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Felix Dahn

Felix Dahn: Felix Dahn - Kapitel 14
Quellenangabe
authorDie Kreuzfahrer. Zweiter Band
titleFelix Dahn
publisherDruck und Verlag von Breitkopf und Härtel
printrunFünfte Auflage
year1888
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161018
projectid155da05e
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Dreizehntes Capitel.

Friedmuth erkannte, als er aus dem zertrümmerten Mauerthor in das Freie trat, alsbald seinen edlen Freund. Der sprengte hoch zu Roß heran, umwogt von seinem langen weißen Mantel, mit dem schwarzen Kreuz der deutschen Herren.

»O Hermann,« rief jener ihm entgegen. »Dich sendet Gott! Du trittst in das Haus des Unheils!«

»Mein armer Friedilo! Deßhalb kam ich. Vieles weiß ich, – Andres ahn' ich. Du mußt mir nun berichten.«

Damit sprang der Hochmeister vom Reiseroß ab und befahl seinen Leuten – Reisigen und Halbbrüdern des Ordens, die nur das halbe Kreuz führen durften, – abzusteigen.

Der Burgherr forderte sie auf, die Pferde in die Ställe zu führen, und gebot Oswin, der ihm gefolgt war, für die Bewirthung zu sorgen. Auf dem Weg in die Burghalle fragte Friedmuth: »Du kommst vom Grafen von Tirol, nicht wahr? Walther – siehst du ihn? Da grüßt er aus dem Fenster! – sagte mir, du wollest, nach einem Geschäft mit dem Grafen dort, Frau Wulfheid aufsuchen.«

»So war mein Wille. Aber nun bin ich, alles Andere aufschiebend, hieher geeilt – dich aufzusuchen.«

»So erfuhrst du, daß ich zurückgekehrt, und daß – –? Von wem?«

»Höre nur. Einige Tage, nachdem ich von Walther vernommen, Frau Wulfheid lebe, und nachdem dieser seines Weges gezogen war, ließ sich in dem Ordenshause zu Roveredo bei mir ein Mann melden, der sich Bruder Sebastian nannte.

»Sagt nur, der Herr Hochmeister kenne mich von Genua her,« – so sagte er zu dem Pförtner, der den Bruder in weltlichem Gewand ungläubig betrachtete.

Alsbald stand der drollige Weinschänk aus Schwabenland vor mir und sprach: »O Herr von Salza: nicht wahr, Ihr seid doch des Fragsburgers bester Freund auf Erden?«

»Friedmuth,« antwortete ich, »ist im Himmelreich.«

»Nein, auf der Fragsburg ist er! Seine Frau lebt! Das wißt Ihr? Gut! Aber Er lebt auch: – ich hab' ihn jüngst auf der Heerstraße mit Herrn Walther getroffen und ihn zur Eile gemahnt, denn die Fragsburg wird demnächst berannt. – Aber er hatte bei sich eine wunderholde Heidin. Und die ist ihm anvermählt. Größres Unheil kann keinen Christenmenschen treffen, und wäre sein erst Gemahl so sanft, – wie meine liebe Frau geworden ist. Und nun die Tochter Herrn Wulfgangs! Er jammert mich, der brave, wackre Herr. Und als ich erfuhr, durch Trient ziehend mit meinen Wein-Karren, daß Ihr hier in Roveredo weilt, sagte ich zu mir: »Wenn Einer dem armen Herrn Friedmuth rathen und helfen kann, so ist's der Herr von Salza«. Und der thut's, wenn er es kann. Ich aber habe mir vorgenommen, weil ich früher manchmal lose Schwänke getrieben, nun mir der liebe Himmelsherr durch ein Wunder die Heimkehr aus Heiden-Ketten nach Boblingen geschenkt und durch noch viel stärkre Wunderkraft meine Ehefrau gesänftigt hat, – so will ich in meinen noch übrigen Jahren so viele gute Werke thun, als ich vermag. Deßhalb wollte ich schon, zu Goyen umkehrend auf meinem Wege, Herrn Walther Frau Wulfheid zu Hilfe rufen. Und deßhalb komme ich nun zu Euch: denn Euch jetzt zu Herrn Friedmuth senden, – das mein' ich, ist ein gutes Werk.«

»Das ist es wahrlich!« sprach dieser gerührt, »Dank dem Schwaben.«

Und nun, nachdem sie in der Burghalle angelangt waren, wollte Friedmuth dem Ankömmling berichten, was geschehen.

Allein da eilte eine Magd mit verstörten Zügen in die Halle, warf einen scheuen Blick auf die beiden Gäste und bat dann ihren Herren, ihr rasch zu folgen.

»Erzähle du ihm, Walther, was er wissen muß,« bat Friedmuth, »aber,« flüsterte er ihm beim Herausgehen zu, »schone Frau Wulfheid.«

Kaum hatte der Erzähler, ohne diesen Auftrag allzu genau zu befolgen, seinen Bericht beendet, als Friedmuth in die Halle stürmte, einen Streifen Pergament in der Hand; er war sehr bleich.

»Lest!« rief er. »Lest! Frau Wulfheid ist verschwunden, ist entflohen. Die Mägde suchten nach ihr, wie täglich am frühesten Morgen die Tagesarbeit zugetheilt zu empfangen. – Ihre Kemenate war leer. – Sie war nirgends in der Burg zu finden: – ihre Schatztruhe aber war geöffnet. – Der Deckel lehnte aufgeschlagen an der Wand: – ihr Erb-Schmuck, auch die wichtigsten Pergamente über die Rechte der Burg und der Vogtei sind herausgenommen, – in der Truhe fand ich diesen Zettel: »Ich wollte nur mein Recht. Ich will nichts von Eurer Gnade. Versuchet nicht, meine Spur zu finden. Zehnmal zurückgebracht, würde ich zehnmal entfliehen.«

»Sie kann noch nicht weit sein,« meinte Walther, »zum Burgthor hinaus – dann durch das Mauerthor!« –

»Nein! Sie floh durch den geheimen Gang, der nur ihr und mir bekannt. Ich eilte sofort hin: die Eisenpforte war gesperrt, der Schlüssel steckte von außen im Schloß. Der Gang mündet unten an der Straße neben der Etsch. Ich werde mit den Knechten zu Roß auf diese Straße eilen und sie flußaufwärts und flußabwärts suchen und suchen lassen.«

Er wandte sich gegen die Thür.

Aber da legte sich eine feste Hand auf seine Schulter: – er blieb stehen und wandte sich: es war Herr Hermann, der ihn hielt.

»Das wirst du nicht thun, Friedmuth! Ihr wildes Herz hat dieses Mal das Richtige gefühlt. – Laß sie! Wie immer sonst das Los von euch drei Schwerverstrickten sich wende: – ihr beide könnt – nach dieser Nacht – nicht mehr beisammen bleiben: – jetzt nicht zum mindesten! Und ruhiger mögen wir, von jener Zorngemuthen nicht verstört, erwägen, was – das kleinste Übel! Denn sonder Übel geht es hier nicht ab,« seufzte er. – »Nun aber will ich die arme, edle Fremde sehn. – Führt mich zu ihr. Ich will ihr danken, daß sie mir den Freund, daß sie dem Kaiser und dem Reich der Allerbesten Einen gerettet hat.«

»Sobeide!« rief Friedmuth mit sanfter, mit kosender Stimme. »Meine holde Demuth: – mein Freund, ein Freund des Kaisers kommt, dich zu begrüßen.«

»Laßt sie ruhn! Sie schläft wohl!« meinte der Hochmeister.

»Schwerlich,« erwiderte Walther kopfschüttelnd und schob den Vorhang etwas zur Seite: da stieß Friedmuth einen gellenden Schrei aus und sprang, beide Hände vorstreckend, durch den Vorhang in die Kapelle: die Gäste folgten hastig.

»Todt ist sie,« klagte ihnen Friedmuth laut rufend entgegen. »Todt! – Für mich – um mich – durch meine Schuld gestorben!«

Und in heißem Schmerz warf er sich über die schweigend ruhende Gestalt.

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