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Felix Dahn

Felix Dahn: Felix Dahn - Kapitel 8
Quellenangabe
authorDie Kreuzfahrer.Erster Band
titleFelix Dahn
publisherDruck und Verlag von Breitkopf und Härtel
printrunFünfte Auflage
year1888
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161018
projectid0efacea9
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Siebentes Capitel.

»Wohl, wohl,« meinte Herr Walther. »Wohin die Pflicht ruft und das Reich, dahin muß man gehen, sei's an den Jordan, sei's an die Wyssula. Ich geh' auch selbst hin, muß es sein. Aber lieber wär' mir's schon, ich dürfte meine Pflicht für's Reich thun in einem Lande, wo –«

»Recht guter Wein wächst,« fiel da eine helle Stimme ein, »nicht wahr, Herr Walther?« Hezilo guckte, den leeren Becher wieder füllend, ihm über die Schulter.

»Büble, Büble,« drohte Friedmuth, »deiner Keckheit wird fast allzuviel. Herr Walther sollte dich walken.«

»Laß das Garzünlein,« lachte dieser. »Kinder und Narren sprechen wahr. Und da dieser Fratz ein Kind und ein Narr zugleich, so spricht er doppelt wahr. Das Trinken ist nicht meine schlechteste Kunst. »Denn durstig sind die Sänger«: es ist ein alt gut Wort.«

»Ein Kind?« zürnte Hezilo. »Bald neunzehn Winter zähl' ich! Und ein verlobter Bräutigam! Über's Jahr hoffe ich, die drei Herren zu meiner Hochzeit zu laden im äußern Hof zu Goyen. Ein Narr? – Das will ich nicht bestreiten! Besser ein fröhlicher Narr denn ein trübseliger Weiser! – Mit dem Walken aber hat es gute Weile. In der Wüste wachsen keine Haselstecken, wie sie der Herr Minne-Sänger gerne schneidet – gegen seine Garzünlein, die Singerknaben. – Allein, Herr Walther, ich hätte eine Bitte – Ihr ahnt sie wohl? – Es ist wieder dieselbe – wie daheim und auf dem Schiff – es ist wieder –«

»Die Pfeife! Die verfluchte Schwegelpfeife?« rief Herr Walther. »Bub! Unglücksbub! Lieber lauf ich in die Wüste und höre die Wüstenfüchse bellen als nochmal deine Singerkunst.«

»Lauter Brodneid!« rief Hezilo, und zog aus dem Wamms eine kurze Rohr-Pfeife: sieben Schilfrohre mit Wachs an einander geklebt, immer kürzer geschnitten von rechts nach links zu, wie sie die Hirtenbuben schneiden aus dem Schilf der Etsch. »Ich hab' eine neue Weise gefunden zu einem Eurer Taglieder: – die sollt Ihr hören, Herr Walther! – Nur ein einziges Mal – in Eurem ganzen Leben! – ich bitt' Euch, sie ist wirklich wunderschön!« Und sofort setzte er die Pfeife an und hub an, laut zu blasen. Bei den ersten Tönen begannen alle die zottigen Hunde, welche das Lager bewachten, bitterlich zu heulen: Herr Walther aber sprang auf, den Spielmann zu greifen: dieser entwich aus dem Zelt in das Dunkel.

»Wenn nur der Teufel käme und dir die verfluchten Quiek-Röhren vom Schnabel risse! – Ich wollte ihm zum Dank den Schweif vergolden!« rief der Sänger dem Fliehenden nach. »Ist ein grundgescheuter Bub und keine Verdrehniß sonst an ihm. Aber er glaubt, er blase wunderbarlich und doch sind alle seine Töne falsch. Nur sein Schatz findet alles schön.«

»Ja, ja, es ist grausam, wie er bläst,« lachte Friedmuth. »Seine Töne sind falsch. Aber das ist auch das einzige Falsch an ihm. Er ist getreu: treu mir und seinem Trinelein.«

»Wäre schad' um das Büble, wenn ihn hier Fieber oder Pfeil wegraffte. Bildsauber ist er auch: fast wie Herr Tristan oder gar Herr Parzival: noch beinahe bartlos, mit rosenrothem Mündlein, lieblich und licht von Haut – so recht der Frauen Wunschesart. Aber was hat ihn hergeführt? Er ist nicht dein Dienstmann.«

»Nein! Er sitzt als freier Mann auf dem äußern Hof zu Goyen: aber der Hof, wie der Innere, auf dem Katharinas Vater baut, gehört dem Bischof von Chur. Der hat die Vogtei über diese Höfe mir, das heißt: der Fragsburg verliehen. Schon als Kinder haben Hezilo und seines Nachbars Töchterlein sich, wie im Spiel, verlobt: das Spiel ward Ernst, als sie keine Kinder mehr waren. Doch können sie als Vögtlinge ohne Zustimmung des Bischofs von Chur nicht heirathen: und der Bischof, Herr Berchtold, der Helfensteiner, hat, schon seit Damiette in Heidenhand gefallen, zumal aber seit die Kreuzpfaffen, welche Papst Gregor aussendet, wieder so eifrig predigen, kaum was Anderes mehr in Gedanken als das gelobte Land. Bevor ich dem Kaiser hierher folgte, wollte ich die Kinder verheirathen. Aber da ich nun mit ihnen des Bischofs Einwilligung erbat, schrieb der: »Ja, aber nur unter dem Beding, daß die Braut jährlich sechs Pfund Wachs von ihrem Muttergut zu Schänna der Capelle zu Kains als Martinizins aufläßt.« Das sagten die Braut und ihr Vater gerne zu. »Und,« schrieb der Bischof weiter, »wenn der Bräutigam das Kreuz nimmt und Jahr und Tag im heiligen Lande dient.« Da, als ich ihm das vorlas, machte er ein lang Gesicht und das Kathrinelein weinte bittre Thränen. Es sah ihn schon gespießt an eines grimmen Heiden Speere! Ich tröstete die Kleine und versprach ihr in die Hand, den Knaben selbst mit mir zu nehmen und besser als auf mich auf ihn zu achten.«

»Und wie hast du dein Wort gehalten! Gleich bei der Landung hier im Hafen von Akkon! Der gute Hezilo zog – aus purer Neugier – den Vorhang von einer reichen Sänfte, die vorüber getragen ward, zurück: – er ahnte nicht, daß eine Saracenin, eines ägyptischen Gesandten Tochter, darin saß. Im Augenblick blinkten zwanzig Dolche wüthiger Heiden gegen den Niedergeworfenen: – wie standest du da plötzlich in der Mitte, fingst den schlimmsten Stoß mit dem Arm und wehrtest der Überzahl, wie ein Bär die Meute abschüttelt, bis euch Hilfe beisprang.«

»Das sieht ihm gleich,« sprach der Herr von Salza. »Er lebt nicht sich – er lebt, mehr als gar mancher Ordensritter – für Andre.«

»Und stirbt für sie! Schon auf der Überfahrt – für ein fremdes Kind – sprang er – –«

»Schweig still, Walther. Trinke lieber noch eins.« Und Friedmuth füllte ihm den Becher auf's Neue.

»Wenn ich so viel Wasser hätte schlucken müssen, wie du damals, zumal Salz-Wasser! – Aber da fällt mir ein: – beim Trinken – kennt ihr den Böppele von Boblingen?«

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