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Felix Dahn

Felix Dahn: Felix Dahn - Kapitel 15
Quellenangabe
authorDie Kreuzfahrer.Erster Band
titleFelix Dahn
publisherDruck und Verlag von Breitkopf und Härtel
printrunFünfte Auflage
year1888
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161018
projectid0efacea9
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Vierzehntes Capitel.

Der Wittwer behielt nicht Zeit, seinen Gedanken lange nachzuhängen: sein Wunsch nach einem frischen Gefecht sollte sich rascher erfüllen, als er hatte hoffen können.

Kaum war er im Lager angelangt, da jagte von den Vorposten her ein Bote mit der Meldung, zahlreiche arabische Reiter umkreisten und bedrängten hart das kleine Häuflein der Vorhut.

Es waren berittene Bogenschützen, deren Pfeile, gefiedert mit den Federn des Kranichs, aus großer Ferne trafen und oft durch Schild und Brünne drangen. Die Abendländer scheuten gerade diese unfaßbaren Feinde: die Mitte hielten diese stets zurück, nur beide Flügel schwärmten vor, ihre Geschosse entsendend: sprengten nun die vollgerüsteten Franken auf ihren schweren Hengsten gegen die Plagegeister an, so waren diese weißen Flattermäntel im Nu zerstoben, gleich vom Sturmwind entführten Federn.

Friedmuth hatte den Ritt nach dem Schlosse, das ja hinter den deutschen Linien lag, in ganz leichter Rüstung unternommen. Nun gebot er Hezilo, ihm behilflich zu sein, sich rasch zu waffnen.

Er fuhr zuerst in den ärmellosen Unter-Waffenrock. ihn über Haupt, Brust und Arme streifend, denn im Morgenlande trugen die Ritter, der Hitze wegen, nicht Unterkleid, Rüstung und hierüber Waffenrock, sondern diesen am Leib und auf diesem den Panzer. Darüber zog er dann den Panzer, mit Schuppen für die Arme und mit Schuppenhandschuhen, auf der Brust geschützt durch Kettenringe, die bis zum Gürtel reichten. Daran schlossen sich Ringschuppen in Maschen von den Hüften bis an die Knöchel. Hieran wurden geschnürt die starken Lederschuhe mit den langen Stachelsporen; das mächtige Hiebschwert ward mit der Schwertfessel locker um die Lenden gegürtet. Über das Harsenier, die Schuppenhaube, welche Kopf und Hals, Schultern und Nacken schleierartig umzog, stülpte er den schweren Glockenhelm: die Gupfe oder Hirnhaube, welche man zunächst über dem Haupt trug, hatte Friedmuth im heißen Morgenland abgelegt.

Nun führte Oswald das Streitroß vor: – zum Ritte nach dem Schlosse hatte das Reiseroß gedient – »Falka« war ganz verdeckt von der »Cuvertiure«, einem Pferdkleid, das, mit eisernen Ringen verstärkt, an dem ledernen, im Rücken hoch erhöhten Sattel festgeschnürt, hinten viel länger als vorn, die Brust ganz frei lassend, das Thier zu beiden Seiten umwogte.

Friedmuth schwang sich in voller Rüstung in den Sattel und ließ sich nun den langen Schmalschild reichen, der, wie sein Helmdach, die drei goldnen Sterne im blauen Felde zeigte: er warf ihn vorläufig an der Schildfessel auf den Rücken. Dann ergriff er die mächtige Lanze, diese zehn Fuß lange Stoßwaffe mit der blattförmigen, zweischneidigen, halb Fuß langen Spitze.

»Vorwärts!« befahl er. – –

Die Sonne war nun gesunken: es ward sehr rasch dunkel.

Während Friedmuth, gefolgt von Hezilo, an der Spitze seiner Inn- und Etschthaler aus dem Lager sprengte, tummelten, die Lanzen schief über den Rücken geschnürt, zwei Führer der Wüstenreiter die windschnellen Rosse wie im Spiele hinter der Reihe der Ihrigen hin und her.

»Du hast,« fragte der Ältere, »doch selbst nachgesehen? Es ist doch tief genug gegraben?«

»Du weißt, Oheim Emid, wir fangen in unserer Heimat in solchen Gruben den Löwen. Nicht der König der Wüste vermöchte von der Sohle des Trichters im Sprung den Rand zu erreichen.«

»Und das Gestrüpp?«

»Nicht meinen leichtfüßigen Berber würde es tragen, geschweige das plumpe, gepanzerte Roß des gepanzerten Franken.«

»Gut! Bei Allah – wir müssen ihn haben: – er allein hat uns den ganzen Plan des Überfalls verdorben. Er ist wohl einer der Allervornehmsten der Franken. Für ihn wird der Kaiser willig meinen Bruder, deinen Vater, frei geben. Habt Acht! Da ist er schon.«

Friedmuth hatte nun seine weichenden Vorposten erreicht.

So wie diese den geliebten Führer gewahrten und die Verstärkung, welche er ihnen zuführte, hielten sie Stand und sprengten unter dem Kriegsruf: »Christus der Herr!« muthig wieder gegen die Feinde vor.

Sofort prallten diese, ihre leichten Rosse herumreißend, zurück, im Fliehen nochmals ihre Bogen abschießend.

Neben Friedmuth stürzte, einen Pfeil in der Stirn, einer seiner Etschthaler Vögtlinge, der Zeidler von Hafling. –

»Wartet! Steht doch, ihr feigen Heiden!« rief der Ritter in der Lingua franca. Es trieb ihn das Herz, den Schmerz um Frau Wulfheid und allerlei Gedanken in grimmen Stößen loszuwerden.

Heftig spornte er das Roß: schon jagte er durch die Reihe der Vorposten hindurch, weit den Seinigen voran.

»Halt, lieber Herr, halt! Nicht allein so weit vor,« warnte eine Stimme. Es war Hezilo, der Einzige, dessen Roß zu folgen vermochte.

Aber Friedmuth war zornig: er hörte nicht den Ruf des Treuen: er sah zwei feindliche Führer – die reich in Gold strahlenden Waffen, die hohen weißen Straußenfedern über dem beturbanten Schuppen-Helm machten sie kenntlich, – welche, ungleich ihren fliehenden Scharen, ihn ruhig erwarteten. Sie hoben die Wurfspeere und ritten im tänzelnden Trabe langsam gegen ihn vor. Friedmuth deckte sich mit dem schmalen Schild, ihn zum Halse hinauf zuckend, legte den Speer ein, nicht in der Höhe der Hüften ihn fällend, sondern zu besonders gefährlichem Stoße, bis dicht unter die Achselhöhe ihn hebend, um den Feind recht hoch oben zu treffen und so desto leichter aus dem Sattel zu stürzen; er hob sich in den Bügeln und sprengte mit der vollen Wucht des starken Rosses gegen jene an, froh des Zusammenstoßes.

Aber pfeilschnell wandten beide die Pferde herum und flohen: nach rechts ausbiegend, nicht ihrem links enteilenden Häuflein folgend.

Grimmig setzte der Ritter nach. Er sah gerade vor sich, zwischen den Ohren des Pferdes durch blickend: auf der Erde lag ein Haufen dürrer Palmzweige oder anderen Gestrüppes, die Dunkelheit ließ den Erdboden kaum mehr erkennen: die beiden Flüchtlinge bogen links und rechts um die kreisähnliche Anschwellung, jenseits derselben wieder zusammentreffend.

Friedmuth trieb den keuchenden Hengst gradaus: da, sowie dessen Vorderhuf auf die Palmzweige schlug, stürzte das Thier kopfüber nach vorn in eine tiefe Grube: – krachend flogen Splitter und wirbelnd dürre Halme empor. –

Hezilo sah seinen Herrn plötzlich verschwinden.

Mit bangem Angstschrei jagte er gegen die Grube heran.

Plötzlich war er von sechs Reitern umringt: die beiden Führer hatten mit laut gellendem Ruf die verstellte Flucht der Ihrigen gehemmt: eine Schnur flog um seinen Hals, eine Bleikugel schlug an seine Schläfe, unterhalb der Schuppenhaube: er fühlte noch, wie er vom Pferd gerissen und quer über einen Sattel geworfen ward. Dann schwanden ihm die Sinne.

Sofort stoben die Saracenen wieder davon, in die Wüste hinein.

Als die Deutschen die Stelle erreichten, wo sie Friedmuth und Hezilo hatten verschwinden sehen, trafen sie nur Hezilo's Pferd, dessen Sattelgurt zerschnitten war; die Sturmhaube und der Sattel lagen neben dem Thier auf dem Sand: es schnupperte mit weit geöffneten Nüstern nach Südosten.

Sie eilten weiter vor, nach rechts: der alte Oswald zuerst entdeckte eine tiefe trichterförmige Grube, über welche Palmzweige und Gesträuch gebreitet lagen. Ohne Besinnen stieg er ab und sprang hinein: da lag der treue Hengst mit gebrochenem Genick, den ganzen Boden der nach unten schmaler werdenden Grube füllend: darüber der zerbrochene Speer des Ritters und sein aus dem Mundloch der Scheide geglittenes, langes Schwert: die Spitze fehlte: – der Rest der Klinge war ganz blutig.

Von dem Rande der Grube nach Südosten zog sich eine sehr starke Blutspur zwischen den Huftritten zweier arabischer Rosse hin: Oswald und die Reiter folgten der Spur, bis die volle Dunkelheit der Nacht sie nicht mehr erkennen ließ. Dann kehrten sie in das des Führers verwaiste Lager zurück, tief traurig bis in's Herz hinein. Denn Friedmuth hatten Alle lieb gehabt.

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