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Felix Dahn

Felix Dahn: Felix Dahn - Kapitel 16
Quellenangabe
authorDie Kreuzfahrer. Zweiter Band
titleFelix Dahn
publisherDruck und Verlag von Breitkopf und Härtel
printrunFünfte Auflage
year1888
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161018
projectid155da05e
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Fünfzehntes Capitel.

Lange, lange, mehrere Stunden weilte Friedmuth ungestört in dem Gemache bei der Todten.

Die beiden Freunde ließen durch die voll gewaffneten Reisigen des Hochmeisters, geleitet durch die Knechte der Fragsburg, die waffenlosen Gefangenen einzeln aus dem Burgkeller heraufholen und geboten ihnen, abzuziehen und die Leiche des Greifensteiners mit fort zu tragen, nachdem Walther vor allen Männern in der Burg den Vorgang erzählt, der zu dessen Tödtung geführt hatte.

Alsdann machten sie, nachdem sie die Ausführung ihrer Befehle überwacht, gar manchen Rundgang durch Hof und Garten und beriechen in vertrautem Gespräch, wie sie am zartesten dem schwer leidenden Freund über die nächsten Stunden und Tage hinweghelfen möchten.

Walther wies dabei in dem wunderbar schön gelegenen Schloßgarten eine stille, ganz von Rosen überhüllte Ecke seinem Begleiter, dieser nickte.

Aber auch an die Zukunft, an die Gestaltung des ganzen Lebens des Vereinsamten dachten beide – ohne davon zu sprechen.

Als, nach längerem Schweigen, Walther endlich anhob: »Hier, auf Frau Wulfheids Erbe, kann er nicht bleiben,« erwiderte rasch einfallend der Herr von Salza: »Und soll es nicht! Kommt mit in die Burghalle, Walther! Dort sollt Ihr erfahren, was ich jetzt als das einzig Richtige für ihn, als das des tapfern, reinen Mannes Würdigste gefunden habe. Es ist sehr ernst: – das Ernsteste und Schwerste. – Und gerade deshalb ist's das Rechte für ihn. Denn unser Freund Friedmuth, der da oben um ein junges Weib so schluchzend weinte, wie sonst nur ein Knabe weinen kann, dieser unser Friedmuth ist –«

»Ein Held! Ein Held von Gottesgnaden.«

»Und ein Christ,« sprach Hermann. »Er siegt: er überwindet. Drum hab' ich auch von seinem Dolche nichts besorgt.«

»Gewiß! Man müßte ihm nur etwas zeigen können, ein Ziel, einen Siegespreis, groß, edel, hoch genug, dafür zu leben, zu kämpfen und zu sterben.«

»Ja: eine große Pflicht! Kommt mit hinauf. Ich spreche dort zu Euch: – und spreche so, daß er es hören kann: und hören soll.«

Da leuchteten Walthers Augen auf: »Ich ahne. – Ach, es ist aber sehr hart! – Fast allzu hart! – Doch nein! – Ihr habt Recht: – es ist die schönste Lösung.« –

»Nach solchem Geschicke giebt's nur Einen Trost: das Heldenthum der Entsagung!« –

Aber plötzlich blieb Walther stehen. »Jedoch: wir haben noch von Frau Wulfheid das Letzte, fürcht' ich, nicht gehört.«

»Gewiß nicht. Sie klagt bei ihrem Ohm, dem Bischof. Ich weiß, wo dieser jetzt weilt. Doch laßt nur erst hier – in Friedmuths Seele – die Entscheidung abgeschlossen sein: – diese wird uns – sorget nicht! – auch gegen jene grimme Frau ein fester Schild. Kommt hinauf! – Aber sagt: Eines wäre gut: – Ihr wißt, wie mächtig auf unsern Freund das Lied – Euer Lied vor Allem! – wirkt. Habt Ihr wohl das Gedicht fertig, um das ich Euch – einen alten Wunsch erneuend: gedenkt Ihr noch unserer Unterredung in dem Zelte Friedilo's, dort in der Wüste? – neulich in Venedig bat?«

»Ich habe mich gleich daran gemacht: es ließ mich nicht mehr los. Es ist lange fertig.«

»Kennt er es?«

»O nein! Wir hatten beide in diesen Tagen nur den Einen Gedanken, den uns jeder Blick auf jenes holde Geschöpf immer wieder aufzwang. Er weiß nichts davon.«

»Das ist gut! Er soll erst – ganz nüchtern – ohne Zauber und Berückung des Gesanges – hören, was gewaltig Großes sich ihm darbietet: hat er dann, mit ruhiger Erwägung, die Entscheidung allmälig gefunden, – dann soll das Lied die reife Frucht geschwind vom Aste rütteln!«

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