Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felix Dahn >

Felix Dahn

Felix Dahn: Felix Dahn - Kapitel 19
Quellenangabe
authorDie Kreuzfahrer.Erster Band
titleFelix Dahn
publisherDruck und Verlag von Breitkopf und Härtel
printrunFünfte Auflage
year1888
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161018
projectid0efacea9
Schließen

Navigation:

Viertes Capitel.

»Und ich wäre wohl bald gestorben vor Fieber und vor Verelendung. Da hat mich Eins gerettet – Eins allein! Das Leben zuerst und die Befreiung zuletzt: – Einem Ding – unter Gottes Hilfe – verdank' ich Alles – rathet: was ist es?«

Alle schwiegen. Böppele meinte zuletzt schüchtern: »Hast sie recht angelogen, die guten Heiden?«

Aber Hezilo schüttelte den Kopf: »Kann gar nicht lügen! – Nun? Ihr rathet's nicht! Auch du nicht, Kleine? Sollte mich fast kränken. Nun – wem sonst als meiner Singkunst: – meinem Pfeifenspiel!«

Da sprang der Weinschänk von Boblingen auf und rief: »Hujo ho!« und abermals »Hujo ho! Du kannst es noch besser als – Andere: das Schwänke ersinnen und das – nun halt, das freie Lügen.«

Und auch der alte Iffo schaute mit seinen ernsthaften Augen fast ungläubig auf den Erzähler: nur Katharina, das anmuthvolle Köpflein mit dem schwellenden Kinn auf beide geöffnete Hände ruhend und die beiden Ellenbogen auf den Steintisch gestützt, sah ihm voll freudigen Vertrauens gläubig in die Augen.

Der zuckte die Achseln und zog den Böppele wieder auf den Sitz zurück. »Lügen? Hab's immer noch nicht gelernt, sag' ich, obwohl ich von Glurns bis Meran mit dir gewandert bin. – Ich seh' schon, es wird eben kein Sänger in der eignen Heimat geehrt; zu den Heiden muß er gehen, in die Wüste, gerecht Gericht zu finden! Und es ist doch wahr!« rief er, gereizt auf den Tisch schlagend.

»Verzürn' dich nicht, mein Hezilo – mein Herz,« sprach das Mädchen, ihm die geballte Faust leise lösend, » ich hab' es immer gesagt: du singst und pfeifst so arg schön.« Etwas besänftigt fuhr der Sänger fort: »Wenn nur Einer dabei gewesen wäre! Und hätt' es mit erlebt, nur der Eine!«

»Wer, Hezilo! Da trink',« bat das Trinele, »und sei gut? Wer?«

»Er, Herr Walther,« rief der noch immer erbost. »Der mich gar nichts gelten lassen will.«

Er trank zornig einen großen Schluck und setzte den Becher heftig auf den Tisch, daß ein par Tropfen übersprangen, – sorglich wischte sie das Trinele weg.

»'s ist wohl der Neid!« beschwichtigte die Liebende.

»Nun also – wie war's aber?« ermahnte der Alte.

»Da saß ich denn eines heißen Mittags in meinem Verschlag und dachte an euch beide, zum Sterben traurig. Das Herz that mir weh im Leibe. Und ich drückte die Hand darauf. Da griff ich auf etwas Hartes: meine Schwegelpfeife war's, die ich immer innerhalb des Wammses trug. Ich hatte ihrer ganz vergessen. Es war mir nicht um's Pfeifen und Singen gewesen. Aber jetzt – die Sehnsucht nach der Braut, nach der Heimat kam mir übermächtig, – jetzt zog ich das alte Ding hervor – und küßte es und die Augen wurden mir feucht –«

Katharina's Augen wurden da mehr als feucht.

»Und setzte sie an den Mund und blies meine eigene – selbstgefundene – Weise darauf. Und die alten Töne schallten, die ich so oft hier, an dieser Stelle sitzend, geblasen.«

»Ja, leider!« dachte der Alte; aber er sagte es nicht.

»Da mußte ich laut aufschluchzen. Und das that mir wohl! Und darauf sang ich:

»O weh, wie ist so ferne
Mein Lieb mir und mein Land!

O weh, wie stürb' ich gerne:
Dann war' mein Leid gewandt.«

Und darauf blies ich wieder, so stark ich konnte. Es ging nicht ganz so schön, wie sonst. Denn ein Rohr war zerknickt, das andere war ganz weggebrochen. Aber doch: diese meine Kunst hat mich gerettet!«

»Wie das?« fragte Böppele, immer noch staunend.

»Aufgerissen ward plötzlich die angelehnte Thür meines Verschlags und vor mir stand: – sie!«

»Die Heidin?« fragte Katharina, ward sehr blaß und hob sich von der vorgebeugten Stellung ganz zurück auf ihren Sitz.

»Ja, Esma war es. Und neben ihr stand Constantino, der rundliche, und winkte mir.«

»Wie sah sie aus?« fragte das Trinelein gespannten Blickes.

»Das hab' ich damals noch nicht wahrnehmen können. Denn dicht verschleiert stand sie vor mir, – ein par Sclavinnen dabei, – das Haupt und das ganze Gesicht verhüllt in ein gar feines weißes Tuch: – nur ein Auge war sichtbar –«

»Und das war? Wie war es?«

»Recht schön, Liebste! Groß und dunkel, aber doch unheimlich, so wie ein Gespuk, blickte es damals aus der weißen Wolke. Nun, Constantino winkte mir also, der Herrin und den Sclavinnen zu folgen in das Innere der Burg; und erzählte mir unterwegs, die Jungfrau habe zu ihrem Gemach mein Spiel und meinen Gesang hinaufklingen hören und – nun kurz und ohne mich in Worten zu loben: – die Werke haben's ja bewiesen – sie war entzückt! Sie erklärte, nie, bei allen Festen der Heiden – und sie hatte doch schon manches mitgemacht, seit sie erwachsen –«

»Wie alt war sie?« forschte Katharina.

»– Sechzehn, sagte der Wälsche, – habe sie je so was Wunderliebliches gehört wie meine Pfeife und meinen Gesang. Das sei schöner als Cymbalon, Flöte und Laute. Und von diesem Tag ab mußte ich jeden Mittag zu ihr in ihr Gemach kommen. Da waren immer viele Sclavinnen; und ein Springbrunnen war mitten im Marmorboden; und glänzende fremde Vögel flogen kreischend auf Wipfeln von Palmen, die in hohen Erdkübeln standen, – ja und in dem Wasserbecken des Springbrunnens schwammen goldne und silberne Fischlein – ich dachte anfangs, sie seien wirklich von Metall gemacht. Aber da lachten mich Esma und die Mädchen aus und patschten vor lauter Freude über meine Thorheit in die kleinen braunen Hände.«

»Also braun! – Auch die Gesichter?« Und Katharina schlug ein Kreuz. »Die heilige Jungfrau bewahre jedes fromme Mädchen vor solcher Mißfarbe!«

»Nun, nun. Es ist nicht so übel, – man gewöhnt es. Daß mir das Weiße lieber ist,« beschwichtigte er rasch, »das ...«

»Geht daraus hervor,« fiel der Böppele ein, »daß er jetzt da sitzt und nicht ein Heidenprinz geworden ist.«

»Nun kurz: die Herrin faßte recht warme Freundschaft zu mir.«

»Blos auf's Pfeifen hin?« meinte die Kleine. »Reden konntet ihr ja nicht mit einander!«

»O doch! Man spricht da drüben das Franken-Latein: das ist halb wälsch, halb-französisch: – jeder faßt es leicht, – schon auf der langen Seefahrt lernt' ich es – und Esma hatte es gelernt von einer Tochter des Fürsten Vormund von Antiochien, welche die Heiden auf der Pilgerfahrt nach Jerusalem gefangen und über ein Jahr auf dem Bergschloß festgehalten hatten, bis ihr Vater sie löste, mit schwerem Gelde. Also – wir verstanden uns schon! Und von meinem Siechthum war ich geheilt: war ich doch nun nicht mehr, gott- und weltverlassen, einsam unter den Heiden! Gar freundlich und gütig sorgte die Jungfrau für mich, gab mir schöne Kleider, redete mir zu und tröstete mich anfangs auch der Hoffnung auf Heimkehr. Und eine Zeit lang mußte ich ihr nur immer vorpfeifen und vorsingen.«

»Wie einen Papegan hat dich das Kind gehalten!« lachte der Böppele.

»Allein obwohl ich in den ersten Wochen stolze Freude an meiner Kunst hatte, die nun einmal zu vollen Ehren kam, – allmälig ward es mir doch langweilig, so immerfort das Gleiche. Aber Esma konnte nicht genug davon kriegen. Sie sah mich dabei so selig an, mit ihren schwimmenden großen Augen! Freilich, manchmal merkte sie es gar nicht, wenn ich nicht mehr blies – weil mir der Schnaufer ausgegangen war – und ich mir das Schwegelrohr nur hin und her schob an den Lippen: – sie sah mich immer gleich ergriffen an. So ging es viele, viele Tage.

Damals nun war es, daß dieser wackere Weinschänk und Herbergvater gefangen eingebracht ward von ein par Reitern.«

»Aber Böppele!« fragte der Bauer. »Zwar, – ein Floh und ein Schwab kommt überall hinein, sagt ein Sprichwort.«

»Ein Wahrwort!« bekräftigte der von Boblingen mit Stolz.

»Aber wie, in Sanct Johannis Namen, bist du denn in jenes Felsennest im tiefsten Morgenland gerathen?«

»Ach Vater,« bat Katharina, »das soll er uns nachher erzählen. Jetzt müssen wir doch wissen, wie's mit der Heidin weiter ging.«

»Gleich, Kleine,« lachte Hezilo. »Nur das will ich vom Böppele hier schon rühmen, daß er sich ganz unverschreckt gehalten hat, als ihm der Tod schon ziemlich nahe war. Er sagte nichts und machte ein ganz stolz Gesicht.«

»Das ist mir schwer genug geworden!« meinte der Gepriesene. »Ich lebe recht gern – ich thu' eigentlich gar nichts lieber als eben – leben! Aber diese lederfarbigen Heidenteufel sollten nicht singen und sagen, daß sich ein Boblinger Bürger, ein freier Schwab, vor ihnen gefürchtet habe.«

»Aber warum wollten sie gerade dem an's Leben und dir nicht?« warf der Alte dazwischen.

»Weil sie ihn, nachdem sie ihn griffen, sogleich als Ordenspriester erkannten. Die Mönche hassen sie aber mehr als die Wehrmänner der Franken, weil jene viel als Späher dienen und oft recht falsch und tückisch sind. Da mir aber der Gefangene betheuerte, er sei gar kein Mönch, – als welchen er sich früher freilich ausgegeben! – vielmehr ein Wein-Mischer, und weil ich mich bei der Herrin hierfür verbürgte, gelang es mir, ihr sein Leben und bald auch seine Freigebung abzubetteln. Sie schlug mir nicht leicht was ab, die Kleine! Nur als ich einmal meine eigene Freilassung verlangte, – von der sie doch früher selbst zuerst gesprochen hatte, – da sprang sie auf von ihrem Pardelfellen-Lager und stopfte mir den Mund.«

»Mit was?« fragte die Hörerin blitzschnell.

»Mit einem süßen Gebäck, das sehr stark nach Rosen roch: so echt heidnisch! Aber schmecken that es gut. Und die Ober-Sclavin ließ mir durch den Constantino sagen, die Herrin verbiete mir, je wieder von meiner Freiheit mit ihr zu sprechen. »Was geht ihm hier denn ab?« habe die Herrin gefragt. Und dazu geseufzt: »Ach, er ist freier denn ich.«

Dabei machte ihr ein Ding viel Vergnügen, mir aber – anfangs – manche Schwierigkeit des Verstehens. Sie bestand darauf, mich bald »Arslan«, bald »mein Assad« zu rufen. Ich wußte lange nicht, wen sie damit meinte.«

»Arslan? Und gar mein Assad!« fragte das Trinelein etwas mißtrauisch. »Warum? Was heißt das?«

»Beides heißt: – Löwe,« erwiderte der Heimgekehrte, ganz verschämt.

»Nun,« lachte der Schwabe, »wie ein Löwenthier siehst du nicht her! Habe zwar nur einmal eines gesehen: und das lag glücklicherweise hinter starken Eisenstäben auf dem Deck des Schiffes, – der Emir von Damaskus schickte es dem Kaiser zum Geschenk für dessen großen Thiergarten zu Palermo. Wär' ich der Kaiser gewesen, – ich hätte mir was Liebres gewußt als so ein Unthier, das täglich ein paar Pfund Fleisch kostet. Und mußt noch froh sein auch, wenn's recht viel frißt! – denn dann ist's gesund! – Nein, einem Leuen siehst du nicht ähnlich, Bub.«

»Mag wohl sein. Aber das ist dort zu Land ein Schmeichelwort, wie wenn ich hier zu Land das Trinelein mein Täubchen nenne. Und dann machte sie einen Spruch auf mich, auf arabisch – oft, gar oft hat sie ihn mir vorgesagt: – leider verstand ich ihn nicht! – bis der Wälsche mir ihn deutete: da hieß es: mein Liebling hat das Herz des Leuen und hat des Leuen Mähnenhaar: aber hell, wie ein weißes Roß.«

»Was? Wie ein Schimmel?« zürnte die Kleine.

»Nun, das sollte ein feines Lob sein. – Und endlich, endlich kam's zu Tage: – nach Monaten. – Der Renegat theilte mir's mit im Namen des Burgherrn, was ihr ja wohl schon merkt! Nämlich eines Tages ward ich nicht mehr herauf befohlen in den Gang mit den hufeisenförmigen Bogen: man ließ mich wieder ruhig Pfeile schäften in meinem Verschlag. Esma sei erkrankt, schwer erkrankt, sagte mir der dicke Constantino. Und ihr Vater sei benachrichtigt worden und der habe nach einem großen, fast wie ein Prophet verehrten Arzt in der nächsten Heidenstadt gesendet. Und alsbald brachte der es heraus: die Kleine sei krank aus lauter Liebe zu mir. Und der Arzt that den Ausspruch: man müsse ihr entweder diese Phantasia durch Lachen austreiben, oder, falls dies mißlinge, sie mit mir vermählen: sonst werde sie nicht wieder gesunden.

Und sie machten ihr nun allerlei Kurzweil vor, ließen einen drolligen Zwerg kommen und Gaukler, auch Affenthiere, alles an meiner Statt! Aber die Jungfrau, statt zu lachen, weinte und wandte das Antlitz von den Affen ab und gegen die Wand.

Da sprach der Arzt: »Nun hilft nur noch die andere Arzenei.«

Und der Burgherr, der sein Töchterlein über Alles liebte, sagte ja und ließ mir durch den Wälschen künden, ich möge mich nur bereit halten, nächstens sei die Hochzeit: das Christenthum brauche ich nicht abzuschwören. Danach fragt man dort zu Lande wenig. Es heirathen ja auch viele Franken Heidinnen, ohne diese zu taufen. Da waren sie nun sehr erstaunt, der Dicke und die Sclavinnen und die Anderen, als ich rundweg nein sagte. Die Prinzessin bestand darauf, das von mir selbst zu hören. Gar schämig erröthete sie, als ich an ihr Lager geführt ward, und sie zog den Schleier wieder vor, den sie lange nicht mehr getragen in meiner Gegenwart. Ich aber sprach: »O Esma! Ihr seid gar gütig und mild gegen mich armen Gefangenen gewesen: und Ihr seid auch sehr schön und hold – denn das war die reine Wahrheit, Kleine, und nicht geschmeichelt! – aber ich kann Euch nicht heirathen: denn ich liebe schon eine Andere und bin ihr anverlobt für Leben und Tod.«

Da hob sie den Schleier ein ganz klein wenig und sprach mit trauriger Stimme: »Edler Franke, mein Löwe, das sagst du nur aus Schonung für mich: die Verschmähung minder hart zu machen.«

Ich aber rief: »Nein, o nein, Esma! Und hier das Wahrzeichen, daß ich nicht lüge! Hier, seht: – diese blonde Flechte,« – und ich holte sie mit dem viel geküßten und von vielen Thränen beträuften blauen Bande hervor aus meinem Brustlatz, – »das ist das Haar meiner lieben Braut.«

Da nahm sie mir das Haar aus der Hand, hielt es in den Sonnenschein, daß es golden leuchtete, blickte es lange schweigend an, und seufzte: »Selig das Haar und selig das Haupt, zu dem es gehört. Es ist wunderschön: es gleicht dem deinen. Sprich: ist auch ihr Antlitz schön wie deines?« »O nein,« rief ich. »Viel tausendmal, viel tausendmal schöner, denn ich bin ja gar nicht hübsch. Sie aber ist –«

Da gab sie mir die Flechte, winkte mir mit der Hand, zu gehen, und sank auf die Polster zurück, das Antlitz ganz in den Schleier hüllend. Ich glaube, sie weinte. Aber Trinele, was hast du? Du weinst ja?«

Zwei große Thränen glitten langsam über die Wangen des Mädchens, das sich nun wieder vorgebeugt und mit athemloser Spannung, gelauscht hatte.

»Arme Prinzessin! Arme, gute Heidin!« sagte sie schluchzend, während ihr Hezilo die Zähren weg küßte. »Aber du sahst sie wieder?«

»Nur einmal noch: – als sie mir zur Rettung verhalf.

Der Kampf war wieder heiß entbrannt. Ich merkte das schon daran, daß starke Scharen zu Fuß und zu Pferd nun fast täglich in der Burg eintrafen, auch Kamele und allerlei Kriegsgeräth: nach kurzer Rast, ausgerüstet, gewaffnet, auch mit den Pfeilen, die ich geschäftet hatte, zogen sie weiter. Und die alte Besatzung der Burg, die Krieger, die mich nie unfreundlich behandelt, warfen mir jetzt wilde Blicke zu. Auch ein Wurfmesser fuhr einmal dicht an meinem Kopfe, vorbei in die Thür meines Verschlages –«

»O Jesus!« schrie das Mädchen auf.

»Und bald, nachdem ich die Herrin verlassen, theilte mir der Wälsche mit, was ihr schon wißt, daß wegen eines frevlen Treuebruchs der Templer vom Heidenkaiser Befehl ergangen sei, alle gefangenen Christen hinzurichten. Der Burgherr wollte nun das seinem Töchterlein gern ersparen: aber er sagte, er müsse seinen Treue-Eid halten: seinen Eidam freilich brauche er nicht zu tödten. Da sah ich wohl, daß mein letztes Stündlein bald herankam.«

»Aber, Bub, hast du denn wirklich sterben wollen? Mir das anthun? Um meinetwillen sterben! O Hezilo – wie böse von dir! – – Hast mich denn gar so lieb?« rief sie, laut weinend, aber dazwischen doch selig lachend, sprang auf, warf beide Arme um seinen Hals und küßte ihn auf die Augen.

»Ha,« lachte der und machte sich leise los. »Daß du jetzt so fragen kannst! Und wär's dir denn lieber gewesen, – wenn ich die Heidin? –«

»Ja,« fiel der Alte nachdrucksam ein. »Ja! So hat sie gewählt, bevor sie wußte, daß du gleichwohl gerettet warst.«

»Ja, das ist wahr! Jetzt wär' es freilich keine Kunst, so reden,« meinte der Böppele, fein lächelnd. »Aber ich hab' es selbst heimlich mit angehört: – bevor sie wußte, wie es dir ergangen, hat sie gesagt: »Lieber tausend Heidinnen soll er heirathen und mich vergessen, als daß er stirbt, der gute Bub.« 's ist wacker von der Dirn. Obzwar Frau Zahme eine wundergute Wandlung des Gemüthes in sich erfahren hat – Dank dem heiligen Sebastian! – das thäte sie doch auch jetzt vielleicht dem Trinelein nicht nach.«

»Das thäte jede, die liebt,« meinte die Kleine. Und setzte sich, mit glühenden Wangen, wieder von dem Geliebten weit hinweg.

Jetzt kam an den die Reihe, die Wimpern zu wischen. Aber er that's mit rascher Bewegung und fuhr gleich wieder fort, zu erzählen.

 << Kapitel 18  Kapitel 20 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.