Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felix Dahn >

Felix Dahn

Felix Dahn: Felix Dahn - Kapitel 11
Quellenangabe
authorDie Kreuzfahrer.Erster Band
titleFelix Dahn
publisherDruck und Verlag von Breitkopf und Härtel
printrunFünfte Auflage
year1888
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161018
projectid0efacea9
Schließen

Navigation:

Zehntes Capitel.

»Bald hatte ich des schalkhaften Schwaben vergessen: oder vielmehr in all diesen vielen Monden dacht' ich seiner nicht. Aber vor wenigen Stunden – da ich, in Gedanken versunken, an der neuen Weise dichtete, wohlfeile Reime abwehrte, die, wie zudringliche Mücken, stets zuerst sich aufdrängen – kurz bevor ich deine Zelte erreichte – es war schon ziemlich dunkel, – da kam an mir vorüber getrabt, auf einem Maulthier, mir entgegen, von deinen Zelten her, ein kleines, dickes Männlein. Gerade noch ein wenig sah ich von seinem Gesicht. Aber ich meine: ich kannte die rothe Nase. Rasch war er entschwunden. War er bei deinen Zelten?«

»Nein,« sagte Friedmuth. »Bei mir war Niemand. Nur ein Mönch! Ei, vielleicht ist der Schalk doch noch fromm geworden! – Aber horch! Die Lagerwächter blasen zur Ablösung. Macht es euch so bequem, als es das enge Zelt verstattet.«

»Und du?« fragte Walther.

»Ich muß hinaus, auf Wache.« Damit setzte er den Helm mit den drei Goldsternen im blauen Stirnfeld auf das hohe Haupt, ergriff den Speer und schritt hinaus.

Walther blickte ihm nach mit leuchtenden Augen. »Das ist ein Mann! Gott gebe dem Reiche Viele solche! Treu und schlicht: und in der Pflicht so tief gewurzelt wie ein Baum im harten Porphyr seiner Heimatberge.«

»Ja,« bekräftigte der Herr von Salza. »Und es ist Alles kernheil an ihm. Kein Splitter, kein Bruch, kein wurmkranker Fleck. Und kein Widerspruch wider Gott und Gottes Welt.«

»He Bub',« rief der Sänger, »noch einen Krug Weines. Vor dem Einschlafen möcht' ich noch die Weise zu Ende sinnen. Dazu taugt Wein. Trinkt Ihr nicht mit?«

»Nein: zu dem was ich noch sinne, taugt der Wein nicht. Ich will den Brief zu Ende denken, in welchem ich dem Kaiser allerlei Rathschlag geben will. Vor Allem: wenn er fortfährt, in eigenem Namen zu befehlen, läuft ihm bald Alles aus dem Lager: bis auf seine Saracenen und die Deutschen. Er muß fortan gebieten – in eines Andern Namen.«

»Das muß aber ein hoher Name sein! Sonst weicht ihm der Staufer nicht.«

»Gewiß. Aber dem Namen, den ich meine, wird er doch wohl weichen, hoff' ich. Und sobald nur ein leidlicher Friede erreicht und das heilige Grab den Christen gesichert ist, dann muß ich ihn so rasch als möglich von hier fortschaffen: – vielleicht hilft mir dazu der heilige Vater mit seinen Schlüsselsoldaten selbst am kräftigsten! – aus dem gelobten in das so viel gescholtene deutsche Land. Aber hab' ich ihn nur einmal abgelenkt von seinem Drei-Kronen-Traum, hoff' ich bestimmt, ihn dahin zu bringen, daß er meine Gedanken über die neue Preußen-Mark genau erwägt. Und erwägt er sie, – so muß er sie billigen.«

»Da bringt der Bub den Wein. Thut – einmal nur! – Bescheid: Heilo für Euren Brief und heilo meiner Weise! Mögen sie uns beiden nach Wunsch gerathen.«

»Habt Ihr nicht ein par Zeilen weiter fertig.«

»Ja!«

»O, dann sagt sie mir vor – mir allein!«

»Ja, ja,« nickte Walther. »Friedmuth versteht davon doch nichts. Aber Ihr wäret ja kein Thüring, wäret Ihr nicht liederfroh: – und nicht umsonst heißt Ihr der ›minnesame‹ Hermann.« –

»Das ist lang her! Als ich noch in braunen Locken ging! Nun – fangt an, ich höre.« Und der Sänger hob an:

»Als ich kam gegangen.
Hat mich auf der Au

Schon mein Freund empfangen.
Hehre Himmelsfrau,

Da er mich an's Herz geschlossen.
Ist mir ewiges Glück ersprossen!

Ob er mir geküßt den Mund?
Tandaradei!

Seht, er ist noch roth zur Stund'!

»Eia, Herr Walther,« sprach der von Salza. »Das ist der Ton von eitel Gold, der Keinem fast wie Euch geräth. Wird nur mein Brief so gut wie Eure Weise!«

Und noch einmal klangen die kleinen Becher, die Freunde tranken aus und dann legte sich jeder in eine andere Ecke des schmalen Zelts.

Eine Stunde und noch eine zweite hatten sie gewacht – nach dem Maß des Sternengangs, den die Lagerwachen abriefen.

Dann entschlummerten beide.

*

Aber draußen, unter den äußersten Vorposten der Christen, schritt Friedmuth wachsam neben seinem Roß auf und nieder.

Kaum scheuchte das Wachtfeuer die Raubthiere der Wüste, welche die Witterung der Pferde heranlockte auf ihrem nächtlichen Pürschgang.

Er stemmte den Speerschaft auf den Boden der Wüste, lehnte sich an den Bug des klugen Thieres. diesem die Zügel überwerfend, und blickte getrosten Muthes in die einsame Nacht hinaus.

Ganz nahe hörte der Einsame einmal ein furchtbares Brüllen. Der Wüstenboden erdröhnte davon. Sein Roß fuhr zusammen, witterte scharf, sich gegen den Schall hin wendend, die Nüstern weit aufblasend, und zitterte an allen Gliedern.

Aber Friedmuth beruhigte es: er klopfte ihm den Hals, legte den starken Arm darüber und sprach: »Schäme dich, Falka! Der Schreier darf dir nichts thun, so lang ich dich hüte. Und mich hütet der liebe Himmelsherr: – siehst du nicht, wie hell und freundlich seine Sterne niedergrüßen? Sind's auch andere Sterne als die sich in Etsch und Passer spiegeln: – auch sie hat der treue Gott angezündet. Und wie sang die liebe Mutter nach dem Gebetläuten jeden Abend, wann die ersten Sterne entglommen und sie mich lehrte, die gefalteten Hände empor zu heben?

»Wer Unrecht nimmer thut,
Der steht in Gottes Hut:
Den darf an Leib und Ehren
Nicht Leid noch Übel sehren.«

 << Kapitel 10  Kapitel 12 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.