie gehen und Sie und Sie.« Auf mich zeigte er aber nicht. Da bekam ich Mut. Hollah, dachte ich mir, du mußt doch was leisten, der entläßt dich nicht. Ich wunderte mich über mich selbst. Aber das machte mich sicher. Ich drang schon mehr in das System ein. Ich sah, wie es gemacht wird. Ich fing an, rücksichtslos beiseite zu stoßen, was mir im Wege stand. Ich sagte mir, entweder du trittst oder du wirst getreten ... Es blieb mir nichts anderes übrig. Es tat mir innerlich selbst leid, wenn ich so einen armen Kerl beiseite stoßen mußte, der doch dasselbe Recht hatte, wie ich. Aber da gab's keine Kameradschaft. Verdienen! Verdienen! Das ist das System! Daraus resultiert alles, da treibt immer einer den anderen! Leben ist das gar nicht zu nennen! Alles ist auf gegenseitige Übertrumpfung eingerichtet. Jeder sieht im anderen seinen Todfeind, der ihm die Dollars wegschnappt. Einer überhetzt immer den anderen.

Wissen Sie auch, daß ich gedacht habe, ich bin im Begriff verrückt zu werden, oder ich bin's schon.

Aber ich überwand das auch. Und schließlich fand ich Gefallen an dem Treiben. Dann wurde ich immer sicherer. Ich verlangte eine Lohnerhöhung und bekam sie. Ich lernte vor allem meine Verdienste ins richtige Licht setzen. Natürlich ging das nur auf Kosten der anderen. Aber man wird zur Bestie. Und dann lernte ich, niemals so tun, als könnte ich etwas nicht. Ich sah, daß es nur darauf ankam, frech zu sein. Da war ich schon auf dem besten Wege.

Ich ging dann bald von meinem ersten Chef weg und kam zu einem von seinen Konkurrenten. Der hatte mich lange haben wollen. Da machte ich einen Hauptcoup. Es war gemein, herzensgemein, aber es half mir. Ich mußte irgend was machen, was mich weiter brachte. Wenn die anderen nicht darauf kamen, war das ihre Schuld. Sie hatten vollständige Freiheit. Sie sehen, ich war schon ganz im System drin. Ich war den anderen schon über. Die Türen wurden gewöhnlich zweimal lackiert. Aber der richtige Glanz kommt erst bei der dritten Lackierung. Bei Tage war dazu keine Zeit. Wir hätten sonst nicht das vollständige Quantum zustande gebracht. Ich ging also bei Nacht hin und lackierte mein Teil noch ein drittes Mal über. Wir hatten natürlich Mondschein. Wenn sie trocken waren, zeigte ich dem Chef meine Türen. »Sehen Sie, die sind von mir, und nun vergleichen Sie die mal mit den anderen.« Der Unterschied war natürlich klar. Das imponierte ihm. Selbstredend hatte niemand eine Ahnung, daß ich nachts hinging.

Das setzte ich eine Zeit fort. Das half mir durch. Ich wurde da Werkführer. Da war ich schon über das Gröbste hinaus. Ich sparte schon Geld.«

›Und wie ertrug Ihre Frau das Alles?‹ fragte ich.

»Meine Frau? Ja, das war noch das Schlimmste. Das Schlimmste hab' ich überhaupt noch gar nicht erzählt. Das kam noch erst. Unser Verhältnis war zuerst ganz erträglich. Natürlich sah ich bald, daß das alles nicht so war, wie ich mir gedacht hatte. In New York sah sich das ganz anders an, als auf dem Gut meines Onkels in Hessen. Meine Frau war wirklich ungebildet, aus einfachen Verhältnissen. Ihre Eltern waren gewöhnliche Bauersleute. Aber die Frauen haben ja so einen Takt. Sie eignete sich das alles ziemlich schnell an, äußerlich. So lange sie gesund war, ging es. Und wir sahen uns auch nicht viel. Die ersten Jahre fanden wir uns ab. Ich bedachte auch immer, daß ich doch eigentlich die Ursache war, und wie schwer ihr das alles werden mußte. Sie hatte sich das wahrscheinlich auch anders vorgestellt.

Wir sollten das erste Kind bekommen. Das war gerade, als ich mal längere Zeit ohne Arbeit war. Es war absolut nichts zu finden. Es war eine fürchterliche Krisis, besonders auch im Baugeschäft, und wir saßen wohl Tausende auf dem Trocknen. Nun gerade in der Zeit! Es kam nichts und kam nichts. Die paar Spargroschen gingen drauf und ich sollte meine Miete bezahlen. Schließlich wußte ich mir nicht anders zu helfen. Ich ging in ein Abzahlungsgeschäft, machte eine kleine Anzahlung und bekam dafür Möbel. Die verkaufte ich dann wieder, und so hatte ich vorläufig etwas Geld. Bis zur nächsten Abzahlung hoffte ich wieder etwas zu finden. Ja, es blieb mir nichts anderes übrig, wenn wir nicht auf die Straße wollten. Ich bezahlte meine Miete, und so konnten wir wenigstens die Geburt abwarten. Das kostete auch noch Geld. Das Kind wurde totgeboren und meine Frau litt fürchterlich.

Und nun standen wir vor dem Nichts. Wenigstens mit dem Abzahlungsmenschen fand ich mich ab. Er war anständig und stundete mir, bis ich Arbeit hätte. Aber der Wirt warf uns zum Hause raus. Da saßen wir. Meine Frau vermietete sich als Amme in einer jüdischen Familie, es waren Deutsche, Und ich ... Ich kam bei einem Bekannten unter, einem Restaurateur. Ich wohnte im Keller und schlief so halb auf den kahlen Fliesen. Es war im Winter. Ich fror fürchterlich und hatte nichts oder wenig zu essen. Damals hatte ich den Gedanken, mich aus der Welt zu schaffen. Ich war sehr nahe daran. Ich war's satt und dachte nicht, daß ich nochmals aufkommen würde.

Ich weiß eigentlich selbst nicht, warum ich's nicht gethan habe. Vielleicht habe ich an meine Familie gedacht. Ich nahm mir vor, es noch einmal zu versuchen.

Eines Tages ging ich auf der Straße. Es war ein großer Auflauf. Mitten drinn saß ein Mensch, und zeichnete nach einer Photographie. Alles starrte und gaffte. Man konnte die Porträts gleich mitnehmen.

Ich dachte mir, das kannst du auch. Ich ging und übte mich zwei Tage im Zeichnen, Dann fing ich auch an. Ich hatte bald Zulauf, Nach einiger Zeit hatte ich ein Stück Geld verdient. Davon konnte ich doch wieder menschlich leben. Ich hatte das nicht mehr gedacht. Es war mir auch egal. Ich arbeitete nur noch mechanisch. Aber ich hatte Glück.

Ich bekam meine frühere Stelle als Werkführer. Die Zeiten hatten sich gebessert. Ich kam wieder in das System. Als Werkführer war ich auch schon so 'n kleiner Unternehmer. Die großen Unternehmerfirmen, die oft ganze Stadtviertel bauen, übertragen ihren Werkführern wieder mehrere Häuser. Man bekommt eine Summe ausgesetzt, davon muß man die Löhne und das Material bestreiten. Was man erübrigt, ist der Profit. Die Firma hat wieder ihren eigenen Profit. Nun muß man das rausschinden an den Löhnen und am Material, überhaupt an den Herstellungskosten. Je schneller gearbeitet wird, desto besser. Zeit ist Geld. Natürlich giebt's nur Akkordarbeit. Einer überarbeitet immer den anderen. Vorher war ich selbst ausgenutzt worden. Jetzt nutzte ich meinerseits aus. Wenn man erst so weit ist, hat man Aussichten. Darum drängt sich auch alles nach diesen Stellen. Dabei wird immer verdient.

Ich machte es wie alle anderen. Ich benutzte das System. Ein Arbeiter überhetzte immer den anderen. Jeder bekam sein Haus. Ich ging zu dem einen ins eine Haus und sagte: »Du, dein Kollege im anderen Haus ist schon weiter.« »So,« sagte er, »schon weiter? Da muß ich mich auch dranhalten,« und arbeitete wie wahnsinnig. Dann ging ich zu dem im anderen Haus und sagte: »Du, dein Kollege da wird wohl eher fertig werden. Arbeitet schneller.« Natürlich arbeitete der noch wahnsinniger, und so einer immer über den anderen. Da kommt man weiter, d. h. der Unternehmer.

Ich verdiente so nach und nach an 1000 Dollars. Das war mein einziger Gedanke. Geld! Geld! Geld! Ich lebte nur für die Dollars. Ich war schon so ziemlich Amerikaner. Ich hatte noch manchmal Anwandlungen, aber immer seltener. Ich wußte, daß das eigentlich kein Leben war, daß so langsam alles in mir erstickt wurde. Ich konnte das ganz genau verfolgen. Aber das System hielt mich fest. Ich kam nicht los. Wenn ich nicht wieder alles aufs Spiel setzen wollte, mußte ich mit. Und je mehr ich hatte, desto größer war die Gefahr, daß mit einem Schlage alles wieder verging. Also mußte ich noch um so mehr dahinter sein. Darin liegt die Konsequenz des Systems. Man muß das erfaßt haben. Man endet als Millionär oder als Lump auf der Straße. Vorher wissen kann man es nie. Aber es läßt einen nicht los, das Räderwerk. Bis zum letzten Augenblick ist man nicht sicher. Und mittlerweile erstickt alles in einem. Das hatte ich vor Augen.

Aber ich hatte mich schon damit abgefunden. Ich dachte mir, dein Leben ist doch verpfuscht. Egal ist's doch. Jetzt willst du wenigstens als reicher Mann sterben. Deine Kinder sollen nicht in die Tretmühle gehen.

Es glückte mir auch weiter. Ich trat nachher in ein Geschäft für Mahagonifabrikate ein. Wir beizten billiges Holz und verkauften es für Mahagoniholz. Einmal war die Beize schlecht geraten. Das Holz war hell geblieben. Das war ein großer Schaden. Es handelte sich um einen bedeutenden Posten. Ändern ließ sich es nicht mehr. Da kam ich auf den Gedanken: wir verkaufen das als weißes Mahagoniholz. Mein Chef war ganz glückselig über den ingeniösen Einfall. Das Holz ging reißend ab. Weißes Mahagoniholz! Denken Sie sich, die Seltenheit! Das Publikum war genasführt und wir hatten den Profit. Das System hatte sich wieder glänzend bewährt. Was konnten wir dafür! Warum war das Publikum so dumm! Mein Chef bedauerte nur, daß er nicht noch mehr von dem weißen Mahagoniholz hatte.

Dann bekam ich ein Anerbieten als Häuseragent. Ich stand im Solde einer Baufirma und mußte etwaigen Käufern die Vorzüge der Häuser ins glänzendste Licht setzen. Ich habe auch einer ganzen Anzahl solche Häuser angedreht. Ich wußte die Leute zu nehmen. Das hatte ich gelernt. Man spekuliert auf jede Blöße. Da setzt man ein. Die Menschen sind überhaupt weiter nichts als Zahlen, mit denen man zu rechnen hat. Wer das am besten versteht, hat sie alle im Sack. Darin liegt die ganze Moral des Systems. Darum dreht sich alles. Sie sehen, der Begriff Mensch hat da gar keinen Platz. Aber wozu auch? Wenn man nur verdient!

Ich verdiente auch wirklich. Es ging mir gut. Aber ich hatte keinen Spaß mehr dran. An nichts. Als ich ungefähr zehn Häuser verkauft hatte, machte mir mein Chef den Vorschlag, als Kompagnon einzutreten. An dem Tage, als ich unterschreiben sollte, starb meine Frau.«

›Ihre Frau!‹ fragte ich erschreckt, ›und wie war das mittlerweile geworden?!‹

»Ja, diese letzten Jahre waren schrecklich. Seit der Geburt hat sie sich nicht wieder erholt. Ich sagte Ihnen doch, daß sie in der jüdischen Familie Amme geworden war. Nach einigen Wochen bekam sie das Fieber. Es hieß, die Milch sei ihr zu Kopf gestiegen. Sie konnte nicht mehr nähren. Das Kind wurde krank. Die Leute warfen mir vor, ich hätte von der Krankheit meiner Frau gewußt. Ich hatte keine Ahnung davon gehabt. Trotzdem nahmen sie sich ihrer an. Sie hatten sie gern, und schafften sie auf ihre Kosten ins Krankenhaus. Ich konnte ja nichts thun.

Sie lag anderthalb Jahre. Als sie wieder rauskam, war sie vollständig gebrochen. Mit einundzwanzig Jahren. Die Ärzte sagten, sie wird nicht wieder gesund! Es kann morgen zu Ende sein. Es kann auch noch ein paar Jahre dauern. Vorhersagen läßt sich das nicht. Das waren die Folgen der Geburt und der Not gleichzeitig. Sie hatte ein unheilbares Nierenleiden. Sie kränkelte und kränkelte. Natürlich war sie reizbar und verdrießlich, wie alle Kranken. Tolstoi hat recht, die Liebe ist weiter nichts als Sinnlichkeit. Sinnlichkeit und Egoismus, das sind die Grundlagen, auf denen jedes Zusammenleben beruht. Jeder Teil sucht seinen Vorteil. Fällt das weg, dann wird die Ehe zur Hölle.

Allmählich fing ich an, meine Frau zu hassen. Wenn ich sie ansah, stieg es mir auf. Ich konnte sie nicht essen sehen! Jede Bewegung war mir widerlich, die sie machte! Ich haßte sie, wie meinen Todfeind. Aber ich zeigte ihr das nicht. Ich durfte ihr es nicht zeigen. Sie konnte doch nichts dafür. Das wollte heraus und schrie! Aber ich hielt ihm den Mund zu und bändigte es!

Das dauerte vier Jahre! Allmählich kam ich auf den Standpunkt, da sagt man nichts mehr. Ich hatte gar nicht mehr das Bedürfnis. Ich war ganz abgestorben. Wir lebten so neben einander. Das Einzige waren die Kinder. Es waren trotz allem noch zwei gekommen. Ich hatte abgeschlossen. Ich hatte keinen Wunsch mehr und keine Leidenschaft. Auch die Dollars machten mir nicht mehr Spaß. Da starb meine Frau. Sie war fünfundzwanzig Jahre alt geworden. Sie hat nie erfahren, wie mir eigentlich zu Mut gewesen ist. Ich hab ihr das wirklich verheimlicht ...!«

›Wie sind Sie eigentlich zurückgekommen?‹ fragte ich nach einer Pause.

»Wie gesagt, ich sollte gerade den Kontrakt als Kompagnon unterschreiben. Ich hatte die Wahl, in Amerika zu bleiben oder nach Deutschland zurückzugehen. Blieb ich da, dann riskierte ich, daß eines Tages alles umsonst gewesen war. Man kann da seiner Sache nie ganz sicher sein. Ich mußte dann vollständiger Amerikaner werden. Ich mußte den Kriegszustand in Permanenz erklären. Das wenige, was ich noch vom alten Menschen hatte, ging dann auch drauf. Aber das war mit einem Mal wieder aufgewacht. Und dann wollte ich meine Kinder in Deutschland erziehen lassen.

Ich entschloß mich kurz, brach meine Beziehungen ab und kam zurück. So bin ich hier. Es lebt sich hier besser, trotz aller Vorurteile, die man in Kauf nehmen muß. Mein Vermögen ist nicht groß. Dazu war ich nicht lang genug drüben. Das sollte erst noch kommen! Aber es konnte ebensogut verloren gehen! Für die nächsten Jahre reicht's hin, und für die Erziehung meiner Jungens. Nachher bin ich fertig. Dann hab' ich nichts weiter zu thun.«

›Und erwarten Sie wirklich nichts mehr vom Leben?‹

»Nein, das System hat mich ruiniert. Dies verfluchte System, welches die Menschen zu Bestien macht! Ich bin mir jetzt vollständig klar darüber, auch theoretisch. Sie wissen, ich beschäftige mich sehr viel damit. Ich will nur wissen, wie das mit dem System noch wird! Darum interessiert mich die Zukunft. Nennen Sie es Neugierde oder wie Sie wollen! Ich bin dahin gekommen, keinem Menschen mehr was vorzuwerfen! Ich begreife alles. Ich verstehe alles! Ich halte mich nur an das System. Das muß weg! Das möchte ich noch erleben! Sonst ist mir alles egal. Dies niederträchtige System!« ...

Und er hielt meine Hand und drückte sie in der seinen und schritt von dannen, gesenkten Kopfes. Ich aber stand und blickte der untersetzten Gestalt nach, lange, lange, in die Dunkelheit, darinnen sie untertauchte, tiefer und tiefer.








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